Initiative zur Förderung der Naturellwissenschaft e.V.

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Tipp der Woche – Archiv und Abo

Zum Nachlesen finden Sie unten die bislang versendeten Tipps der Woche.

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Tipp Nr. 349: Leonardo da Vinci
Neulich hörte ich im Radio auf SWR2 eine interessante und gut gemachte Sendung über Leonardo da Vinci, dessen Bild "Salvator Mundi" gerade als bislang teuerstes Gemälde der Welt versteigert wurde und den ich schon länger in der Prominenten-Liste zu denjenigen mit (vermutetem) Beziehungstyp-Naturell eingeordnet hatte. (Liste siehe hier: http://www.123modell.de/prominente.htm).

Einige Zitate aus dieser Sendung, die mich in meiner früheren Zuordnung bestärkt haben und die nochmal ein Licht auf die Persönlichkeit und das Naturell dieses außergewöhnlichen Menschen werfen (Link zur Sendung zum Nachhören und Nachlesen unten).

- Leonardo hat zwischen seiner Kunst und seiner Wissenschaft überhaupt nicht getrennt. Auch das macht die ungeheure Faszination seiner Kunstwerke aus.

- Leonardo da Vinci ist heute vor allem als Maler bekannt. Die „Mona Lisa“, das „Abendmahl“ oder „Johannes der Täufer“ sind Ikonen der Kunstgeschichte. Doch er war auch Ingenieur, Architekt, Anatom, politischer Berater und vor allem Naturphilosoph.

- Er hat sich sehr stark der Wissenschaft verschrieben. Das heißt, nicht immer unbedingt das gemacht, was er machen sollte, was sein Auftrag gewesen wäre, wenn es darum ging, irgendwelche Bilder fertig zu stellen, die eben jetzt nicht diesen naturwissenschaftlichen Charakter hatten. Oder wenn er sonstige Tätigkeiten, für die er eigentlich auch angestellt war, durchführen sollte. Er hat deswegen auch immer wieder Auftragsarbeiten abgebrochen, er musste ermahnt werden, seiner Arbeit nachzugehen.

- Zitat von Leonardo selbst: "Ich weiß wohl, dass so mancher eitle Tropf glauben wird, er könne mich tadeln, denn ich sei ein ungebildeter Mann. Dumme Menschen! (…) Sie werden behaupten, ich könne mangels Gelehrsamkeit das, was ich behandeln will, nicht richtig sagen. Nun, wissen sie denn nicht, dass meine Lehren nicht so sehr aus den Worten anderer gezogen werden, als aus der Erfahrung, die doch die Lehrmeisterin derer war, die gut geschrieben haben?"

- Leonardo war ein Meister darin, Erkenntnisse, die er auf einem Gebiet gewonnen hat, in ein ganz anderes Gebiet zu übersetzen.

- Er soll ungewöhnliche Kleidung getragen haben, heute würde man sagen, wie ein Dandy. Er war wohl auch Vegetarier und es heißt, er sei manchmal auf den Markt gegangen, habe Vögel in Käfigen gekauft und sie sofort freigelassen.

- Zitat von Leonardo: "Wenn Du die wunderbaren Werke der Natur gesehen hast, und Du es eine abscheuliche Tat findest, sie zu zerstören, dann überlege Dir, wie unendlich abscheulich es ist, einem Menschen sein Leben zu nehmen."

Link zur Sendung, aus der die Zitate entnommen wurden: https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/zeichnend-die-welt-verstehen-leonardo-da-vincis-naturphilosphie/-/id=660374/did=20765622/nid=660374/78nkw4/index.html

Einleitungstext und Redaktion: Werner Winkler


Tipp Nr. 348: Oscar Wilde über die wahre Persönlichkeit
Tipp der Woche: Mal wieder die jungen Klassiker lesen. Heute von Oscar Wilde, vermutlich mit Beziehungstyp-Naturell ausgestattet (es wäre interessant, eine ähnliche Beschreibung der "idealen Persönlichkeit" von Menschen mit anderem Naturell zu finden – Hinweise sind willkommen).

Gefunden im Kapitel "Genie und Laster" in "Aphorismen":


"Die wahre Persönlichkeit des Menschen wird wunderbar sein, wenn sie in Erscheinung tritt.

Sie wird natürlich und einfach wachsen, wie eine Blume oder wie ein Baum wächst. Sie wird nicht zwiespältig sein.

Sie wird nicht überreden wollen und nicht streiten. Sie wird nichts beweisen wollen. Sie wird alles wissen. Und doch wird sie sich nicht um Wissen bemühen. Sie wird Weisheit besitzen.

Ihr Wert wird nicht an materiellen Maßstäben gemessen werden. Sie wird nichts ihr eigen nennen. Und doch wird sie über alles verfügen, und was immer man ihr wegnimmt, wird sie nicht ärmer machen, so groß wird ihr Reichtum sein.

Sie wird sich anderen nicht aufdrängen oder verlangen, wie sie selbst zu sein. Sie wird sie lieben, weil sie so verschieden sind. Und gerade weil sie sich nicht um die andern kümmert, wird sie allen helfen, wie etwas Schönes uns hilft, durch das, was es ist.

Die Persönlichket des Menschen wird wundervoll sein. So wundervoll wie das Wesen eines Kindes."


Redaktion: Werner Winkler
Der Text von Oscar Wilde ist frei im Internet verfügbar, z.B. im Projekt Gutenberg: http://gutenberg.spiegel.de/buch/aphorismen-1835/1



Tipp Nr. 347: Für Christian Lindner
Tipp der Woche – diesmal für: Christian Lindner

Sehr geehrter Herr Lindner,
dass zur Zeit viele Menschen auf Ihnen bzw. Ihrem Verhalten "herumhacken", möchte ich Ihnen aus Sicht eines Naturellwissenschaftlers gerne folgende Tipps geben:

1. Wenn Sie in einem Verhandlungsraum mit fünf anderen Menschen sind, die nicht das gleiche Naturell wie Sie teilen (Merkel, Seehofer, Özdemir, Göring-Eckardt, Kubicki), hoffen Sie nicht auf Verständnis für Ihr "rotes" Naturell.

Klar, Sie wollen Ergebnisse, Ziele, klare Absprachen, gerne auch das eine oder andere Gemauschel hinter vorgehaltener Hand. Aber die "Blauen" sind dafür einfach zu ernsthaft und ehrlich und die "Gelben" entweder zu sehr Plappermäuler oder sie zeigen nicht das gleiche Pokerface wie Sie vor Presse, Parteimitgliedern oder dem gemeinen Volk.

2. Da Sie nach unserer Naturellanalyse auch darüber aufgeklärt sind, dass Sie zur Gruppe der "Ich-verbundenen" gehören (was sich ja auch eindrucksvoll auf Ihrer Homepage https://www.christian-lindner.de/ widerspiegelt, wo Sie so sehnsuchtsvoll in eine große Runde blicken, die offenbar nichts von Ihnen wissen möchte), dürfte es Ihnen auch verständlicher sein, warum es Ihnen so schwer fällt oder gar unmöglich erscheint, in ein "Wir" einzutreten, in dem weder Harmonie herrscht noch eine klare Führungspersönlichkeit die Hierarchie vorgibt.

Tipp speziell hier: Bleiben Sie lieber Führungskraft in einem kleineren Zirkel, wo Sie ohne allzu viel Aufwand der "Silberrücken" bleiben können, also z.B. in einem Landesverband oder einer kleinen Firma, wie Sie es schon als Schüler versucht haben.

3. Vermeiden Sie Verneinungen in Ihrer Kommunikation, vor allem doppelte. Sätze wie "Es ist besser, nicht zu regieren als schlecht zu regieren" kommen bei mindestens zwei Dritteln der Wahlberechtigten nicht so an, wie Sie das gerne hätten.

Tipp hier: Hängen Sie nächstesmal einen Satz an, der beschreibt, was Sie gerne stattdessen hätten, was Ihre Idee ist für eine Lösung.

4. Appropos Lösungen: Nur wenige Menschen dürften wie Sie Freude daran empfinden, die Anzahl der ungelösten Probleme einer Verhandlungsrunde genüsslich vorzukauen. Oder sich dahingehend zu outen, dass man gar nicht an Problemlösungen interessiert war, sondern nur an ihrer Auflistung. Nicht für jeden sind "Probleme nur dornige Lösungen" – um einen Ihrer vielzitierten Sätze aufzugreifen.

Tipp: Befassen Sie sich einmal ausführlich (vielleicht in einem unserer nächsten Gespräche) mit den Ansätzen der lösungsorientierten Methodik von Steve de Shazer und Paul Watzlawick. Vor allem mit dem Themenkreis "Kooperation, Kommunikation und Kompromissfindung".

Wenn Sie das dann mit Ihren neu gewonnenen Erkenntnissen über den Umgang mit "blauen" und "gelben" Naturellen bzw. Ihren eigenen, typabhängigen Stärken und Schwächen kombinieren, könnten Sie überrascht sein, wie viel Spaß es macht, Politik nicht nur zu machen, sondern auch zu beoachten.

Angeblich möchten Sie ja noch 30 Jahre in der Politik aktiv sein, aber auch für zukunftsorientierte Menschen wie Sie anscheinend einer sind, fängt die Zukunft stets heute an. Also geben Sie sich einen Ruck, entschuldigen Sie sich bei Ihren Fast-Jamaika-Partnern für Ihren Egotrip und trauen Sie sich etwas Neues!

Viele Grüße,
Werner Winkler

P.S. Falls Sie an Ihrer öffentlichen Wahrnehmung arbeiten möchten, wäre es sicher auch ratsam, etwas mehr Privates von sich preiszugeben. Also was Sie wirklich gerne machen, mit wem Sie Ihre Freizeit verbringen oder welche Bücher Sie so lesen, wenn Sie alles abgearbeitet haben, was Ihre vielen Aufgaben von Ihnen verlangen.
Tipp Nr. 346: Naturgesetz oder was?
"Bitte beachten Sie die Naturgesetze!" - ein Schild mit diesem Text teilte neulich ein Klimaforscher auf Facebook und erntete dafür viele "Likes".

In mir blieb die Frage hängen: Handelt es sich bei dem, was wir als Naturellwissenschaftler beobachten, auch um "Naturgesetze"? Oder sind das nur Ideen, Modelle, Erklärungsmuster, gar Vorurteile?

Um diese Frage zu beantworten, möchte ich auf Karl Popper und seine "Drei-Welten-Lehre" zurückgreifen. Sie könnte man auch als ein Modell der drei Aspekte der Natur oder der Wirklichkeit bezeichnen. (z.B. hier nachzulesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Drei-Welten-Lehre)

Er unterscheidet zwischen real vorhandenen Wirklichkeiten (Steine, Bäume etc.), subjektiv erlebter Wirklichkeit (mir ist kalt) und kulturellen Übereinkünften, die den Status von Wirklichkeit annehmen (heute ist Sonntag, 19. November 2017).

Alles ist "Natur" und "Wirklichkeit" - nur eben mit unterschiedlicher Reichweite oder mit unterschiedlichem Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Wenn es mir kalt ist, muss das nicht bedeuten, dass es allen kalt ist.

Aber wenn z.B. die Temperatur in der Erdatmosphäre stetig steigt, dann kann der subjektive Eindruck von Donald Trump trotzdem sein, dass es sich dabei um einen Witz der Chinesen handelt – am tatsächlich messbaren Unterschied (Thermometer) ändert sich nichts. Und er kann durchaus viele Menschen überzeugen, seiner Weltsicht zu folgen, die Temperaturen steigen dadurch nicht langsamer.

Zurück zum Naturell, den Triaden, den Naturellunterschieden usw. - wie "wirklich" sind sie? Haben sie den Rang eines Naturgesetzes?

Wenn wir (z.B. in einem Vortrag, Buch, Gespräch) so etwas behaupten, müssten wir handfeste Beweise liefern können. Eine Blutgruppe ist naturgesetzlich vorhanden, weil objektiv messbar. Dass ich mich aber als Mensch mit Beziehungstyp-Naturell erlebe, (noch) nicht. Vielleicht gibt es sensible Maschinen, die so etwas im Gehirn nachweisen könnten oder einen epigenetischen Test, der noch nicht erfunden ist. Derzeit aber noch nicht.

Also handelt es sich zwar um durchaus belastbare empirische (aus der Erfahrung gewonnene) Erkenntnisse, aber eben nicht um Naturgesetze.

Und deshalb kann ich auch z.B. einem Klienten, der mich fragt, wie sich denn seine Sachtyp-Frau verhalten wird, wenn er sich von ihr trennen möchte, nur Erfahrungswerte und gut begründete Vermutungen mit auf den Weg geben, aber keine 100% belastbare Vorhersage.

Auch deshalb, weil Menschen ja nicht nur aus ihrem Naturell bestehen, sondern aus vielen Anteilen. Und jeder davon hat Einfluss auf das Verhalten.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 345: Schimpansen, die Meister des Dramas
Heute möchte ich einen Artikel über Schimpansen empfehlen (leider nur in Englisch), der wunderbar illustriert, wie ähnlich das Verhaltensmuster dieser Primaten mit denen des Beziehungstyp-Naturells ist.

Anlass ist ein Gespräch, das ich neulich mit einem Paar hatte, bei dem der Naturellunterschied (er "rot", sie "blau") überdeutlich zum Vorschein kam und die für die Erkenntnis, was sich auf der Naturellebene zwischen ihnen abspielt, sehr dankbar waren.

Die Frau hatte sich schon längere Zeit mit Orang-Utans beschäftigt und war fasziniert von ihnen. Jetzt weiß sie auch, warum :)

Hier der Link zum Artikel: https://www.inverse.com/article/38267-chimp-relationships-jealousy

Text: Werner Winkler
Bild: Kathleen Engel
Tipp Nr. 344: Jamaika-Runde-Akteure
Die noch laufenden Sondierungsgespräche der Jamaika-Runde und die womöglich folgenden Koalitionsverhandlungen geben – soweit wir dies in den Medien verfolgen können – auch spannende Einblicke in die naturellbedingten Muster der Akteure, besonders in Interviews.

Hier eine kleine Liste mit den vermuteten Naturelltyp-Zugehörigkeiten der Hauptakteure, sofern von mir analysiert:

Beziehungstypen:
- Wolfgang Kubicki, FDP
- Horst Seehofer, CSU
- Cem Özdemir, Grüne

Sachtypen:
- Angela Merkel, CDU
- Katrin Göring-Eckardt, Grüne
- Peter Altmaier, CDU
- Jürgen Trittin, Grüne
- Anton Hofreiter, Grüne
- Winfried Kretschmann, Grüne

Handlungstypen:
- Christian Lindner, FDP
- Julia Klöckner, CDU
- Ursula von der Leyen, CDU
- Lothar de Mazière, CDU
- Markus Söder, CSU

Interessant finde ich z.B., mit welch ähnlichen Sätzen oder Kommentaren die Mitglieder der gleichen Naturelltypgruppe die Verhandlungen kommentieren, vor allem Merkel, Kretschmann und Göring-Eckardt.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 343: Eine Stunde und ein Tag zusätzlich frei
Diese Woche bekommen wir eine Stunde (heute) und einen Tag (Dienstag) zusätzlich frei – wegen Zeitrückumstellung und 500-Jahrestag der Reformation.

Was soll man mit dieser "zusätzlichen Zeit" anfangen? Hier 2x3 Tipps für unsere drei Naturelltyp-Gruppen in einem Wort:

1 Stunde für Beziehungstypen: Nichtstun
1 Tag für Beziehungstypen: Sachbuch

1 Stunde für Sachtypen: Bewegung
1 Tag für Sachtypen: Ausmisten

1 Stunde für Handlungstypen: Telefonieren
1 Tag für Handlungstypen: Wellness-Hotel

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 342: Triaden-Kombination (3)
Heute möchte ich versuchen, jeweils drei Neigungen unserer Naturelltypen zu kombinieren, unter denen sie bzw. ihre Mitmenschen leiden (idealerweise wieder die anhängende Zeichnung dazu anschauen):

1. Gelbes Naturell: Naivität-Oberflächlichkeit-Hilflosigkeit
2. Blaues Naturell: Übervorsicht-Verlustangst-Kraftlosigkeit
3. Rotes Naturell: Übermut-Selbstüberschätzung-Lieblosigkeit

Dazu drei Beispiele:

1. Ein "Gelber" hat sich in seiner Jugend und im frühen Erwachsenenalter weder um seine Gesundheit noch um seine Ernährungsgewohnheiten gekümmert. Stattdessen hat er einfach das allgemein übliche Leben geführt und geglaubt, damit schon alles richtig zu machen.

Jetzt, kurz vor der Rente, eröffnet ihm die Ärztin, dass er an einer schweren, selbst verschuldeten Diabetes leidet, was ihn in tiefe Hilflosigkeit stürzt. Er ging davon aus "für immer jung" zu bleiben und dass Krankheiten andere treffen, aber nicht ihn.

2. Eine "Blaue" fürchtete sich extrem vor Arbeitslosigkeit, Armut und gesellschaftlichem Abstieg. Diese Existenzangst ließen sie in einer Anstellung bleiben, die ihr nur wenig Erfolserlebnisse, lange Arbeitszeiten und einen Kollegenkreis bescherten, von dem sie sich gemobbt und ignoriert fühlte.

Über die Jahre sind ihre Depressionen und die Schlaflosigkeit zu stark, dass sie sich schon morgens und selbst am Wochenende völlig kraftlos fühlt und sich zu keinerlei Aktivitäten mehr aufraffen kann.

3. Ein "Roter" gründete schon früh ein kleines Unternehmen, das er durch eine damals noch gesunde Portion Mut und Selbstbewusstsein zu immer neuen Erfolgen führte – jedoch mit den Jahren zusehends auf Kosten seiner sozialen Kontakte, seiner Hobbys und letztlich seiner Lebensfreude.

Um das Niveau zu halten und gemäß seiner eigenen Ansprüche weiter zu wachsen, merkt er mit Erschrecken, das er sich jedoch nur nach drei Gläser Wein eingesteht, dass er zu einem lieblosen "Monster" geworden ist, der sich hemmungslos jeden möglichen Vorteil sichert, selbst wenn er dafür Mitarbeiter, Konkurrenten, das Finanzamt und sogar die eigenen Freunde betrügen muss.

Fazit: Wenn sich jedes Naturell ein Stückchen vom jeweils nächsten abschneidet und so seine vernachlässigten Ressourcen aktiver nutzt, können solche drastischen Einseitigkeiten gemildert werden. Oft helfen dabei auch gute Freunde bzw. Partner anderen Naturells, denen auffällt, wenn es jemand übertreibt.

Text: Werner Winkler

P.S. bei 3. überlegte ich zuerst, etwas über den derzeitigen türkischen Präsidenten zu schreiben, beschloss dann aber, dass ich das nur mit oberflächlichem Wissen tun könnte und man mir Naivität oder den hilflosen Versuch vorwerfen könnte, von den Schwächen anderer für meine Wohnzimmer-Wissenschaft zu profitieren.
Tipp Nr. 341: Triaden-Kombination (2)
Wie in der letzten Woche ist es auch diesmal sinnvoll, das anhängende Bild zum Text geöffnet zu halten.

Die (oft unbewusste) Kombination von naturelltypischen Lebensmöglichkeiten können wir sowohl bei der Typerkennung, beim Verständnis als auch bei der typgerechten Unterstützung anderer nutzen.

Und wir können nachvollziehen, was ein Erleben für einen anderen Menschen bedeutet – also ob es zu seinem naturellbedingten Normalfall zählt oder in seinen Entwicklungs- bzw. Ressourcenbereich gehört.

Drei Beispiele zur vorgestellten Triaden-Kombination:

1. Meine schon länger verstorbene Großmutter (Handlungstyp, genannt auch "die wilde Hilde") entdeckte irgendwann, wie schön es ist, vom Glück der Liebe zu träumen. Sie meinte natürlich damit die romantische Liebe, von der sie womöglich mit meinem etwas spröden Sachtyp-Großvater etwas zu wenig erlebte.

Ihr Geheimnis bestand nun darin, Romanhefte zu lesen, in denen es um die romantische Liebe ging (und die waren in der DDR damals schwer zu bekommen, aber offenbar einiges an Anstrengung wert für sie). Aus meiner Sicht als Beziehungstyp eine liebenswerte Marotte – aber aus ihrer Sicht wohl etwas besonders Wertvolles.

2. Der hier schon einmal vorgestellte Kaberettist Nico Semsrott, der sich selbst als "Demotivationstrainer" bezeichnet und offenkundig mit einem ausgeprägten Sachtyp-Naturell gesegnet ist, zelebriert in seinen Auftritten etwas, das man gut als "Zweifeln am Sinn des Daseins" bezeichnen kann.

Für ihn offenbar eine sehr leichte Übung, sehr minimalistisch und oft auch traurig. Das Publikum (zumindest große Teile davon) zeigt sich fasziniert und er selbst scheint überrascht davon, dass er nur sein Innenleben preisgeben muss und damit so viel Erfolg einheimst.

Ein Coach könnte ihm mit etwas Aufklärung hier sicher zu spannenden Erkenntnissen verhelfen. Nico: bitte melden!

3. Sehr häufig ist zu beobachten, dass Handlungstyp-Unternehmer mit relativer Leichtigkeit große Investitionen tätigen und sich dafür auch bereitwillig (zur Freude ihrer Banken) in Schulden stürzen.

Aus ihrer Sicht ist das keine größere Sache, weil sie automatisch (oder anders gesagt: naturellbedingt) vom Erfolg ihrer Anstrengungen überzeugt sind. Ähnlich ist es bei Handlungstyp-Diktatoren zu beobachten, die sich in Kriege stürzen in der festen Überzeugung, nur gewinnen zu können (z.B. Adolf Hitler, der letztlich durch die Handlungstypen Stalin und Roosevelt gestoppt wurde, die ähnlich überzeugt in den Gegenangriff starteten).

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 340: Triaden-Kombination (1)
Um diesen Tipp bestmöglich zu verstehen ist es nützlich, das anhängende Bild vor Augen zu haben.

Heute möchte ich zeigen, wie man durch die Kombination von Triaden seine Naturelltyperkennung bzw. naturelltyp-gerechte Kommunikation (z.B. im "Pacing") optimieren kann.

Häufig ist es nämlich so, dass Menschen ihr Naturell nicht nur durch die Bevorzugung einer Seite in einer Triade (z.B. Emotionen vor Daten beim BT-Naturell) Ausdruck verleihen, sondern mehrere davon kombiniert auftauchen.

Ein Beispiel (wie in der Zeichnung dargestellt):

Typisch für das BT-Naturell: positive Emotionen vortäuschen
Typisch für das ST-Naturell: kritische Daten verschweigen
Typisch für das HT-Naturell: über negative Fakten lügen

Und bitte nicht falsch verstehen: Nicht alle Menschen mit BT-Naturell täuschen ständige positive Emotionen vor usw. – aber wenn mehrere typische Bevorzugungen sich addieren und öfters vorkommen, dann ist das ein starker Hinweis auf das entsprechende Naturell als Ursache.

Andererseits sollte man (falls man die Schattenseiten eines Menschen nicht ausblenden möchte) bei den unterschiedlichen Naturellen auch mit naturelltypischem Verhalten rechnen, also etwa damit, dass ein Bankberater mit ST-Naturell durchaus dazu neigt, kritische Informationen zu verschweigen oder dass ein Politiker mit HT-Naturell negative Fakten erfindet (s. G. W. Bush im Irak-Krieg), wenn er meint, dadurch seine Ziele besser zu erreichen.

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 339: Kommunikation ist, was ankommt ...
Andrea Nahles, die neue Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag und nach meiner Einschätzung vom Naturell her Sachtyp-Macher, musste diese Woche die Erfahrung machen, dass Kommunikation nicht immer das ist, was man "losschickt", sondern oft auch, was "ankommt".

Und da es für einen so öffentlich vorgetragenen Satz wie "ab morgen bekommen sie auf die Fresse" viele Empfänger und damit viele Deutungen gibt, ist es logisch, dass darunter auch solche sind, die sie nicht vorhergesehen hatte.

In ihrer eigenen Wahrnehmung war es sarkastisch gemeint, was ihr anschließendes Lachen unterstreichen sollte: Bis heute war man gemeinsam in einer Regierung, aber morgen geht das politische Spiel wieder los.

Angekommen ist aber (bei manchen oder vielen), dass sie sich jetzt auf das ziemlich niedrige und üble Sprachniveau derjenigen herabgelassen hätte, die kurz zuvor aus der Politik eine "Jagd" (auf Andersdenkende, anderen Parteien zugehörigen, Ungeliebte etc.) machen möchten.

Tipp also für alle, die öffentlich kommunizieren (und sei es nur auf Facebook): Nicht nur bedenken, was man selbst mit einem Satz meint, sondern auch, was die Empfänger absehbar oder mehrheitlich verstehen könnten.

Im Fall von Andrea Nahles wäre etwa die Erklärung, dass man ja jetzt nicht mehr in einer Mannschaft spielt, sondern wieder gegeneinander, die Bedeutung besser transportiert.   

Wer es nochmal nachhören möchte, auch ihre Entschuldigung: https://www.youtube.com/watch?v=SEbRO7H3rSk

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 338: Elefantenrunde
Heute abend, nachdem die Auszählung der Stimmen so weit fortgeschritten ist, dass weitgehend klar ist, wie die Sitzverteilung im neuen Bundestag sein wird, können wir die so genannte "Elefantenrunde" sehen.

Diese ist insofern aufschlussreich, da vor der Wahl alle Akteurinnen und Akteure auf dem politischen Parkett um die Gunst des Wahlvolks werben, während sie "danach" ausloten müssen, mit wem sie möglicherweise eine neue Regierung bilden können.

Dementsprechend ehrlicher, zumal bei klarem Wahlausgang, zeigen sie sich – auch von ihrem Naturell her.

Ein historisches Beispiel dafür lieferten 1985 Willy Brandt und Helmut Kohl. Während Brandt mit seinem BT-Naturell der emotionale Kragen platzt erlaubt es Kohl sein ST-Naturell, einfach sachlich und weitgehend ruhig weiterzureden und sich nicht unterbrechen zu lassen.

Inhaltlich weiß ich nicht mehr, worum es ging, aber die kurze Szene an sich erscheint mir sehr naturelltypisch für beide: https://www.youtube.com/watch?v=l5QLziJftAE

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 337: Bilder, Metapher, Sprache
Neugeborene können noch nicht sprechen. Trotzdem erleben sie die Welt um sich sehr intensiv und merken sich auch, was sie an Informationen aufnehmen.

Wenn sie dann älter werden und lange genug mit der jeweils gesprochenen Sprache in ihrem Umfeld konfrontiert werden, verändert das Gehirn nach und nach den Speichervorgang: Laute ("Wau-Wau") oder Wörter ("Nein") werden verwendet, um Objekte oder Intentionen zu bezeichnen.

Das Abstrakte ersetzt mehr und mehr das direkt Erlebte. Trotzdem bleibt uns die Möglichkeit erhalten, das Leben direkt und "unversprachlicht" zu erleben und auch zu erinnern - nur ist es quasi umöglich, über diese Dinge zu sprechen, etwa, wenn ich jemand erzählen will, wie schön es im Urlaub an einem einsamen Strand in Irland war. Da kommt die Sprache rasch an ihre Grenzen.

Inwiefern ist das für die Naturellwissenschaft und ihre Anwendung von Bedeutung?

Zwei Beispiele:
Wenn ich bei einem Telefonat mit einem mir noch unbekannten Menschen spontan den Eindruck gewinne "Das ist ein Mensch mit Sachtyp-Naturell", aber nicht gleich sagen kann, woran genau ich das festmache – dann hat mein "Erlebens-Gehirn" erkannt, dass hier ein Muster auftaucht, das von früheren Begegnungen (mit anderen Menschen dieses Naturells) bekannt ist. Ich kann also entsprechend reagieren, sozusagen in Sekundenbruchteilen, ohne mir "Wort-Gedanken" zu machen. Das Gleiche geschieht ja auch, wenn ich eine/n neue/n Klienten/in treffe und er oder sie mich an jemand erinnert, den ich (mitsamt Naturell-Zugehörigkeit) schon lange kenne. Ich kann mich also umgehend auf diesen Menschen und sein Naturell einstellen.

Oder wenn ein Klient mir berichtet, dass ihm das Bild vom einsamen Strand in Irland, von dem ich ihm erzählt hatte, als Hilfsbild für "innere Ruhe" in Erinnerung blieb. Dann ist es nicht der konkrete Strand, den ich im Sinn hatte, sondern ein Erinnerungsbild (und keine erinnerten Worte), das in seiner Erinnerung auftauchte. Ich muss hier gar nicht erst versuchen, ein Bild in Worte zu übersetzen, um zu verstehen, was er meint. Ähnliches geschieht, wenn jemand beim Erleben von Natur, Musik oder eines Kunstwerks sehr starke Gefühle erlebt und daran scheitert, sie in Worte zu fassen. Ich kann dann einfach auf meine eigenen starken Gefühlserinnerungen zurückgreifen und ihn so "verstehen".

Der Umweg über die Sprache ist manchmal unnötig und viele Bilder bzw. Metapher überspringen auch leicht die "Sprachgrenze" zwischen den Naturellen.

Text und Bild: Werner Winkler
Tipp Nr. 336: Natur-Kultur-Dekadenz
Gerade in Wahlkampfzeiten zeigen Menschen, was so alles in ihnen steckt und zu welchen Ansichten sie tendieren. Reichlich Gelegenheit für den interessierten Beobacher also.

Auf der einen Seite zeigt sich die "Natur" eines Menschen (und damit auch sein Naturell, wie bei Angela Merkel und ihrer stoisch-sachlichen Art), dann gibt es auch immer wieder Anzeichen von "Kultur" – etwa in Form von kreativen Wahlplakaten, ausgetüftelten Programmen und anspruchsvollen Ideen.

Und leider zeigt sich auch hier und da die "Dekadenz" des Menschen (also wenn er selbst unter sein natürliches Niveau fällt und seine dunkelsten Seiten offenbart).

Drei mal drei Beispiele zur Illustration (die Begriffe "Kulturell" und "Dekadell" habe ich erfunden, um die oben beschriebenen Unterschiede zu verdeutlichen):

Beziehungstyp-Naturell: Freundlichkeit.
Beziehungstyp-Kulturell: kreative Höchstleistungen, z.B. bei Mozart.
Beziehungstyp-Dekadell: unsachliche, dumme und bösartige Äußerungen, wie z.B. häufig bei Donald Trump.

Sachtyp-Naturell: Gelassenheit.
Sachtyp-Kulturell: zähe Ausdauer bei der Verfolgung hoher Ziele, z.B. bei Einstein.
Sachtyp-Dekadell: faules Ausruhen und Nichtstun über lange Zeit auf Kosten anderer (jeder kennt hier wohl entsprechende Beispiele).

Handlungstyp-Naturell: Verlässlichkeit.
Handlungstyp-Kulturell: Einsatz der eigenen Kräfte und Möglicheiten für mehr Gerechtigkeit oder etwas Gutes, z.B. für Tiere, Kinder, die Umwelt.
Handlungstyp-Dekadell: Aggressives Ausleben von Hass in Form von Gewalt oder Gewaltfantasien, z.B. bei Hitler, Stalin oder anderen Diktatoren.

Womöglich erklärt sich ein Teil der Beliebtheit von Angela Merkel dadurch, dass sie sowohl ihr Naturell auslebt als auch immer wieder, wenn es darum geht, über ihren naturellbedingten "Schatten" springt, aktiv wird und mutige Entscheidungen trifft.

Ein lustiges, aktuelles Beispiel, das treffend diese Qualitäten zeigt, findet sich ab Min. 0:40 in diesem Video: https://www.youtube.com/watch?v=pghujsOybPE

Und im Vergleich dazu das Unbehagen, das viele bei Horst Seehofer empfinden in seinem eher unkultivierten Beziehungstyp-Naturell, das sich immer wieder dadurch zeigt, dass er Kleinkriege auf der Beziehungsebene führt, sich gehässig oder unvernünftig über andere (z.B. Kriegsflüchtlinge) äußert und nicht zu seinen Versprechen steht.

Um nur zwei Beispiele besonders hervorgehobener "Wahlkämpfer" zu nennen.

Text: Werner Winkler

  
Tipp Nr. 335: Umgang mit Katastrophen-Meldungen
Falls man es im Urlaub geschafft hat, den täglichen Katastrophen-Meldungen auszuweichen, lassen sich diese nach der Rückkehr in den normalen Alltag jedoch kaum vermeiden.

Ob verrückte Diktatoren, Naturkatastrophen, Kriege, hungernde Menschen oder Gifte in Lebensmitteln – "irgendwas ist immer", über das man sich aufregen könnte.

Inwiefern kann hier das Wissen um das eigene Naturell nützlich sein? Wir können uns bewusst machen, dass wir gerne naturelltypbedingt reagieren und überlegen bzw. beobachten, wie "die anderen" es machen. Und dann entscheiden, welche Reaktion jeweils am Angemessendsten ist und welche dem konkreten Ereignis eher unangemessen.

Einige Beispiele:

1. In einem weit entfernten Land plustert sich ein Diktator mit Hilfe seiner Raketen und Bomben auf, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Eher angemessene Reaktion (die dem Sachtyp-Naturell entspricht): Ignorieren und milde lächeln.

Eher unangemessene Reaktion (die dem überzeichneten Beziehungstyp-Naturell entspräche): Dem Diktator einen freundlichen Brief schreiben und ihn bitten, friedlicher zu werden. Ein Büchlein über den Weltfrieden oder die Liebe im Allgemeinen beilegen.

2. In einem an Europa angrenzenden Urlaubsland lässt ein Präsident mit diktatorischen Ambitionen willkürlich Menschen verhaften, die ihn ärgern.

Eher angemessene Reaktion (die dem Handlungstyp-Naturell entspricht): Nicht mehr dorthin in Urlaub reisen, keine Geschäfte mehr in diesem Land machen, so lange der gute Mann dieses Verhalten zeigt.

Eher unangemessene Reaktion (die dem überzeichneten Sachtyp-Naturell entspräche): Gerade jetzt fahre ich dorthin in Urlaub, weil es so preiswert ist; da kann ich ein Schnäppchen machen. Die Zustände im Land ignoriere ich einfach.

3. In einem Brief von einer Organisation, die bei früheren Notlagen unterstützt hat, wird um Hilfe gebeten, weil durch ein Erdbeben zahlreiche Schulen und Krankenhäuser in der Region beschädigt wurden.

Eher angemessene Reaktion (die dem Beziehungstyp-Naturell entspricht): Da helfe ich doch gerne im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Eher unangemessene Reaktion (die dem überzeichneten Handlungstyp-Naturell entspräche): Den Brief wütend zerreißen oder ihn fotografieren, auf Facebook posten und mit einem Hasskommentar über die Gier der "Gutmenschen" versehen.

4. Da es immer offenkundiger wird, wie sehr die Klimaveränderungen das eigene alltägliche Leben beeinflussen, fragt man sich, ob und wie man für eine denkbare weitere Veränderung des Klimas vorbereitet sein kann.

Eher angemessene Reaktion (die einer Mischung aus typischen Beziehungstyp-, Sachtyp- und Handlungstyp-Naturell-Verhalten mit zukunftsorientierter Note entspricht): Mit Freunden über dieses Thema sprechen, sich aus vielen Quellen sehr genau informieren, was passieren könnte und dann praktische Vorkehrungen treffen.

Eher unangemessene Reaktion des BT-Naturells: Hoffen, dass "irgendwie" alles gut wird. ... des ST-Naturells: Ignorieren, so lange wie es geht, die Probleme aussitzen und falls das nicht mehr geht, leidend ertragen und das Schicksal verantwortlich machen. ... des HT-Naturells: Zornig werden, eine Organisation gründen oder einer beitreten, die gegen die Verursacher des Klimawandels kämpft und dafür auch Gewalt in Kauf nimmt.

Der Zugriff auf alle Naturellanteile erhöht also die Optionen und verhindert einseitiges und damit potentiell unangemessenes Verhalten.

Um ein Bild zu verwenden: wenn ich sowohl Messer, Gabel und Löffel zur Verfügung habe und damit umzugehen weiß, kann ich damit wesentlich flexibler und "angemessener" verschiedenste Arten von Nahrung zum Mund führen, als wenn ich alles mit mit dem Messer, der Gabel oder dem Löffel essen müsste.  

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 334: Sommerpause - Archiv
Zur Sommerpause einen letzten Tipp der Woche: Einfach mal im Archiv in inzwischen 333 "Tipps der Woche" stöbern:

http://www.naturellwissenschaft.org/tipp-der-woche.php

Wer Tipps kommentieren möchte, kann dies auf der Facebook-Seite des Vereins tun – dort sind auch alle Tipps der letzten Monate veröffentlicht:

http://www.facebook.com/naturellwissenschaft

Eine erholsame, entspannende und kraftspendende Sommerzeit
wünscht

Werner Winkler
Tipp Nr. 333: Winfried Kretschmann ist wütend
In den letzten Tagen wurde ein Video öffentlich, das einen "Wutausbruch" des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann zeigt.

Für einen Menschen mit Sachtyp-Naturell, der auch sonst sehr ruhig und bedacht wirkt, eher ungewöhnlich.

Aber offenbar hat das Thema seine Ressource "Negatives wahrnehmen" aktiviert. Oft bleiben Sachtypen ja lange in einer neutralen Haltung und vermeiden, Negatives klar zu sehen oder zu benennen.

Wie in der Triade "Positiv-Neutral-Negativ" zu sehen ist es für die Beziehungstypen eher schwer, neutral zu bleiben (sich z.B. nicht einzumischen oder keine positive oder negative Haltung einzunehmen).

Und Handlungstypen fällt es erwiesenermaßen schwer, das Positive, Gute an einer Situation, einem Menschen oder an der Welt überhaupt zu sehen.

Vielleicht hilft diese Triade dabei, die eigene Vernachlässigung und Ressource öfters einzusetzen und sich seiner naturellbedingten Tendenz bewusster zu werden.

Für Winfried Kretschmann wäre hier der Tipp (vielleicht liest er es ja irgendwann), diese klare negative Meinung auch von der Bühne oder im Interview zu äußern und nicht nur im kleinen Kreis oder im Gespräch mit einem Vertrauten.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 332: Langsamer, einfacher, weniger.
Die drei Begriffe "langsamer", "einfacher", "weniger" habe ich vor vielen Jahren als Kalligrafie eines Freundes gesehen. Er hatte sie aus dem Motto einer Umweltkonferenz (vermutlich 1985 in Rio) entlehnt und künstlerisch gestaltet.

Damals wusste ich noch nichts von Triaden und Naturellen, aber ich fand diese Zusammenstellung reizvoll, so dass ich sie im Gedächtnis behielt.

Nun fiel mir auf, dass diese drei Begriffe als Triade verstanden werden können (Zeichnung im Anhang):

- für das Beziehungstyp-Naturell ist "langsamer" die Aufforderung, sich mehr Zeit zu nehmen und damit die vernachlässigte blaue Seite zu nutzen

- für das Sachtyp-Naturell ist "einfacher" die Ermutigung, nicht alles bis ins letzte Detail durchzugehen, nicht jeden Fehler auszuschließen, Sachen nicht unnötig zu verkomplizieren, sondern öfters etwas "einfach zu machen", Dinge einfach umzusetzen und anzugehen

- für das Handlungstyp-Naturell ist "weniger" die Ermahnung, dass "viel hilft viel" nicht als Motto für alle Lebensbereiche taugt, es nicht zwanghaft mehr sein muss und dass weniger oft genug ist (weil dann mehr Zeit und Energie für andere Dinge oder Menschen übrigbleibt zum Beispiel).

Über Rückmeldungen zu Erfahrungswerten bin ich neugierig.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 331: Wie mehr Bewusstheit befördern?
Eine Bekannte (vom Naturell her Sachtyp) fragte mich neulich, ob sich ihr Freund (ebenfalls Sachtyp, aber er weiß nichts davon) wohl bewusst oder unbewusst so (sachtypisch) verhalte, wie er das seit Jahren tut.

Eine spannende Frage. Denn was macht hier den Unterschied zwischen "bewusst" und "unbewusst" aus?

Ich denke, es ist einerseits die klare Benennung eines Verhaltens, andererseits das Vorhandensein und die Kenntnis von Alternativen zu diesem Verhalten.

Ein Beispiel aus einem anderen Kontext, das mir gestern begegnete: Auf einer Geburtstagsfeier erzählt ein ca. 40-jähriger Mann, er würde kein Spanferkel mehr essen, seit er wüsste, was genau das wäre (ein Baby-Schwein, das getötet wird, bevor es feste Nahrung zu sich nimmt, also quasi ein Säugling). Das hat ihn so schockiert, dass er sich seines Verhaltens und der vorhandenen Alternativen bewusst wurde.

Im Fall der Naturelle ist es ja durchaus einer der Effekte, dass wir uns unserer naturellbedingten Bevorzugungen bewusst werden - und gleichzeitig lernen, welche Alternativen wir haben.

Das ist für mich Bewusstsein. Auch wenn ich mich dann trotzdem dafür entscheide - wie das Günter Hiller in seinen Vorträgen so prägnant ausgeführt hat - meinem Naturell gemäß zu handeln oder zu leben. Ich mache das, was ich mache, klaren Verstandes und in Kenntnis der Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen. Zur Erinnerung nochmal das schon gezeigte Schaubild dazu im Anhang.

Im ersten geschilderten Fall von den beiden Sachtyp-Menschen wäre es also spannend herauszufinden, ob sich der Freund bewusst ist, dass er auch "anders" kann. Oder ob er sein Verhalten bzw. Denken als "alternativlos" ansieht, um einen Begriff unserer Sachtyp-Kanzlerin zu verwenden ...

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 330: Live long and prosper and ...
In manchen Sprichwörtern und Redensarten werden zwei Wünsche oder Regeln gleichzeitig angesprochen. Wie im Fall des bekannten "Live long and prosper" aus den Star-Trek-Serien, mit dem "Mr. Spok" bekannt wurde.

Welches Element fehlt in diesem Fall?

Dass "langes Leben" in die Rubrik "blau" fällt, ist leicht zu erraten. Und "prosper", übersetzt mit "prosperieren", "gedeihen" oder "blühen", sprich: sich und sein Potential zur Entfaltung bringen würde ich eher in die Abteilung "rot" verorten, weil es ja etwas Aktives, Tätiges impliziert.

Fehlt also das gelbe Element. Das ließe sich leicht mit "gut" ergänzen, so dass der Spruch dann heißen könnte: "Live good, long and prosperous!" – also "Lebe gut, lange und prosperierend!"

Der "vulkanische Gruß" enthält das dritte Element übrigens schon – wer genau hinsieht (s. Anhang) kann leicht erkennen, dass nicht nur die beiden zusammengelegten Finger, sondern auch der Daumen gezeigt werden. Er verweist aus naturellwissenschaftlicher Sicht auf das dritte, vernachlässigte Element.

Tipp für heute: Einmal nachsehen, welcher der drei Wünsche im eigenen Leben derzeit zu wenig zum Tragen kommt und etwas für ein besseres, längeres oder prosperierenderes Leben tun bzw. lassen.

Text: Werner Winkler
Bild: Apple_Color_Emoji
Tipp Nr. 329: Mimik beim BT-Naturell
Diese Woche gingen ja Bilder um die Welt, welche die Mimik des Papstes (ziemlich sicher mit Beziehungstyp-Naturell ausgestattet) nach Besuchen von Barack Obama (freudig, lachend) und Donald Trump (düster, genervt) verglichen.

Hier zeigte sich schön der Lehrsatz, dass man Menschen mit BT-Naturell sehr leicht im Gesicht ablesen kann, wie es ihnen geht.

Aber da es einen Unterschied macht, ob ich nur ein Foto habe oder jemand in Bewegung sehe (also im Film), möchte ich heute einen ca. 20-minütigen Film empfehlen - er zeigt den Ex-US-Präsidenten während eines außergewöhnlichen Interviews.

Darin wird er für mein Verständnis sehr privat und spielt meist auch keine Rolle. Dies macht es umso interessanter für Naturellwissenschaftler.

Hier der Link zum Film: www.youtube.com/watch?v=UM-Q_zpuJGU

Viel Spaß damit, auch wenn er vielleicht wehmütig macht, wenn man Donald Trump im Hinterkopf hat!

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 328: Naturelle in Alter und Demenz
Schon vor Jahren berichteten Kolleginnen und Kollegen (z.B. Dijana Gerber und Dr. Klaus Fritz), die mit dementen Menschen zu tun haben, dass sich die Besonderheiten der verschiedenen Naturelle im Alter und speziell bei Demenz, verstärken.

Dies könnte seine Ursache darin haben, dass wir mit dem Nachlassen unserer geistigen Kräfte und Kontrolle immer weniger fähig werden, uns gegen unsere "natürlichen" (oder naturellbedingten) Impulse zu entscheiden. Die "Kultur" tritt also in den Hintergrund, die "Natur" wird stärker.

Erich Fried (wohl mit einem gelben Naturell gesegnet) hat das Phänomen im Gedicht "Alter" in folgende Worte gefasst:

Zuletzt werde ich vielleicht
wie als Kind
wenn ich allein war
wieder freundlich grüßen,
"Guten Morgen, Fräulein Blume"
"Guten Abend, Herr Baum"
und mich verbeugen
und sie mit der Hand berühren
und mich bedanken
dass sie mir ihre Zeit gegönnt haben.

Falls Sie es also gelegentlich mit Menschen zu tun haben, die bereits diese alterbedingte "Regression" in ein auf ihr Naturell eingegrenztes Verhalten zu tun haben, zeigen Sie besondere Nachsicht. Und vielleicht auch die von Dietmar Friedmann (für ST- und HT-Naturell) bzw. von mir (für das BT-Naturell) postulierten Basis-Umgangshaltungen:

BT-Naturell: freundlich-begleitend
ST-Naturell: dahinterbleiben (energetisch gesehen)
HT-Naturell: überholen (auch im Sinne von vormachen)

Text: Werner Winkler
Bild von Erich Fried: Von Bundesarchiv, Bild 183-Z1229-303 / Senft, Gabriele / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5438102 (Erich Fried ganz rechts zu sehen)
Tipp Nr. 327: Naturell-Zwillinge Merkel und Kraft
Heute und vielleicht noch die nächsten Tage bietet sich dem Naturellwissenschaftler eine besonders gute Gelegenheit, Naturell-Zwillinge in der "freien Natur" zu beobachten :) ... nämlich durch die Landtagswahlen in Nordrhein-Westphalen, bei denen die bisherige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und ihr (vermuteter) Naturell-Zwilling Angela Merkel auf der politischen Bühne sehr präsent sein werden.

An diesem Beispiel-Paar wird auch deutlich, dass sich bei gleichem Stärken-Profil (also dem Vorhandensein der identischen Gewichtungen auf allen vier Beobachtungsebenen) häufig auch eine optische Ähnlichkeit zeigt - was den Verdacht verstärkt, dass es sich beim Naturell nicht nur um ein psychologisches Phänomen handelt, sondern auch um ein biologisches.

Im konkreten Fall vermute ich folgendes Naturellmuster:

Grundtyp: Sachtyp-Naturell
Untertyp: Wir-Verbundenheit, Zukunftsorientierung, Denker

Ein Bild mit beiden nebeneinander findet sich z.B. hier:
https://www.welt.de/politik/deutschland/article12352701/Euro-Retterin-Merkel-trifft-Schulden-Koenigin-Kraft.html

P.S. Beim Mitbewerber um das höchste Amt im Bundesland, Armin Laschet, tippe ich auf ein Beziehungstyp-Naturell.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 326: Seite 7 ...
Meine Erfahrung ist, dass gute Sachen mit der Zeit dazu tendieren, noch besser zu werden.

Die erste Version der bekannten Broschüre "Das Naturell als Teil der Persönlichkeit" wurde 2005 von Teilnehmern der "Jahresausbildung Psychographie" zusammengestellt, seitdem mehrfach optimiert und neu aufgelegt.  

Neulich brachte ein Klient die Broschüre mit zum zweiten Termin in der Paarberatung, schlug Seite 7 (s. Anhang) auf und meinte: Hier habe ich zum ersten Mal verstanden, wie ich ticke und wie meine Frau.

Und zum Abschied dann: Herr Winkler, das muss doch jeder Mensch wissen. Das sollte schon in der Schule den Kindern beigebracht werden.

Tipp der Woche daher: Bei passender Gelegenheit mal jemand die (auf der Webseite www.naturellwissenschaft.org kostenlos downloadbare oder als gedruckte Version bei mir für 50 Cent/Stück beziehbare) Broschüre schicken und mithelfen, dass möglichst viele aufgeschlossene und wache Leute sich selbst und ihre Mitmenschen noch besser verstehen lernen.

Text: Werner Winkler mit bestem Dank an Herrn W. aus K.
Tipp Nr. 325: Gorilla-Naturell und Blauwal-Naturell
Um jemanden, der noch nichts von Naturellunterschieden weiß (sie aber trotzdem erlebt) neugierig zu machen, scheint die Verwendung von abstrakten Begriffen wie "Sachtyp-Naturell" oder "Gelbes Naturell" nicht so wirksam wie die Verknüpfung des Naturellbegriffs mit einem bildhaften Vergleich.

Seit vielen Jahren benutzen wir ja die Primaten-Bilder und auch die der Meeresbewohner (Delfin, Blauwal, Hai) um auf das Wesen der Naturelle hinzuweisen und sie prägnant voneinander zu unterscheiden.

In Verbindung mit dem Naturellbegriff wurde dies meines Wissens eher selten gemacht. Ich habe deshalb mit Klienten, die noch nichts zum Thema wussten, getestet, wie etwa der Begriff "Gorilla-Naturell" ankommt.

Das Ergebnis war sehr ermutigend im Sinne von Neugier, Verständnis und der Rückmeldung, diese Erkenntnisse müssten auf jeden Fall schon den Schulkindern beigebracht werden.

Das Ziel solcher Bilder und Begriffe ist es ja nicht, "alles" damit zu erklären, sondern nur, die Aufmerksamkeit auf einen Aspekt der menschlichen Persönlichkeit zu lenken, der enormen Einfluss ausübt und zur Zeit noch weitgehend ignoriert wird. Wenn dazu provokante Bilder und Vergleiche helfen, umso besser!

Ich ernte z.B. in Vorträgen zum Thema regelmäßig Lacher, wenn ich die Naturellunterschiede am Beispiel des Essverhaltens von Blauwal und Haifisch erkläre und dann von der Einladung des Blauwals an den Haifisch zum gemeinsamen Essen spreche.

Die Erkenntnis, dass der andere, z.B. der eigene Partner oder das eigene Kind in gewisser (Naturell-)Hinsicht tatsächlich anders ist als man selbst, ist ja so eine herausfordernde und weitreichende, dass für die Akzeptanz eine Portion Humor und Augenzwinkern vermutlich mehr nützt als eine trockene wissenschaftliche Untersuchung.

Tipp daher: Einmal mit den Begriffen Schimpansen/Orang-Utan/Gorilla-Naturell oder Delfin/Blauwal/Haifisch-Naturell experimenTIEREN und mir eine Rückmeldung über das Ergebnis schicken.

Text: Werner Winkler
Foto: Kathleen Engel

P.S. Auflösung des Rätsels von letzter Woche: 1. Beziehungstyp, 2. Vergangenheitsorientierter, 3. Du-verbundene
Tipp Nr. 324: Beobachtungen beim Kochen
Vor einiger Zeit erhielt ich eine Zuschrift, in der eine Leserin der Tipps (die anonym bleiben möchte) sich Gedanken darüber macht, ob einige der beobachteten Unterschiede dem jeweiligen Naturell zugeordnet werden können.

Ich habe einmal die Naturelltyp-Vermutungen herausgenommen und bin gespannt, was da "hineingelesen" werden kann.

Auf jeden Fall ein interessantes Beispiel dafür, dass Teile unseres Verhaltens wohl vom Naturell mitbestimmt werden, andere jedoch von anderen Persönlichkeitsfaktoren (z.B. der Kultur, Erziehung, Werten, Alter usw.).

Jetzt der Text zum Mitraten:

"Mir fallen Naturellunterschiede oft stark beim (gemeinsamen) Kochen auf. Beim Einkaufen fängt es an. Als ...typ geh ich sehr gerne spontan und ohne Einkaufszettel los und bevorzuge „gute“ Lebensmittel (bio etc.). Ich esse wenig tierische Lebensmittel, da mir die Tiere leidtun. Konsequent bin ich jedoch nicht. Nach dem Einkaufen überlege ich spontan, welches Gericht daraus nun werden könnte. Rezepte nutze ich dabei lediglich als Inspiration und Erfahrungsquelle, hasse es jedoch, mich von einem „einschränken“ zu lassen. Meine Koch- und Backergebnisse sind bislang so „mittelmäßig“. Aber ich werde „besser“ seitdem ich mir mehr Zeit zum Kochen nehme und mich ganz aufs typgerechte Probieren und meine Intuition verlasse.

Mein ...typ-Freund hingegen kocht sehr oft die gleichen Gerichte (die ihm schon einmal geschmeckt haben) und hält sich streng an die „Vorgaben“. Wegen ihm habe ich eine Waage angeschafft. Als ...-Typen bleiben wir trotz der Unterschiede harmonisch."

Tipp Nr. 323: Therapierbarkeit des Naturells?
Mit einem kleinen Ausschnitt aus dem Skript von Günter Hillers Vortrag auf dem 15. Fachtag Naturellwissenschaft in Stuttgart möchte ich heute dazu anregen, sich den ganzen Text in Ruhe durchzulesen.

Er ist hier im Internet zu finden: www.123modell.de/hiller-naturellbegriff-2017.htm

Lesedauer ca. 30 Minuten (für Sachtypen ca. 90 Minuten) :)

"Nun zur Frage der Therapierbarkeit des Menschen. Natürlich ist der Mensch, die Person therapierbar, also veränderbar. Aber die Frage ist auch hier: in welchem Ausmaß und in welchem Bereich? Erfahrene Psychotherapeuten wissen: Je tiefer es in den Persönlichkeitsbereich geht, desto weniger ist der Mensch veränderbar. So gelten Persönlichkeitsstörungen als am schwierigsten zu behandeln, und die Therapieerfolge sind in diesem Bereich ziemlich bescheiden. Auf der anderen Seite lassen sich bestimmte Angststörungen am erfolgreichsten behandeln, weil sie weniger mit dem Kern einer Persönlichkeit zu tun haben.

Und was das Naturell betrifft, so ist dies meines Erachtens nicht therapierbar. Man sollte es auch gar nicht therapieren. Denn es ist ja mein ureigenes So-Sein. So bin ich! Und für mich folgt daraus: So darf ich auch sein! Im Hintergrund steht die Wertschätzung des je eigenen Naturells, die Annahme dieses Naturells.
Wenn nun andere einwenden: „Ja, man muss doch auch sein innerstes Wesen verändern können“, dann frage ich mich: Warum? Mir kommt dann immer der Verdacht: Kann sich der andere gar nicht annehmen? Kann er sein Innerstes, sein Naturell gar nicht wertschätzen? Ich finde es höchst bedenklich, wenn jemand sein inneres Wesen verändern möchte. Ich für mich kann jedenfalls stets bekennen: Ich bin ein Mensch mit Sachtyp-Naturell, und das ist gut so! Und das möchte ich auch bleiben bis zu meinem Lebensende. Ich hab mir noch niemals gewünscht, ein Mensch mit Beziehungstyp- oder Handlungstyp-Naturell zu sein.

Mir geht es an dieser Stelle vor allem darum, dafür zu plädieren, dass man sich zu seinem Naturell bekennen sollte. Und wenn man das kann, dann kann man sich auch selbst wertschätzen und selber lieben. Der erste Artikel des Grundgesetzes lautet: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ich würde soweit gehen zu sagen: Das Naturell des Menschen ist unantastbar. Am Naturell gibt es (zumindest für mich) nichts zu verändern, sondern nur wertzuschätzen."

(Text aus dem Vortrag von Günter Hiller)
Tipp Nr. 322: Beziehungstyp-Naturell besser verstehen
Um das Beziehungstyp-Naturell besser zu verstehen eignen sich z.B. Texte oder Gedichte von (vermuteten) Menschen mit diesem Naturell.

Eines des treffendsten ist für mich das von Ernst Jandl:

“Viele Wege

viele wege kreuzen sich in mir
und gehe ich immer
mehrere straßen zugleich.
ich bin arm.
aber es kommt mir vor:
dann wäre ich reich
wenn unter diesen wegen einer
ein ausweg wäre.

viele wege kreuzen sich in mir
und ich gehe immer
mehrere straßen zugleich.
ich bin arm.
aber es kommt mir vor:
dann wäre ich ärmer
wenn unter diesen wegen einer
ein ausweg wäre.”

zitiert nach: https://www.goodreads.com/author/quotes/90174.Ernst_Jandl

Ich denke, viele Menschen mit BT-Naturell (oder solche, die einen solchen Menschen häufig um sich haben) kennen dieses Gefühl.

Wobei dieses "mehrere Wege zugleich gehen" aus Sicht von Menschen mit Handlungstyp-Naturell oft als "sehr kreativ, vielseitig interessiert, bunt" gedeutet wird - oder von Menschen mit Sachtyp-Naturell als "oberflächlich".

Tipp für BTN-Leserinnen und Leser: die eigene Vielfalt und Vielseitigkeit akzeptieren (oder zulassen, falls verschüttet), aber sich trotzdem immer wieder in eines der vielen Interessensgebiete so weit vertiefen - sprich: Zeit und Geld aufwenden - dass man von den wirklichen Experten nicht für dumm oder anmaßend gehalten wird.

Und sich klar werden, in welchen Bereichen man sich tatsächlich nur oberflächlich auskennt und das auch offen kommunizieren.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 321: Naturell, Verhalten und Bewusstsein
Bei der Vorbereitung auf einen Team-Workshop über Naturell und naturellgerechte Kommunikation fiel mir ein Zusammenhang auf, den ich bislang in dieser Klarheit nicht durchschaut hatte (siehe Bild im Anhang).

Vielleicht hilft das dem einen oder anderen hier bei der Vermittlung der Erkenntnisse zur Rolle des Naturells.

Das Bild zeigt drei Prozesse:
1. Dass das Naturell das Verhalten beeinflusst.
2. Dass man aus dem Verhalten Rückschlüsse auf das Naturell ziehen kann (nicht immer, aber oft - vor allem, wenn sich jemand ganz natürlich verhält, also nicht in einer Rolle agiert.
3. Dass man durch das Bewusstsein (seines Naturells und ganz im Allgemeinen seines So-Seins, seiner Persönlichkeitsmischung) dessen, was da an Automatismen abläuft, Einfluss auf sein Verhalten nehmen kann.

Man könnte es auch so formulieren: “Wer kein Bewusstsein von seinem Naturell hat, ist dessen Wirkungen ausgeliefert.”

Aufgabe der Naturellwissenschaft und derer, die sie nutzen, ist es daher, Bewusstsein für das Naturell als Teil der Gesamtpersönlichkeit und damit ihres Einflusses auf das Verhalten eines Menschen zu ermöglichen.

Vergleichbar ist dieser Vorgang an Aufklärung mit der Entdeckung der Blutgruppen - bevor man davon wusste, konnten z.B. keine sicheren Bluttransfusionen durchgeführt werden.

Und bevor jemand weiß, dass er auch ein bestimmtes Naturell hat, das sein Verhalten (mit) steuert, kann er seine Verhaltensänderungen nur mühsam und oft wenig zielgerichtet trainieren.

Mit Naturellwissen geht das bekanntlich wesentlich leichter, weil wir ja mitsamt dem Wissen um unsere naturellbedingten Bevorzugungen auch erfahren, was den Unterschied bewirkt (die Nutzung der vernachlässigten Ressourcen, wenn diese gefragt sind).
Tipp Nr. 320: Musiker Wolfgang van Bach
Ich bin ja immer auf der Suche nach guten Metaphern, um die Essenz der Naturellunterschiede gut kommunizieren zu können - speziell solche, die auch in Alltags- und Beratungssituationen taugen.

Bei der Vorbereitung auf den gestrigen 15. Fachtag Naturellwissenschaft, bei dem Petra Rupp, Petra Schmalzl und ich je einen klassischen Komponisten vorgestellt bzw. auf seinen Naturellverdacht hin analysiert haben, fiel mir eine solche Metapher ein: der (nicht existierende) Musiker Wolfgang van Bach.

Er wäre - gäbe es ihn - eine Verschmelzung von Wolfgang Amadeus Mozart (Beziehungstyp-Naturell), Ludwig van Beethoven (Sachtyp-Naturell) und Johann Sebastian Bach (Handlungstyp-Naturell). Ein idealer Musiker?

Gestern auf dem Fachtag gab es u.a. eine Diskussion über die Frage, welchen Sinn (aus evolutionärer Sicht) es macht, dass bei Menschen (und Tieren) nicht eine Naturellvariante, sondern deren drei (oder gar 81, wenn man die Untertyp-Kombinationen mit einbezieht) auftauchen?

Am Beispiel der drei genannten Musiker lässt sich das gut illustrieren: Die Vielfalt an sich ist wertvoll und wohl auch sinnvoll. Gäbe es nur Wolfgang van Bach, er hätte vielleicht eine schöne Musik geschrieben, aber eben keine geniale.

Denn gerade die Extreme der drei Naturell-Grundtypen, auch in ihrer genialen Ausprägung, führen zu "extrem guten" Ergebnissen, die ein "Durchschnittsmensch" wohl nicht zustande gebracht hätte - nicht nur in der Musik.

Und da es neben der Vielfalt der Naturelle, auch die der Geschlechter, der genetischen Grundausstattungen, Hirngeschlechter, Biografien, Kulturen usw. gibt, bildet sich eine bunte Menschheit wie wir sie kennen.

Dies nicht nur zu tolerieren, sondern als Ausdruck des Lebens selbst (oder in der Sprache religiöser Menschen: der Schöpfung) willkommen zu heißen, bedeutet letztlich auch, die eigene Besonderheit und Einzigartigkeit lieben zu lernen.

Und dann sagen zu können: Ich bin okay als der vielfältige Mensch der ich bin - und du bist okay als der vielfältige Mensch, der du bist (auch wenn wir nicht Wolfgang van Bach sind und unsere individuellen Lücken und Grenzen haben).

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 319: Nico Semsrott - Sachtyp wie im Lehrfilm
Auch wenn wir wissen, dass die Persönlichkeit eines Menschen von vielen Faktoren beeinflusst wird, tritt manchmal einer davon so deutlich in den Vordergrund, dass wir ihn sofort erkennen - etwa das Beziehungstyp-Naturell bei Donald Trump, das Sachtyp-Naturell bei Angela Merkel oder das Handlungstyp-Naturell beim türkischen Präsidenten Erdogan.

Da diese beiden reichlich in den Medien vertreten sind und dort beobachtet werden können, der diesjährige Träger des Kleinkunstpreises, Nico Semsrott, aber nicht, möchte ich zwei Videos von ihm empfehlen:

https://www.youtube.com/watch?v=IMi3Wo4473g
https://www.youtube.com/watch?v=Xu_vIT16s-o

Ich habe selten einen Menschen gesehen, bei dem sowohl in seiner Körperhaltung, Sprache, Minimalmimik und natürlich auch vom Inhalt her so deutlich das Sachtyp-Naturell zum Vorschein kommt.

Gleichzeitig ist er ziemlich klug (wie zu erwarten) und lustig.

Text: Werner Winkler

P.S. Nächsten Samstag findet in Stuttgart der Fachtag Naturellwissenschaft statt. Wer noch spontan kommen möchte, es geht ohne Anmeldung und ist kostenfrei. Infos unter www.naturellwissenschaft.org bei den Terminen.
Tipp Nr. 318: Gegenseitige Anziehung in Familien
Zum heutigen Tag des 123-Modells (12.3.) :) möchte ich eine neue Erkenntnis teilen, die vielleicht dem Einen oder Anderen hilft, die Beziehungsdynamiken in Familien besser zu verstehen.

Hintergrund ist die schon lange vorhandene Beobachtung, dass die drei Naturelle entsprechend ihrem Charakter eine Art "Lieblingsbindung" zeigen:
- Beziehungstyp-Naturelle (BTN) zu ihren Geschwistern, anderen Kindern oder später zu ihren eigenen Kindern;
- Sachtyp-Naturelle (STN) zu ihren Vätern, vielleicht auch Großvätern und
- Handlungstyp-Naturelle (HTN) zu ihren Müttern, vielleicht auch Großmüttern.

Daraus abgeleitet lassen sich in Familien drei Muster an gegenseitigen "Lieblingsbindungen" beschreiben (wie im anhängenden Schaubild an Hand einer Musterfamilie dargestellt):

1. BTN-Kind und BTN-Kind
2. HTN-Kind und BTN-Mutter
3. STN-Kind und BTN-Vater.

In diesen drei Beziehungen geht der Pfeil der Lieblingsbindung also in beide Richtungen und verstärkt sie dadurch (wobei zu beachten ist, dass "Beziehung" nicht immer automatisch positiv ist, sondern sich auch ambivalent oder negativ äußern kann).

Meine Erfahrung ist, dass Klienten ihre "Lieblingsbindung" besser nachvollziehen können, wenn sie hören, dass sie naturellbedingt und damit angeboren ist - oder diese z.B. bei ihrem Partner bzw. Kind besser akzeptieren.

Zum Beispiel (wie neulich erlebt), wenn der Sachtyp-Ehemann äußert, dass sein Vater in seinem Leben immer die wichtigste Rolle gespielt habe, lange vor Frau und Kindern. Oder wenn sich das Sachtyp-Kind heftigst über zu wenig Aufmerksamkeit von Seiten des Vaters beklagt - oder die Bindung eines Handlungstyp-Kindes zur eigenen Mutter (wie oft zu beobachten) ein Leben lang besonders intensiv gepflegt wird.

Auch dass ein Beziehungstyp-Kind ohne Beziehungstyp-Geschwister früh "nach außen" drängt und sich Beziehungstyp-Freunde außerhalb der Familie sucht, diese auch den eigenen (nicht-BTN-Geschwistern) vorzieht, wird aus diesem Modell verständlich.

Über Beobachtungen der Leserinnen und Leser zu diesem Thema würde ich mich freuen!

Text: Werner Winkler (mit Dank an Petra Schmalzl für ihren Input!)

P.S. Im letzten Tipp der Woche wurde aus Versehen eine Triade mit Pfeilen in falscher Richtung verschickt. Hier im Archiv wurde die Zeichnung (Dank an Holger Hägele!) ausgetauscht und kann von hier in korrekter Fassung heruntergeladen werden.
Tipp Nr. 317: Inspiration - Konzentration - Motivation
Die Triaden in der Naturellwissenschaft zeigen angeborene Tendenzen der Übertreibung und der Vernachlässigung, wie an dieser (neu entdeckten) Triade gut zu sehen:

Das gelbe Beziehungstyp-Naturell fühlt sich permanent inspiriert, emotional angesprochen - und verliert dadurch die Konzentration auf Wesentliches, es fehlt Ausdauer, Geduld und das Durchhaltevermögen.

Das blaue Sachtyp-Naturell ist häufig übertrieben konzentriert, schränkt sich dadurch stark ein - und verliert seine Kraft- und Motivationsquellen. Die Folge ist Erschlaffung, Ziellosigkeit und Unzufriedenheit.

Das rote Handlungstyp-Naturell verausgabt seine Kräfte in seiner hohen Motiviertheit ohne es zu merken - und verliert dadurch den Zugang zu seiner kindlichen, spielerischen Seite, die ihm Inspiration und Lebensfreude geben könnte.

Triaden halten uns gewissermaßen "Kontrollspiegel" vor: Haben wir es mit unseren angeborenen, naturelltypischen Eigenheiten übertrieben? Oder sie verschüttet und so sehr reduziert, dass wir "uns selbst" verloren haben?

Der römische Philosoph Seneca hat es so formuliert: "Glücklich ist also ein Leben in der Übereinstimmung mit der eigenen Natur." (de vita beata, 3,3)

Diese "eigene Natur" besser zu erkennen, zu verstehen und mit ihr in einer fruchtbaren Kooperation zu leben - dazu kann uns die Naturellwissenschaft helfen. Wenn wir uns von ihr erhellen und anregen lassen.

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 316: Vorbilder - Ausnahmen
Neulich fragte mich jemand nach der Naturellanalyse, wie man seine "schwächere Seite" - also die jeweiligen Vernachlässigungen/Ressourcen - trainieren könne.

Der Tipp hierzu ist recht einfach: Man sucht sich Vorbilder, die genau diese Seite schon sehr gut ausleben und ahmt sie nach.

Oder man sieht im eigenen Lebensfundus nach, wo es bereits Ausnahmen gibt, in denen man es selbst (auch ansatzweise) geschafft hat, diese Qualität oder Fähigkeit umzusetzen.

Und die dritte Möglichkeit (falls man weder bei sich selbst noch im eigenen Umfeld Vorbilder findet) besteht darin, bei "allen" nachzusehen - also in Büchern, im Internet, in der Natur usw.

Es werden also alle drei Ebenen der Verbundenheitstriade (Du-Ich-Wir) genutzt.

Beispiel: Jemand mit einem Beziehungstyp-Naturell schafft es einfach nicht, seine finanziellen Angelegenheiten geordnet zu halten. Er kennt jedoch jemand, der darin richtig gut ist und lernt von ihm durch Beobachtung und Nachahmung.

Oder er erkennt, dass er z.B. während seiner Arbeit sehr gut mit Geld umgehen kann, nur privat eben nicht. Dann kann er die Methoden aus der geschäftlichen Bereich auf den privaten übertragen.

Dieser Tipp gilt natürlich auch für die Triaden der Unterbereiche.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 315: Echte Gespräche
In den letzten Jahren hat sich ein Großteil unserer zwischenmenschlichen Kommunikation auf die elektronische/digitale Ebene verlagert: wir mailen, simsen, chatten, whatsupen, liken, stupsen, werden in CC und BCC gesetzt, erhalten Rundbriefe (und Tipps der Woche) oder lesen im Internet, was andere Menschen wahrnehmen, denken und machen.

Echte Gespräche hingegen, also Begegnungen von Mensch zu Mensch, bei denen man Zeit füreinander hat (z.B. am Telefon, wie noch vor 15-20 Jahren die übliche Kommunikationsform) werden immer seltener.

Mir ist das erst gestern wieder positiv aufgefallen, als wir anlässlich der Kassenprüfung für unsere Initiative zusammensaßen: Um wieviel lebendiger, spannender und reichhaltiger ist diese Form des Gesprächs! Und als Gegenbeispiel die Klage einer Klientin, dass Sie im Studium (in einem Saal mit 800 Hörern oder einer "Kleingruppe" mit 80 Teilnehmern) überhaupt keine Chance hat, ein sinnvolles Gespräch zu führen.

Tipp der Woche daher: Nehmen und suchen Sie sich Zeit für Gelegenheiten, bei denen Sie "echte Gespräche" führen können - z.B. auf unserem Fachkongress am Sa. 25.3. in Stuttgart (Details im Terminforum auf www.naturellwissenschaft.org). Dort besteht reichlich Gelegenheit sowohl für den fachlichen als auch persönlichen Austausch.

Text: Werner Winkler
(persönlich ansprechbar - wenn auch nicht immer - unter 07151-903 4012)
Tipp Nr. 314: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Wenn heute (wovon auszugehen ist) der bisherige Außenminister und ziemlich deutlich sichtbare Sachtyp Frank-Walter Steinmeier zum neuen Bundespräsidenten gewählt wird, werden wir sicher seine naturelltypisch ruhige und besonnene Seite zu Gesicht bekommen.

Dass er aber auch anders kann - nämlich seine rote, kämpferische, laute und deutliche Seite zeigen - werden wir vermutlich in Zukunft seltener sehen.

Deshalb als Tipp heute, sich noch einmal ein älteres Video auf Youtube anzusehen: hier ist gut zu sehen, was passiert, wenn einem Sachtyp-Menschen "der Kragen platzt" und eine wohl schon lange angestaute Wut Ausdruck findet:

https://www.youtube.com/watch?v=YU3q5O65ju0

Mir scheint es so, als wäre er selbst von seiner Kraft überrascht ...

Und da er länger mit Gerhard Schröder (vermutlich Handlungstyp-Macher-Naturell) zusammengearbeitet hat, ist nicht auszuschließen, dass er sich von ihm doch das eine oder andere abgeschaut hat :)  

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 313: Martin Schulz, Donald Trump
Zur Zeit haben zwei Politiker besonders viel Medienpräsenz, einer mehr in Deutschland und positiv (Martin Schulz), der andere weltweit und eher negativ (Donald Trump).

Da es sich bei beiden um Männer mit Beziehungstyp-Naturell zu handeln scheint, bieten sie einen interessanten Einblick in die Bandbreite dessen, was dieser Typus an Verhalten zeigt.

Emotionen werden ja oft eher positiv besetzt, aber bei Donald Trump sieht man immer deutlicher, dass auch Hass als Emotion einen starken Einfluss auf einen Beziehungstyp-Menschen haben kann; zumal dann, wenn der Verstand als regulierende Kraft weitgehend fehlt.

Zudem fällt bei ihm stark die "Ich-Verbundenheit" ("Ich-Beziehungstyp") auf. Für viele Menschen ja eher unangenehm bis abstoßend. Vor allem im Vergleich zu seinem Vorgänger Obama, den ich als "Wir-Beziehungstyp" gesehen habe.

Martin Schulz könnte in die Gruppe der Du-Verbundenen gehören, aber hier bin ich noch nicht ganz sicher und werde weiter beobachten.

Bei beiden Politikern gut zu sehen auch die Begeisterungsfähigkeit, die sie ausstrahlen und womit sie "ihr Klientel" anzuziehen vermögen. Dies war ja zu Beginn auch bei Barack Obama gut zu sehen. Was davon längerfristig übrig bleibt, können wir im Laufe dieses Jahres sicher noch beobachten.

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 312: Das Eigene leben
Friedrich Hölderlin schrieb im Jahr 1800, als er 30 Jahre alt war (in der Elegie "Brod und Wein"):

„So komm! daß wir das Offene schauen, daß ein Eigenes wir suchen, soweit es auch ist.“

Wie aber das "Eigene" finden oder erkennen, unterscheiden, was "eigen" ist und was eher "fremd". Hierbei können uns die Erkenntnisse der Persönlichkeitspsychologie und auch der Naturellwissenschaft weiterhelfen.

Wenn wir das "Eigene" (nicht zu verwechseln mit dem "Ich") als die "Summe unserer Teile" verstehen und dann die Teile nicht nur als Ganzes, sondern auch einzeln betrachten, bekommen wir neue und vielleicht spannende Einsichten.

Dazu können wir (im Sinne von Steve de Shazer) nach den Ausnahmezeiten suchen, in denen wir rückblickend sicher "unser Eigenes" gelebt haben - und Kriterien dafür identifizieren, woran wir das festmachen; z.B. an einem bestimmten Lebensgefühl.

Folgende acht Faktoren könnten als diese Einzelteile der Gesamtpersönlichkeit gesehen werden, aus denen sich das "Eigene" eines Menschen bildet (s. auch die Zeichnungen im Anhang):

1. Vererbung (Gene)
2. Sexuelle Orientierung
3. Hirngeschlecht
4. Naturell
5. Kulturelle Umwelt
6. Erziehung
7. Biografie
8. Verhalten

Je besser wir also z.B. unsere Biografie kennen oder verstehen, wie uns unsere Erziehung und unsere kulturelle Umwelt geprägt haben, desto eher sind wir in der Lage, durch unser Verhalten Einfluss zu nehmen und so unsere Biografie frei und eigenmächtig zu gestalten.

Kennen wir uns nur oberflächlich oder nur einzelne Teile unserer Gesamtpersönlichkeit, besteht eher die Gefahr, dass andere (Menschen, Ideologien) uns vorschreiben, was für Rollen wir ausfüllen und welche Lebensentwürfe wir für richtig halten sollen.

William Shakespeare dichtete in seinem 13. Sonett:

"O, that you were yourself! but, love, you are
No longer yours than you yourself here live ..."

In der Übersetzung auf Projekt Gutenberg:
"Wärst du dein eigen, doch du bist nur dein,
Geliebter Freund, in kurzen Erdentagen ..."

und erinnert daran, dass wir unser Eigenes nur leben können, so lange wir am Leben sind. In seinen Zeiten, als die Lebenserwartung viel geringer war als heute, sicher ein besonders wertvoller Tipp!

Zusammenfassend:
1. Bleib am Leben, so lange es geht!
2. Verstehe dich selbst, so gut es geht!
3. Lebe dein Eigenes aus, so gut es geht!

Text: Werner Winkler

Die acht Faktoren sind ausführlicher in der Broschüre "Das Naturell als Teil der Persönlichkeit" beschrieben, die als kostenloser Download auf www.naturellwissenschaft.org verfügbar ist.



Tipp Nr. 311: Sinnsprüche
Als Kalligrafie-Lehrer finde ich es immer wieder interessant, welche Sinnsprüche Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner Kurse für sich als "schreibenswert" ansehen.

Häufig erkenne ich dabei naturelltypische Präferenzen, die in Richtung der eigenen Ressourcen gehen. Sinnsprüche sind ja oft komprimierte Lebenserfahrung, die auch als eine Art "Leitsätze" genutzt werden; deshalb hier eine kleine Auswahl, sortiert in die bekannten drei Gruppen - als Anregung, sich den einen oder anderen davon ins eigene Repertoire aufzunehmen und so die jeweils schwächere Seite des angeborenen Naturells (und nicht noch das, was sowieso schon zu stark ist) zu stärken:

Gelbes Naturell:
- Things take time.
- Auch das geht vorbei.
- Öffne dir ein Hinterpförtchen durch Vielleicht, das nette Wörtchen. (Wilheilm Busch)
- Eins nach dem anderen.
- Ein jedes Ding muss seine Zeit zum Reifen haben. (Shakespeare)

Blaues Naturell:
- Ich bin was ich tue.
- Zu allem Großem ist der erste Schritt der Mut. (Goethe)
- Versuch macht klug.
- Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen. (Kafka)
- Finde heraus, was du nicht kannst und dann lass es.

Rotes Naturell:
- Alles besiegt die Liebe.
- Wer weiß, wozu das gut ist.
- Nichts erwarten. Mit allem rechnen (auch mit dem Guten).
- Vergessen Sie nie: Das Leben ist eine Herrlichkeit. (Rilke)
- Das Ziel der Arbeit ist die Muße (Aristoteles)

P.S. Viele (kalligrafierte) Sinnsprüche finden sich z.B. auf der Seite www.kalligrafien.de/alles.htm


Textauswahl: Werner Winkler
Tipp Nr. 310: Tipps für (freie) Schnee-Tage
Da es ja nur noch selten im Winter Schnee gibt und das derzeitige Wetter eine Ausnahme darstellt, diesmal ein paar Tipps, was man - je nach Naturelltyp - mit einem Schneetag anfangen kann (gilt auch für evtl. vorhandene Kinder des jeweiligen Typs):

Beziehungstyp-Naturell:
- Schlittenfahren, wie man es als Kind getan hat
- Schneemänner oder -figuren bauen
- Schneeballschlacht

Sachtyp-Naturell:
- einen langen Spaziergang im Schnee
- auf eine Bank sitzen, die Landschaft beobachten
- Vögel füttern und sie beobachten

Handlungstyp-Naturell:
- im Warmen sitzen und lesen oder telefonieren
- Ski fahren gehen mit Freunden und danach einkehren
- vor dem eigenen Haus und dem der Nachbarn Schnee räumen

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 309: Buchtipp: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur
Ab und zu trifft man auf Bücher, in denen das Naturell der Hauptperson überdeutlich zu Tage tritt.

Eines dieser Ausnahmen ist das Buch, das ich heute zur Lektüre empfehlen möchte: "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur" von Andrea Wulf (s. Bild im Anhang).

Zumal deshalb, weil nicht nur der Grundtyp von Humboldts (BT-Naturell), sondern auch sein Stärken-Profil insgesamt (wir-verbunden, vergangenheitsorientiert, Macher) immer wieder klar erkennbar wird.

Und da es beim Erkennen des Naturelltyps ja nicht darum geht, einzelne Punkte aufzulisten und dann "anzukreuzen", sondern das Gesamtbild ("holistisch") eines Menschen und seiner Lebensgeschichte zu verstehen, eignet sich dieses hervorragend recherchierte, leicht zu lesende und mit viel Fachwissen angereicherte Buch sehr gut als Übungsfeld.

Nebenbei erfährt der Leser auch, dass der Beziehungstyp Humboldt (immerhin der weltweit bekannteste Wissenschaftler seiner Zeit) nicht nur mit dem Beziehungstyp Goethe, sondern auch mit dem Beziehungstyp Darwin einen sehr fruchtbaren Austausch pflegte, was mir bisher nicht bekannt war.

Auch hier, in der Interaktion zwischen den verschiedenen Wissenschaftlern bzw. Dichtern und Forschern lässt sich immer wieder das Naturell der Handelnden sehr gut erkennen. Mancher Lacher beim Lesen dürfte uns "Naturellwissenschaftlern" vorbehalten sein.

Ein überaus lesenswertes Buch also, nicht nur vom naturellwissenschaftlichen Standpunkt aus, sondern auch in Bezug auf die aktuellen klimapolitischen Vorgänge (Humboldt war offenbar der Erste, der erkannte, wie die Aktivitäten des Menschen einen Klimawandel auslösen und unsere Lebensgrundlagen zerstören können).

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 308: Übersetzungshilfe
Ein häufiges Anliegen von Paaren in der Beratung ist der Wunsch, den anderen besser verstehen zu können. Oft wird das auch als "Kommunikationsprobleme" beschrieben, wie bei dem Paar, das mir mit ihrem Problem einmal zu einer neuen Idee verhalf:

Mehrfach war es vorgekommen, dass die Naturellunterschiede dazu führten, nicht deutlich genug erkennen zu können, ob der jeweils andere nun "Ja, Nein oder Vielleicht" meinte. Aus meiner Sicht lag das auch daran, dass hier ein Sachtyp-Partner (häufig wohl zurecht und so aus Erfahrung klüger geworden) hinter dem "Nein" des Handlungstyp-Partners doch das "Ja" erahnte und so Dinge in die Wege leitete, die diesem (scheinbaren Ja) entsprachen.

Die Situation war für den Sachtypen auch deshalb so frustrierend, weil er sich ja gerne aktiver, mutiger, entscheidungsfreudiger zeigen wollte (wie von ihm gefordert).

Meine Idee bestand nun darin, als eine Art "Übersetzungshilfe" die klare Aussageform einer Ampel zu nutzen. Sobald Unklarheit bei einer Seite über das gemeinsame weitere Vorgehen auftrat, könnte durch die Frage nach dem Stand der Ampel (Rot = Nein, Stop, Gelb = Vielleicht, bitte abwarten und Grün = Okay, Ja, Einverstanden) eine für beide Seiten eindeutige Klärung herbeigeführt werden.

Nicht nur Paare, auch Familien oder Eltern im Gespräch mit ihren Kindern könnten so eine Ampel nutzen - vielleicht auch in Form einer Magnettafel, auf die jeder dann seinen Entscheidungsstand anpinnen kann und so zeigen, wo genau zwischen den drei Alternativen er zur Zeit steht.

Eine ähnliche Übersetzunghilfe sind die bekannten "Skalen" von 1-10 oder 1-100 (bzw. 0-10 und 0-100). Auch damit ist es leicht möglich, Unterschiede in der Beurteilung von Zuständen auf eine allen Naturellen gleich verständliche Ebene zu verlagern und so Missverständnisse zu vermeiden.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 307: Genug für die Unterbereiche im Naturellprofil?
Zu Recht wurde ich darauf hingewiesen, dass das Thema der letzten Woche - nämlich dass man darauf achten sollte, dem eigenen Naturell (den Grundtyp betreffend) ausreichend Raum und Aufmerksamkeit zu geben, auch für die jeweiligen Bevorzugungen in den Unterbereichen der "Landkarte" gelten.

Deshalb heute einige Tipps als Beispiele, was man im Hinblick auf die neun Unterbereiche beachten könnte:

Du-Verbundene:
- ausreichend guter Kontakt zu einem oder mehreren Gegenübern
- regelmäßige Ansprache von Außen
- Gelegenheit, sich um ein Gegenüber zu kümmern (auch Haustier)

Ich-Verbundene:
- Pflege des "Eigenen", des Individuellen, des persönlichen Stils
- gute Verbindung zu sich selbst, den eigenen Ideen, Werten, Erwartungen usw.
- klare Vorstellung davon, was einen selbst ausmacht, was für ein Ziel im Leben man hat, wofür man lebt etc.

Wir-Verbundene:
- Eingebundensein in eine Gruppe von Menschen, denen man sich zugehörig fühlt
- ausfüllende oder sinnvolle Arbeit/Tätigkeit in einem Team
- Gelegenheit, sich in der Natur aufzuhalten oder etwas für das Ganze zu tun

Gegenwartsorientierte:
- den Augenblick genießen, sich an dem freuen, was momentan da ist
- jeden einzelnen Tag, jede einzelne Stunde bewusst erleben und gestalten
- präsent sein, auf die jeweiligen momentanen Situationen und Stimmungen eingehen und sie ernstnehmen

Vergangenheitsorientierte:
- sich mit dem Vergangenen aussöhnen und das Gute in der Vergangenheit sehen
- etwas tun, was man schon lange gerne getan hat
- Verbindung zu Menschen halten, mit denen man schon über viele Jahre in Kontakt steht

Zukunftsorientierte:
- Pläne und Ziele für die nächste Zeit (Tage, Monate, Jahre) hegen
- sich auf Künftiges freuen, sich auf etwas vorbereiten, das erst noch kommt
- Zeit (und Geld) für Vorsorge und Vorausplanung einsetzen

Fühler:
- genügend angenehme, anregende Reize von Außen aufnehmen (Musik, Literatur, Natur)
- etwas gutes Essen und Trinken, frische Luft atmen
- anderen und sich selbst aufmerksam zuhören

Denker:
- genügend Zeit zum in Ruhe nachdenken und verdauen von Eindrücken
- einen klaren Kopf verschaffen oder ihn klar halten
- auf eine gute Verdauung achten

Macher:
- Gelegenheit, etwas zu basteln, kochen, backen, herzustellen, aufzuräumen usw.
- Musik machen, singen, etwas aufschreiben, mit anderen sprechen können
- in Bewegung sein, etwas mit dem Körper machen (Sport, Spiel, Gartenarbeit ...)

Vielleicht sind ja die Feiertage oder die freien Tage dieser Woche (sofern es sie gibt) eine gute Gelegenheit, hier gut für sich selbst zu sorgen.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 306: Genug fürs eigene Naturell?
Neulich meinte ein Klient im Coaching, der schon länger um sein Naturell weiß, dass er wohl inzwischen zu wenig auf seine naturelltypischen Bedürfnisse achte und zu sehr auf die vernachlässigten Ressourcen (was ihm nicht nur gut tut).

Dieses Phänomen habe ich schon öfters beobachtet. Es scheint manchmal einfach zu reizvoll zu sein, sich in noch wenig bearbeitetem Terrain aufzuhalten als die "Hausaufgaben" zu machen. Doch auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift. (oder beziehungstypisch formuliert: ... den positiven Effekt).  

Deshalb heute den Tipp, einmal diejenigen Lebensqualitäten abzuklopfen, die zum eigenen Naturell gehören und zu prüfen, ob sie noch ausreichend ausgelebt werden (jeweils einige Beispiele):

Gelbes Naturell:
- Leichtigkeit
- Lockerheit
- Spiel und Spaß
- schönes Umfeld, Musik, Kunst usw.
- positives Denken
- Hoffnung trotz aller Umstände
- Freigebigkeit
- Hilfsbereitschaft
- liebevolle Beziehungen
- kindliche Phantasie
- Abwechslung, Veränderung um der Veränderung willen

Blaues Naturell:
- ökonomische, existenzielle Sicherheit
- ausreichend Freizeit
- Entspanntheit und Nichtstun
- körperliche Zuwendung
- spirituelle Verankerung und Klarheit
- Pflege vertiefter Freundschaften
- Sinn und Werte
- Gelegenheit, sich in ein interessantes Fachgebiet zu vertiefen
- Erfolge und Anerkennung

Rotes Naturell:
- körperliche Fitness
- private Harmonie
- immer ausreichend Arbeit und Freude daran
- klare Ziele
- Sauberkeit, Ordnung
- ungestörte (Nacht-)Ruhe, Mittagsschlaf
- hochwertige Kleidung, schöne Wohnung
- geordnete Verhältnisse
- soziale Kontakte in Maßen
- etwas im Leben, für/gegen das es sich zu kämpfen lohnt

Als Faustregel könnte man also sagen, dass jemand, der sich selbst (bzw. seinen eigenen Naturellanteil) "verloren" hat, also nicht mehr ausreichend auslebt, zunächst "sich selbst verschreiben" sollte. Erst dann macht es Sinn, sich auch verstärkt um die naturelleigenen Ressourcen zu kümmern.

Text: Werner Winkler

  
Tipp Nr. 305: Bedeutung, Freiheit, Haltung
Vor einiger Zeit hat einer meiner US-amerikanischen Facebook-Freunde (vermutlich Sachtyp) versucht, sich das Leben zu nehmen, weil er nach der Wahl von Donald Trump die letzte Chance auf eine Abkehr von einer klimaschädlichen Politik vergeben sah.

Gerettet hat ihn (nachzulesen hier: https://medium.com/@MarkMc03/pizza-hut-may-have-saved-my-life-1f643897a3e6#.ht9nyr85h) ein "letztes Mahl", das die Wirkung des Schlafmittels herabsetzte.

In der Klinik und durch die Gespräche mit anderen Patienten und den Pflegekräften kam er zur Einsicht, dass es an ihm sei, eine lebensfreundlichere Haltung gegenüber den scheinbar aussichtslosen Zeitumständen zu finden.

Denn es ist ja nicht so, dass in den Ereignissen selbst immer schon auch deren Bedeutung vorhanden ist. Was der Krieg in Syrien, die Wahl von Donald Trump oder die Erhitzung der Erde BEDEUTEN, also welchen Sinn sie (langfristig) machen, ist nicht sicher - und damit im Rahmen unserer individuellen Freiheit konstruierbar.

Es ist also durchaus möglich, dem Klimawandel und in seiner Konsequenz dem denkbaren Kollaps der modernen Zivilisation die Bedeutung zu geben: "Das ist gut für die anderen Lebewesen, wenn der Mensch seine überragende Rolle verliert".

Entscheidend hier auch die Freiheit der inneren Haltung, die wir gegenüber einem Ereignis einnehmen: Ich darf und kann zwischen den Optionen wählen und pendeln. Und gerade hier können uns diejenigen Menschen, die ihr Naturell sehr deutlich ausleben, gut als Vorbilder dienen - in der ruhigen, geduldigen Gelassenheit der Sachtypen, der kraftvollen und zielorientierten Geschäftigkeit der Handlungstypen oder der kindlich-fröhlichen Hilfsbereitschaft der Beziehungstypen.

Die Naturellwissenschaft hilft uns also dabei, weder automatisch unserem eigenen, angeborenen Naturell zu folgen noch unsere Haltung dem anzupassen, was die äußere Situation scheinbar vorgibt, sondern zwischen allen in uns angelegten Potentialen wahlfrei Gebrauch zu machen. Gerade in existenziell bedrohlichen Situationen.

Als Vorbild kann hier Viktor Frankl (Foto) dienen, der selbst seinem KZ-Aufenthalt selbstbestimmt eine für ihn sinnvolle Bedeutung, einen Sinn, zugeordnet hat: Ich will überleben, um davon zu erzählen, was hier passiert.

Diese Freiheit, Bedeutung, Sinn und Haltung selbstbestimmt zu wählen, muss aber geübt und trainiert werden. Sie ist wie ein geistiger Muskel, der mit dem Gebrauch stärker und bei fehlender Verwendung schwächer wird. Reichlich Trainingsgelegenheiten also zur Zeit ...

Text: Werner Winkler
Foto Viktor Frankl: Prof. Dr. Franz Vesely
Tipp Nr. 304: 3 mal Nein
Neulich war ich als Kalligraf für ein Event gebucht, bei dem ich "live" kalligrafieren sollte. Als ich ankam, war mein Schreibplatz sehr schlecht vorbereitet, aber die zuständige Dame (offenkundig mit einem Handlungstyp-Naturell ausgestattet) kommentierte jeden meiner Wünsche mit einem "Nein, geht nicht" oder sie berief sich auf irgendwelche Vorgaben.

Als ich meinerseits die Nein-Haltung einnahm und deutlich kommunizierte, dass ich das so nicht gut fände etc. verschwand sie hinter den Kulissen und kam kurz darauf mit einer Kollegin zurück, die prompt meine sämtlichen Wünsche umsetzte.  

Merke: Ein "Nein" eines Handlungstyp-Menschen bedeutet nicht immer tatsächlich eine Ablehnung. Es scheint eher ein angeborener Reflex zu sein, sich abwehrend zu äußern. "Überzeuge mich vom Gegenteil" lautet dann die unterschwellige Nachricht. Zarte Bitten oder nur gute Argumente alleine helfen aber nicht. Es braucht auch den entsprechenden "Ton" oder die richtige Körperhaltung, um Gehör zu finden.

Anders das Nein eines Beziehungstypen, das oft aus akuter Lustlosigkeit oder mangelnder Information gespeist ist. Hier lohnt sich die Nachfrage nach der Begründung, um evtl. eine Änderung herbei zu führen, ebenso Verständnis für die bisherigen Gründe. In meiner Geschichte habe ich mich kurzzeitig einfach so verhalten, wie das ein Handlungstyp in meiner Rolle getan hätte.

Ein Nein aus Sachtypen-Mund hingegen sollte besonders ernst genommen werden. Da diese Naturellgruppe dazu neigt, nur zwischen Ja und Vielleicht zu pendeln und ein klares Nein zu vermeiden ist es dann, wenn es doch kommt, meist gut überlegt und begründet. Wie sagte Angela Merkel (Sachtyp+Denker) neulich in einem Interview: Ich überlege zwar lange, aber wenn ich mich dann entscheide, stehe ich auch dazu.

Und zur Erinnerung für die Eltern oder Großeltern unter den Leserinnen und Lesern: Dieses Verhalten zeigt sich schon bei kleinen Kindern. Flexibles, dem Naturelltyp angepasstes Verhalten (also nicht von sich auf alle anderen zu schließen, sondern die angeborenen Naturellunterschiede zu respektieren) im Umgang mit Ablehnung und Verweigerung kann hier zumindest das Verständnis verbessern und die Beziehung entspannen.  

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 303: Kleinste Schritte
Häufig liest man in psychologischen Ratgebern von den "kleinsten Schritten", z.B. wenn man versucht, sein Verhalten in eine bestimmte Richtung zu verändern.

Deshalb heute drei Tipps (für jede Naturellgruppe einen), wie so ein kleinster Schritt als tägliches Training der naturelltyp-eigenen Ressourcen aussehen könnte:

Beziehungstyp-Naturell: Jeden Tag zehn Minuten mit geschlossenen Augen ruhig dasitzen (oder liegen) und nichts tun, auch nicht nachdenken oder Musik hören. Einfach da sein.

Sachtyp-Naturell: Jeden Tag eine Sache wegwerfen* oder verschenken, die man schon lange aufbewahrt hat, aber nicht mehr benötigt. Eine Liste dieser Dinge anlegen und sich dann täglich neu am Erfolg freuen.

Handlungstyp-Naturell: Jeden Tag einmal bewusst jemand freundlich anlächeln oder ein Kompliment machen und beobachten, wie die Reaktion des Gegenübers ausfällt.

Für Fortgeschrittene: Steigern Sie die "Dosis" bis an Ihre Grenze - also länger als zehn Minuten da sein, mehr als eine Sache wegwerfen, mehr als eine Person anlächeln oder Komplimente erteilen.

Ein Trainingseffekt setzt meist dann ein, wenn die eigene aktuelle Grenze leicht überschritten wird, was sich durch Schmerzen (auch Muskelkater) bemerkbar macht.

Text: Werner Winkler

* An diese Sache hat mich neulich eine Sachtyp-Dame erinnert, die mir ihr Leid klagte: Die ganze Wohnung (ziemlich groß) sei voller Dinge, sogar ihr Esstisch liege voll mit allem Möglichem. Meine Frage, ob es ihr wohl heute noch gelingen würde, eine DIN A4 große Fläche auf dem Tisch dadurch freizuräumen, dass sie etwas wegwerfe, brachte sie zu längerem Nachdenken und der Einsicht, dass das zwar sehr schwer würde, aber vermutlich machbar.  
Tipp Nr. 302: Das geheime Leben der Bäume
Heute möchte ich Ihnen und euch ein Buch ans Herz legen, das inzwischen auf den Bestsellerlisten steht und schon in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Sogar Bill Clinton hat es seiner Frau geschenkt: Es heißt "Das geheime Leben der Bäume" und wurde vom Förster Peter Wohlleben verfasst.

Neulich habe ich ihn im Radiointerview gehört und mein Verdacht, der beim Lesen entstand, dass es sich bei ihm um einen Menschen mit Beziehungstyp-Naturell handelt, verfestigte sich. Er sieht Zusammenhänge, die anderen entgehen. Er "vermenschlicht" die Bäume (was ihm natürlich von eher sachlich oder unemotionalen Kollegen vorgeworfen wird). Er baut eine persönliche und emotionale Beziehung zu "seinem Wald" auf, den er nicht mehr länger nur als Holzlieferant sieht.

Und - auch das ein Grund, weshalb ich ihn hier empfehlen möchte - er hat genau genug hingesehen um zu erkennen, dass es offenbar auch bei Bäumen verschiedene Naturelle und Kulturen gibt.

So beschreibt er im Kapitel "Charaktersache" drei Eichen, die eng beieinander stehen und gemeinsam aufgewachsen (!) sind. Einer davon weicht vom Verhalten der anderen beiden deutlich ab, z.B. beim Laubabwurf. Wohlleben beschreibt es so: "Oft gibt es im Herbst noch spätsommerliche warme Luft, und nun kommen die drei Eichen in die Zwickmühle. Sollen sie die milden Tage noch nutzen, weiter Fotosynthes betreiben und schnell noch ein paar Extrakalorien Zucker bunkern? Oder werfen sie ihr Laub ab, falls doch ein plötzlicher Frosteinbruch kommt und sie zwangsweise in den Winterschlaf schickt? Offenbar entscheidet das jeder der drei Bäume anders. Der rechte ist ein wenig ängstlicher oder positiv ausgedrückt: vernünftiger. (...) Vorsichtige Bäume haben nach meiner Einschätzung künftig bessere Überlebenschancen."

Da musste ich natürlich schmunzeln und an einige meiner Sachtyp-Bekannten denken. Ebenso wie bei anderen Unterschieden, die er beschreibt, etwa zwischen Buchen und Birken. Die einen scheinen eher sachtypische Eigenschaften zu zeigen, die anderen eher beziehungstypische.

Auf alle Fälle ein unterhaltsames, lehrreiches und augenöffnendes Buch, das den nächsten Waldspaziergang bereichern und vermutlich auch verlangsamen wird! Seit ich es gelesen habe, fallen mir viele Dinge an Bäumen auf, die mir bisher entgangen sind.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 301: Donald Trump ...
Als ich noch recht jung war und eine neue Stelle antrat, schickte mich mein neuer (HT-)Chef zum "Schnuppern" zu einem Kollegen, den er zuvor als besonders unfähig bezeichnet hatte. Auf meine Frage, was ich denn von ihm lernen solle, meinte er: "Wie Sie es nicht machen sollen."

Dass Donald Trump in die Gruppe der Beziehungstyp-Naturelle gehört, wird immer offensichtlicher, je besser man ihn jetzt kennenlernt. Insofern vielleicht auch eine Gelegenheit, an seinem vielfach wirklich unangenehmen bis bösartigen Verhalten zu lernen (wie man es als "Gelber" nicht machen sollte).

Beispiele, die ich in den letzten Tagen aufgeschnappt habe:
- mehr Emotion als Verstand
- ihm fehlt es an Sachkenntnis in vielen Bereichen
- er kann nicht mit Geld umgehen
- er hält seine Versprechen nicht, bezahlt viele Schulden nicht
- er redet sich die Welt schön und blendet aus, was ihm nicht gefällt (Armut, Klimawandel)
- er bleibt in Gesprächen nicht beim Thema
- er ist ungeduldig
- er ist abhängig von der Zuneigung der Menschen um ihn herum
- er erinnert an Ronald Reagan (ziemlich sicher auch BT-Naturell)

Gerade am letzten Punkt mache ich eine kleine Hoffnung fest - dass er nämlich lernfähig ist und an großen Herausforderungen wächst. Wie sagte eine Journalistin über (den ebenfalls "gelben") Barack Obama: Er ging als Visionär ins Weiße Haus und verlässt es als Realist.

Und für die Nicht-Beziehungstypen der Tipp: Seid gnädig mit uns :)

Text: Werner Winkler

P.S. Für die an Politik und Naturellwissenschaft interessierte LeserInnen könnte folgende Beobachtung interessant sein: Auch diesmal gewann (wie seit 1996 bei den US-Wahlen zu beobachten) immer derjenige Kandidat, der im "Dreieck" dem anderen voraus war. Also:

2016: Donald Trump (BT) gegen Hillary Clinton (HT)
2012: Barack Obama (BT) gegen Mitt Romney (HT)
2008: Barack Obama (BT) gegen John McCain (HT)
2004: George Bush jr. (HT) gegen John Kerry (ST)
2000: George Bush jr. (HT) gegen Al Gore (ST)
1996: Bill Clinton (BT) gegen Bob Dole (HT)
1992 hätte wohl George Bush sen. gegen Bill Clinton gewonnen, wenn ihm nicht Ross Perrot als dritter Kandidat fast 20% Stimmen abgenommen hätte.
Tipp Nr. 300: Alternativen in Triaden - Zeitschiene
Wenn man sich wie viele der Leserinnen und Leser des "Tipps der Woche" seit längerer Zeit der Triaden bedient, gehören die darin enthaltenen Kompetenzen bald zum Standardrepertoire.

Nicht aber für diejenigen, die zum ersten Mal ein solches Triaden-Dreieck oder einen Triaden-Kreis (wie den anhängenden) sehen.

Gerade die Zeit-Triade aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft eröffnet eine neue Perspektive auf viele Sachverhalte. So für den offenkundig vergangenheitsorientierten Gesprächspartner (blaues Sachtyp-Naturell), der erkennt, wie wenig er die Zukunft im Blick hat bei der Beschäftigung mit seinen Themen.

Bisher waren ihm vor allem Ereignisse wichtig, die 20, 70 oder 500 Jahre zurück liegen. Durch meine Einwürfe und Nachfragen angeregt macht er es sich nun zur Gewohnheit, die gleiche Zeitspanne in die Zukunft zu denken und sich zu fragen, wie sich ein Ereignis wohl künftig entwickelt - und was er selbst aktiv dazu beitragen kann.

Oder die gegenwartsorientierte Geschäftsfrau (die seit vielen Jahren immer wieder ins Coaching kommt), die merkt, dass sie sich viel zu sehr auf die jeweils aktuellen Ereignisse einlässt und vergisst, wie groß ihr Erfahrungsschatz hinsichtlich ihrer Problemfelder inzwischen ist (woran ich sie immer wieder erinnern muss, was sie sichtlich freut).

Tipp daher: Sobald wir merken, wie sich jemand zu lange oder zu tief in einer der drei Zeitdimensionen aufhält und dadurch an einer Problemlösung oder einem guten Leben gehindert wird, ein kleines Dreieck aufmalen und die Pfeile dazu. Die allermeisten Leute, denen ich diese Triade erklärt habe, erkannten auch rasch ihre eigene Gewichtung (also die bevorzugte und vernachlässigte Zeitdimension).

Text: Werner Winkler

P.S. Nachdem ich diesen Text geschrieben hatte, hörte ich im Radio einen zunächst interessanten Beitrag über das Zeiterleben aus Sicht der Psychiatrie, hier nachzulesen oder zu -hören: http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/psyche-aus-dem-takt/-/id=660374/did=18204344/nid=660374/yav2ep/index.html

Darin tauchen ebenfalls die drei Zeitdimensionen auf, die wir in der Naturellwissenschaft beobachten - allerdings wie zu erwarten als Krankheitssymptome: Vergangenheitsorientierung wird mit Depression verknüpft, Zukunftsorientierung mit Manie und Gegenwartsorientierung mit Schizophrenie. Es würde zu weit führen, das hier auszuführen, aber wen es interessiert, dem empfehle ich die obige Sendung trotz der Bauchschmerzen, die ich dabei bekam (vor allem am Schluss, als eine scheinbar neue Therapieform vorgestellt wurde).
Tipp Nr. 299: Wortwahl je nach Naturelltyp
Letzte Woche hielt ich einen Vortrag in einem Ärztehaus über Problemlösungskompetenzen. Ein Punkt war, wie man durch die passende Wortwahl ein Problem entweder "dramatisiert" (wenn es von den Betroffenen nicht ernst genug genommen wird) oder versachlicht (wenn es zu emotional angegangen wird).

Als Beispiel für ein dringend zu lösendes Problem wählte ich das, was gemeinhin (verharmlosend, wie ich inzwischen denke) als "Klimawandel" beschrieben wird. Ich bot verschiedene alternative Begriffe an und merkte erst hinterher, dass ich wohl unabsichtlich die wunden Punkte verschiedener Naturelle getroffen hatte - vergleichbar dem vor Jahrzehnten verwendeten "Waldsterben"; ein Begriff, der das Problem so gut benannte, dass viele Leute aufmerksam und dann auch aktiv wurden.

Dann fiel mir auf, dass etwa ein Sachtyp wie Bernie Sanders (der fast Präsident der USA geworden wäre wie sein Sachtyp-Kollege Al Gore) ebenfalls das Thema auf einer Ebene angeht, das mir (als Beziehungstyp) völlig fremd ist, nämlich im Hinblick auf die Verluste an Erspartem, die durch den "Klimawandel" in den nächsten Jahren entstehen.

Hier also einige Vorschläge für Sprachbilder und Begriffe zum Thema, exemplarisch für viele andere Themen:

Für Beziehungstypen: Klimakollaps, Überhitzung der Atmosphäre, Zerstörung des Lebensraumes vieler Pflanzen, Tiere und Menschen; Untergang der globalen Zivilisation.

Für Sachtypen: rasche und kostenintensive Klimaveränderungen, unumkehrbare Fehlentwicklung, Temperaturen wie es sie seit 5 Millionen Jahren auf der Erde nicht mehr gab, Lebensmittelkrise durch Wassermangel in vielen Gebieten.  

Für Handlungstypen: Krieg gegen die Natur, Verstärkung von Naturkatastrophen mit absehbaren Fluchtbewegungen von Millionen Menschen, Verlust ganzer Städte entlang der Küsten, keine erfreuliche Zukunft für unsere Kinder und Enkel.


Das mag jetzt nicht sehr lösungsorientiert klingen, aber manchmal ist es aus Erfahrung einfach so, dass vor einer angemessenen Lösungsanstrengung das Problembewusstsein klar und deutlich genug sein muss. Vielleicht können wir hier bei der einen oder anderen Gelegenheit ein bisschen mithelfen, genau dieses (bei uns selbst und bei anderen) zu schaffen bzw. zu schärfen.

Text: Werner Winkler

P.S. Wen meine Lösungsansätze zum Thema interessieren, findet hier einen entsprechenden Text: www.wernerwinkler.de/199.htm
Tipp Nr. 298: Ranga Yogeshwar
Seit über 20 Jahren gibt es die Sendung "Quarks und Co." mit Ranga Yogeshwar, die ich gerne sehe, weil ich sie meistens spannend und sehenswert finde.

Trotzdem bin ich mir bei ihm immer noch unsicher, ob er zu den "Blauen" oder den "Gelben" gehört. Vielleicht treffe ich ihn einmal persönlich und kann mir persönlich einen Eindruck verschaffen.

Ein ganz guter Weg, das Naturell eines Menschen zu erkennen, sind oft Interviews. In einem solchen aus dem Kölner Stadtanzeiger, das ich euch als Lektüre empfehlen möchte, sagt er zum Beispiel auf die Frage:

"Aber jeder sehnt sich doch nach Anerkennung.

Yogeshwar: Ich muss mich nicht beklagen, ich leide nicht an einem Mangel an Anerkennung. Aber ich merke, darauf kommt es nicht an. Das Wichtige ist die Liebe zur Sache – auch wenn die Kamera abgestellt ist. Kürzlich hab ich einen 3D-Drucker aus 800 Teilen zusammengebaut. Dafür gibt es null Anerkennung, aber es hat mich glücklich gemacht."
– Quelle zum Nachlesen des ganzen Interviews: http://www.ksta.de/2496200

Sehenswert auch seine Homepage, die in ihrer Vielfalt eher an einen Beziehungstypen denken lässt: http://www.yogeshwar.de/

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 297: Bob Dylan
Eine der Beobachtungen, die sich sehr häufig bestätigen ist die, dass Menschen mit Sachtyp-Naturell spät im Leben noch große Erfolge feiern.

Bob Dylan, den ich schon lange als "Blauen" verdächtige, gehört nun auch dazu. Wobei er schon früh erfolgreich war, aber ich denke mir, die Anerkennung eines Literatur-Nobelpreises dürfte ihn besonders freuen.

Ich habe eine Aufnahme ausgesucht und empfehle sie als "Tipp der Woche", weil sie ihn a) sehr jung und b) aus der Nähe gefilmt zeigt. Die für das blaue Naturell typischen minimalen mimischen Gesten sind hier sehr gut zu sehen - und auch, wie man es schafft, zwei Instrumente parallel zu spielen (und noch zu singen!).

https://www.youtube.com/watch?v=OeP4FFr88SQ

Interessant dürfte die Verleihung des Preises im November werden und was er dann sagen wird. Bisher hat er sich meines Wissens noch nicht geäußert ...

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 296: Gespräch über Bäume
Viele von uns haben wahrscheinlich in der Schule das Gedicht von Bertholt Brecht "An die Nachgeborenen" behandelt, worin sich die berühmten Zeilen finden:

    Was sind das für Zeiten, wo
    Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
    Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!

Da ich den Tipp der Woche in der Regel während der Woche "ausbrüte" und natürlich beobachte, was passiert (mir selbst, im Bekanntenkreis oder weltweit), sammeln sich die Themen manchmal wie Bäume an einem Brückenpfeiler an, wenn das Unwetter vorbei ist. Dann heißt es sortieren und auswählen.

Diese Woche fällt es mir besonders schwer. Ist ein Herr Trump es wert, an ihm die Tiefen eine Beziehungstyp-Menschen zu demonstrieren? Oder zu sinnieren, warum es für die Opfer in Aleppo oder die Milliarden gequälter Nutztiere in unseren Ställen keine Lösung gibt, weil niemand die Retter-Rolle einnehmen kann und die Verfolger-Rolle gleich mehrfach besetzt ist?

Oder nochmal über den Klimawandel sprechen und wie er mich als zukunftsorientierter Beziehungstyp (dramatisch formuliert) in schiere Verzweiflung stürzt (oder sachlicher: mich die Informationen darüber auch ohne die Bilder vom Hurrican Matthews nicht gleichgültig und tatenlos lassen können)?

Mein Tipp also für diese Woche: Sich einen schönen Laubbaum aussuchen und ihn in den nächsten Wochen jeden Tag eine Weile anschauen. Sein Beispiel lehrt uns gelbe BTs, dass die Zeit vieles wie von selbst regelt, uns blaue STs, dass das Loslassen Platz für Neues schafft und uns rote HTs, dass Schönheit ein Wert an sich ist, auch wenn man einmal nur dastehen und nichts tun kann ...

Und dann eine Weile schweigen. Für wen oder gegen welche der vielen Untaten man sich auch zu schweigen entscheidet.

Text und Foto: Werner Winkler
Das Foto zeigt eine Buche im Schwarzwald.
Tipp Nr. 295: Klimawandel hoch drei
Wenn man sich intensiver mit einem Thema beschäftigt (wie ich in den letzten Jahren mit dem Klimawandel und seiner Bedeutung für die Zukunft), dann liest man viele unterschiedliche Haltungen, Meinungen oder Forderungen.

Ich habe sie im Folgenden einmal nach unseren Naturellgruppen sortiert, zum Teil auch nach den Untergruppen.

Und ich will bei der Gelegenheit an die Kategorie "Prinzipiell unentscheidbaren Fragen" (nach Heinz von Foerster) erinnern. Denn vermutlich gehören viele Fragen, die sich um den Klimawandel ranken, genau in diese Rubrik gehören. Das bedeutet dann: Jeder hat die Freiheit, sich diejenige/n Antworten/Haltungen/Schlussfolgerungen auszuwählen, die am besten behagen oder passen bzw. sie selbst in ihrer Relevanz für das eigene Leben zu gewichten.

BT-Naturell:
- alles sehr dramatisch
- Einmischung oder Rettungsversuche sind angesagt
- ich weiß nichts davon und will auch nichts wissen
- die armen Tiere (Eisbären) und Menschen (an den Küsten)
- letztlich ist es gut für die Welt, wenn sich alles ändert und die Menschen nicht mehr so dominant wären

ST-Naturell:
- da müssen noch viel mehr Daten erhoben werden, bevor man etwas sagen kann
- ich kann da nichts machen, also ignoriere ich es
- ganz sachlich gesehen gab es schon immer Wandel in der Erdgeschichte und jetzt sind eben wir Menschen davon betroffen
- die Evolution wird das schon richten, das ist Schicksal
- die Lösung ist ganz einfach: Keine Tierhaltung mehr und nur noch ganz wenige Nachkommen; in 100-300 Jahren ist das Problem dann erledigt und die Dinge sind wieder im Lot

HT-Naturell:
- wir müssen gegen den Klimawandel kämpfen
- die Technik muss her und das richten
- wir müssen uns vorbereiten, die Dämme erhöhen usw.
- das ist die Strafe und Folge des bösen menschlichen Verhaltens
- es braucht eine Öko-Diktatur, die Menschen sind zu schwach, ihr Verhalten aus Vernunft zu ändern

Du-Verbundene:
- mir geht es nur um meine Kinder, Enkel ...

Ich-Verbundene:
- ich sorge für mich selbst, was mit der Welt geschieht, ist mir egal.

Wir-Verbundene:
- das Leid von Milliarden (Menschen, Tieren) nimmt mich völlig mit.

Gegenwartsorientierte:
- ich lebe und genieße einfach jeden Tag, was (noch) gut ist

Vergangenheitsorientierte:
- es gab schon früher massiven Wandel, also nichts Neues

Zukunftsorientierte:
- was da auf uns zukommt, ist ungeheuerlich; wir müssen uns vorbereiten

Fühler:
- ich will gar nicht mehr hinsehen, das kann ich gar nicht verarbeiten

Denker:
- wenn man alles zusammenrechnet und analysiert ist klar, was geschieht und warum

Macher:
- ich schreibe Artikel über das Thema, spreche mit den Leuten, fahre weniger Auto, esse kein Fleisch mehr und fliege nicht mehr in den Urlaub ...

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 294: Brangelina und der Krieg
Selbst wer keine Klatschpresse liest, weiß wohl inzwischen, dass eines der bekanntesten Paare der Welt (vermutlich beide mit rotem HT-Naturell) keines mehr ist.

Daraus lässt sich bestimmt etwas für unser Thema lernen, dachte ich mir und recherchierte, was an Interessantem zu finden ist. Hier ein paar Ergebnisse, jeweils mit der Quelle zum Nachlesen (und in Klammer meine Kommentare):

http://www.sueddeutsche.de/leben/trennung-von-brad-pitt-und-angelina-jolie-was-von-brangelina-bleibt-1.3172212

"Schwachstelle: zwei erfolgsverwöhnte Manager mit denselben Kernkompetenzen."
(klingt sehr nach Handlungstypen, oder?)

"... er habe ein Drogen- und Alkoholproblem und darüber hinaus seine Aggressionen nicht unter Kontrolle" (entweder typisch HT-Schwäche oder eine üble Nachrede)

"Zehn Jahre lang lief alles wunderbar mit den beiden. Warum mussten sie unbedingt vor den Altar treten?" (Kommt mir für HTs sehr bekannt vor. Sobald es Pflicht wird, gehen Spaß und Lockerheit verloren und der Stress setzt ein.)

http://www.spiegel.de/panorama/leute/brangelina-trennung-clooney-und-adele-reagieren-auf-scheidung-a-1113210.html

"Die Wahrheit ist doch: Wir sind alle nicht gut in Beziehungen" (sagte Angelina, die es wohl wissen muss; sie denkt halt, alle wären Handlungstypen)

http://www.stern.de/lifestyle/leute/scheidung-von-angelina-jolie-und-brad-pitt--ihr-letzter-film-by-the-sea-7067996.html

(jetzt noch ein Zitat von Angelina, das zeigt, dass es weit wichtigere Themen auf der Welt gibt und dass sie selbst das auch weiß)

"Und jetzt haben wir einen Notstand, eine Flutwelle menschlichen Leids. Die natürlich mit dem Krieg zusammenhängt, aber auch mit dem Rückgang an Hilfe. Die Leute verhungern, es gibt keine medizinische Versorgung und keine Nahrung. Und dann machen die Menschen eben alles: Sie riskieren ihr Leben an den Grenzen und auf dem Meer. Das werden sie weiterhin tun, weil es eben menschlich ist. Sie müssen entschuldigen, dass ich mich gerade in Rage rede."

Text/Auswahl: Werner Winkler
Tipp Nr. 293: Alternativen in Triaden - Theorie und Praxis und ...
Bei erfolgreichen Projekten lässt sich oft beobachten, dass bei den dafür Verantwortlichen die drei Aspekte der Triade "Idee-Theorie-Praxis" (s. Anhang) ausgewogen berücksichtigt wurden.

Andererseits ist bei ausbleibendem Erfolg womöglich eine der drei Aspekte unterbelichtet, z.B. so, dass

- die mit gelbem Naturell eine tolle Idee haben und es gleich praktisch ausprobieren möchten, ohne sich ausreichend Zeit für die sachlich-theoretischen Grundlagen, Risikoabwägung, Geldbedarf, Forschung oder vertieftes Fachwissen nehmen

- die mit blauem Naturell zwar alles zum Thema verstehen oder gelesen haben und zahlreiche gute Ideen dazu in der Schublade haben, sie aber zu ängstlich-vorsichtig oder selbstkritisch sind, sie auch praktisch auszuprobieren

- die mit rotem Naturell theoretisch und praktisch wissen, worum es geht und ihre ganze Kraft in ein Projekt investieren, oft auch ihre Zeit, ihre Hobbys und ihre privaten Beziehungen - sie aber einfach keine zündende Idee haben, keine Begeisterungsfähigkeit zeigen, kein Leuchten in ihren Augen, keine Leichtigkeit und keinen Spaß.

Überprüfen Sie also einmal, welcher Aspekt der drei angesprochenen in Ihrem Lieblingsprojekt wie stark vertreten ist und justieren Sie ggf. nach bzw. holen Sie sich Unterstützung von jemand, der die "fehlende Farbe" mitbringt.

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 292: In eigener Sache
Den "Tipp der Woche" gibt es jetzt seit sechs Jahren.

Als wir 2010 im Vorstand des Vereins beschlossen, diese Form der Kommunikation einzuführen, war die Idee, dass verschiedene Autorinnen und Autoren dafür Beiträge schreiben. Leider ist dies die Ausnahme geblieben.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Mensch mit vielen Interessensgebieten bin. Eines davon ist seit 1997 die Naturellwissenschaft.

Um mich jedoch vom Druck zu befreien, jeweils pünktlich zum Sonntagmorgen einen gehaltvollen Tipp zu liefern, möchte ich nur noch dann schreiben, wenn mir etwas Besonderes, Aktuelles, Neues, Wichtiges oder Wertvolles begegnet.

Das bedeutet, dass es künftig auch Sonntage ohne den Tipp der Woche geben kann, wofür ich um Verständnis bitte.

Eine sonnige Spätsommerwoche wünscht
Werner Winkler

P.S. Wer ab und zu einen Tipp der Woche beitragen möchte, ist herzlich eingeladen, mir seinen Text zu schicken.
Tipp Nr. 291: Sommerpause
Der "Tipp der Woche" macht Sommerpause mit 3x3 auf unsere Grundtypen zugeschnittenen Tipps für die nächsten Wochen:

Für LeserInnen mit gelbem Beziehungstyp-Naturell:
- nehmen Sie sich ausreichend Zeit für das, was Ihnen wichtig ist
- gönnen Sie sich ein bisschen Chaos und Unordnung zur Entspannung
- lesen Sie ein interessantes Fachbuch komplett durch

Für LeserInnen mit blauem Sachtyp-Naturell:
- trauen Sie sich etwas
- gehen Sie mutig ein Risiko ein
- erlauben Sie sich 1-2 Fehler pro Monat

Für LeserInnen mit rotem Handlungstyp-Naturell:
- sträuben Sie sich nicht gegen Ihre Emotionen; Sie gehören zu Ihnen!
- verzeihen Sie sich selbst und jemand anderem großzügig
- kaufen Sie sich etwas Schönes statt etwas Nützlichem

Auf Wiederlesen in kühleren Tagen und Ihnen/euch allen einen erholsamen Sommer (trotz allem), so eine grüne Bank wie im Anhang ab und zu und einen freundlichen Menschen, der sie mit Ihnen/euch teilt!

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 290: Alternativen in Triaden - Auswahl
Eine der wie ich finde interessantesten Triaden ist die (als Bild anhängende) aus

- sowohl-als-auch (gelb, entspricht dem Ja-Ja)
- entweder-oder (blau, entspricht dem anhaltend zweifelnden Vielleicht)
- weder-noch (rot, entspricht dem Nein-Nein)

da sie oft zu einem Überraschungseffekt führt, wenn man sie einsetzt - dann nämlich, wenn sich jemand scheinbar alternativlos in einer der drei Ecken aufhält und dann mit der Alternative konfrontiert wird.

Ein Praxisbeispiel: In einer Teamsitzung werden zwei Alternativen für ein Projekt besprochen. Der Handlungstyp-Chef kann sich - wie so oft - für keine der beiden Möglichkeiten erwärmen und zeigt seine Nein-Haltung recht deutlich. Der Sachtyp-Abteilungsleiter kann sich wieder einmal nicht entscheiden und der Beziehungstyp-Mitarbeiter, der die Ideen ausgeheckt hat, möchte am Liebsten beide verwirklicht sehen.

Jeder ist also in seiner naturelltypischen Ecke "gefangen"; da man aber gemeinsam entscheiden will und nach einem Kompromiss suchen muss, entsteht im Gespräch eine dritte Idee als Synthese der beiden vorherigen, nun kann der Chef aus seinem Nein ein Ja machen, der Abteilungsleiter traut sich jetzt zu sagen, weshalb er innerlich zwei Neins vor sich sah, sich aber nicht wagte, sie zu äußern - und der ideenreiche Mitarbeiter sieht seine beiden Ideen plus einer zusätzlichen umgesetzt.

Wichtig bei solchen Prozessen ist - wie so oft beim naturellbewussten Vorgehen - dass den Beteiligten klar wird, welche Haltung sie jeweils bevorzugen und dass diese nicht die einzig mögliche ist. Oft zaubert schon das Aufzeigen der Standpunkte und das Zusammenführen zu einer Triade ein Lächeln auf die Gesichter der Beteiligten - und das ist ja sicher nicht die schlechteste Auflockerung einer angespannten Situation.

Text: Werner Winkler  
Tipp Nr. 289: Entdramatisieren
Bei den "gelben" Naturellen (auch Beziehungstypen oder Relationiker genannt) ist der Hang zum Drama, zur emotionalen Übertreibung, regelmäßig zu beobachten. Wer da noch Zweifel hat, möge sich einmal ein Bühnenstück oder eine Musik von Mozart, Richard Wagner oder gerne auch Michael Jackson ansehen ...

Wie geht man damit um, wenn sich die Dramatik unangemessen Raum nimmt - sei es im Kontakt mit einem "Gelben" oder wenn man selbst einer ist, mit der eigenen überschäumenden Emotion?

Der Tipp hier klingt einfacher als er in der Praxis umsetzbar ist, aber mit etwas Übung geht es: Zuerst ernstnehmen (abholen im Sinne des Pacings), also die Emotionen teilen, Mitgefühl zeigen, Interesse zeigen, sich Zeit nehmen. Und dann so gut es geht, die Situation versachlichen, die Probleme eingrenzen, in die Thematik einarbeiten, die verfügbaren Informationen sortieren und die lösbaren von den unlösbaren trennen.

Gut geeignet sind hier der so genannte "sokratische Dialog" oder die Werkzeuge der "Lösungsorientierten Kurztherapie", etwa die Frage "Angenommen, Sie wachen morgen früh auf und das Problem hat sich quasi von selbst gelöst - was wäre dann ganz konkret der Unterschied?"

Auch der Wechsel von einer eher bildhaften zu einer abstrakten Sprache hilft, bei guten praktischen Lösungen oder Haltungen zur als dramatisch empfundenen Situation zu gelangen (siehe anhängende Triade).

P.S. Zu gerne würde ich einmal sehen, wie unsere ("blaue") Kanzlerin Merkel das mit den beiden "Gelben" Gabriel und Seehofer macht, die ja regelmäßig zum Dramatisieren neigen :)

Text: Werner Winkler

  
Tipp Nr. 288: Alternativen in Triaden - Entscheidungsdreieck
Obwohl ich die Triade "Ja-Vielleicht-Nein" oft verwende und viel darüber spreche, hat es mich doch erstaunt und gefreut, als mir neulich eine (Sachtyp-)Klientin das Feedback gab, wie wertvoll ihr die Erkenntnis gewesen sein, dass sie auch "Nein" sagen könne.

Bei unserem letzten Gespräch hatte sie ihre Situation noch mit einem "Ich kann nicht ..." zusammengefasst und sehr unter ihrer scheinbaren Machtlosigkeit gelitten. Als ich ihr anhand der Triade ihre "Nein-Ressource" erläuterte (auch im Sinne von Aufhören, Aufgeben, Trennen, Lösen, Verlassen, Hinausgehen, Beenden etc.) gab ihr das offenbar die Freiheit der Entscheidung zurück. Denn nun könne sie sagen "Ich will" oder "Ich will nicht" - oder auch "Ich will mich noch nicht entscheiden" - also ein bewusstes Vielleicht.

Überhaupt die Bewusstheit: sie scheint mir den größten Unterschied zu bewirken. Mir war (als Mensch mit gelbem Naturell) früher auch nicht bewusst, wie oft ich mich in einer "Ja-Haltung" befand und wie sehr ich mir das "Vielleicht" als Option ausschloss.

Und um auch noch etwas über die "Nein-Fraktion" zu sagen: Ich finde es immer wieder erstaunlich und erfrischend, wie Handlungstypen auf meine Nachfrage nach dem "Stattdessen" reagieren, wenn sie etwas nicht möchten. Oft zeigt sich nämlich im "Stattdessen" ein tragbarer Lösungsansatz und häufig gibt es auch schon Ausnahmen in dieser Richtung zu erforschen. Für dieses Wort bin ich extrem dankbar. Es gehört aus naturellwissenschaftlicher Sicht in die "Ja-Ecke" der Triade. Beispiel: Der Handlungstyp sagt, dass er seine Schwiegermutter nicht ständig im Haus haben möchte. Auf die Stattdessen-Frage ergibt sich, dass es okay ist, sie im Haus zu haben, wenn er selbst nicht da ist. Oder an einem Feiertag.

Tipp: Die Entscheidungstriade abmalen oder ausdrucken und eine Weile an gut sichtbarer Stelle aufhängen, um die eigene Bevorzugung und auch die vernachlässigte Ressource bewusster zu machen.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 287: HT-Satire: Hagen Rether
Seit vielen Jahren beobachte ich den Kabarettisten Hagen Rether. Immer wieder habe ich mich auch gefragt, zu welcher Naturelltypgruppe er wohl gehört ...

... bis diesen Freitag, weil ich ihn da zum ersten Mal live für drei Stunden aus nächster Nähe erlebt habe. Was mich zur Vermutung bringt, dass er zu den Handlungstypen gehört:

- er spricht zum Teil exakt die gleichen Sätze wie vor Jahren (berechenbar)
- während er spricht/spielt, putzt er ausführlich seinen Flügel (...)
- ein großer Teil seines Programms besteht darin, zu beschreiben, wie schlecht die Welt und der Mensch ist (nur sehr wenige positive Alternativen)
- seine Mimik ist sehr schwach ausgeprägt, er zeigt nur 2-3 "Standardgesichter", selbst bei sehr heftigen Aussagen
- er schreckt auch nicht davor zurück, indirekt zum Mord an Politikern aufzurufen (vor Jahren, an George W. Bush)
- er spielt live sehr lange, wenn man ihn lässt (z.B. ca. 3 Stunden)
- über sein Privatleben ist so gut wie nichts bekannt, er spricht auch nicht darüber
- er spricht offen über körperliche Dinge, z.B. seine Hexenschüsse, seine hohe Körperspannung, Probleme mit der Verdauung oder wie sauber er sich immer die Hände und Genitalien wäscht
- er behält seinen Anzug an, obwohl es in der Halle ziemlich heiß ist, er stark schwitzt; seine Aussage dazu: er fühlt sich unwohl ohne Jacket (...)

Tipp also für Heute: Mal öfters Prominente, die man im TV oder auf YouTube gerne sieht, live erleben und so besser kennenlernen.

Wer ihn noch nicht kennt, hier ein Video von vor zehn Jahren: https://www.youtube.com/watch?v=O2qg2kf40bc - danach kann man sich dann aktuellere anschauen um zu sehen, wie wenig er sich verändert in seiner Art und seinem , z.B. das hier: https://www.youtube.com/watch?v=Eqxzwni6MCU

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 286: Kormoran-Haltung
Der Kormoran (nicht jeder kennt ihn, Bild daher im Anhang) ist ein besonderer Vogel: Er kann nicht nur fliegen, sondern auch schwimmen, tauchen und zu Fuß gehen.

Ich mag ihn als Metapherbild für die Fähigkeit, auf Menschen jedes Naturells eingehen zu können: Mit einem Vogel fliegen, mit einem Fisch oder einer Ente schwimmen und mit einem Landlebewesen ein Stück zu Fuß gehen - auch wenn nicht jedes Verhalten gleichermaßen leicht fällt.

"Pacing" lautet dafür der Fachbegriff, also: den Schritt des anderen aufnehmen. Diese Fähigkeit wird aber nicht nur in der Beratung, Therapie oder im Coaching als nützlich erlebt. Auch im täglichen Leben macht es häufig Sinn, sich nicht permanent analog zur eigenen bevorzugten Weise zu verhalten, sondern sich zunächst auf das Gegenüber einzustellen.

Das Wissen um die Unterschiedlichkeit der Naturelle hilft uns dabei, leichter Zugang zum Wesen, zur Gesamtpersönlichkeit eines Menschen (oder Tieres) zu finden und ihm so gerechter zu werden.

Text: Werner Winkler
Bild: JJ Harrison bei Wikipedia unter freier Lizenz
Tipp Nr. 285: Alternativen in Triaden - Drama-Dreieck
Anhand eines praktischen Beispiels möchte ich heute zeigen, wie man mit Hilfe einer Triade (hier: analog zum "Drama-Dreieck" von Stephen Karpman) seine Einstellung oder Haltung bewusst anpassen bzw. verändern kann. Das Bild dazu siehe im Anhang - das Drama-Dreieck als Triade.

Karpman unterschied bekanntlich drei Rollen in einem "Drama":
1. Retter (die Haltung des Helfens, Rettens, Vermittelns etc.)
2. Opfer (die Haltung des Ausgeliefertseins, Nichts-Tun-Könnens, Schicksalergebenheit etc.)
3. Verfolger (die Haltung des aktiven Tuns, Auslösens, Anstoßens etc.)

Nehmen wir als Beispiel* nun eine Familie, die ein Haus direkt am Meer hat und zusehen muss, wie das Wasser über die Jahre (auf Grund der sich erwärmenden Erde) immer näher an ihr Haus kommt, den Strand wegspült und an ihrem Zaun nagt.

Familienmitglied 1 (Retter-Haltung) sagt: Lasst uns das Klima retten, also unseren Energieverbrauch senken, uns vegan ernähren, keine Kinder mehr bekommen ... oder gleich fliehen, egal, was das kostet, Hauptsache, wir retten unser Leben.

Familienmitglied 2 (Opfer-Haltung) sagt: Die Umstände sind größer als wir, das Schicksal hat es so gewollt, wir können nicht wegziehen, dann verlieren wir alles. Lasst uns abwarten, was geschieht und eine gute Versicherung abschließen, falls dem Haus oder uns selbst etwas zustößt.

Familienmitglied 3 (Verfolger-Haltung) sagt: Wir kämpfen gegen das Meer! Lasst uns einen Deich um unser Grundstück errichten und das Haus auf hohe Stelzen stellen!

Welche der drei Grundhaltungen ist nun "die richtige"? Vermutlich keine für sich alleine. Der Nutzen einer guten Triade besteht nicht darin, den richtigen Weg zu finden, sondern sich mehr Optionen bewusst zu machen als man auf den ersten Impuls (der meist dem eigenen Naturell entspringt) hin sieht - und dann (gemeinsam) die bestmögliche Entscheidung zu treffen, welche Haltung bzw. welches Verhalten der Situation, dem Problem und dem Ziel am angemessensten ist.

Text: Werner Winkler
* P.S. Weil ich ab und zu darauf angesprochen werde: Ich wähle gerne Beispiele aus dem politischen Bereich, weil a) Politik eins meiner Leidenschaften oder Hobbys ist und b) weil kaum ein Thema uns alle so stark beeinflusst wie die Politik und ich es für angemessen halte, sich politisch zu bilden und - wo möglich - positiven Einfluss auf Faktoren auszuüben, die unser aller Leben betreffen.  
Tipp Nr. 284: Behandle den anderen so ...
Neulich erzählte mir ein Freund einen Witz, den ich noch nicht kannte und der sehr schön den obigen Satz illustriert:

Sitzen zwei hungrige Obdachlose vor einer katholischen Kirche und hoffen, dass ihnen die Besucher am Ende der Messe ein Almosen geben. Zwei ältere Damen gehen an ihnen vorbei. Sagt die eine zur anderen: Die bräuchten auch mal eine Badewanne. Als sie weg sind, fragt der eine Obdachlose den anderen: Was ist denn eine Badewanne?. Darauf der andere: Weiß ich doch nicht, ich bin nicht katholisch.

"Behandle den anderen so, wie er behandelt werden möchte" (oder, wenn du das nicht willst, lass ihn in Ruhe) heißt naturellwissenschaftlich interpretiert etwa - wie neulich in einer Beratung erlebt: Wenn ein Mensch mit blauem Naturell nur jammern und klagen möchte - dann unterlasse es, ihm Lösungen anzubieten.

Oder wenn jemand mit gelbem Naturell nur seine stressige und scheinbar unlösbare Situation beschreiben und dafür mein Mitgefühl möchte, dann sollte ich ihm das geben (wenn ich ihm Gutes tun möchte) und nicht auf Probleme verweisen, die ich schon sehe, er aber noch nicht.

Genauso im Fall des Bekannten mit Handlungstyp-Naturell, der offenkundig arbeitssüchtig ist und dadurch sich selbst und seine sozialen Beziehungen extrem belastet: Sein Ziel ist eben (noch) nicht, gesünder zu werden oder sich mehr Zeit für seine Kinder zu nehmen. Noch braucht er den Kick von Arbeit und Erfolg im Übermaß und ich kann mich entscheiden, ob ich das durch mein Verhalten und Reden oder mein Interesse unterstütze oder nicht.

Es gibt ja keinen Zwang, anderen Gutes zu tun - aber wenn wir diesen Wunsch haben, ist es menschlicher, zunächst das anzubieten, was jemand einfordert und so im Kontakt zu bleiben. Womöglich sind wir etwas später, wenn der andere merkt, was ihm tatsächlich fehlt, bei den wenigen, die dann noch in seiner Nähe sind und ihm zur Seite stehen können.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 283: Triade rückwärts?
Letzte Woche wurde ich (wieder einmal) in einem Vortrag gefragt, ob denn eine Triade nicht auch "rückwärts" einen Sinn machen würde.

Bei einer zumindest (siehe Anhang) könnte ich mir das vorstellen - und zwar so:

- eine gesunde Seele stärkt den Körper bzw. eine beunruhigte schwächt ihn

- ein gesunder Körper stärkt den Geist bzw. ein kranker schwächt ihn

- ein gesunder Geist stärkt die Seele bzw. ein verwirrter schwächt sie


Wobei sicher auch "andersherum" ein stärkender oder schwächender Einfluss zu beobachten ist. Manche Triaden sind ja nicht nur als Prozess nützlich, sondern auch im Sinne der Ausgewogenheit.

Tipp für heute daher: sowohl die derzeit stärkste als auch schwächste Seite in der Triade "Seele/Geist/Körper" identifizieren und die beiden miteinander in Kontakt bringen, um die schwächere durch die stärkere aufzubauen.


Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 282: Naturelltypgerechte Problemlösungsmatrix
Schon seit 1999 gibt es das "Leitdreieck", hervorgegangen aus der von Dietmar Friedmann entwickelten Startsequenz für Beratungs- oder Therapiegespräche. Während er die Abfolge "Was ist Ihr Problem?" - "Was ist Ihr Ziel?" und "Was haben Sie schon herausgefunden, das Sie Ihrem Ziel näher bringt?" praktizierte, bietet das "Leitdreieck" drei Einstiegsmöglichkeiten an:

1. Passend zum Beziehungstyp-Naturell: Eine Bestandsaufnahme der beklagten Situation und der vorhandenen Kompetenzen.

2. Passend zum Sachtyp-Naturell: Die sachliche Schilderung des problematischen Themas.

3. Passend zum Handlungstyp-Naturell: Die Klärung des praktischen Ziels bzw. der Absicht, warum jemand ein Gespräch sucht.

Von diesem Startpunkt aus erfolgt dann die "Weiterleitung" entlang des Dreiecks, wie im anhängenden Bild zu sehen und z.B. im Buch "Warum sind wir so verschieden?" oder hier www.123-modell/modul036.htm beschrieben.

Gerade in komplexen Problemstellungen eröffnet dieses Vorgehen und die Berücksichtigung aller drei Aspekte eine sinnvolle Hilfestellung und Klärungsmöglichkeit.

Beispiel: Der derzeit immer offenkundiger werdende Klimawandel und die ungewöhnlich starke Erwärmung der Erdatmosphäre.

Bestandsaufnahme: Es wird immer wärmer, immer mehr Eis schmilzt (Grönland, Nordpol, Gletscher), der Meeresspiegel steigt.

Problemthema: Immer mehr Regionen sind vom Meeresspiegel bedroht und könnten unbewohnbar werden; andere Regionen trocknen aus oder werden von starkem Regen unter Wasser gesetzt.

Zielklärung: Herausfinden, was man in der jeweiligen Region tun kann, um sich auf diese wohl nicht mehr umkehrbaren Veränderungen einzustellen.

Tipp: Das Leitdreieck einmal an einem eigenen Thema, einem eigenen Ziel oder einer belastenden Situation durchspielen und schauen, ob es einen Unterschied macht.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 281: Ausdauer und Geduld
Zur Zeit und noch in den nächsten Monaten gibt es eine schöne Gelegenheit, die Qualitäten "Geduld und Ausdauer" an einem prominenten Sachtyp-Politiker zu beobachten: bei Bernie Sanders, dem neben Hillary Clinton einzigen Bewerber bei den US-Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur.

Es lohnt sich, z.B. bei Facebook eine der vielen Bernie-Sanders-Seiten zu "liken" und dann mit zu beobachten, wie zäh (im positiven Sinn) er seine Themen und Ziele verfolgt, mit zu beobachten, wie sehr er die für ihn wohl überraschende Aufmerksamkeit und Unterstützung genießt und zur Höchstform aufläuft.

Eine wirklich Lehrstunde für an der Naturellwissenschaft interessierte. In diesem Sinne und unabhängig davon, was man von seinen politischen Anliegen hält: Feel the Bern! :)

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 280: Du bist nicht der Einzige ...
Ein Satz, den man sowohl in Beratung/Coaching/Therapie, als auch im privaten Gespräch nutzen kann, um die Erkenntnisse der Naturellwissenschaft für eine konkrete Situation verfügbar zu machen, lautet:

"Du bist nicht der/die Einzige, dem/der es so oder ähnlich ergeht!"

Drei Beispiele:

Ein "Gelber" erzählt mir, wie schwer es ihm fällt, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten, wenn er im Büro von Kunden unfair angegangen wird.

Eine "Blaue" kann sich nicht entscheiden, ihrem Freund die Wahrheit über ihren Kinderwunsch zu erzählen, obwohl dies zu ihren Lebenszielen gehört. Sie hat Angst, dass er keine Familie gründen will und sie dann verlässt.

Ein "Roter" weiß zwar, dass er viel zu viel arbeitet und sein Herz macht ihm immer wieder Probleme, aber wie er dagegen angehen soll, ist ihm ein Rätsel - es gibt eben viel zu tun und außer ihm kann das niemand erledigen.

Durch den obigen Satz lässt sich einerseits erreichen, dass der Gesprächspartner sein Problem nicht mehr als ein individuelles, einzigartiges sieht, sondern als eines, das eine ganze Gruppe von Menschen betrifft. Dies alleine entlastet.

Und dann kann man praktische Beispiele, Tricks und Erfolgsgeschichten von anderen aus dieser Gruppe erzählen, die zu eigenen Lösungsansätzen anregen und ermutigen können.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 279: Bereit zur Aufklärung?
Diese Woche hatte ich eine neue Klientin, bei der ihr Sachtyp-Naturell besonders auffällig zu Tage trat - sowohl in ihrem Äußeren, als auch in ihrer Sprechweise und ihren Problem- bzw. Lösungsschilderungen.

Trotzdem klärte ich sie intuitiv nicht über ihr Naturell und die damit zusammenhängenden zusätzlichen Erkenntnisse auf, auch wenn diese möglicherweise für sie nützlich gewesen wären.

Hinterher fragte ich mich dann, warum ich das Thema vermieden hatte? Es hätte mich schon gereizt, ihr (wie ich das häufig mache) die Broschüre mit den Erkennungsmerkmalen und den Tipps zu zeigen. Aber, so wurde mir klar: es waren im Moment ganz andere Fragen vorrangig für sie. Fragen, zu denen die Naturellwissenschaft keinen wesentlichen Beitrag hätte leisten können.

Trotzdem habe ich natürlich naturelltypgerecht mit ihr gesprochen und sie ihrem Naturell entsprechend bestärkt und unterstützt. Aber das "Geheimnis" habe ich für mich behalten.

Aus der Erfahrung von inzwischen fast 20 Jahren im Umgang mit der naturellwissenschaftlichen Aufklärung lässt sich ziemlich sicher sagen, dass es eine hohe Bereitschaft (pädagogisch gesprochen: ein weit offenes Lernfenster) braucht, sich aufklären zu lassen - und auf diesen Moment müssen wir als Aufklärer warten; dürfen ihn aber auch nicht verpassen, wenn wir uns vorgenommen haben, sinnvolles Wissen an andere weiterzugeben.

Achten Sie also diese Woche einmal darauf, ob jemand, dem Sie begegnen, so ein "offenes Lernfenster" in Sachen "Aufklärung über die Naturellunterschiede" hat - und nutzen Sie dann die Chance, jemand etwas Wertvolles zu schenken, das ihn dann sein ganzes Leben begleiten und bereichern kann!

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 278: Lösungskompetenzen
Heute möchte ich zwei interessante Videos empfehlen - beide erzählen etwas von den Lösungskompetenzen, in uns stecken und viel zu selten aktiviert werden.

Zum einen über einen Jungen, der ein scheinbar unlösbares Problem "ganz leicht" löst und dabei seinen Eltern zeigt, dass er schlauer ist als mancher Erwachsene:
http://www.t-online.de/tv/weitere-videos/eltern/id_77497466/junge-steckt-mit-seinem-kopf-im-gelaender-fest.html

Und dann die Geschichte eines alten Mannes aus Afrika (ich vermute, er gehört zu den Menschen mit Sachtyp-Naturell), der es mit Geduld und Neugier am Beobachten geschafft hat, nicht nur "ein Apfelbäumchen", sondern einen ganzen Wald anzupflanzen - und zwar in einer Wüstengegend:
http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/videos/burkina-faso-yacoubas-wunder-100.html

Dass er dabei am Ende eingestehen muss, dass er nicht alle Probleme lösen kann und "täglich dazulernt", möchte ich dann auch als Tipp der Woche weitergeben: Was können wir diese Woche dazulernen?

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 277: Naturelltypgerechte Tipps für Regentage
Regentag-Tipp für Menschen mit gelbem Naturell: die Langeweile aushalten, bewusst nichts tun, auf den Sofa sitzen und warten, bis ein Impuls kommt, etwas zu tun. Diese Idee auf einen Zettel schreiben und weiter warten, bis drei Ideen vorhanden sind. Erst dann eine davon umsetzen und die anderen beiden aufschieben.

Regentag-Tipp für Menschen mit blauem Naturell: eine Belohnung aussetzen für eine Tätigkeit, die man sich schon lange vorgenommen hat - und zwar groß genug, dass sie auch tatsächlich motiviert, sie heute noch umzusetzen.

Regentag-Tipp für Menschen mit rotem Naturell: sich selbst, einem lieben Menschen und einer größeren Gruppe von Menschen, denen man sich verbunden fühlt, etwas Gutes tun, etwas Schönes sagen, etwas schenken.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 276: Tief verwurzelt und angeboren ...
Der Tipp der Woche kommt heute mit einem Zitat aus der Vergangenheit, nämlich vom römischen Philosophen Seneca (vermutlich mit Sachtyp-Naturell begabt). Er schrieb an seinen Freund Lucilius:

"Durch keine Weisheit nämlich lassen sich die natürlichen Gebrechen des Körpers oder des Geistes beseitigen: Was tief verwurzelt und angeboren (lat.: infixum et ingenitum) ist, wird durch theoretische Belehrung zwar gemildert, aber nicht überwunden."

und weiter: "Was immer das Los der Geburt und des Körpers Verfassung zugewiesen haben, wird haften bleiben, mag der Geist auch viel und lange an sich gearbeitet haben; nichts davon kann verwehrt, ebensowenig wie herbeigeholt werden."

Auf dieser Basis lässt sich das Motto "Ich bin okay, du bist okay" aus der Transaktionsanalyse noch einmal gelassener anwenden - auch wenn wir uns beständig bemühen, die Schwächen unseres Naturells im Zaum zu halten, ist es doch nur "natürlich", dass sie hin und wieder über unseren Wunsch und Willen siegen. Das hält uns menschlich und das Wissen darum hilft uns, mit anderen und deren Schwächen gnädiger umzugehen.

Text: Werner Winkler, Zitate nach der Übersetzung von Franz Loretto, Epistulae morales ad Lucilium, Liber I, Reclam 1977, 11. Brief, 1 und 6
Tipp Nr. 275: Drei Naturelle in den US-Vorwahlen
Wenn ich mich nicht täusche, können wir im US-Vorwahlprozess derzeit sehr schön die Unterschiede zwischen drei Naturellen und ihren Präferenzen beobachten:

- Donald Trump, vermutlich ein "Gelber" mit wenig Verstand und Verständnis, dafür aber verrückten Ideen und viel Anziehungskraft in Richtung Seinesgleichen

- Bernie Sanders, vermutlich ein "Blauer", jahrzehntelang mit den gleichen Themen, rebellisch und klug, theoretisch fundiertem Wissen, und lange unterschätzt

- Hillary Clinton, vermutlich eine "Rote" ohne allzuviel emotionaler Ausstrahlung, dafür aber starkem Kampfeswillen, viel Geld (oder Schulden?) und langer Berufserfahrung

Tipp: Bei YouTube und Co. mal Interviews und Reden der drei vergleichen und die verschiedenen Stile kennenlernen. Mein Liebling im Moment: Bernie Sanders bekommt während einer Rede Besuch von einem Spatzen. Seine sachtypische Mimik dabei ist schön zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=eqVEzGOM7m0

Hier ist ein Bild mit allen dreien: http://thehill.com/sites/default/files/styles/article_full/public/article_images/clintontrumpsanders_getty_getty_gn.jpg?itok=m4UjSMUu

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 274: Zeitumstellung
Da es vermutlich noch einige Jahre dauern wird, bis die EU-Kommission (mit der notwendigen Zustimmung aller 28 Mitgliedsländer!) auf den Wunsch der Mehrheit der Betroffenen einlässt und die jährliche Zeitumstellung wieder abschafft, müssen wir uns irgendwie arrangieren.

Drei (dem Naturell angepasste) Tipps hierzu:

- Menschen mit Beziehungstyp-Naturell könnten die Zeitumstellung einfach freundlich ignorieren und sich den Ärger darüber sparen

- Menschen mit Sachtyp-Naturell könnten sich eine Woche frei nehmen und dann täglich zehn Minuten früher aufstehen, um sich so umzustellen

- Menschen mit Handlungstyp-Naturell könnten sich den Wecker eine zusätzliche Stunde früher stellen und sich dann freuen, dass sie noch eine Stunde schlafen dürfen

- zusätzlicher Tipp für Menschen mit Untertyp Fühler: unbedingt früher schlafen gehen, weil Fühler fehlenden Schlaf am meisten vermissen (im Gegensatz zu Denkern, denen einige Tage weniger Schlaf sogar guttun kann)

Tipp für alle: Auf den Herbst freuen, wenn die "geklaute" Stunde (wenn auch ohne Zinsen, aber daran sind wir ja schon gewöhnt) wieder zurückerstattet wird.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 273: In Memoriam Guido Westerwelle
Man mag zu den politischen Ansichten des früheren Außenministers und FDP-Vorsitzenden so oder so gestanden haben - aber für viele war er ein starker, sympathischer Charakter; vielleicht auch, weil er ab und zu so krasse Fehler begangen hat und über seine eigenen Ziele hinausgeschossen ist. Dass Guido Westerwelle jetzt schon mit 54 Jahren an Leukämie gestorben ist, erschüttert viele.

Diese Woche fand ich ein längeres Interview mit ihm, das er vor wenigen Monaten dem SPIEGEL gegeben hat. Ich empfehle, es im Andenken an ihn zu lesen und sich von der darin spürbaren Reife und Menschlichkeit berühren zu lassen. Selten war ein Politiker so ehrlich, scheint mir - gerade im Angesicht schwerer Krankheit und dem Risiko des Sterbens, wie Guido Westerwelle in dem, was er hier sagt:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/guido-westerwelle-im-spiegel-gespraech-und-dann-stirbste-a-1083100.html

Und wer auch die fachliche, naturellwissenschaftliche Seite "mitlesen" möchte: Das Naturell des Wir-Beziehungstyps lässt sich hier gut erkennen.

P.S. Die ungewöhnlichen Sonderzeichen letzte Woche hatten ihre Ursache in einer Umstellung bei unserem Internet-Provider (geänderter Zeichensatz). Wir bitten um Entschuldigung und hoffen, dass das Problem jetzt behoben ist.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 272: Wahlen, fehlender Link und Akademie im Internet
So kann es gehen - bei meinem letzten Tipp habe ich wohl aus Versehen den entscheidenden Link vor dem Absenden gelöscht: www.123modell.de/grafik.htm - dort können viele Grafiken zu unserem Thema, z.B. für Webseiten, Flyer, Präsentationen oder Skripte, heruntergeladen werden.

Außerdem möchte ich bei dieser Gelegenheit auf die "Akademie" zum Erlernen des 123-Modells auf www.123modell.de/akademie.htm hinweisen, die in über 50 Modulen das Fachwissen portionsweise auffächert.

P.S. Und für alle Leserinnen und Leser in Bundesländern, in denen heute gewählt wird der dringende Tipp: Gehen Sie bitte wählen und entscheiden Sie sich für eine freundliche Partei und damit gegen Hass, Feindschaft und Intoleranz. Eine niedrige Wahlbeteiligung nützt vor allem den Extremisten - und wohin es führt, wenn die Oberwasser bekommen, haben unsere Großeltern von 1933-1945 erlebt. Einmal reicht.

Text: Werner Winkler


Tipp Nr. 271: Gratis Grafiken zur Verwendung
Auf Nachfrage einer Kollegin möchte ich auf eine Webseite hinweisen, auf der ich kostenlos verschiedene Grafiken zum 123-Modell zur Verfügung stelle, z.B. Triaden oder Landkarten sowie das beliebte "Verschieden? Okay!"-Logo, das auch am Ende des neuen Films auftaucht.

Auch die neuen Motive der aktuellen Broschüre (Titelbild im Anhang), die seit dieser Woche lieferbar ist, sind dort zu finden. Die Broschüre selbst ist über die Titelseite von www.123modell.de als PDF jederzeit downloadbar.

Die Bilder können von dort einfach auf den eigenen Schreibtisch gezogen und in andere Dokumente (Webseiten, Word-Dateien, Powerpoint-Präsentationen) eingebaut werden.

Und falls jemand dort etwas vermisst, einfach melden - ich versuche, das dann nachzuliefern.


Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 270: Walnussbäumchen statt Apfelbäumchen
Ein aufmerksamer Leser hat mich darauf hingewiesen, dass Walnussbäume die bessere Metapher für "die Hoffnung behalten" sind als Apfelbäume - das will ich gerne aufnehmen und weitergeben.

Walnussbäume säen sich nämlich selbst aus (indirekt auch über Tiere, die Walnüsse für den Winter vergraben und vergessen), Apfelbäume benötigen menschliche Pflege und verwildern, wenn das nicht geschieht. Sie säen sich auch nicht selbst aus, zumindest nicht die Zuchtformen.

Was für ein Tipp lässt sich nun daraus ableiten? Noch besser, als die Hoffnung in der Welt zu halten ist es, andere dazu anzustiften, die dann wiederum andere anstiften. Etwa dadurch, dass man seinen Kindern, Enkeln oder jungen Menschen überhaupt wertvolles Wissen (wie das um die Naturelle) beibringt und es mit ihnen auf die Reise in die Zukunft schickt.

Vielleicht steht der Walnussbaum auch für die ganz authentischen Werte, die wir vorleben und dadurch weitergeben, ohne viel zu sagen oder zu "lehren". Es strengt den Walnussbaum ja nicht an, Nüsse zu produzieren - es ist einfach seine Natur.  

Und auch diesen Vers zum Thema "Hoffnung", der mir zugetragen wurde, möchte ich gerne teilen:

Schlägt dir die Hoffnung fehl,

nie fehle dir das Hoffen!

Ein Tor ist zugetan,

doch tausend sind noch offen.

(Friedrich Rückert, in: Freimund, Die Weisheit des Brahmanen)


Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 269: Unsere Apfelbäumchen
Vielleicht ist manchen hier schon aufgefallen, dass es auf Facebook und YouTube bereits den lange angekündigten Film zum Thema "Naturellunterschiede" gibt (https://www.youtube.com/watch?v=EC5-m42MVyQ).

Nun mag man sich als kritischer Zeitgenosse fragen, wie wir für relativ viel Geld ein "nettes Filmchen" produzieren können, wo doch in Syrien der Krieg die Städte und Menschen zermalmt, das Klima außer Kontrolle gerät und das Ökosystem von einer ungeheuren Zahl an Menschen (und den Tieren, die sie für ihre Ernährung füttern oder aus dem Meer holen) buchstäblich "leergegessen" wird? Müsste man sich nicht lieber darum kümmern?

Auch wenn der Satz nicht von Martin Luther stammt, wie oft genannt - er hat etwas Mutmachendes: Würde ich wissen, dass schon morgen die Welt untergeht, ich würde noch heute ein Apfelbäumchen pflanzen!

Ich lese diesen Satz so: Wenn wir nicht mehr daran glauben, dass es noch oder wieder "gut" werden kann mit uns Menschen und der einzigen Welt, auf der wir leben können - dann lohnt es sich weder, etwas zu lernen, zu erforschen, sich mit Kindern abzugeben oder ein Hobby zu pflegen. Aber wenn wir noch Hoffnung haben, dann ist es auch legitim oder sogar sinnvoll, hier und da ein Apfelbäumchen zu pflanzen oder einen Apfelbaum zu pflegen.

In diesem Sinne: viel Spaß mit dem ersten Film zum Thema "Naturellunterschiede"!

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 268: Wichtiger Artikel zur Naturellwissenschaft
Wie viele Leserinnen und Leser vermutlich mitbekommen haben, gibt es in den letzten Monaten eine verstärkte Beachtung und Verwendung des Begriffs "Naturell" anstatt "Typ" oder "Persönlichkeitstyp".

Die Gründe dafür und auch, welche Verbindungen es zwischen der Idee eines "Naturells" und dem "Temperament" in der akademischen Wissenschaft gibt, hat Günter Hiller, Dipl.-Pädagoge aus Freiburg in einem umfangreichen Artikel herausgearbeitet.  

Es lohnt sich wirklich - nicht nur für akademisch Gebildete -  dafür eine Stunde Zeit aufzuwenden und ihn in Ruhe zu lesen. Hier (www.123modell.de/hiller-naturellwissenschaft.htm) ist er im Internet zu sehen, die Empfänger des Rundbriefes erhalten ihn zudem als PDF-Datei zugesandt.  
Tipp Nr. 267: Gewichtung - Grafiken
Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört im Zusammenhang mit den Naturellgruppen: "Ich habe von allen dreien etwas ..." - oft verbunden mit dem Zusatz "ich kann mich keiner der drei Gruppen zuordnen".

Was zunächst nach einer Sackgasse im Gespräch klingt, ist jedoch ein guter Ansatzpunkt, um das Wesen der Zuordnung zu erklären: dass es da eine "Gewichtung" zwischen drei Optionen gibt (also eine bevorzugte und eine vernachlässigte Ecke in den "Triaden"), z.B. zwischen "Ja", "Vielleicht" und "Nein".

Wenn ich dann noch eine kleine Zeichnung zeigen kann (wie im Anhang), wird es meist rasch klarer: Die Zugehörigkeit zu einer Naturellgruppe bedeutet eben nicht, nur die Eigenschaften dieser Kategorie zu zeigen, sondern sie zu bevorzugen. Wobei es vielen meiner Gesprächspartner leichter fällt, die vernachlässigte Seite zu identifzieren - woraus sich dann ja (rückwärts, gegen die Pfeilrichtung) ein guter Hinweis gibt, was die Bevorzugung sein könnte.

Anbei das Gewichtungsmotiv für alle drei Grundtypen individuell umgesetzt - plus drei Zeichnungen, die den Ausgleichsprozess zeigen.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 266: Veränderungen versus Bleibendes
Wenn Veränderungen passieren oder geplant werden, empfiehlt es sich, besonders jene Dinge in den Blick zu nehmen, die "so gut sind, dass sie bleiben sollen" (Steve de Shazer).

Gerade in besonders "aufregenden" Zeiten geraten nämlich jene Errungenschaften, die wir eher als selbstverständlich betrachten und ohne große Würdigung oder Dankbarkeit nutzen, gerne ins Abseits unseres Bewusstseins.

Dies betrifft (im größeren Rahmen) unsere Zivilgesellschaft in Europa derzeit ebenso wie (im viel kleineren Rahmen) unsere Initiative, die bisher "Psychographie-Initiative" hieß und künftig - auf Beschluss der Mitgliederversammlung vom 30.1.16 "Initiative zur Förderung der Naturellwissenschaft" heißen wird.

Über jede Rückmeldung, was die Leserinnen und Leser dieses "Tipps der Woche" für "gut und erhaltenswert" empfinden (im Verein oder in unserer Gesellschaft), freue ich mich. Und vielleicht mögen Sie heute jemand mit einem entsprechenden Kompliment in dieser Richtung überraschen, der gar nicht damit rechnet? Ich finde zum Beispiel die Programmierung der Seite, auf denen ich die "Tipps der Woche" eingeben kann, sehr gelungen und danke bei dieser Gelegenheit den beiden Experten im Hintergrund, die sich darum kümmern!

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 265: Richard von Weizsäcker
Nächsten Sonntag vor einem Jahr, am 31.1.2015, starb der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Er war für viele ein außergewöhnlicher Mensch und Politiker und auch seine Rede im Bundestag zum 40. Jahrestag des Kriegsendes (die ich zum Nachlesen als Tipp der Woche empfehle), bleibt in Erinnerung.

Aus ihr möchte ich heute zitieren. Nicht, weil dieses Zitat etwas mit unserem Thema der unterschiedlichen Naturelle zu tun hat, sondern weil es immer wieder Situationen und Themen gibt, in denen für alle Naturellgruppen gleiche Herausforderungen auftauchen: im aktuellen Fall die Gefahr, dass (wieder) blinde Vorurteile, Rassismus und Hass die Oberhand gewinnen - in den Köpfen und Herzen Einzelner, in den Medien oder in der öffentlichen Meinung, in den Gesprächen am Arbeitsplatz, der Familie, in der Schlange an der Supermarktkasse.

Dem müssen sich alle entgegenstellen, die "an das Gute im Menschen glauben" (wie Anne Frank es in ihrem Tagebuch formuliert hat).

Richard von Weizsäcker (vermutlich ein wir-verbundener Beziehungstyp):

"Wir lernen aus unserer eigenen Geschichte, wozu der Mensch fähig ist. Deshalb dürfen wir uns nicht einbilden, wir seien nun als Menschen anders und besser geworden.

Es gibt keine endgültig errungene moralische Vollkommenheit - für niemanden und kein Land! Wir haben als Menschen gelernt, wir bleiben als Menschen gefährdet. Aber wir haben die Kraft, Gefährdungen immer von neuem zu überwinden.

Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Haß zu schüren.

Die Bitte an die jungen Menschen lautet:

Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder Türken*,
gegen Alternative oder Konservative,
gegen Schwarz oder Weiß.

Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander."

Auszug aus der Rede Richard von Weizsäckers zum 8. Mai 1985 im Deutschen Bundestag, hier komplett nachzulesen: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Richard-von-Weizsaecker/Reden/1985/05/19850508_Rede.html

* hier wäre 2016 wohl hinzuzufügen: Marokkaner, Syrer, Afghanen, Flüchtlinge, Asylbewerber ...  

Text/Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 264: Drei Naturelle in zwei Filmen
Wer den "Kleinen Prinzen" von Saint-Exupéry gelesen und gemocht hat, wird ziemlich sicher auch die aktuelle Filmadaption im Kino (und vermutlich bald auf DVD) schätzen: https://www.youtube.com/watch?v=3crIu0YxKWE - in diesem Film für mich überzeugend (wenn auch extrem) dargestellt: wie die (Handlungstyp-)Mutter der Hauptdarstellerin versucht, das Leben ihrer Tochter durchzuplanen und sie auf beruflichen Erfolg zu trimmen - und wie die Tochter trotzdem ausbricht; hierbei scheint es mir nochmal erinnernswert zu erwähnen, dass Saint-Exupéry ziemlich sicher selbst zu dieser Naturellgruppe gehörte und sich in seinem Buch viele Anspielungen darauf finden lassen; man könnte auch in der Figur des "Kleinen Prinzen" so etwas wie sein "gelbes Ich" sehen.

Und wer mit seinen Kindern eine Gelegenheit sucht, sehr prägnant über die Naturellunterschiede zu sprechen, kann dies mit "Zoomania" - ein Trailer dazu findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=4L5oaM8-xvQ - darin sehr schön dargestellt, wie groß die Unterschiede im Kommunikationsverhalten zwischen den "Gelben" und den "Blauen" von der jeweils anderen Seite aus wahrgenommen werden.

Tipp der Woche also: wenn es draußen kalt und ungemütlich ist, mal wieder einen schönen, tiefsinnigen oder anspruchsvollen Film schauen und "nebenbei" noch etwas dazulernen ...

P.S. Und für diejenigen, die auf den ersten Film über die Naturellunterschiede warten, der auf unserer letzten Fachtagung präsentiert wurde: Er ist jetzt fertig und wird für die Einbindung auf unserer Homepage und auf YouTube vorbereitet. Wir informieren dann über den Rundbrief, wenn er sichtbar ist.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 263: Persönlichkeitsprägung bewusst machen
Neben dem Naturell, das nach unserer Beobachtung viele andere Faktoren überlagert, gibt es bekanntlich noch andere, über die man sich bewusst werden sollte, wenn man sich als Gesamtpersönlichkeit verstehen möchte.

Interessant erscheint mir hierzu auch die zeitliche Reihenfolge und die Erkenntnis, wie viele Faktoren schon (lange) vor der Geburt geprägt werden, z.B. die Ausrichtung des sexuellen Begehrens oder das Körpergefühl (ob es eher "männlich" oder "weiblich" angelegt ist).

Hierzu möchte ich nochmal den Artikel aus der ZEIT zu diesem Thema empfehlen, der meines Erachtens hierzu sehr klar den Stand der Wissenschaft klärt: http://www.zeit.de/2013/11/Homosexualitaet

Tipp daher an alle, die sich mit dem Phänomen "Persönlichkeit" beschäftigen, nicht nur das Naturell zu beachten, sondern auch die anderen Faktoren (s. in anhängender Skizze).

Text und Grafik: Werner Winkler
Tipp Nr. 262: Naturelltypen statt "Typen"
Bei meinen "Aufklärungsgesprächen" rund um das Naturell versuche ich immer wieder, eine bestmögliche Sprache für die Phänomene zu finden, mit denen wir uns beschäftigen.

Wenn ich mit Klienten über "Typen" sprach, kam es oft zu Missverständnissen, da dieser Begriff keine Aussage darüber macht, welche Art von "Typ" gemeint ist - es gibt ja auch Farbtypen oder Hauttypen. Über "Persönlichkeitstypen" zu sprechen grenzt zwar die Sache etwas ein, aber auch hier lauern Fallen: meist wird darunter eine sehr umfassende Eingruppierung einer Person verstanden, im Sinne von "ihr ganzes Wesen betreffend".

Da wir aber nur jenen Anteil an der Gesamtpersönlichkeit beachten (und über ihn aufklären), der unabhängig von späteren Einflüssen und den vererbbaren Genen einem Menschen (oder Tier) angeboren mitgegeben wird, hat sich der Begriff "Naturell" als sinnvolle Wortwahl erwiesen - auch als Abgrenzung zu anderen Merkmalen, die etwa durch vererbte Gene, Kultur, Erziehung oder Biografie hinzukommen.

Wer also weiterhin von "Typen" sprechen möchte, kann durch die Erweiterung des Begriffs zu "Naturelltypen" deutlicher sagen, was gemeint ist; wobei auch "Naturellgruppen" nach meiner Erfahrung gut ankommt, ebenso der Satz "Menschen mit einem Naturell, wie Sie es zeigen/wie Ihr Kind/Mitarbeiter/Partner usw. es zeigt ...".

Auch die Rede von einem "Beziehungstyp-Naturell" ist unter Umständen hilfreich - und wer mutig ist und in einer entsprechend lockeren Gesprächsrunde, kann auch mal von einem "Gorilla-Naturell" oder einem "Blauwal-Naturell" sprechen.

Mein Tipp daher: die eigene (Fach-)Sprache immer wieder überprüfen, mit neuen Begriffen experimentieren und beobachten, welche davon am besten verstanden werden.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 261: Naturellbewusstsein
Noch vor 150 Jahren war sich niemand der Existenz von Vitaminen bewusst (hier nachzulesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Vitamin) - dieser Bestandteil der Nahrung wurde schlichtweg nicht gesehen und deshalb war auch dessen Bedeutung unbekannt. Vor 500 Jahren wusste niemand, dass es Bakterien gibt und dass sie für viele Krankheiten verantwortlich sind. Doch auch als die ersten Forscher Vitamine oder Bakterien zu verstehen begannen, waren es noch viele Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte, bis die Allgemeinheit diese Erkenntnisse aufgenommen hatte.  

Ähnlich ist es, so scheint mir, mit dem Persönlichkeitsbestandteil, den wir "Naturell" nennen: bisher sind sich nur wenige bewusst, dass Menschen und Tiere ein "Naturell" besitzen. Die aus dem Naturell resultierenden Phänomene werden zwar trotzdem gesehen und nach bestem Wissen benannt, z.B. "ich mag mehr Menschen in der Art wie Y. ..." oder "in der Abteilung 5 gibt es viele sehr emotionale Menschen" bzw. "der Herr M., das war ein Mensch wie du einer bist, Werner". Aber die korrekte Ursache der Phänomene ist noch unbekannt.

Meine Erfahrung (und damit der Tipp für heute) ist, dass wenn ich den bislang eher übersehenen Persönlichkeitsanteil klar benenne (als "Naturell") und je nach Anlass mehr oder weniger dazu sage, dass ich fast immer auf offene Ohren stoße - als habe man darauf gewartet, endlich ein Wort und ein Erklärungsmuster für etwas zu bekommen, das man zwar schon gesehen, aber nicht verstanden hat, weil es noch keinen Namen hatte.

Und es freut mich dann, wenn ich oft Jahre nach so einer "Aufklärungsarbeit" höre, wie langfristig wirkungsvoll und nützlich sie war.

Für das Jahr 2016 wünsche ich uns, dass es uns gelingt, wieder viele Interessierte mit einem Bewusstsein für das Naturell zu beschenken - und auch dadurch vielleicht ein klein wenig zu mehr Frieden und Verständnis beizutragen.

Text: Werner Winkler
Grafik: Petra Schmalzl
Tipp Nr. 260: Demut
"Demut ist Mut zur Wirklichkeit" hat mir einmal ein Lehrer gesagt. Daran musste ich diese Woche denken, als ich Günter Hillers Forenbeitrag zur Diskussion um die Verwendung des Naturellbegriffs im neuen Vereinsnamen las.

Und ich musste an Christoph Kolumbus und die anderen Seefahrer denken, die nach ihm den Weg nach Westen gewagt haben. Zuerst dachten sie, die Inseln, die sie entdeckt hatten und die auf keiner ihrer Landkarten verzeichnet waren, seien ein Teil von Indien. Andere sprachen von einer neuen Welt. Und manch einer mag auch gedacht haben, es seien wirklich nur zwei oder drei weitere Inseln im weiten Meer wie die Azoren.

Irgendwann wurde dann klar, dass "nur" ein neuer Teil der schon bekannten Welt wiederentdeckt worden war; heute wissen wir, dass schon vor über 10000 Jahren Menschen diesen Kontinent entdeckten und besiedelten - und dass zwischendurch einmal Seefahrer ihn von Europa aus bereist und sogar versucht hatten, Landkarten zu zeichnen.

Vergleichen wir einmal ganz demütig (im Sinne von "Anerkennen der Wirklichkeit") Dietmar Friedmann mit Christoph Kolumbus. Dann können viele von uns sagen: "Wir waren dabei" - vielleicht nicht auf der ersten oder zweiten Fahrt, aber noch ganz am Anfang. Wir haben seine Hoffnung geteilt, einen einfachen Weg zur perfekten Psychotherapie gefunden zu haben. Wir haben irgendwann gemerkt, dass er (scheinbar) etwas ganz Neues und auf jeden Fall etwas sehr Spannendes und Nützliches gefunden hat und es nach vielen anderen Versuchen "das Naturell" genannt.

Wir haben auch erkannt, dass schon die alten indischen Ayurveda-Ärzte darüber Bescheid wussten und dass die Lehrer des Enneagramms eine mündliche Überlieferung durch die Zeit getragen hatten, die zeigt, dass nicht nur die drei Konstitutionstypen der Inder, sondern auch weitere Differenzierungen gesehen wurden.

Und nun, da wir den "Weg nach Westen", die neuen Aspekte der menschlichen Persönlichkeit und den Reichtum erkannt haben, der hier für unser Bewusstsein über uns selbst bereit liegt, müssen wir demütig, also mit dem Mut zur Wirklichkeit erkennen, dass wir uns in einem für uns neuen Land befinden - und dass wir "dabei sind". Genauso merken wir aber, dass es nicht einfach ist, mit denen, die noch nicht mit uns aufs Schiff gestiegen sind und das neue Land mit eigenen Augen gesehen haben, darüber zu sprechen. Viel mehr als einige Früchte oder unbekannte Tiere können wir nicht vorzeigen, um noch einmal zur Metapher zurückzukehren. Das neue Land will ja selbst erlebt und erforscht werden, Erzählungen darüber können diese Erfahrung nicht ersetzen und wer es nicht wagt, aufs Schiff zu steigen, wird nicht wissen, wovon wir sprechen.

Was wir aber können ist, nicht mehr von einem Weg nach Indien zu sprechen (auch wenn Kolumbus im Prinzip recht hatte, dass es in dieser Richtung auch nach Indien geht), sondern von "Amerika", einem neuen Kontinent auf der schon seit Jahrtausenden erforschten Landkarte der Persönlichkeit (nicht nur der menschlichen, was ich hier noch einmal anmerken möchte).

Den Artikel von Günter Hiller kann man bei Interesse hier nachlesen: www.123modell.de/hiller2015.htm

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 259: Jane Goodall - Helmut Schmidt - Marcel Reich-Ranicki
Im Alter werden manche Menschen ja sehr "weise" und es ist eine wahre Freude, ihnen zuzuhören. Dank YouTube und Internet geht das sehr leicht und sogar kostenlos.

Ich habe drei Beispiele herausgesucht, die im Entwicklungs- oder Ressourcenbereich liegen: einmal die berühmte Schimpansenforscherin und Umweltaktivistin Dr. Jane Goodall (vermutlich Beziehungstyp-Naturell), die man hier in einem bewegenden Statement sehen kann:
https://www.youtube.com/watch?v=99gJKzINNow

Dann der kürzlich verstorbene Altkanzler Helmut Schmidt mit seiner Frau Loki (beide vermutlich Handlungstyp-Naturell): https://www.youtube.com/watch?v=FUnf7tRR7O4 - gerade Loki Schmidt zeigt sich dabei als sehr typische "Rote" :)

Und zuletzt Marcel Reich-Ranicki, wie er überdeutlich und anspruchsvoll "Nein" sagt: https://www.youtube.com/watch?v=jsbhA64PvwA - sogar mit Thomas Gottschalk (Beziehungstyp) mit einem Rettungsversuch.

P.S. Falls jemand das Cello-Stück sucht, das Reich-Ranicki am Ende seiner Rede anspricht, es ist hier zu sehen und zu hören: https://www.youtube.com/watch?v=J9e_t5winag

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 258: Bild für die Gewichtung
Das Prinzip der Gewichtung, also die Dynamik zwischen den bevorzugten und vernachlässigten Optionen einer Triade, gehört sicher mit zum Wertvollsten, was die Naturellkunde anzubieten hat.

Umso wichtiger sind hier klare Bilder und Erklärungsmuster, wie das Beispiel der Händigkeit (starke und schwache Hand).

Gestern fiel mir nun ein schönes Alltagsbild für die Gewichtung auf, das ich gerne mit den Lesern und Leserinnen hier teilen möchte: Ich war als Kalligraf in einem Stuttgarter Kaufhaus engagiert, um Weihnachtskugeln zu beschriften, hatte aber nebenher genügend Zeit, meine Mitmenschen beim Weihnachtsshopping zu beobachten.

So auch einen Vater, der vor sich einen Buggy-Kinderwagen schob, an dem sehr viele volle Einkaufstüten hingen. Einmal ließ er ihn los - und obwohl vorne im Wagen ein Kind saß, kippte der Wagen und er musste ihn abfangen. Das Kind war offensichtlich zu leicht bzw. die Einkäufe zu schwer.

Ein schönes Bild für die Gewichtung, dachte ich da: Wenn wir nicht absichtlich und mit dem "Gewicht" unseres Bewusstseins dagegen halten, neigen wir uns automatisch in Richtung unseres naturelltypischen Schwerpunkts - also dahin, wo unser Naturell uns gewohnheitsmäßig tendieren lässt. Der Vater hätte aber auch seinen größeren Sohn, der sich mit mir über Weihnachtskugeln unterhielt, in den Wagen setzen und so ein Gegengewicht schaffen können; oder ihm ein paar Tüten zum Tragen abgeben. Dann wäre des ausgeglichen und er hätte nicht den Wagen stützen müssen.

Und für die Fortgeschrittenen im Thema: der Wagen selbst bzw. sein Zustand steht hier für den "Kontrolleur", also den dritten Bereich in der Triade.

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 257: Lexikon der Naturellkunde
Um das immer weiter wachsende Feld der Naturellkunde ein bisschen übersichtlicher zu machen, habe ich begonnen, ein "Lexikon der Naturellkunde" im Internet zu schreiben: www.123modell.de/lexikon.htm - einfach mal reinschauen und überprüfen, wie aktuell oder vollständig der eigene Kenntnisstand des 123-Modells so ist (auch wenn das Lexikon natürlich noch lange nicht vollständig ist).

Die Stichworte sind alphabetisch geordnet und z.T. mit Links zu Vertiefungen auf anderen Seiten versehen. Für Ideen zu noch aufzunehmenden Stichworten über wewinkler@t-online.de bin ich dankbar; gerne auch ganze Texte, falls sich jemand berufen fühlt, einen Beitrag zu leisten.

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 256: Sachtyp-Mini-Mimik
Heute möchte ich einen kurzen Film empfehlen, in dem beispielhaft der Unterschied zwischen Beziehungstyp- und Sachtyp-Mimik zu sehen ist. Es lohnt sich auch, den Film ohne Ton anzuschauen und nur auf die Gesichter zu achten.

https://www.youtube.com/watch?v=1qzH2SGd16Y

Es ist ein Ausschnitt der Antwort von Horst Seehofer an Angela Merkel. Während er (Beziehungstyp) sie hart (und wie ich meine, unfair) kritisiert und dabei lächelt, schaut sie (Sachtyp) nur starr, verzieht aber ab und zu die Augenbrauen. Ich möchte nicht wissen, was die Kanzlerin währenddessen gedacht hat ...  

Tipp daraus: Sachtypen sehr genau beobachten, ihre mimischen Reaktionen sind meist minimal, aber durchaus aussagekräftig. Das lässt sich schon bei kleinen Kindern sehen - neulich sah ich eine Mutter, die ihrem Sachtyp-Sohn (knapp ein Jahr alt) die Flasche geben wollte. Das Kind bewegte nur den Kopf leicht von rechts nach links, um dem Schnuller zu entgehen. Von außen sah das wie ein "Nein" aus, jedoch sehr dezent. Die Vermutung lag nahe, dass er keine Flasche wollte und als die Mutter dann die Brust anbot, trank er sofort.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 255: Drei Antworten auf derlei Hass
Angesichts des sich derzeit zeigenden Hasses möchte ich auf drei Arten von Hass - entsprechend den drei unterschiedlichen Naturellen - hinweisen und drei mögliche Antworten darauf beschreiben.

"Gelber" Hass zeigt sich z.B. darin, dass ganzen Gruppen die eigene Zuneigung pauschal entzogen wird (die man aber weiterhin für andere, denen man sich verbunden fühlt, zeigen kann). Die typischerweise vorhandene natürlich Zuneigung und Freundlichkeit ist also nicht komplett auf Null, sondern nur selektiv abgeschaltet, meist aus schlichter Unkenntnis, Desinformation oder Dummheit.

Eine Antwort auf eine solche Art von Hass könnte der Versuch sein, erneut die verlorene Empathie und Freundlichkeit zu wecken, z.B. durch persönliche Begegnungen mit denen, denen die Zuwendung entzogen wurde.

"Blauer" Hass zeigt sich z.B. in abwertender, sarkastischer Sprache, in Büchern mit scheinbar intellektuell anspruchsvollen Titeln aber kaum verhohlenen Aufrufen zur Ausgrenzung ganzer Gruppen oder auch im Wegschauen, Wegducken, Nichtstun dort, wo mutige Taten selbstverständlich sein sollten. Es werden also keine Taten als Ausdruck des Hasses gezeigt oder angeboten, sondern Gedanken und Ideen, die dann von anderen umgesetzt werden sollen.

Eine Antwort auf eine solche Art von Hass sind z.B. ebenso intellektuelle und geistreiche Erinnerungen an Kultur, Toleranz, Fairness (wie etwa letzte Woche von führenden katholischen Ordensleuten in einem Offenen Brief an Horst Seehofer verbreitet), auch gute Argumente, klare Zahlen, historische Fakten können den blau eingefärbten Hass mildern.

"Roter" Hass zeigt sich z.B. in konkretem Verhalten und unverhohlen hasserfüllten oder auch nur offen unfreundlichen Worten und Taten. Es werden etwa böse Unterstellungen gegenüber Menschen geäußert, die man gar nicht kennt und denen man die übliche Unschuldsvermutung und das Recht auf faire Behandlung entzieht. Selbst vor Brandsätzen, Prügel, Mord und offenem Terror wird nicht zurückgeschreckt, um eigenen Ziel oder Ideen Ausdruck zu verleihen. Dafür wird dann sogar der eigene gute Ruf, öffentliches Ansehen, die politische Karriere oder gar das eigene Leben aufs Spiel gesetzt und für nicht mehr wertvoll erachtet. Der Hass frisst also zuerst oder letzlich den auf, der seinem Hass gegen andere freien Lauf lässt (worin man einen Hoffnungsschimmer sehen könnte).

Eine Antwort auf solche Art von Hass könnte sich in aktivem, aber nicht von eigenem Hass getragenem Widerstand äußern. Angenommen, vor 80 Jahren hätten sich in Deutschland vor jede Synagoge hunderte Menschen mit Kerzen gestellt - sie hätten ziemlich sicher die Brandstifter abgehalten, ihrem Hass derartigen Ausdruck zu verleihen und Schlimmeres vorzubereiten. Ein starkes "Stattdessen", z.B. der Wunsch nach Frieden und Harmonie in der Gesellschaft, hätte den Hass ebenso stoppen können wie schlicht die Wahl anderer Parteien als jener, die offenen Hass in ihrem Programm hatte.

Die Antwort auf Hass kann also nicht mehr Hass sein, sondern mehr Liebe, mehr Verständnis, mehr Entgegenstellen - je nach eigener Fähigkeit oder Naturell.

Text: Werner Winkler  
Tipp Nr. 254: Buchtipp: Lesevergnügen und Lernen
Eschbach-Billion-Dollar
Neulich bekam ich ein Buch empfohlen, das sich dann nicht nur als intellektuelles Lesevergnügen, sondern auch als Lehrbuch "Wie erlebt ein Mensch mit Sachtyp-Naturell die Welt" entpuppte.

Deshalb heute der schlichte Tipp, sich "Eine Billion Dollar" von Andreas Eschmann anzuschauen. Es ist von 2001, deshalb inzwischen auch günstig gebraucht oder als E-Book zu erwerben.

Kleine Leseprobe: "Er fühlte sich unsichtbar und auf merkwürdige Weise frei. In den zurückliegenden Wochen schienen alle Notwendigkeitn der Zivilisation von ihm abgefallen zu sein, die ganzen lästigen Verrichtungen persönlicher Hygiene, die zahllosen Verpflichtungen des Zusammenlebens, an all das erinnerte er sich nur noch wie an etwas, das einmal einen anderen betroffen und von dem er nur erzählt bekommen hatte. Es gab nichts zu tun, aber er langweilte sich nicht, sondern war zufrieden, irgendwo zu hocken, an eine Mauer gelehnt, und geruhsam ins Leere zu starren."

Text (außer der Leseprobe): Werner Winkler
Tipp Nr. 253: Empathie stärken durch Provokation
In den letzten Wochen erschreckt es mich immer wieder, wie wenig Mitgefühl manche meiner Mitmenschen empfinden, selbst wenn sie sonst sehr freundlich, gebildet und lebenserfahren wirken.

Deshalb habe ich mir zu zwei Themenkomplexen, die mir aktuell sehr bedeutend erscheinen, Fragen überlegt, die "provozierend anregen" sollen und merke, wie sie überraschen und zum Nachdenken bringen.  

1. Frage (an einen Menschen gerichtet, der nichts Schlimmes daran findet, intelligente Tiere zu töten und zu verspeisen "weil es so gut schmeckt"): Angenommen, es würde eine dem Menschen minimal überlegene Spezies auftauchen und damit anfangen, Menschenbabys ihren Müttern wegzunehmen und nur zu dem Zweck zu mästen, damit sie dann als "Spanbabys" gebraten und bei deren Feiern verzehrt werden können - wie würden Sie darauf reagieren? Wäre das ein zu rechtfertigendes Verhalten?

2. Frage (an einen Menschen gerichtet, der keine Einwanderer oder Flüchtlinge mit anderer Hautfarbe oder Religion in seiner Nachbarschaft sehen möchte): Angenommen, es wären nicht mehrheitlich junge Männer aus Syrien, die da ankommen, sondern busweise kleine Kinder aus Israel oder aus der Schweiz, die vor einem Krieg fliehen - würde das Ihre Reaktion und Haltung verändern? Würden Sie diesen Menschen nicht Ihre Wohnung und Ihr Herz öffnen?

Mir ist bewusst, dass Gewohnheiten (Fleisch essen) und Vorurteile (Vorbehalte gegenüber Fremdem) sehr stark sind - aber wer sich mit den Unterschieden der Naturelle auseinandergesetzt und gelernt hat, diese zu respektieren, hat damit gezeigt, dass er fähig ist, diese Programmierungen und dann auch sein Verhalten zu ändern.  

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 252: Versandfehler im Tipp der Woche
Liebe Empfänger des "Tipps der Woche": Nachdem es in den letzten Wochen Probleme mit dem Versand der Tipps gab und viele eingetragene Empfänger keine Mails mehr bekamen, hat unser Webmaster Holger Hägele nun den Fehler (beim Provider) entdeckt und behoben. Es wurden leider nur die ersten 50 in der Liste berücksichtigt, was uns leid tut.

Wer die verpassten Tipps nachlesen möchte, kann dies im Archiv auf http://www.psychographen.de/tipp-der-woche.php tun.

Und die Tipps der Woche lauten daher aus gegebenem Anlass :)

1. Als Beziehungstyp hartnäckig an erkannten Fehlern dranbleiben.
2. Als Sachtyp auch damit rechnen, dass jemand unvernünftige Dinge tut.
3. Als Handlungstyp (Gruß an den Provider) aktiv kommunizieren, wenn man etwas ändert, was davor lange Zeit selbstverständlich war.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 251: Lernen ermöglichen statt therapieren.
Richard Bandler, Mit-Erfinder des NLP sagt: Ich heile nicht, weil ich nicht der Meinung bin, dass die Menschen krank sind. Ich lehre. (Original: I do not heal people, because I do not think they are sick. I teach.)

Dies scheint mir gerade im Hinblick auf das Typische der verschiedenen Naturelle zu gelten: das Typische ist keine Krankheit oder Störung, weshalb hier auch nichts "therapiert" werden muss.

Wohl aber braucht es einen Erkenntnis-, Lern- und Übungsprozess, um die eigenen Bevorzugungen zu sehen, auf ein gesundes Maß zu reduzieren und gleichzeitig die vernachlässigten Bereiche zu stärken.

Dabei sind wir aber mehr Begleiter, Berater oder Lehrer als Therapeuten - wenn überhaupt Unterstützung von außen benötigt wird. Denn nach meiner jahrelangen Beobachtung gelingt es den meisten nach einer kurzen "Anschubeinführung" (in einer Beratung oder einem Kurs) sehr wohl, sich über die vorhandenen Bücher oder Webseiten selbst ausreichend zu bilden und das Wissen um die Naturelle für sich zu nutzen.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 250: Einfachste Einstiege
Viele, die von den Naturellunterschieden wissen, wünschen sich, dass schon alle davon wüssten. Dann könnte man z.B. einem Lehrer gleich den Hinweis geben, dass das eigene Kind "Blau pur" ist oder im Buchladen fragen, was andere Kunden mit gelbem Naturell gerade so lesen.

So lange das noch nicht so ist, brauchen wir für unterschiedliche Gelegenheiten ganz einfache und schlichte Sätze, um auf das uns bekannte Phänomen hinzuweisen. Dazu hier einige Tipps.

- von "angeborenem Naturell" sprechen, das wird von vielen gut verstanden

- den Vergleich zur Händigkeit ziehen, um das Phänomen der Gewichtung (Bevorzugung/Vernachlässigung) zu erklären

- statt "Typen" von "Gruppen" oder von "Verhaltensstilen" sprechen

- anstatt der Grundtypen-Begriffe einfach "Ja-", "Vielleicht-" oder "Nein-Mensch" verwenden und mit einem Promi-Beispiel illustrieren ("Der Herr Kretschmann ist wohl ebenso ein Vielleicht-Mensch wie die Frau Merkel")

- von sich selbst sprechen, z.B. "Ich bin ja eher so ein zukunftsorientierter Mensch, wohingegen mir Ihr Mann wohl mehr vergangenheitsorientiert erscheint"

- je nach Umfeld zunächst nur einen Aspekt der Unterschiede ansprechen, z.B. im Geschäftlichen als unterschiedliche Bereiche eines Unternehmens: Gelb = Kommunikation, Blau = Ökonomie und Rot = Produktion

- die Tiermetapher verwenden, um einen Unterschied zu illustrieren ("Gorilla-Natur", "die Ruhe eines Blauwals", "flatterhaft wie ein Schmetterling")

Kennen Sie andere solche "einfache Einstiege" ins Thema? Bei ausreichend zusätzlichen Antworten gibt es eine Fortsetzung.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 249: Unternehmensnaturell
Aus Anlass der Vorgänge bei Volkswagen bietet sich an, das Thema "Unternehmensnaturell" anzuschauen.

Nicht nur einzelne Menschen, sondern auch Systeme wie ein Unternehmen, eine Kultur oder eine Institution können eine Art "Naturell" zeigen - also eine Gewichtung zwischen "Gelb", "Blau" und "Rot".

Beispiele:
Unternehmen A ist sehr "gelblastig". Es wird viel Wert auf Kommunikation, neue Ideen und die Beziehungspflege nach Innen und Außen gelegt. Zu kurz kommt dann in der Regel der blaue Bereich, also etwa Ökonomie, Geduld, Sorgfalt. Apple litt unter ihrem Chef Steve Jobs lange an dieser Einseitigkeit.

Kultur B ist sehr "blaulastig". Sparsamkeit, Schlichtheit und Ernsthaftigkeit sind wichtige Werte, ebenso Leidensfähigkeit, Geduld und Verzicht. Zu kurz kommen kulturbedingt Klarheit, Freiheit oder Kritikfähigkeit, ebenso Mut, Risikobereitschaft oder Äußeres. Manche Mönchsorden oder religiöse Sondergruppen wie die "Amish-People" dürften in diese Rubrik fallen.

Institution C ist sehr "rotlastig". Hier geht es um Gerechtigkeit, den Kampf für die eigenen Ziele, es herrschen klare Regeln, Hierarchien und Vorgaben. Nicht gern gesehen sind zu viele private Kontakte, es wird selten gelacht und nach Innovationen und Neuerungen sucht man eher vergeblich. Viel Wert wird auf das äußere Erscheinen gelegt (auch im Sinne von "die Fassade aufrecht erhalten"). Diese Form taucht sowohl in Unternehmen, Behörden - aber auch in Aktionsgruppen oder in religiös-spirituellen Institutionen auf.

Tipp daraus: Beobachten, wie die Gewichtung in einem System gelagert ist und je nach eigenen Einflussmöglichkeiten einmal versuchen, den vernachlässigten Bereich eines Systems gezielt auszugleichen.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 248: Eltern aufklären
Eine Mutter fragt ihre Psychologin um Rat wegen ihres 3-jährigen Sohnes. Er verhalte sich ungewöhnlich, seit er den Kindergarten besucht: erst möchte er nicht da hin gehen, sondern bei der Mutter bleiben. Dann freundet er sich mit einem Mädchen an, das er aber apprupt wieder "sitzenlässt", als er in die Jungsgruppe aufgenommen wird. Zuhause wird er aggressiver und versucht immer stärker, die Mutter zu dominieren - so ungefähr lautet ihre Klage. Sie vermutet eine psychische Störung, ein Trauma, irgend etwas, das eben therapiert werden müsse.

Zum Glück von Mutter und Sohn weißt die Psychologin über die Naturellunterschiede Bescheid und kann Aufklärung anbieten: Aus Sicht des Sachtyp-Naturells der Mutter verhält sich der Junge mit seinem Handlungstyp-Naturell natürlich ungewöhnlich. Aus seiner eigenen Sicht jedoch völlig normal. Er bekommt zunächst schwer Kontakt, ist daher zunächst dankbar für die Spielkameradin, der er aber die "Gruppe der starken Jungs" vorzieht.

Und zuhause fehlt ihm die "Gorilla-Mutter", also versucht er notgedrungen, für klare Verhältnisse zu sorgen, was ihm natürlich misslingen muss. Die Mutter bekommt also neben einem Aufklärungsbuch ("Warum Kinder so verschieden sind") den Tipp, ihre eigene rote oder "Gorilla"-Seite im Umgang mit ihm stärker zu nutzen und so seinen natürlichen Bedürfnissen besser nachzukommen. Die Erleichterung, die auf das Verstehen folgt, ist deutlich.

Tipp daher aus dieser Episode: Öfters mal Eltern im eigenen Umfeld oder im beruflichen Kontext über die Naturellunterschiede und die Konsequenzen daraus aufklären - sofern dafür die notwendige Offenheit und Intelligenz vorhanden ist.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 247: Ängste vor Flüchtlingen und Gegengifte
Nicht nur als Reaktion auf den letzten Tipp der Woche, auch in den sozialen Netzwerken werden immer wieder Ängste formuliert, wenn es um den aktuell stark gestiegenen Zustrom von Flüchtlingen nach Europa geht.

Ich möchte kurz versuchen, diese Ängste und jeweils ein "Gegengift" zu benennen:

Die Angst des gelben Naturells: "Die Menschen, die da kommen, könnten nicht freundlich sein, sondern bösartig - ich selbst bin hilflos oder nicht klug genug zu verstehen, was hier gerade vor sich geht." Gegengift: "Ich informiere mich genau und aus möglichst neutralen Quellen, setze mehr auf meinen Verstand als auf meine spontanen Emotionen. Ich opfere Zeit und Geld, soweit mir möglich."

Die Angst des blauen Naturells: "Die Fremden bedrohen mich existenziell, sie könnten mir meinen Arbeitsplatz, meine soziale Sicherheit oder meine preiswerte Wohnung wegnehmen. Der Staat könnte gezwungen sein, Schulden zu machen oder gar Pleite gehen, womit dann auch meine Ersparnisse wertlos würden." Gegengift: "Ich weise unbegründete Ängste zurück, sowohl in meinen Gedanken als auch von Menschen, die mich ängstigen und damit manipulieren möchten. Ich engagiere mich stattdessen nach meinen Kräften dafür, diese Menschen hier so rasch wie möglich zu integrieren."

Die Angst des roten Naturells: "Ich werde gezwungen, mich mit Menschen und Kulturen zu beschäftigen, die mir fremd sind; die Notwendigkeit, Hilfe zu leisten, ist alternativlos, weshalb ich mich meiner Freiheit beraubt fühle." Gegengift: "Ich nehme diese große Herausforderung als Chance an, flexibler und freundlicher zu reagieren - und das Fremde und die Fremden als Bereicherung zu bewerten, nicht als Bedrohung."

Und noch ein Tipp zum Schluss: Auf Facebook gibt es ein Video mit einer Rede von Christian Streich (Trainer des SC Freiburg und vermutlich Sachtyp) anlässlich einer Pressekonferenz gehalten. Sie ist zum obigen Thema mit das Beste, was ich in den letzten Tagen gehört habe: https://www.facebook.com/soistfussball/videos/10153197867338226/?pnref=story  

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 246: Flüchtlinge: Hilfsmöglichkeiten zur Auswahl
Nach der Sommerpause gibt es ab jetzt wieder den Tipp der Woche - aus aktuellem Anlass diesmal etwas anders als üblich ...

Angesichts der vielen Flüchtlinge, die zur Zeit nach Deutschland (und speziell nach München) kommen, fragen sich wohl viele, die den Tipp der Woche lesen, was sie selbst tun können, um zu helfen.

Hier einige Anregungen (sortiert danach, was für welchen Naturelltyp besonders naheliegend ist, wobei sich jede Gruppe natürlich bei den anderen "bedienen" darf):

Ideen von Gelben/Beziehungstypen:

- positiv über Flüchtlinge reden
- Aktivitäten für Kinder unterstützen
- über Facebook für gute Stimmung sorgen
- positive Beispiele teilen und so fördern
- Flüchtlinge persönlich ansprechen, einladen, kennenlernen
- ein Herz für Flüchtlinge zeigen, wo immer möglich
- sich Bilder von Flüchtlingen anschauen und dadurch die eigene Hilfsbereitschaft anregen lassen, z.B. hier http://www.sueddeutsche.de/muenchen/fluechtlinge-in-muenchen-an-der-grenze-1.26

Ideen von Blauen/Sachtypen:

- Zeit und Geld opfern
- sich ausführlich informieren, wo Hilfe gebraucht wird, z.B. über diese Internetseiten: http://www.tagesschau.de/inland/hilfe-fuer-fluechtlinge-101.html

- Steuern zahlen, damit die staatlichen Stellen helfen können
- Politiker und Parteien wählen/unterstützen, die Flüchtlingen helfen
- Mitleid entwickeln, sich in die Lage der Flüchtlinge versetzen
- ehrenamtlich Zeit mit Flüchtlingen verbringen
- realistisch und entspannt bleiben, sich eingestehen, dass man wenig tun kann, das aber tun

Ideen von Roten/Handlungstypen:

- praktisch vor Ort in eigener Regie helfen
- negativen Stimmungen wehren, gegen Hass und Vorurteile angehen
- selbst Flüchtlingsheime betreiben (s. Til Schweiger!)
- Vereine praktisch unterstützen, die Flüchtlingen helfen
- in noch fremden Menschen eine Bereicherung sehen (Haltungsänderung)
- Hilfspakete packen und zu den Flüchtlingen bringen
- Flüchtlingen im eigenen Betrieb unterbringen, auch mit Tricks, um behördliche Hindernisse zu überwinden, wie an diesem Beispiel zu sehen:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article146338342/Ein-simpler-Trick-der-Fluechtlinge-in-Arbeit-bringt.html45159

Mehr Ideen oder eigene Erfahrungen, was getan werden kann? Schreiben Sie mir, möglichst mit Angabe Ihres Naturelltyps: wewinkler@t-online.de

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 245: Sommerpause
Der Tipp der Woche macht Sommerpause - davor aber noch ein paar Anregungen für den typgerechten Urlaub ...

... Beziehungstypen könnten sich bewusst eine Pause und Auszeit gönnen, einmal Langeweile und Nichtstun aushalten und zur Ruhe kommen, Kleinigkeiten erledigen, vielleicht eine lange Wanderung machen.

... Sachtypen könnten die freie Zeit nutzen, sich körperlich etwas Gutes zu tun - vielleicht ein paar neue Kleidungsstücke kaufen, eine vernachlässigte Sportart wieder aktivieren oder die eigenen Ernährungsgewohnheiten den wirklichen Bedürfnissen anpassen und den Kühlschrank von Dingen befreien, die eher schädlich sind.

... Handlungstypen könnten die Urlaubstage nutzen um ihnen wertvolle Beziehungen zu pflegen oder vernachlässigte Freundschaften neu zu beleben - auch die Beziehung zur eigenen kindlichen Seite, falls diese im Alltag zu wenig Raum bekam, könnte bewusster gestaltet werden, also vielleicht ein Hobby neu entdecken, eine vergessene Leidenschaft oder eine Freizeitbeschäftigung, die unter dem Druck von Alltag und Arbeit vergessen wurde.

Und allen Leserinnen und Lesern wünsche ich für die nächsten Wochen eine schöne Bank und einen Platz in einem Garten oder Park, um dort eine gute Zeit zu verbringen!

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 244: Gruppen-Naturellanalyse
Letzten Sonntag wurde aus Versehen zwei Tipps verschickt - die Webmaster hatten einen neuen Server installiert und dann verschickte der alte den richtigen und der neue Server den Tipp aus dem "Vorrat" :)

Heute möchte ich kurz einen Tipp für diejenigen teilen, die Naturellanalyse oder Seminare zum Thema machen: Anstatt einzelne zu analysieren (z.B. die Mitglieder einer Familie oder eines Teams) kann man auch alle gemeinsam analysieren.

Dazu geht man alle vier Ebenen der Landkarte (die Grundebene und die drei Unterebenen) mit allen gleichzeitig durch. Ich beginne am Liebsten mit der Unterebene Zeit, weil da die Begriffe so klar sind. Anhand dieser Triade (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft) erkläre ich dann die fachlichen Dinge, wie Gewichtung, Bevorzugung, Vernachlässigung usw. und stelle zu jedem Bereich die Merkmale vor, an denen man eine Bevorzugung dieses Bereichs erkennt.

Dann frage ich die Teilnehmer, wer schon seine Bevorzugung erkannt hat, lasse die Argumente dafür erzählen, frage nach, konkretisiere usw. - dabei lernen alle Anwesenden und können ihr eigenes Erleben vergleichen.

Gestern z.B. hatte ich einen Kurs mit sechs Teilnehmenden und wir haben sechs Stunden gebraucht, inkl. etwas Vorgespräch. Ich habe das auch schon mit 15 Teilnehmern gemacht und dafür etwa sieben Stunden gebraucht.

Für mich ist ein starkes Argument für die Gruppenanalyse im Vergleich zum Vorgehen, jeden einzeln und nacheinander zu analysieren, dass so die Gefahr der Langeweile gebannt und alle Anwesenden automatisch eingebunden werden.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 243: Du darfst mich auffressen
Heute ein Tipp für alle, die mit Handlungstyp-Kindern zu tun haben.

Wir waren mit mehreren (typverschiedenen) Kindern auf einem Ausflug ins Schwimmbad. Beim Spielen auf einer schwimmenden Insel halt ich einem der kleineren (Sachtyp-)Kinder immer wieder auf die recht hohe Plattform, von es dann mit großem Vergnügen ins Wasser springen konnte.

Um ihm zu helfen, sein Zögern zu überwinden, spielte ich einen Fisch, der es erst an den Rand und dann ins Wasser lockte (alles sehr vorsichtig und eher leise).

Kurz darauf kam ein etwas älteres Handlungstyp-Mädchen dazu und wollte auch, dass ich sie zum Springen auffordern sollte. Offenbar gefiel ihr das vorsichtige Vorgehen nicht, das ich bei dem anderen Kind zeigte, denn sie fing an, wie ein Haifisch die Zähne zu fletschen, forderte mich auf, es ihr nachzutun und meinte dazu: Du darfst mich auch auffressen!

Da musste ich dann doch lachen, weil mir ja schon bekannt war, dass Handlungstyp-Kinder rauhe und körperbetonte Spiele mögen, aber dass sie gerne von einem Haifisch (einem unserer Metapherbilder für Handlungstypen) gefressen werden möchten, war mir dann doch neu.

Tipp daher (besonders an die Nicht-Handlungstypen): Getrauen Sie sich öfters, mit Ihren Handlungstyp-Kindern sehr körperbetont und kraftvoll zu spielen - offenbar hilft das, Emotionen zu wecken, die ansonsten nicht wahrgenommen werden.

Text: Werner Winkler
Bild: Fotolia
Tipp Nr. 242: Ängste, Angsthasen und Gegengewichte
Neulich hatte in in einer Weiterbildung das Glück, dass gleich drei Teilnehmer mit blauem Naturell offen über ihre Ängste sprachen und wir gemeinsam nach Lösungsansätzen suchen konnten.

Hilfreich war dabei in allen drei Fällen ein Universalschlüssel aus dem lösungsorientierten Fundus, weshalb ich diese Erfahrung teilen möchte: Zunächst haben wir die Angst auf der 1-10-Skala auf die 1 gesetzt (= sehr viel Angst). Dann ging es darum, das andere Ende der Skala mit einem Begriff zu versehen ("Was ist die 10, wenn die 1 sehr viel Angst bedeutet?").

Spannend war hierbei, dass völlig verschiedene Begriffe auftauchten (Leichtigkeit, Freiheit, Zufriedenheit, Sicherheit, Coolness in der angstauslösenden Situation). Um diese "Gegengewichte" als Ziel besser zu verankern, arbeite ich gerne mit Tierbildern - im Sinne von "Welches Tier repräsentiert für Sie am besten die innere Haltung, die Sie bei 1 und bei 10 haben?".

Und da musste ich in einem Fall wirklich mein Lachen verkneifen als ein Teilnehmer als Verkörperung seiner Angst sagte "ein Hase" und sein Nebensitzer (ebenfalls Sachtyp) spontan ergänzte: "Angsthase". Und noch lustiger für mich (die Teilnehmer im Kurs wussten nichts von den verschiedenen Naturellen) war dann, dass das Gegengewichtstier zum Angsthasen eine Schnecke mit Schneckenhaus war ("darin kann sie sich jederzeit zurückziehen").

Wie bei Dietmar Friedmann gelernt ließ ich die Teilnehmer dann in ihre 10er-Haltung gehen und damit die angstauslösende Situation konfrontieren - und das Ergebnis war in allen drei Fällen, dass es einen bedeutenden Unterschied bewirkte und Mut machte, sich den Ängsten anders zu stellen als bisher.

Tipp also für alle, die unter Ängsten leiden: Suchen Sie sich ein Tierbild (oder auch ein anderes starkes Bild), das für Sie das Gegengewicht zur Angst verkörpert und nehmen Sie einmal probeweise diese Haltung ein, um der angstauslösenden Situation entgegenzutreten.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 241: Liebenswertes an Handlungstypen (2)
Nach meiner "Klage" über zu wenig Rückmeldungen betreffs "Liebenswerter Seiten an Handlungstypen" kam noch ein ganzer Schwung, den ich den Mitlesenden hier nicht vorenthalten möchte :)


Liebenswertes an Handlungstypen (Nachträge):

- Handlungstypen sagen normalerweise direkt das, was sie denken, d.h. es gibt kaum "Hidden Agendas" (versteckte Politik) oder indirekte "Andeutungen durch die Blume"; man weiß dadurch meistens, woran man ist...

- Handlungstypen packen gerne mit an. Auch wenn sie sich dabei körperlich fast immer übernehmen; lieben das "ausgepowert sein"

- sind oft in Feuerwehren oder anderen ehrenamtlichen Vereinen engagiert

- halten (fast immer) ihre Versprechen

- durch sequentielles Abarbeiten von Todo-Listen gehen sie strukturierter an viele Themen ran und bleiben auch mit Ausdauer dran, bis alle Punkte erledigt sind...

- liebenswert ist ihre Fähigkeit, für sich und andere zu kämpfen, sich an vorderste Front zu stellen und scheinbar keine Angst zu haben, ein gutes Modell für Durchsetzungskraft  zu sein

- wenn man einmal in ihrem Herzen wohnt, hat man dort für sehr lange Zeit einen sicheren Platz

- auf Handlungstypen ist in der Regel Verlass, Versprechen werden gehalten, gegebene Zusagen gewissenhaft erledigt

- wenn ein naher stehender Mensch krank ist, kann ein Handlungstyp über sich hinaus wachsen und aufopferungsvoll diesen Menschen pflegen und hegen

- bei mir im Team sind meine Handlungstypen nicht wegzudenken - sie halten uns zusammen, fordern das Beste aus uns heraus, zwingen uns klar zu werden und sind Meinungsbildner

- sie schuften bei uns im Team, was das Zeug hält und sind sich für keine Aufgabe zu schade, Ausfälle wegen Krankheit gibt es so gut wie nie, sie sind der Fels in der Brandung  

- Handlungstypen sind zuverlässig, verantwortungsbewusst und ergreifen die Initiative bzw. unterstützen sie tatkräftig

Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 240: Dreierlei (Mit-)Freude
Die Unterschiede zwischen unseren drei Naturellgruppen lassen sich sehr gut in Situationen beobachten, die eher selten vorkommen und in denen keine gesellschaftlich vorgegebenen Verhaltensmuter aktiviert werden können.

Angenommen, eine junge Mutter zeigt ihren Arbeitskolleginnen und -kollegen zum ersten Mal ihr Neugeborenes - dann sind die Reaktionen weniger dem jeweiligen Naturell geschuldet, sondern mehr dem, was dann üblich ist (z.B. der Frage nach dem Gewicht, dem Schlafverhalten usw.), zumindest in der großen Runde, wo es nicht zu persönlich wird.

Anders liegt der Fall wenn - wie dieser Tage live erlebt - man ausgewählte Freunde, die das eigene Faible für einen schönen Garten teilen, einlädt, den in wochenlanger Arbeit gestalteten neuen Gartenteich anzuschauen.

Während die Beziehungstypen sich einfach über die Schönheit des Teiches, der Pflanzen darin, der Spiegelungen im Wasser oder der Tiere freuen, die so ein Teich anzieht, hört man von Handlungstypen eher, was man hätte besser machen können, was noch fehlt (Fische, Wasserfilter) oder den Respekt für die geleistet Arbeit - vielleicht auch noch die Frage nach den Kosten dieses Projekts.

Die Sachtypen wollen hingegen wissen, woher man die Kraft genommen hat, die nötig war, um die Erde auszuheben, die Steine zu schichten und das Wasser herzubringen (im Garten gibt es keinen Wasseranschluss) und wieviel Kilogramm das wohl waren.

Ergo: Wenn man von Menschen anderen Naturells eine gleichartige Mitfreude erwartet, wird man in solchen unüblichen Situationen eher enttäuscht. Sinnvoll ist es dann, die Äußerungen als "typisch" zu erkennen und für sich selbst zu "übersetzen". Andererseits kann man sich - wenn man selbst derjenige ist, der zur Mitfreude eingeladen wird - überlegen, worüber sich die Einladenden entsprechend ihrem Naturell freuen und dann diese Aspekte ausreichend zu würdigen.

Text: Werner Winkler auf Anregung von Petra Schmalzl

P.S. Leider kam auf den letzten Tipp der Woche bisher nur ein weiterer Hinweis auf liebenswerte Seiten von Handlungstypen, so dass ich darum bitte, nochmal im eigenen Erfahrungsschatz zu kramen und mir Hinweise zu geben :)  
Tipp Nr. 239: Liebenswertes an Handlungstypen
Nach den besonders liebenswerten Seiten der Sachtypen (die ich unten aus den eingegangenen Rückmeldungen erweitere) heute nun zu denen von Handlungstypen, die es entgegen einem manchmal gepflegten Vorurteil tatsächlich gibt :)

- wenn es ihre Aufgabe ist, versorgen sie einen sehr gut und verlässlich
- sie bezahlen ihre Schulden (nicht nur Geld) fast 100% sicher zurück
- sie gehen mit jemand, den sie als Freund akzeptiert haben, durch dick und dünn
- sie reden über körperliche Dinge wie selbstverständlich (das mögen Ärzte, Physiotherapeuten und verwandte Berufe an ihnen)
- sie lassen sich auf neue Ideen ein und hören sich an, wenn jemand eine hat
- sie sagen sofort und deutlich Nein, wenn sie etwas nicht möchten (und lassen sich von diesem spontanen Nein auch wieder abbringen)

Wenn Ihnen weitere liebenswerte Seiten an Menschen mit Handlungstyp-Naturell aufgefallen sind, schreiben Sie es mir - ich ergänze die Liste dann im nächsten Tipp der Woche.

Text: Werner Winkler

Nachträge zu den liebenswerten Seiten der Sachtypen:

- "... wenn ich entspannen möchte im Kreis von Menschen, dann kann ich es am besten bei Sachtypen. Das Schöne an ihnen finde ich, sie sind immer so tiefenentspannt und selten im Stress."
"Sachtypen sind geduldig und verständnisvoll"
"Ihr logisches Denken.....sagt ein BT :)"
"Sachtypen sind ...
- wohltuend beständig, meist unaufgeregt und rücksichtsvoll
- mit einem Sachtypen hat man den perfekten Berater, um ökonomisch alle Seiten einer Entscheidung zu beleuchten
- wenn sie aus der Reserve kommen, sind ihr Humor und ihre Witze fast unschlagbar komisch
- müssen unbedingt in jedem Team sein, sie halten die Balance und das Team fern von überschwänglichen „mit dem Kopf durch die Wand“ Entscheidungen
- mein Sachtyp-Vater konnte mit einem kurzen, ernsthaft klingenden Gebet jeden Alptraum vertreiben, der mich als Kind nachts geweckt hatte
- mit einem Sachtyp kann man in aller Ruhe zusammen in der Bücherei schmökern
- durch meinen Sachtyp-Sohn habe ich gelernt, Wert auf gutes Essen zu legen und diesen Genuss als Lebensqualität zu erleben! Wenn ich ihm eine Freude bereiten will, brauche ich nur etwas Gutes zu kochen oder ihm etwas Leckeres mitzubringen.
- Ich finde es so süß, wenn mein Sachtyp-Sohn mir ein Geheimnisse verrät. Er macht daraus eine ganz wichtige Sache und ich muss ihm vorher schon versprechen, dass ich nicht schimpfe und es auch nicht weitersage!
- meine Schwiegermutter (ST) hatte vor ihrem Tod schon alles festgelegt, damit wir nicht zu viele Umstände bei der Organisation ihrer Beerdigung haben und wir nicht überfordert sind damit. Sie hat sich sogar kurzfristig zu einer Urnenbestattung entschieden, damit wir uns Zeit lassen können. Außerdem die Bitte, anstatt Blumenkränze, soll Geld gespendet  werden, damit wir hinterher nicht die ganze Arbeit haben und die Blumenkränze wieder entsorgen müssen. Sie entrümpelte mit der Zeit auch das Haus, um uns zu entlasten.
Tipp Nr. 238: Liebenswertes an Sachtypen
Nach den besonders liebenswerten Seiten der Beziehungstypen (die ich unten aus den eingegangenen Rückmeldungen erweitere) heute nun zu denen von Sachtypen:

- Sachtypen sind besonders treu und konstant
- Sachtypen lassen sich genügend Zeit, sich mit einem Thema zu befassen
- Sachtypen verstehen einen Sachverhalt rascher als andere und wollen ihn auch verstehen
- Sachtypen haushalten gut mit ihrer Zeit, ihrem Geld und ihren Kräften
- Sachtypen vermeiden es nach Möglichkeiten, andere zu verletzen oder zu überfordern

Welche Eigenschaften von Sachtypen finden Sie besonders liebenswert? Schreiben Sie mir unter wewinkler@t-online.de - dann kann ich diese Liste in einem der nächsten Tipps verlängern.

Text: Werner Winkler


Hier noch die Verlängerung der "Positivliste" der Beziehungstypen:

"... für mich sehr liebenswert ist die Eigenschaft, nicht nachtragend zu sein,  jede lahme  Feier retten zu können, Leichtigkeit und Beschwingtheit an andere weiter geben zu können. Und sie sind so gelb, dass unsere Beziehungstypen im Büro selbst dahin die Sonne hereintragen."

"Beziehungstypen sind freundlich und optimistisch."

"BTs finden alles toll!"

"... mein Beziehungstyp-Hund heitert mich jeden Tag auf und ist freundlich zu jedem, den er trifft - Mensch oder Tier."

"Ohne die Beziehungstypen in unserem Team würde viel weniger gelacht und gequasselt werden, was für das Betriebsklima insgesamt positiv ist."

"Unser Beziehungstypkind sieht die Welt mit Augen, die mich (Handlungstyp) beständig herausfordert und überrascht. Dafür nehme ich die regelmäßigen Wutanfälle oder dramatischen Tränenausbrüche gerne in Kauf."

"Meine BT-Großmutter war die Gute Seele in der Großfamilie. Sie glich das fast diktatorische Wesen des HT-Großvaters aus und gab uns Kindern durch ihr Lächeln, ihre Geschichten und ihre Honigbrote jene emotionale Zuwendung, die uns die Handlungstypen und Sachtypen schlicht nicht geben konnten."

Tipp Nr. 237: Liebenswertes an Beziehungstypen
Durch die frühe Ausrichtung der Naturellkunde auf die Psychotherapie bzw. den Entwicklungsbedarf gerieten die angeborenen positiven Eigenschaften und Stärken, die wir bei den Grund- und Untertypen beobachten, etwas in den Hintergrund.

Deshalb möchte ich an einige dieser besonders typischen Stärken erinnern - zuerst an einige besonders liebenswerte Merkmale der Beziehungstypen (ohne zu vergessen, dass es auch ein "Zuviel" davon geben kann ...):

- Beziehungstypen lassen sich leicht auf Neues ein
- Beziehungstypen teilen ihre Begeisterung und ihre Ideen mit anderen
- Beziehungstypen schenken großzügig, wenn sie etwas übrig haben
- Beziehungstypen zeigen große Flexibilität und Kreativität
- Beziehungstypen können sich gut auf fremde Menschen einlassen

Welche Eigenschaften von Beziehungstypen finden Sie besonders liebenswert? Schreiben Sie mir unter wewinkler@t-online.de - dann kann ich diese Liste in einem der nächsten Tipps verlängern.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 236: Analoge Begegnungen
In Zeiten des Internets und seiner digitalen Kommunikation gewinnen echte, "analoge" Begegnungen zwischen Menschen, bei denen man sich sieht, hört, riecht, anfasst, beim Sprechen ins Gesicht schauen kann, immer mehr an Bedeutung wie alles, was seltener und wertvoll ist.

Am 14. November dieses Jahres besteht auf dem 14. Psychographie-Tag, der Fachtagung der Psychographie-Initiative, die Möglichkeit zu solchen "analogen Begegnungen", zum Austausch, zuhören, kennenlernen und plaudern - weshalb es auch zahlreiche Pausen im Programm und einen gemeinsamen Besuch der Staatsgalerie sowie (für diejenigen, die noch Zeit haben und auf eigene Rechnung) ein abschließendes Essen im Restaurant gibt.

Mitglieder und Gäste sind zudem eingeladen, an einer Vorstandssitzung und der Mitgliederversammlung teilzunehmen und die Geschicke des Vereins mit zu bestimmen.

Das komplette Programm wurde gestern mit dem Rundbrief verschickt, wer ihn nicht bezieht, kann es unter "Termine" auf der Vereinsseite www.psychographen.de einsehen.

Tipp der Woche also: Reservieren Sie sich diesen Tag und geben Sie sich Gelegenheit zu zahlreichen analogen Begegnungen in Stuttgart - und schätzen Sie insgesamt die echten Begegnungen wieder mehr und investieren Sie Zeit dafür!

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 235: West Wing
Da sich das Typische der unterschiedlichen Naturelle mehr im Gesamtbild als in einzelnen Verhaltensweisen zeigt, sind Filme neben dem "echten Leben" eine gute Möglichkeit zum Beobachten und Lernen.

Der Vorteil einer guten TV-Serie im Gegensatz zu einem Film ist hierbei, dass sich die Charaktere über lange Zeit entwickeln und zeigen und so auch das Typische deutlicher hervortritt.

In der schon etwas älteren US-Serie "West Wing" gibt es gleich eine ganze Reihe typgerecht besetzter Rollen, so dass ich sie Lernwilligen, die gerne Vergnügen mit Studium verbinden möchten, wirklich empfehlen kann. Idealerweise in der englischsprachigen Originalfassung.

Und zum rascheren Einfinden hier eine kleine Liste der Hauptfiguren, deren Naturell deutlich zu erkennen ist (sowohl in der Rolle als auch in den Schauspielern):

Stockard Channing: Abigail „Abby“ Bartlet (Handlungstyp)
Dulé Hill: Charles „Charlie“ Young (Beziehungstyp)
Allison Janney: Claudia Jean „C.J.“ Cregg (Handlungstyp)
Janel Moloney: Donnatella „Donna“ Moss (Sachtyp)
Martin Sheen: Josiah Edward „Jed“ Bartlet (Beziehungstyp)
Richard Schiff: Tobias Zachary „Toby“ Ziegler (Sachtyp + Denker!)
John Spencer: Leo Thomas McGarry (Handlungstyp)
Bradley Whitford: Joshua „Josh“ Lyman (Beziehungstyp)

Zum Reinschnuppern gibt es auf Youtube reichlich Material, z.B. hier: https://www.youtube.com/watch?v=4TcGEcKjSu4&list=PL5MJzvUnLZ-KCVboqRgDcK5lmPIe8oB2N

Und als Beleg für die Qualität der Serie, auch in musikalischer Hinsicht, hier eine Szene, in der sich Beziehungstyp (Präsident) und Sachtyp (Berater Toby Ziegler) unterhalten: https://www.youtube.com/watch?v=qqLIH2UiPXg

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 234: Toleranz oder Respekt
Dieser Tage hatte ich eine Diskussion mit einem Freund muslimischen Glaubens (der gleichzeitig CDU-Mitglied ist!). Er wies mich darauf hin, dass "Toleranz" gegenüber "Respekt" die schwächere Haltung sei. Vor allem dann, wenn Toleranz (im Sinne von Aushalten, Ertragen) eher eine Duldung darstellt. Respekt aber würde bedeuten, jemand oder etwas erst kennenlernen zu müssen, bevor man es respektieren könne.

Soweit seine Gedanken, die ich nachvollziehbar fand, da es mir ja seit Jahren mit den unterschiedlichen Naturellen und vor allem ihren extremen Ausprägungen ähnlich ergeht. Das Wissen um die Ursachen der starken Unterschiede zwischen Menschen - selbst in der eigenen Familie - half und hilft mir, nicht nur Toleranz zu zeigen, sondern auch Respekt. Weil ich nachvollziehen kann, warum jemand so denkt, fühlt und handelt, wie er es tut und tun muss (entsprechend seiner Natur).

Statt Ärger oder Unverständnis empfinde ich nun eher Erstaunen oder Mitgefühl, häufig sogar Erheiterung und ich muss ein Schmunzeln unterdrücken, das außer mir in diesem Moment niemand verstehen könnte ...

Ein schönes Lied in diesem Sinne, hier interpretiert von Shirley Bassey: This is my life - https://www.youtube.com/watch?v=fx227986hc8

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 233: Intuition
Während eines Vortrags letzte Woche über Naturellunterschiede bei Kindern wurde ich von einer Pflegemutter daran erinnert, dass viele Eltern oder Erzieher rein intuitiv auf diese Unterschiede und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder eingehen.

Trotzdem ist es natürlich hilfreich, wenn sie dann erfahren, dass ihre Intuition wahrscheinlich auf einer guten Begründung beruht - wie auch in diesem Fall. Entsprechend erleichtert war die Vortragsteilnehmerin: sie hatte es aus dem Bauch heraus richtig gemacht und konnte es nun auch vom Verstand her begründen.

Ähnliches hörte ich vor Jahren in einem Seminar: ein pensionierter Headhunter, der sich auf die Vermittlung von Assistenten für Geschäftsführer spezialisiert und damit großen Erfolg hatte, sagte mir, er habe wohl rein intuitiv genau das gemacht, was ich durch die Psychographie täte - Menschen in ihrer Eigenart verstehen.

Tipp der Woche daher: falls im Umgang mit Menschen (oder Tieren) einmal keine klare Anleitung vom Verstand kommt, einfach mal dem Bauchgefühl, der Intuition, der unbewusst angesammelten Lebensweisheit trauen und vertrauen. Und dann vielleicht hinterher, wenn sie funktioniert hat, überlegen, was genau sie uns geraten hat.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 232: Filme
Ab und zu werde ich gefragt, ob es Filme gibt, in denen die verschiedenen Naturelle gezeigt werden.

Einen eigenen Film zu drehen (mit Schauspielern) wäre zum Einen sehr teuer, zum Anderen wäre es aus meiner Sicht ziemlich "künstlich" und gestellt.

Um trotzdem auch Filme als Lehr- und Anschauungsmaterial nutzen zu können, haben wir auf der Vereinsseite unter http://www.psychographen.de/filme.php schon eine Reihe von Filmen gesammelt und mit Kommentaren versehen, die ausreichend deutlich zeigen, worum es in der Psychographie geht: Unterschiede wahrzunehmen und angemessen zuzuordnen.

Und mit etwas Übung erkennt man in vielen Spielfilmen, Interviews oder auch in YouTube-Filmen die verschiedenen Naturelle und ihre Interaktionen.

Ein schönes Beispiel ist etwa der Film auf http://www.lebendiges-handpuppenspiel.de/html/trailer-1.html bei dem der Kursleiter das dramatische Mimikspiel des gelben Beziehungstypen sehr deutlich zeigt.

Hinweise auf ähnlich lehrreiche Filme nehme ich gerne entgegen und ggf. auch in die Sammlung auf der Vereinsseite auf.

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 231: Forum
Heute möchte ich an das seit über zehn Jahren auf den Seiten der Psychographie-Initiative verfügbare Forum erinnern.

Dort hat sich über die Jahre ein enormer Fundus an Beobachtungen, Fragen und Diskussionen angesammelt, auch wenn es in letzter Zeit mehr passiv als aktiv genutzt wird.

Ich selbst poste dort permanent Dinge, die ich selbst nicht verlieren möchte und für interessant genug halte, auch von anderen, die sich für die Naturellkunde interessieren, gelesen zu werden.

Hat man sich einmal angemeldet und festgelegt, über welche Postings man per E-Mail informiert werden möchte, kann man sowohl auf bereits vorhandene Themen antworten als auch selbst neue Themen erstellen.

Zudem gibt es (immer ganz oben in der Liste) eine Rubrik "Fragen und Antworten" sowie (Button rechts oben) eine Such-Funktion. Damit kann man gezielt Wörter ansteuern, die das Suchprogramm dann in den vielen Tausend Artikeln sucht und markiert.

Und zuletzt sei noch an das separate Terminforum erinnert: dort können Kolleginnen und Kollegen, die Vorträge, Workshops oder Ausbildungen anbieten, ihre Angebote bekanntgeben.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 230: Wort-Alternativen
Im Laufe der letzten Jahre haben sich für verschiedene Phänomene unseres Themas unterschiedliche Begriffe etabliert, so dass man je nach Situation oder Gesprächspartner die jeweils geeignetsten verwenden kann.

Viele, die von unserem Thema hören, haben z.B. negative Assoziationen bei Begriffen, die mit "Psy" beginnen oder beim Wort "Typ" - noch bevor sie irgend etwas Inhaltliches gehört haben.

Psychographie - Naturellkunde - Persönlichkeitsmodell - Modell zur Unterschiedung verschiedenartiger Naturelle

Beziehungstypen - Relationiker - Gelbes Naturell - Menschen mit einem schimpansenartigen Naturell - Ja-Menschen - Menschen mit einer meist positiven Grundstimmung - Beziehungsmenschen

Sachtypen - Temporiker - Blaues Naturell - Menschen mit einem Orang-Utan-Naturell - Vielleicht-Menschen - Menschen mit einer meist neutralen Grundstimmung - Verstandesmenschen

Handlungstypen - Aktioniker - Rotes Naturell - Menschen mit einem Gorilla-Naturell - Nein-Menschen - Menschen mit einer meist ablehnenden Grundstimmung - Tatmenschen

Schlüsselfähigkeiten - Ressourcen - von Geburt an zu schwach ausgeprägte Fähigkeiten - Entwicklungsbereiche

Persönlichkeitsbereich - Bevorzugungen - von Geburt an besonders stark ausgeprägte Fähigkeiten - übertrieben ausgeprägte Stärken

Typanalyse - Stärken-Profil-Analyse - Analyse der Gewichtung zentraler Persönlichkeitsmerkmale - Naturellanalyse

Tipp: Experimentieren Sie bei Gelegenheit mit verschiedenen Begriffen und beobachten Sie die Reaktionen darauf.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 229: Naturellanalyse Schritt für Schritt
Wer andere in Bezug auf ihr Naturell bzw. ihren Persönlichkeitstyp analysieren möchte, hat jetzt die Möglichkeit, auf http://www.psychographen.de/download/index.php (ganz oben) ein Heft herunterzuladen, mit dem das recht einfach und strukturiert geht.

Nach einer kurzen Einführung darüber, was das "Naturell" ist, sind die wesentlichen Merkmale der einzelnen Bevorzugungen aufgeführt, so dass man auf Hilfszettel etc. verzichten kann. Wenn man die gedruckte Version verwendet (die es für 30 Cent/St. zu kaufen gibt), kann man auch gleich die Ergebnisse notieren und in ein vorgedrucktes "Häuschen" übertragen.

Ich selbst verwende das Heft sowohl bei Einzel- oder Paaranalysen, in Teams, bei Seminaren oder bei Vorträgen (aus Zeitgründen da eher zu Demonstrationszwecken, wie man etwa seine Bevorzugung auf der Zeitebene herausfindet). Sogar am Telefon lässt sich damit ein strukturiertes Analysegespräch führen, wenn der Klient die PDF auf seinem Bildschirm sieht und so z.B. die "Landkarte" vor sich hat - sie wurde für dieses Heft nochmal optimiert, wie im Anhang zu sehen.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 228: Die Haus-Metapher nutzen
Durch die Einführung der "Haus-Metapher" für das Ergebnis einer Naturell- oder Typanalyse vor ca. fünf Jahren ergab sich eine zusätzliche und sehr nützliche Möglichkeit, die Überlagerung von Grund- und Untertyp zu illustrieren.

Auf der Webseite www.123modell.de/81.htm gibt es ja schon länger die 81 Stärken-Profile als Downloads - seit letzter Woche finden sich dort nun zusätzlich kleine Bildchen der 81 "Häuser", die man sich auf den eigenen Desktop ziehen und dann in größerer Darstellung anschauen kann.

Diese lassen sich etwa als Erinnerungsstütze an den Kühlschrank oder die Pinnwand hängen oder für die Präsentation der Ergebnisse einer Paar-, Familien- oder Teamanalyse nutzen.

Ein Beispielbild im Anhang (das Häuschen 2332 - das ist der Typverdacht unserer Bundeskanzlerin Merkel und des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann, die ich für "psychographische Zwillinge" halte).

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 227: Selbstgesteuertes Lernen
Heute möchte ich einen Tipp zum selbstgesteuerten Lernen weitergeben. Diese Lernform basiert darauf, dass der Lernende seinen eigenen "Lernfenstern" folgt (also dem, was ihn gerade sehr interessiert) - und nicht einem vorgegebenen Curriculum, z.B. dem des Lehrenden.

Wenn es darum geht, sich in verschiedenen Themenbereichen der Psychographie weiter zu bilden, bietet sich als Zugang ein Stichwortverzeichnis an, das ich im Internet unter www.psychographie.de/stichwortverzeichnis.htm führe.

Obwohl es natürlich nicht vollständig ist (Anregungen für weitere Stichworte oder Quellen sind jederzeit willkommen), erlaubt es dem Lernwilligen rasch, die für ihn spannenden Themen auszuwählen und sich dann in der verfügbaren Literatur oder im Internet darin zu vertiefen.

Es würde mich nicht wundern, wenn Sie beim Durchsehen der Stichworte ein Thema fänden, das Sie neugierig gemug macht, dass Sie sich die dazu angegebene Quelle genauer ansehen möchten.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 226: Faktoren der Persönlichkeit
Heute möchte ich auf eine Zeichnung (im Anhang) hinweisen, die für das Erklären des Phänomens "Naturell" sehr nützlich ist.

Dabei wird illustriert, dass die Persönlichkeit eines Menschen von verschiedenen Faktoren geprägt wird, z.B.
- Umwelt
- Erziehung
- Biografie
- genetische Vererbung

... und als meistens übersehener Faktor eben auch das, was wir "Naturell" oder "Persönlichkeitstyp" nennen.

Ein Gespräch über das Phänomen der Naturellunterschiede lässt sich bei verschiedenen Gelegenheiten sinnvoll, nützlich und hilfreich anknüpfen, etwa wenn es darum geht, Mitglieder für ein Projektteam auszuwählen, bei der Frage der Partnerwahl oder wenn es darum geht, die eigenen Eltern, Schwiegereltern, Großeltern, Geschwister, Kinder oder den Partner besser zu verstehen.

Nur kommt eben niemand "von selbst" darauf, sondern es braucht den Hinweis von jemand, der schon weiß, dass es neben den bekannten Faktoren der Persönlichkeit noch einen gibt, der erst wenig bekannt ist, aber massiven Einfluss auf den Einzelnen hat.

P.S. Die Broschüre (gerade aktualisiert), aus der die anhängende Zeichnung stammt, findet sich auch bei den Downloads auf http://www.psychographen.de/download/index.php ganz oben (in Deutsch und Englisch).

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 225: Dreierlei Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören
Nachdem diese Woche der als "Mr. Spock" bekannt gewordene Schauspieler Leonard Nimoy an einer Lungenkrankheit gestorben ist, die er selbst auf seinen jahrelangen exzessiven Zigarettenkonsum zurückführte, habe ich mir Gedanken gemacht, welche Gründe für die unterschiedlichen Typen stark genug sein könnten, mit dem Rauchen aufzuhören (wobei es natürlich viel mehr gibt und auch solche, die für alle Typen motivierend sind).

Aus Sicht von Beziehungstypen/Relationikern:
- Rauchen macht hässlich, lässt früher altern und sterben (Drama!)
- wer raucht, stinkt und wird von anderen öfters gemieden
- Raucher sind negative Vorbilder für andere, speziell Kinder

Aus Sicht von Sachtypen/Temporikern:
- Rauchen kostet viel Geld, das anderswo fehlt
- Rauchen zwingt mich dazu, Dinge zu tun, die ich nicht möchte
- Rauchen fügt anderen Leid zu, z.B. ungeborenen Kindern, Mitrauchern

Aus Sicht von Handlungstypen/Aktionikern:
- Rauchen mindert die Leistungsfähigkeit
- Rauchen ist kontraproduktiv zum Sport
- Rauchen führt zu vermeidbaren Krankheiten

Der letzte Tweet von Leonard Nimoy (im Anhang als Textbild) lautete übrigens:
"A life is like a garden. Perfect moments can be had, but not preserved, except in memory. LLAP"

P.S. Ich überlege noch, zu welcher Typgruppe er gehörte und wäre dankbar für Hinweise in dieser Richtung.


Text: Werner Winkler  
Tipp Nr. 224: Verzichten
Die so genannte "Fastenzeit" wird inzwischen auch ohne religiösen Bezug dazu genutzt, sich über seine Gewohnheiten bewusst zu werden und gezielt Verzicht zu üben.

Dazu heute drei typgerechte Anregungen in Sachen "Verzicht":

(1) Menschen mit Gelbem Naturell könnten in der Fastenzeit ihren Hang zum "Habenwollen" einschränken und z.B. Spontaneinkäufe auf die Zeit danach verschieben.

(2) Menschen mit Blauem Naturell könnten in der Fastenzeit ihren Hang zum "Seinwollen" zurücknehmen und z.B. jegliches Konkurrenzverhalten oder kritisches Hinterfragen (speziell der eigenen Person) verkneifen.

(3) Menschen mit Rotem Naturell könnten in der Fastenzeit ihren Hang zum "Zeigenwollen" zurücknehmen und z.B. auf Schmuck, aufwändiges Make-Up, teure Frisuren, Putzorgien (Auto!), übertriebene Aufräumaktionen rund ums Haus oder im Büro verzichten.

P.S. Falls ich von Leserinnen und Lesern interessante "Verzichts-Erfahrungen" mitgeteilt bekomme, teile ich diese gerne hier in einem späteren Tipp der Woche!

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 223: Sprachspiele (4)
Heute möchte ich an eine meiner Lieblingstriaden erinnern, die auf kleinen Veränderungen in der Sprache basiert:

(1) Sowohl-als-auch / (2) Entweder-oder / (3) Weder-noch

(1) Beziehungstypen neigen zum "Ja-Ja", also zur Vielfalt des "Sowohl-als-auch" und blenden die Möglichkeit aus, ein "Entweder-oder", also das Offenhalten von zwei oder mehreren Optionen auszuhalten.

(2) Sachtypen wiederum können genau das sehr gut und übertreiben es gerne damit, was zur bekannten Entscheidungsschwäche beiträgt. Ihnen hilft bekanntlich das "Nein", das Absagen, Beenden - oder eben die Nutzung des "Weder-Noch" (doppeltes Nein).

3) Handlungstypen hingegen sagen zu schnell Nein (Weder-noch), wollen davon überzeugt werden, es doch einmal zu versuchen oder es gar mit mehreren positiven Möglichkeiten auf einmal zu versuchen (so wurde vermutlich das Büffet erfunden).

Diese Triade lässt sich daher auch gut dazu nutzen, einen Typverdacht zu formulieren, wenn ein Muster gehäuft auftritt oder ein anderes permanent vermieden wird.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 222: Sprachspiele (3)
Von Steve de Shazer, dem "Minimalsten der Minimalisten", habe ich gelernt, dass selbst kleinste Veränderungen in der Wortwahl oder schon ein einziges, passendes Wort, große Unterschiede bewirken können.

Drei - unseren drei Grundtypen zugeordnete - Beispiele möchte ich heute als Anregung für fruchtbare Gespräche in Erinnerung rufen:

"Noch nicht."
Da Beziehungstypen häufig den Einfluss der Zeit auf eine Situation unterschätzen, lässt sich mit dem Ausdruck "noch nicht" leicht ein Perspektivwechsel anregen. Beispiel: Ein Beziehungstyp sagt über seine Finanzen: "Ich komme einfach nicht mit meinem Geld aus." Als Coach schlage ich den alternativen Satz "Ich komme noch nicht mit meinem Geld aus" vor - und biete so einen Ansatzpunkt für ein Gespräch darüber, wann in der Zukunft was geschehen soll, damit dieses Problem gelöst werden kann.

"Noch etwas?"
Um den angeborenen Minimalismus der Sachtypen etwas aufzuweichen und ihnen den Zugang zu ihrer Ressource "mehr" zu erleichtern, bietet sich die "Noch etwas?"-Frage an. Beispiel: Ein Sachtyp erzählt mir davon, was er (nach reiflicher Überlegung und dem Abwägen aller Risiken und Möglichkeiten) zu tun gedenkt, um endlich mehr Ordnung in seinen Betrieb zu bekommen (eine einzige Maßnahme). Um dies zu würdigen, notiere ich das Gesagte auf meinen Block (langsam), schaue ihn dann ohne allzu starkes Minenspiel an und frage schlicht "noch etwas?" als hätte ich eine Auflistung erwartet, die er natürlich (noch nicht) im Sinn hatte.
Der Sachtyp-Klient wirkt zunächst verdutzt, da ich aber seinem fragenden Blick standhalte, geht er noch einmal in sich und gibt weitere Aktivitäten zu Protokoll, auch weil ich die "Noch etwas?"-Frage immer wieder wiederhole, bis er lächelt und sagt: "das reicht erstmal". Den Aufschrieb bekommt er natürlich nach der Sitzung mit nach Hause.

"Stattdessen"
Handlungstypen sind sehr gut darin, über das zu sprechen, was sie nicht oder nicht mehr möchten. Mit der Frage nach dem "Stattdessen" zwingen wir sie in ihre "Ja-Ressource", d.h. eine Aussage darüber, was sie an Gutem statt dem Schlechten gerne hätten.
Beispiel: Ein Handlungstyp beklagt sich darüber, dass die letzte Weihnachtsfeier in der Firma ein glatter Reinfall war. Alles und jeder bekommt sein Fett ab und ich gewinne dein Eindruck, dass wirklich gar nichts in Ordnung war. Dann frage ich, wie denn die nächste Weihnachtsfeier stattdessen ablaufen würde, wenn die alleinige Verantwortung bei meinem Klienten läge. Die erste Antwort "zumindest nicht so wie diesmal" lasse ich nicht gelten und fordere ein konkretes Zielbild und Drehbuch, was dem Handlungstyp zwar einiges abverlangt, ihm dann aber doch ein zufriedenes Lächeln entlockt, als er merkt, dass es eher Kleinigkeiten sind, die den erwünschten Unterschied ausmachen und es durchaus positive Momente gab.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 221: Sprachspiele (2)
Schon 1990 in seinem Buch "Der Andere" hat Dietmar Friedmann den drei Grundtypen die Farben Gelb, Blau und Rot zugeordnet (Gelb = Beziehungstyp, Blau = Sachtyp, Rot = Handlungstyp).

Diese "Kürzel" erweisen sich immer wieder als sehr nützlich, um einen leichten Einstieg in die Beobachtung und Beachtung der Naturellunterschiede und das Gespräch darüber zu schaffen.

Drei Beispiele:

1. "Haben"
"Ich habe viel Gelbes und zu wenig Blaues" klingt weniger festgelegt wie "Ich bin ein Beziehungstyp" und beinhaltet auch die Erkenntnis, dass die Typunterschiede auf den Gewichtungen zwischen unterschiedlichen Stärken beruhen und jemand nicht nur Gelb oder nur Blau ist. Nach meiner Erfahrung können Klienten mit diesen Zuschreibungen sehr gut umgehen - oft besser als mit der Aussage "Ich glaube, Sie sind ein ...-Typ".

2. "Sein"
Anstatt die typologischen Begriffe (Beziehungstyp...) oder die Fachbegriffe (Relationiker...) zu verwenden, kann man auch sagen: "Ich bin ein Gelber" oder auch "Du bist wohl so ein Blauer und dein Mann eher ein Roter". Dieser Platzhalter beinhaltet dann alles, was jemand über die Gelben, Blauen oder Roten weiß.  

3. "Zeigen"
Mit dem Begriff "zeigen" lassen sich Ermutigungen aussprechen wie "Zeigen Sie doch mal ein bisschen mehr Rot in der nächsten Verhandlungsrunde" oder "Ich möchte gerne mehr Blau zeigen, wenn ich (als Gelber) wieder in emotionale Bedrängnis komme".
Auch hier stehen die Farben als Platzhalter für eine ganze Reihe von Eigenschaften, Haltungen und Fähigkeiten, also ganze Assoziationsbündel.

P.S. Auch im Gespräch unter "psychographisch Aufgeklärten" :) lassen sich die Farbbegriffe gut verwenden, z.B. bei Gesprächen über andere: "Heute hatte ich ein Teamcoaching mit drei Gelben und drei Roten - du kannst dir die Interaktion und Stimmung vorstellen" - und nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen (kürzere und leichter auszusprechende Begriffe als die anderen) nutzen viele Kollegen sie gerne.

Text: Werner Winkler

Tipp Nr. 220: Sprachspiele (1)
Dass die Psychographie zu einer Erweiterung der Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmöglichkeiten führt, ist sicher eine ihrer größten Stärken und Teil ihrer Faszination.

Ein Großteil dieser Wirkung beruht dabei auf der spielerischen, kreativen Verwendung von Sprache und Wörtern, wie ich heute und in den nächsten Wochen an einigen Beispielen (meist aus der Beratungspraxis) zeigen möchte.

Elegant und "verblüffend einfach" ist etwa die Veränderung eines Wortes und seiner Bedeutungen durch die Änderung der Wortart: Während etwa "Ich muss eine Auswahl treffen" für einen Sachtypen, der seine Vielleicht-Haltung pflegt, ziemlich mühsam sein kann, klingt "ich wähle aus" wesentlich einfacher (als Verb statt als Substantiv), zumal, wenn das "Nein" beim Auswählen ausdrücklich erlaubt ist.

Anstatt also mit dem Problem der Auswahl zu kämpfen, öffnet die Sprachvariante "auswählen" einen Weg zur Aktivität und führt am Ende, wenn die Auswahl getroffen wurde, zu einem "ausgewählten" (Adjektiv) Ergebnis - zum Beispiel bei mehreren Jobangeboten oder einer großen Auswahl an technischen Geräten ähnlicher Bauart.

Zur Verdeutlichung im Anhang die dazu gehörende Triade.

Tipp: Testen Sie einmal die Bedeutungsänderung eines für Sie starken Begriffs (Liebe, Freiheit, Gesundheit, Glück etc.) anhand dieser Triade.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 219: Drei Filmtipps
Sicher kennen viele der Leserinnen und Leser hier das Phänomen, dass man die Typunterschiede und Naturelle häufig in Filmen entdeckt - teilweise so deutlich, dass der Eindruck entsteht, der Autor hätte Kenntnis davon und es absichtlich so ins Drehbuch geschrieben.

Heute deshalb drei Filmtipps für diejenigen, die sich gleichzeitig bilden und gut unterhalten möchten - einen Kinofilm und zwei Serien (im TV oder als DVD zu kaufen):

1. "Frau Müller muss weg" mit Anke Engelke. Aktuell in den Kinos (und sicher in absehbarer Zeit als DVD) - ein sehenswertes Feuerwerk an klugen, lebensnahen und immer wieder auch sehr typischen Dialogen, gemischt mit einem tiefgründigen Humor und überraschenden Wendungen.

2. "Mad Man". Eine Serie, bei der es um die Werbebranche in den USA der 1960er-Jahre geht und in der vor allem Handlungstypen "ihr Fett abbekommen", wobei auch einige Beziehungstypen und Sachtypen mitspielen. Ziemlich rauh teilweise, aber ein gutes Lernfeld für alle, die bereit sind, auch die Abgründe der Naturelle anzuschauen und auszuhalten.

3. "Big Bang Theory". Hier geht es um einen Freundeskreis, der zum großen Teil aus jungen Wissenschaftlern besteht, sich jedoch um Sheldon, einen Sachtypen nahe am Asperger Syndrom, dreht. Auch hier tauchen alle Naturelle auf, wobei sich vor allem Sachtypen und Beziehungstypen aneinander reiben und ihre Missverständnisse austragen.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 218: Vorurteile
Anlässlich der Ereignisse in Paris scheint es mir angemessen, etwas zum Thema "Vorurteile" zu schreiben.

Es dürfte inzwischen allgemein akzeptiert sein, dass wir nicht ohne Vorurteile und Vereinfachungen (positiver wie negativer Art) auskommen. Wir können z.B. nicht jedes Auto, das uns auf der Landstraße entgegenkommt, einzeln unter die Lupe nehmen und beurteilen, ob es wohl gleich auf unsere Spur wechselt oder ordentlich weiterfährt. Das Vorurteil heißt: wir vertrauen.  

Ebenso ist verständlich, dass wir nach einem Unfall eine Zeit lang skeptischer und vorsichtiger sind. Als mir etwa 1982, kurz nachdem ich den Führerschein hatte, zwei Rehe ins Auto gelaufen sind (oder ich ihnen über den Weg fuhr), war ich monatelang bei jedem Warnschild automatisch auf der Bremse und fuhr langsamer. Jedoch hat sich seitdem dieses Ereignis nicht wiederholt, trotz der vielen Kilometer, die ich gefahren bin.

Wenn sich also nun drei Männer in Paris dazu herablassen, andere Menschen aus Motiven zu töten, die für fast alle Menschen auf der Welt nicht nachvollziehbar und nicht akzeptabel sind, dann sind wir in Gefahr, in Vorurteilsfallen zu geraten: Sind vielleicht alle Männer plötzlich viel gewaltbereiter? Oder die Pariser? Oder die Männer in Paris? Auch Männer in einem schwarzen Auto könnten gefährlich sein, ebenso jeder Kunde dunkler Hautfarbe, der einen Supermarkt betritt und grimmig schaut.

Und auch innerhalb unserer typologischen Denkweise lauern solche Denkfallen: Handlungstypen machen öfters Schulden als andere (und bezahlen sie zuverlässig zurück), Beziehungstypen halten weniger Versprechen als andere (und tun dafür viel unverhofft Gutes), Sachtypen drücken sich häufiger um klare Worte, wenn sie verletzen könnten (und entschärfen damit manchen Konflikt) usw. - da wir solche Vorurteile und "Faustregeln", wenn sie einmal in unserer Wahrnehmung als sinnvoll erkannt wurden, nicht einfach abschalten können, kommt es darauf an, sie dann wieder los zu lassen, wenn sie sich im konkreten Kontakt mit einem anderen als hinderlich oder unrichtig erweisen.

So gibt es etwa keinerlei Grund, sich nach den Ereignissen von Paris gegenüber Männern im Allgemeinen, Menschen in schwarzen Autos oder den Parisern allgemein anders zu verhalten als bisher. Und wie schon immer ist es ratsam, Menschen mit Waffen besser aus dem Weg zu gehen - und sich der eigenen Anfälligkeit für schädliche negative Vorurteile (gegenüber wem auch immer) bewusst zu werden, zu bleiben - und sie zumindest im Kontakt mit einem konkreten Menschen rasch wieder loszulassen.


Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 217: Rück- und Ausblicke für Handlungstypen
Letzte Woche fragte ich nach passenden Haltungen bzw. Begriffen für einen handlungstypischen Jahresrückblick - und da dieser ja auch durchaus als Anleitung für einen Ausblick auf das neue Jahr taugt, hier einige Vorschläge von Leserinnen und Lesern zur Auswahl:

- “Genugtuung” - über das im Laufe des Jahres Geschaffene (Dr. Adelheid Schieke)

- Sammlung von Dingen, die man in Zukunft besser lässt, weil es trotz hohem Aufwand nichts gebracht hat (Bernhardt Heerdt)

- was sie alles geschafft haben, positiv aufgebaut, erneuert, überwunden haben (Dipl.-Psych. Tomas Biermann-K.)

- Stolz auf abgeschlossene Projekte und erfolgreiche Aktionen (Karin Issberner)

- Wertschätzung, Hochachtung

- "Stolz" (Sabine Bornemann)

- auf das blicken, was sie erreicht haben und besonders stolz sind. Je größer die Herausforderung, desto größer das Ego und Selbstwertgefühl! (Willibald Josef Gruber)

Und noch ein sehr persönliches Statement einer Handlungstyp-Kollegin:

- freuen über Erreichtes und Getanes somit über Erfolge. Die Hürden die genommen wurden und erfolgreich gemeistert wurden. Schaue auch auf die Niederlagen ... um nach Verbesserung Ausschau zu halten. Gräme mich deshalb schon lange nicht mehr. Denn diese Niederlagen gehören zum Leben und ich bin dankbar, mein Leben leben zu dürfen und nicht das der Anderen. Freue mich auch besonders, wenn es Menschen durch mein Coaching besser geht und dies auch lange anhält. Der Blick nach hinten hat auch gleichzeitig den Blick nach vorne im Visier ... auf zu neuen Zielen und Taten ... lasst uns das Leben leben und vor allem genießen. Jeden einzelnen Tag. So, das war der Blick in mein Inneres. Ich hoffe, das ist nicht zu negativ ... grins ... da ja scheinbar dem HT der positive Ansatz verloren ging. (Ruth Romoser)

Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 216: Jahresrückblick typgerecht
Am Jahresende bietet sich ein typgerechter Rückblick wie von selbst an. Leider kann ich nur für Beziehungstypen und Sachtypen eine "typische" Haltung angeben, da mir für die Handlungstypen keine adäquate (positive) eingefallen ist:

Beziehungstypen blicken besonders auf die schönen Dinge zurück, über die sie sich gefreut haben und im Rückblick nochmal freuen.

Sachtypen erlebe ich immer wieder als die dankbarsten Menschen, weshalb ich vermute, dass deren Jahresrückblicke reichlich Dankbarkeit enthalten (die dann über das Positive hinausgehend etwa auch Dankbarkeit für kritische Erfahrungen einschließen dürfte).

Das Interessante an diesen beiden Haltungen (Freude und Dankbarkeit) ist, dass wir sie jederzeit bewusst "einschalten" können - also auch im Sinne der Aktivierung von vernachlässigten Fähigkeiten: Beziehungstypen dürfen also ihren Jahresrückblick stärker mit Dankbarkeit anreichern, Handlungstypen mehr auf das achten, worüber sie sich freuen können und da mir - wie gesagt - die dazu passende handlungstypische Haltung noch fehlt, muss ich die Sachtypen leider auf einen späteren Tipp der Woche vertrösten.

Über Ideen für die gesuchte Haltung freue ich mich, gerne auch über die Facebook-Seite des Vereins.

Text: Werner Winkler (der allen Leserinnen und Lesern einen guten Start ins Neue Jahr wünscht!)
Tipp Nr. 215: Hilferuf.de - drei Argumente, dort aktiv zu sein
Heute möchte ich Ihnen und euch das Hilferuf.de-Forum im Internet empfehlen - und drei (typgerechte) Argumente liefern, dort aktiv zu werden.

Es gibt dieses Forum schon sehr lange. Dort können Leute ihre Sorgen und Probleme mit anderen teilen und bekommen - mehr oder weniger qualifizierte - Hilfestellung oder Tipps. Und da für viele, gerade junge Leute, der Gang zu einem Therapeuten, Seelsorger oder Berater eine große Hürde darstellt, finden sie dort anonym und niederschwellig jemand, der ihnen zuhört und antwortet - natürlich nur, wenn sich auch jemand die Zeit zum Lesen und Antworten nimmt.

Jetzt die drei versprochenen Argumente:
1. Man kann dort wirklich Gutes tun und helfen, auch mit wenigen Sätzen.
2. Man kann viel lernen, auch über Typunterschiede und typische Probleme (s. unten).
3. Man kann seine praktischen Fähigkeiten als Berater trainieren, wachhalten - oder seine Lebenserfahrung mit anderen teilen.

Zwar gibt es auch scheinbar triviale Themen wie "Verliebt in meine Lehrerin", aber eines der häufigsten Themen lautet: "Ich weiß nicht weiter". Und sehr häufig "leiden" die Schreiber dann einfach an ihrem Naturell bzw. ihren noch nicht erkannten Ressourcen.

Ein schönes Beispiel von neulich, über das ich schmunzeln musste und das wie selten den Typus des Schreibenden zeigt: "Was kann man damit arbeiten? Wenn jemand keine Person ist, die Dinge umsetzt, im Sinne von einfach machen oder ausführen, was man sagt. Sondern einfacher Sammler ist (z.B. Infos, Dinge, etc.) oder einfach passiv und gut im Warten. Was kann man dann machen?"

Tipp: über die freien Tage das Forum mal anschauen, sich anmelden und auf eine der Fragen antworten, auf die noch niemand oder erst wenige geantwortet haben.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 214: Weihnachtsgeschenke typgerecht
Für den Fall, dass jemand noch ein Weihnachtsgeschenk sucht und es typgerecht auswählen möchte, hier ein Tipp mit dazu gehöriger Triade (im Anhang).

Die Empfehlung ist, etwas zu suchen, das sowohl den Persönlichkeits- als auch Ressourcenbereich des Beschenkten abdeckt, also

- beim Beziehungstyp etwas Schönes und Indivuduelles
- beim Sachtyp etwas Individuelles und Nützliches
- beim Handlungstyp etwas Nützliches und Schönes

Als kleine Übung kann man sich ja einmal selbst etwas typgerechtes schenken und beobachten, ob sich die Theorie hier in der Praxis als eine gute Idee erweist :)

P.S. Die anhängende Triade ist mir (noch ohne Pfeile) ca. drei Jahre bevor ich Dr. Friedmann kennenlernte, eingefallen. Damals ging es darum, Werbung so zu gestalten, dass sie für möglichst viele Kunden attraktiv wirkt. Die Idee war, dass die Einbeziehung aller drei Aspekte (schön, individuell oder eigen, nützlich) mehr Wirkung erzielt als wenn einer davon fehlt. Vielleicht haben mich auch deshalb die Friedmannschen Triaden so angesprochen, weil mir die Idee dahinter schon bekannt war.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 213: Perfektion
Im heutigen Tipp möchte ich zeigen, wie man zwei Triaden sinnvoll kombinieren kann.

Die bekannte Triade haben/sein/können kombinieren wir mit der Triade optimal/so gut wie möglich/perfekt und bekommen dadurch die drei Optionen:

- optimal haben (Beziehungstyp-Neigung)
- so gut wie möglich sein (Sachtyp-Neigung)
- perfekt können (Handlungstyp-Neigung)

Steckt man selbst (oder ein Klient) durch seine angeborene Neigung nun in einer Option fest, eröffnet sich ein Ausweg durch den Ausgleich in der vernachlässigten Triaden-Option.

Beispiele: Ein Beziehungstyp übertreibt es mit dem "optimal haben" wollen und findet seinen Ausweg in der Option "so gut wie (realistisch) möglich sein".

Ein Sachtyp, der sich und andere damit stresst, dass er permanent so gut wie möglich sein möchte (auch in Konkurrenz zu anderen) - er findet im Streben danach, etwas "perfekt zu können" ein klares Ziel und eine praktische Handlungsmöglichkeit.

Oder ein Handlungstyp steckt im "perfekt können" wollen fest und ändert seine Haltung, indem er mehr auf "optimal haben" setzt, also sich das Positive, das er schon hat oder haben kann, bewusster macht.

Die angehängte Darstellung der drei Triaden veranschaulicht das Prinzip.

Text: Werner Winkler  
Tipp Nr. 212: Starke Bilder und Metapher
Viele der Leser werden das Problem kennen: Man möchte jemand den Nutzen unseres Typenmodells erklären, weiß aber nicht recht, wo anfangen oder wie viel Informationen angebracht sind, ohne das Gegenüber gleich zu überfordern.

Mein Tipp in dieser Situation ist, keine Fachbegriffe zu verwenden, sondern (wenn man die Möglichkeit hat), zunächst eine einzelne Triade aufzuzeichnen - etwa die Ja/Vielleicht/Nein-Triade - und daran das Phänomen der Bevorzugung und Vernachlässigung bzw. den Ausgleichsprozess zu erläutern, möglichst mit konkreten Beispielen aus dem gemeinsamen Bekanntenkreis.

Auch der Vergleich der Grundtypen-Unterschiede mit den Meeresbewohnern Delfin, Blauwal und Haifisch erweist sich immer wieder als bildhaft und deutlich genug. Angenommen, ich sage: "Lädt ein Haifisch einen Blauwal zum Essen ein ..." und spekuliere dann, was die beiden sich unter "Essen gehen" vorstellen - dann wird rasch klar, dass sie nicht das Gleiche meinen.

Von diesem Beispiel ausgehend ist es dann wesentlich leichter, auch die deutlichen Unterschiede im angeborenen Naturell bei Menschen und deren unterschiedliche Erwartungshaltungen, etwa zum Thema "Urlaub" oder "Umgang mit Geld" verständlicher zu machen, z.B. innerhalb einer typengemischten Familie.

Eine Diskussion und Sammlung zu den psychographischen Metaphern findet sich übrigens im Forum hier unter http://www.psychographen.de/forum/index.php?file=forum_show&id=3019&showselect=all

Neue Ideen sind dort jederzeit willkommen!

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 211: Drei Seelen wohnen - ach, in meiner Brust.
Immer wenn ich irgendwo die Zahl "zwei" in einem Sprichwort oder Modell lese, überlege ich mir, ob da nicht ein drittes, übersehenes Element mit im Spiel sein könnte.

Dass Goethe in seinem "Faust" nur von zwei Seelenanteilen spricht, hat wohl eher dramaturgischen Sinn. Der Psychoanalytiker und "Seelenkenner" C.G. Jung hat jedoch auch nur zwei, archetypische, Seelenanteile benannt: "Anima" und "Animus".

Ganz Kind seiner Zeit sah er einen "weiblichen" und einen "männlichen" Anteil der menschlichen Seele, er übersah jedoch aus meiner Sicht den "dritten Teil", den man als "kindlichen" oder "Animi"-Anteil bezeichnen könnte.

Um die drei Rollen anzuführen, die Eric Berne in seiner Transaktionsanalyse unterschied, könnte so auch von drei "Seelenanteilen" gesprochen werden, die dem psychographischen Modell ähneln: der elternhafte Anteil (rot), der heranwachsende (blau) und der kindliche (gelb).

Welcher Anteil in der eigenen "Brust" zu viel, welcher zu wenig Raum im Bewusstsein und Alltag bekommt, sollte man sich immer wieder ehrlich vor Augen führen. Vor allem dann, wenn wir in unserem "Heimatbereich" (also dem bevorzugten) stecken bleiben und den ausgleichenden vernachlässigen, entsteht Einseitigkeit.

Beziehungstypen dürfen also öfters erwachsener (vernünftiger) handeln, Sachtypen ihre elterlichen (verantwortungsvollen) Qualitäten zeigen und Handlungstypen ihre kindlichen (verspielten) Anteile pflegen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 210: Candy-Test zur Typerkennung
Seit Jahren beobachte ich, dass sich in "existenziellen" Situationen das jeweilige Naturell sehr deutlich zeigt und diese Momente für die Typenbeobachtung gut geeignet sind.

Auf der Facebook-Seite des Vereins wurde diese Woche ein Video gepostet. Es zeigt Kinder, denen ihre Eltern erzählen, sie hätten die gerade frisch und mühsam gesammelten Halloween-Süßigkeiten über Nacht selbst aufgegessen.

Hier der Link zu YouTube: http://www.youtube.com/watch?v=1NDkVx9AzSY

Die Reaktionen der Kinder sind völlig unterschiedlich (wie nicht anders zu erwarten) - aber teilweise so "typisch" aus psychographischer Sicht, dass ich die Aufnahmen als Übungsfeld zur Beobachtung von Typunterschieden empfehlen kann.

Da dieses "Experiment" schon einige Jahre lang läuft, gibt es auch Videos aus den letzten Jahren - auch dort finden sich zum Teil sehr schöne Beispiele für typgerechte Reaktionen (auch was die Untertypen betrifft, z.B. ein zukunftsorientiertes Kind, das sich sofort auf nächstes Jahr vertröstet oder ein du-bezogenes, das sich für die Mutter freut).

P.S. Ob es richtig ist, seine Kinder solchem Stress auszusetzen und es dann zu publizieren, mag jeder für sich entscheiden, das möchte ich hier ausklammern.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 209: Bewahren, was gut ist (für Handlungstypen)
Eine der lösungsorientierten Grundhaltungen lautet: Beobachte und bewahre, was (noch) gut ist!

Was ist hierbei für Menschen, die sich der Gruppe der Handlungstypen (oder Aktioniker) zuordnen lassen, besonders zu beachten - was übersehen sie leicht?

- die Möglichkeit, "Ja" zu sagen oder etwas Neues zu beginnen (Neuanfang)
- ihre emotionalen Fähigkeiten und Kompetenzen
- alle zwischenmenschlichen Aspekte (z.B. Beziehungen, Liebe, Emotionen)
- ihre Friedfertigkeit, ihre Fähigkeit, freundlich und nett zu sein
- die Möglichkeit, sich zu freuen, glücklich zu sein, zu spielen
- Leichtigkeit, Lockerheit, Oberflächlichkeit, Neugier

Neben diesen Beispielen für Fähigkeiten aus dem "gelben Bereich" sind selbstverständlich auch die aus dem "blauen" und "roten" Bereich bewahrenswert, jedoch scheinen es gerade die aus den (gelben) Ressourcenbereichen zu sein, die am Leichtesten übersehen und dadurch zu selten genutzt werden.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 208: Alles oder Nichts oder ...
Neulich "entdeckte" ich eine neue Triade und wundere mich immer noch, dass ich nicht früher daran dachte, das Gegensatzpaar "Alles oder Nichts" im psychographischen Sinne zu ergänzen.

Da "Alles" gut zur "gelben Ecke" passt und "Nichts" zur "roten", fehlt nur noch die "blaue" - und da bietet sich ein Begriff wie "Manches" nur zu gut an.

Die drei Tipps, die sich aus dieser Triade ableiten lassen, heißen daher:
- sich als "Gelbe/r" öfters mal mit "Manches" anzufreunden
- sich als "Blaue/r" öfters ein "Nichts" zu akzeptieren und
- sich als "Rote/r" öfter "Alles" zu gönnen, z.B. "alles Gute".

Text und Redaktion: Werner Winkler  
Tipp Nr. 207: Perspektivenwechsel
Aus dem systemischen Ansatz kennen wir die Methode des Perspektivenwechsels. Was geschieht, wenn wir auf der Ebene "Du-Ich-Wir-Verbundenheit" die Perspektiven wechseln, fiel mir neulich in einem Coachinggespräch (mit einem du-verbundenen Klienten) auf. Denn während er im sehr ich-bezogenen Verhalten einer Freundin eine Missachtung seiner Bedürfnisse sah, konnte ich ihm anhand der Psychographie verständlich machen, dass es sich dabei aus Perspektive des ich-bezogenen Menschen um ein völlig normales Verhalten handelt.

Die folgende kleine Tabelle fasst die neun möglichen Perspektiven zusammen:

Aus Sicht von Du-Verbundenen:
- Verhalten anderer Du-Verbundener: normal, spiegelbildlich
- Verhalten von Ich-Verbundenen: vorbildlich bis ärgerlich
- Verhalten von Wir-Verbundenen: zu schwacher Du-Bezug (je nach Situation entlastend oder belastend)

Aus Sicht von Ich-Verbundenen:
- Verhalten anderer Ich-Verbundener: normal, spiegelbildlich
- Verhalten von Wir-Verbundenen: vorbildlich bis ärgerlich
- Verhalten von Du-Verbundenen: zu schwacher Ich-Bezug (je nach Situation entlastend oder belastend

Aus Sicht von Wir-Verbundenen:
- Verhalten anderer Wir-Verbundener: normal, spiegelbildlich
- Verhalten von Du-Verbundenen: vorbildlich bis ärgerlich
- Verhalten von Ich-Verbundenen: zu schwacher Wir-Bezug (je nach Situation entlastend oder belastend

Gerade in Partnerschaften oder für Zweierbeziehungen ist also das Wissen um die aufeinander treffenden Bevorzugungen nützlich, um sich richtig zu verstehen und keine Fehlinterpretationen zu etablieren.

Die Beschreibungen der drei Bevorzugungen finden sich hier:
Du-Verbundenheit: www.123modell.de/0100.htm
Ich-Verbundenheit: www.123modell.de/0200.htm
Wir-Verbundenheit: www.123modell.de/0300.htm

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 206: Der Gorilla in meinem Bett
In den letzten Tagen bekam ich drei besonders nette Rückmeldungen zum Buch "Der Gorilla in meinem Bett", weshalb ich gerne den Tipp geben würde, es nochmal aus dem Regal zu holen:

Eine Leserin hatte es beim Friseur dabei, der sich für den Inhalt interessierte und es ihr daraufhin "abschwatzte". Sie lieh es ihm und bekam beim nächsten Termin die Rückmeldung, es hätte ihm sehr dabei geholfen, seinen Partner besser zu verstehen.

Und eine junge Frau erzählte mir, wieviel Spaß sie mit ihren Freundinnen hatte, als sie zusammen anhand der Typbeschreibungen im Buch ihre Freunde typisiert haben. Eine der Freundinnen möchte nun zu Weihnachten ihren eigenen Freundinnenkreis damit beglücken.

Und eine Psychotherapeutin berichtet, wie deutlich sie die im Buch beschriebenen Interaktionsmuster bei Paarthemen erkennen würde und wie hilfreich das für ihre Klientinnen wäre, darüber Bescheid zu wissen.

Text: Werner Winkler
Tipp Nr. 205: Bewahren, was gut ist (für Sachtypen).
Eine der lösungsorientierten Grundhaltungen lautet: Beobachte und bewahre, was (noch) gut ist!

Was ist hierbei für Menschen, die sich der Gruppe der Sachtypen (oder Temporiker) zuordnen lassen, besonders zu beachten - was übersehen sie leicht?

- die Möglichkeit, "Nein" zu sagen oder etwas zu beenden
- ihre praktischen Fähigkeiten und Kompetenzen
- alle körperlichen Aspekte (z.B. Bewegung, Ernährung, Raumgestaltung)
- ihre Angriffs- und Aggressionspotentiale (natürlich im Rahmen des Erlaubten)
- die Möglichkeit, Erfolge durch Krafteinsatz zu erzielen
- Kontrolle, Druck, Nachdruck, Zielsetzungen, Risikobereitschaft

Neben diesen Beispielen für Fähigkeiten aus dem "roten Bereich" sind selbstverständlich auch die aus dem "gelben" und "blauen" Bereich bewahrenswert, jedoch scheinen es gerade die aus den (roten) Ressourcenbereichen zu sein, die am Leichtesten übersehen und dadurch zu selten genutzt werden.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 204: Drei Aspekte des Machens
Im letzten Tipp zum Thema "weiter verfeinerte Bereiche der Landkarte" möchte ich heute an die drei Arten oder Aspekte des "Machens" erinnern - wobei mit "Machen" im psychographischen Sinn die Aussendung von Reizen gemeint ist (während Fühlen die Reizaufnahme und Denken die Reizverarbeitung beschreibt).

1. Aktives Machen
Wenn von ‘Machen’ gesprochen wird, ist umgangssprachlich meist das aktive Machen gemeint, also das Aussenden von Reizen durch körperliche Aktivität (dazu gehört auch reden, schreiben oder singen). Sogar Selbstgespräche zählen dazu und unterscheiden sich vom Nachdenken oder ‘Hirnen’, bei dem keine Reize ausgesendet werden. Eine geeignete Metapher ist ein aktiver Vulkan, der allein aus sich heraus tätig ist.

2. Reaktives Machen
Reaktives Machen meint im Gegensatz dazu diejenigen Aktivitäten, die als Antwort auf einen Reiz von außen zustande kommen. Deutlich wird dieser Unterschied in der künstlerischen Arbeit: Während der Künstler zuerst aus innerem Antrieb arbeitet, bedient der Kunsthandwerker Kundenbestellungen oder reagiert damit auf Marktwünsche.

3. Inaktives Machen
Um ein ausgewogenes Verhältnis zum Machen aufzubauen, gehört auch das Erlernen des inaktiven Machens dazu - es sei denn, man hat dieses bereits als Bevorzugung in übertriebener Anwendung.
Der chinesische Weise Lao-Tse drückte es so aus: “Lehren ohne Worte, beim Tun im Nicht-Tun verweilen: das verstehen nur wenige.” (Tao-te-king, 43. Spruch). Inaktives Machen ist also das bewusste Vermeiden der Reizaussendung, das Zurückhalten, Schweigen, Nicht-Antworten. So spricht man ja auch vom "vielsagenden Schweigen".

Je nachdem, welchen dieser drei Aspekte des Machens Sie nun als Ihren bevorzugten erkennen - der Tipp lautet: wenn Sie bemerken, dass Sie ihn in einer Situation nutzen, in der ein anderer angemessen wäre, aktivieren Sie diesen anderen "Muskel" und überraschen Sie sich selbst bzw. Ihre Umwelt.

Beispiel: Ich selbst bevorzuge das "reaktive Machen" - lasse mich also leicht durch Impulse von Außen zum Machen anregen. Hingegen fällt mir das "inaktive Machen" extrem schwer, so dass ich es immer wieder bewusst einsetzen muss. Praktisch bedeutet das etwa, dass ich mir anzutrainieren versuche, nicht auf jede Anregung zu reagieren, sondern mir die Freiheit nehme, sie nur auf einen Zettel zu notieren und dann erst einmal abzulegen. Kommt der Impuls später noch einmal zurück, gehe ich ihm nach. Häufig aber entdecke ich beim Durchsehen meines "Zettelstapels", dass viele Ideen keine Wurzeln geschlagen haben.

Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 203: Kann ich heute etwas für Sie tun?
Die hohe Wirksamkeit der lösungsorientierten Fragen hängt nach meiner Einschätzung auch damit zusammen, dass sie häufig "typneutral" sind, d.h. für jeden unserer drei Grundtypen nützlich und nicht nur für eine oder zwei Gruppen.

So können etwa alle drei Typgruppen mit der Frage "Kann ich heute etwas für Sie tun?" die Einladung verbinden, ihre individuellen und typspezifischen Bedürfnisse zu äußern (die Frage kann abgewandelt sowohl im Unternehmen, in der Familie oder in sozialen Einrichtungen gestellt werden).  

Gegenbeispiele, die nur für eine Gruppe passend sind, wären die Fragen "Wie kann ich Sie heute unterstützen?" (eher für Sachtypen), "Wie geht es Ihnen heute?" (eher für Beziehungstypen).

Die Frage "Kann ich heute etwas für Sie tun?" wurde vom Leiter einer japanischen Privatklinik entwickelt, der täglich alle 200-300 Patienten besucht und lange experimentiert hat, um die "ideale Frage" zu entwickeln. Mit Hilfe zweier Assistenten, die er mit auf seine Visitentour nimmt, schafft er sein tägliches Pensum so in ungefähr vier Stunden. Die Standardantwort der Patienten ist "Nein Danke, alles in Ordnung" - gibt es jedoch etwas, das die Patienten vom Klinikchef möchten, lässt er einen der Assistenten zurück, der sich die Bitte notiert und geht mit dem zweiten ans nächste Bett. Und da die Patienten wissen, dass er jeden Tag mit dieser Frage vorbeikommt, können sie sich auch darauf vorbereiten, falls es etwas gibt, das ihnen wichtig ist.

Nach Aussagen des Mediziners (ich lernte ihn 1997 auf einer Fortbildung bei Steve de Shazer kennen) sind seine täglichen Rundgänge das Geheimnis des Erfolges der Klinik - und für mich ein schönes Beispiel, wie einfach lösungsorientierte, typgerechte Kommunikation sein kann.

Text und Redaktion: Werner Winkler  
Tipp Nr. 202: Das letzte Drittel
Morgen beginnt das letzte Drittel des Jahres 2014. Und trotz der weltpolitisch unruhigen Zeiten ist das vielleicht eine gute Gelegenheit, die eigenen Pläne und Vorsätze noch einmal anzuschauen - was ist erreicht, was hat sich von selbst erledigt, was steht noch aus?

Es würde mich nicht wundern, wenn die eine Leserin oder der andere Leser just jene Dinge "hintenan" gestellt hat, die in die weniger ausgeprägten Bereiche des eigenen Naturells gehören (also zu den psychographischen Ressourcen).

Der "Tipp der Woche" ist also eher ein "Tipp für vier Monate": Geben Sie 2014 die Gelegenheit, ein besonders "rundes" Jahr zu werden und betonen Sie in nächster Zeit die bisher zu kurz gekommenen Seiten Ihrer Persönlichkeit wieder stärker.

Ich für meinen Teil werde also meiner "blauen Seite" mehr Raum geben und eine kleine Pause einlegen, was die "Tipps der Woche" betrifft und meinen Urlaub genießen :)

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 201: Drei Aspekte des Denkens
In der Reihe "Triaden zur weiteren Unterteilung der Unterbereiche" möchte ich heute an die drei Aspekte des Denkens und die darin enthaltenen Optionen erinnern, wobei Denken hier das Verarbeiten (Einordnen, Vergleichen) der eingehenden Reize meint.

1. Teilbewusstes Denken
begegnet uns im “dritten Zustand” (Amos Oz) zwischen Schlafen und Wachen, beim Eintauchen in einen fesselnden Film oder beim Autofahren, evtl. auch während dem Duschen, Saunieren, Meditieren. Hier nimmt unser bewusstes Denken das unbewusste (noch) wahr.

2. Unbewusstes Denken
Spätestens seit den Arbeiten von Sigmund Freud ist der unbewusste Teil unseres Denkens ins öffentliche Interesse getreten. Die Hirnforschung hat gezeigt, dass unser Gehirn beständig Reize verarbeitet, selbst und gerade im Schlaf - auch wenn unser Bewusstsein davon nur sehr wenig mitbekommt (z.B. durch Träume, die Freud als einen Zugang zum Unbewussten erkannte).

3. Bewusstes Denken
ist Denken als Arbeit, also Rechnen, gezieltes Erinnern (etwa von Namen oder Vokabeln), Sortieren oder Abwägen von Argumenten. Wenn wir sagen: Darüber muss ich jetzt einmal nachdenken - dann schalten wir das bewusste Denken ein.

Der Leser mag an dieser Stelle kurz oder länger darüber nachdenken :) welche der drei Optionen seine bevorzugte und sein vernachlässigte ist. Zur Erinnerung: die vernachlässigte lässt sich etwa daran erkennen, dass sie uns zu überraschenden Aha-Erlebnissen, plötzlichen Denkfortschritten oder außergewöhnlichen Ideen verhilft, die bevorzugte ist die, auf die wir im Normalfall und unter Stress wie von selbst zurückgreifen, die uns aber auch in "Sackgassen" führt, wenn wir sie übertrieben nutzen.

Bei mir selbst ist das bewusste Denken am stärksten ausgeprägt und mir ist klar, dass ich damit nicht alles erreichen kann, was mir wichtig ist - und ich weiß, dass viele der besonders fruchtbaren Ideen durch teilbewusstes Denken entstanden: weder im Schlaf, noch im Wachzustand, sondern irgendwo dazwischen. Mein Tipp lautet auf diesem Hintergrund daher, alle Optionen des eigenen Denkvermögens zu erkennen und die bislang weniger beachtete mit mehr Aufmerksamkeit zu bedenken bzw. stärker zu nutzen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 200: Dreierlei Gründe, sich vegan zu ernähren.
Am Beispiel des Themas "Vegane Ernährung" möchte ich zeigen, wie man eine möglichst typgerechte, d.h. für alle drei Typgruppen schlüssige Argumentation aufbauen kann. Ich nehme dieses Beispiel, weil es mir sehr am Herzen liegt, jede/r Leser/in mag es aber auf die eigenen "Herzensangelegenheiten" übertragen.

Anstatt nur auf Gründe oder Argumente zu setzen, die mir selbst und anderen aus meiner Typgruppe schlüssig sind, sammle und nutze ich  auch solche in meinen Fundus, die sich für Menschen anderen Typs als überzeugend erwiesen haben - wobei sich nicht alle Punkte streng einer Gruppe zuordnen lassen und häufig auch "nicht-typgerechte" Argumente den Ausschlag geben (zumal, wenn die typspezifischen bisher nicht gewirkt haben).

Am Beispiel "Vegane Ernährung" also z.B.:

Argumente für Beziehungstypen/Relationiker
- die armen Tiere (Kälbchen, Ferkel, Schäfchen) möchten auch leben
- möchtest du wirklich Blut und Fleisch von toten Tieren essen?
- stell dir vor, andere Säugetiere würden deine Kinder und dich selbst in schrecklichen Umständen halten, nur um Fleisch essen zu können ...

Argumente für Sachtypen/Temporiker
- vegane Ernährung ist preiswerter
- vegan ernährte Menschen leben länger und gesünder
- vegane Ernährung ist gut für das Klima

Argumente für Handlungstypen/Aktioniker
- es ist ungerecht, fühlende Wesen für die eigene Ernährung zu töten, wenn es nicht sein muss; es gibt genug Elend auf der Welt, da muss ich nicht noch dazu beitragen, es zu vermehren
- die Haltung, Fütterung, Tötung und der Transport bzw. die Verarbeitung von Tieren zu Nahrung ist häufig unhygienisch, grausam und unnatürlich wie die ganzen Skandale in dieser Branche zeigen
- tierische Proteine sind nicht gut für meinen Körper
- meine Religion/mein Gerechtigkeitsempfinden/mein Arzt verbietet es mir, weiterhin so viel Fleisch zu essen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 199: Bewahren, was gut ist (für Beziehungstypen)
Eine der lösungsorientierten Grundhaltungen lautet: Beobachte und bewahre, was (noch) gut ist! Was ist hierbei für Menschen, die sich der Gruppe der Beziehungstypen (oder Relationiker) zuordnen lassen, besonders zu beachten - was übersehen sie leicht?

- die ihnen zur Verfügung stehenden Zeiträume
- ihre (begrenzten) ökonomischen Kapazitäten
- ihre Verstandeskraft, ihre geistigen Fähigkeiten
- ihre Fähigkeit zur Geduld und zum Wartenkönnen
- ihre Leidensfähigkeit und ihr Durchhaltevermögen
- ihre Fähigkeit, sich und andere zu verteidigen
- die Option, auch einmal nichts zu tun und passiv zu bleiben
- ihren Realitätssinn und ihre Kritikfähigkeit

Neben diesen Beispielen für Fähigkeiten aus dem "blauen Bereich" sind selbstverständlich auch die aus dem "gelben" und "roten" Bereich bewahrenswert, jedoch scheinen es gerade die aus den Ressourcenbereichen zu sein, die am Leichtesten übersehen und dadurch zu selten genutzt werden.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 198: Drei Aspekte des Fühlens/Wahrnehmens
In der Reihe "Triaden zur weiteren Unterteilung der Unterbereiche" möchte ich heute an die drei Aspekte des Fühlens/Wahrnehmens und die darin enthaltenen Optionen erinnern:

"Fühlen" im hier verwendeten Sinn umfasst alle Reize, die vom Organismus registriert werden. Dazu gehört nicht nur das Gefühl zum Körper (nicht zu verwechseln mit der Beziehung zu sich selbst), sondern auch hören, schmecken, sehen und lesen (als aktive Varianten der Reizaufnahme).

1. Unausweichliches Fühlen
meint Reize, gegen die wir uns nicht abschotten können, etwa einzelne Wörter, die wir in Gesprächen hören. Wer von dieser Art des Fühlens zu viel hat, dem hilft u. U. eine ‘Reiz-Reduktions-Diät’ (z.B. maximal eine Stunde lesen, Musik hören oder Fernsehen pro Tag).

2. Reduziertes Fühlen
bedeutet, nur noch einen Teil der Reize aufzunehmen, also zu selektieren - was manche Menschen auch ohne Übung sehr gut können. Sollte dies Ihre bevorzugte Variante des Fühlens sein, wäre es interessant, immer wieder einmal bewusst unter die "Reizdusche" zu stehen und sich einer Ladung geballter Eindrücke auszusetzen - etwa in einer Großstadt.

3. Gesteuertes Fühlen
Menschen mit dieser Bevorzugung nehmen bestimmte Reize fast zwanghaft wahr, jedoch eingeengt - etwa durch eine berufliche Vorliebe bestimmt. Zu viel Steuerung beim Fühlen schadet auf Dauer; wer seine Reizaufnahme ständig einengt (z.B. nur in einem einzigen Buch liest), verarmt und verschließt sich für Neues. Eine Ausgleichsübung bestünde in diesem Fall etwa darin, einmal eine Zeitung zu kaufen und wirklich alle Artikel und Anzeigen zu lesen und sich alle Bilder anzuschauen.

Ich persönlich bevorzuge den in 1. geschilderten Aspekt und profitiere von Gelegenheiten, in denen ich nur wenige Eindrücke bzw. wenig neue aufnehmen muss.

Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 197: Theorie und Praxis und ?
Eine häufig genutzte Dualität ist "Theorie und Praxis". Ich habe mir bereits vor Jahren überlegt, was hier "das Dritte" im Sinne der Psychographie sein könnte.

Klar ist, dass "Theorie" in die blaue Ecke gehört und "Praxis" in die rote. Bleibt also die "gelbe" übrig, für die ich bisher (ohne damit 100% zufrieden zu sein) das Wort "Idee" vorgesehen hatte.

Nun ist mir jedoch (beim Schreiben eines Aufsatzes zur Optimierung der Demokratie) aufgefallen, dass der Begriff "Utopie" sehr gut zu Theorie und Praxis passen würde. Ich habe deshalb auch ein Kapitel des Aufsatzes in diese drei Unterabschnitte unterteilt und dabei das Gefühl gehabt, jetzt ist es "rund".

Drei Tipps der Woche also aus dieser Triade abgeleitet:

1. Für "Gelbe": Mehr mit der Theorie befassen, wenn man utopische Träume hat!
2. Für "Blaue": Einfach mal praktisch ausprobieren, was man theoretisch für möglich hält.
3. Für "Rote": Mehr Utopien und Tagträume wagen - gerade dann, wenn man mit der gängigen Praxis nicht glücklich ist.

Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 196: Weltmeister-Typen
Noch eine Zeit lang dürften wir im Fernsehen oder Internet mit Szenen der Fußball-Weltmeisterschaft versorgt werden.

Um bei diesen "Rückblicken" noch ein bisschen Typen-Beobachtung trainieren zu können, hier einige Hinweise aus meiner Sammlung der letzten Tage:

- Philipp Lahm (Vermutung: Sachtyp) tritt von sich aus zurück und nutzt damit die sachtypische Ressource (Nein-Sagen, Aufhören) sowie seine typeigene Stärke (den richtigen Zeitpunkt erkennen, die eigenen Kräfte konzentrieren)

- Jogi Löw (Vermutung: Handlungstyp + Denker) hat nach dem Abpfiff des Endspiels zum ersten Mal (so weit ich das sehen konnte) richtig herzhaft gelacht und seine Freude deutlich gezeigt; sehenswert!

- Thomas Müller (Vermutung: Beziehungstyp) kann vor lauter Emotionen nach dem gewonnenen Endspiel kaum noch etwas vernünftiges sagen; wohingegen die etwas älteren Beziehungstypen (Vermutung) Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski ihre Freude weitaus bewusster und trotzdem kreativ zum Ausdruck bringen (sie erinnern sich auch an die zehn Jahre harte Arbeit, die ihr Erfolg gebraucht hat)

- auch sehens- und beobachtenswert: Jérôme Boateng (Vermutung: Sachtyp) - nicht nur wie er im Spiel ökonomisch mit seinen Kräften umgeht, sondern auch wie entspannt er sich nach dem Erfolg freuen kann; Kommentar eines Sportjournalisten: Er läuft als letzter los und erst dann, wenn es wirklich nötig ist - dann ist er aber der Schnellste!

- und in sehr vielen Interviews zu hören: wie wichtig für die Mannschaft die starke Wir-Verbindung war/ist; ich vermute, dass das auch von Jürgen Klinsmann (Vermutung Beziehungstyp + wir-verbunden) und Jögi Löw (ebenfalls wir-verbunden) herrührt bzw. gepflegt wurde; Spieler wie Kuranyi oder Gomez, die sich durch ein zu starkes "Ich" nicht gut einfügen könnten, werden gar nicht erst in den Kader aufgenommen ...

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 195: ... versuche etwas anderes (für Handlungstypen)
Als Teil 3 der kleinen Reihe "Wenn etwas nicht funktioniert, höre damit auf und versuche etwas anderes", mit der ich den bekannten lösungsorientierten Grundsatz typspezifisch verfeinere, heute ein paar Tipps für Handlungstypen.

Für diese Gruppe (Rote, Aktioniker) besteht das "Andere", das den Unterschied in einer festgefahrenen Situation bedeuten kann, häufig in der verstärkten Nutzung der "gelben" Qualitäten, z.B.

- zuerst auf das Gute, Positive, Schöne zu achten
- die Dinge eher oberflächlich betrachten
- die eigene kindliche Seite (Neugier, Offenheit, Freude) zulassen
- sich auch dramatische Emotionen gestatten
- viele verschiedene Interessen verfolgen
- eine unangenehme Situation einfach verlassen (Flucht als Option)
- die Dinge relativieren und dadurch positiver sehen
- das Gute im Schlechten betonen

Und gerade für Handlungstypen gilt und funktioniert: sich positive Vorbilder aussuchen und sie einfach nachmachen (in diesem Fall also einen Beziehungstyp, der die oben genannten Qualitäten übertrieben auslebt).

Alternativ kann man nach Ausnahmen im eigenen Leben suchen, also nach bereits vorhandenen Erfahrungen mit der bewussten Nutzung der "gelben Qualitäten" - und diese erneut oder verstärkt aktivieren.

Text und Redaktion: Werner Winkler  
Tipp Nr. 194: Drei Aspekte der Zukunft

Auch für die Zukunftswahrnehmung ergeben sich neue Aspekte, Spielräume und Denkmöglichkeiten durch deren triadische Differenzierung (wobei es selbstverständlich noch andere als die hier aufgeführte Dreiteilung gibt).

In dieser Aufteilung habe ich die Zukunft mit Ja/Gegenwart (aus heutiger Sicht sicher), mit Vielleicht/Vergangenheit (aus Erfahrung möglich) und Nein/Zukunft (auch künftig unmöglich) kombiniert und mit Beispielen eines aktuellen politischen Themas illustriert:

1. Die heute sicher scheinende Zukunft, zum Beispiel: die fossilen Energien werden irgendwann erschöpft sein, aber das Leben wird trotzdem weiter gehen.

2. Die aus Erfahrung mögliche Zukunft, zum Beispiel: die Menschheit könnte auch ohne preiswerte Energie aus der Steckdose weiter existieren.

3. Die auch künftig unmögliche Zukunft, zum Beispiel: das Wachstum der technischen Zivilisation und der Weltbevölkerung kann nicht unendlich weitergehen oder: kein Krieg und Schrecken kann ewig dauern.

Hört man sich Reden zu diesem Thema an, zeigen sich Bevorzugungen für eine oder zwei dieser Zukunftsaspekte und häufig wird der dritte ausgelassen. Welcher dieser drei ist für Sie der vernachlässigte?

Dieser Aspekt wäre vermutlich Ihre Ressource, die Sie öfters aktivieren sollten (bei mir selbst ist es Aspekt 3 - und der Effekt, wenn ich ihn stärker betone (anstatt Aspekt 2) ist eine größere Gelassenheit im Umgang mit Zukunftsthemen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 193: Obama, Merkel, Putin
Nicht nur bei Fußballspielen lassen sich in Extremsituationen (Torjubel, Niederlagen, Siege, Interviews, Umgang der Spieler miteinander und mit den "Gegnern") die Typunterschiede immer wieder gut beobachten, sondern auch auf der politischen Ebene, wenn es dort zu ungewöhlichen Konflikten kommt, bei denen die diplomatischen Gepflogenheiten teilweise über Bord gehen und die menschliche Seite in den Vordergrund tritt.

Drei Beispiele: US-Präsident Barack Obama zeigt in letzter Zeit sehr deutlich die (weniger schönen) Beziehungstyp-Verhaltensweisen wie den Versuch, ernste Probleme "wegzulächeln" oder mit Charme zu punkten, wo er inhaltlich nicht auf Bedenken anderer eingehen will oder kann. Außerdem enttäuscht er die von ihm geweckten positiven Erwartungen oder hält Versprechen nicht.

Angela Merkel als sehr offenkundige Verkörperung des Sachtyps verhält sich wie eine Buchhalterin (so Journalisten nach ihrer Regierungserklärung zum Haushalt), spielt häufig das Entweder-Oder-Spiel und lässt Entscheidungen offen, so lange es irgend wie geht, um sich dann der sich abzeichnenden Mehrheit anzuschließen (bei der Besetzung des EU-Kommissionspräsidenten). Ihr "Nein" besteht häufig darin, dass sie einfach nichts macht oder sagt und die Dinge sich dann "von selbst" klären. Neulich sprach ein Reporter sogar davon, dass die von ihren Kritikern geforderte "klare Haltung" nicht zu "ihrem Naturell passe". Und für Juli Zeh, die ein Theaterstück mit Merkel in der Hauptrolle geschrieben hat, bleibt sie trotz intensiver Beschäftigung mit ihr "ein Rätsel".

Und beim Handlungstyp Wladimir Putin zeigte sich in den letzten Monaten sehr prägnant die handlungstypische Idee, man könne mit Angriff und Gewalt mehr erreichen als mit Freundlichkeit und positivem Einfluss. Auch seine Neigung zu Halbwahrheiten oder zu Aussagen, die sich später als glatte Lüge herausstellen, tritt so deutlich zu Tage, dass er sich in kürzester Zeit sein Vertrauen verspielt hat.

Tipp daher: Bei aller Begeisterung für schöne Fußballspiele die Politik nicht aus den Augen lassen, wenn man seine Typerkennungskompetenz trainieren möchte :)

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 192: ... versuche etwas anderes (für Beziehungstypen)
"Wenn etwas nicht funktioniert, höre damit auf und versuche etwas anderes" (lösungsorientierte Regel)

Interpretiert für Beziehungstypen könnte dieses "andere" darin bestehen, ihr vernachlässigten Ressourcen stärker zu nutzen, also etwa

- sich und den Dingen mehr Zeit lassen
- eine Pause einlegen
- ökonomischer, sparsamer vorgehen
- bewusst unzufrieden zu sein und zu "jammern"
- um Unterstützung zu bitten
- Hilfe anfordern und dankbar annehmen
- sich auf weniger Dinge zu konzentrieren
- sich weiterzubilden, zu lernen
- sich um Details zu kümmern

Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 191: Drei Aspekte der Vergangenheit
Bevor ich auf die drei Aspekte der Vergangenheit eingehe, möchte ich noch einmal auf die Möglichkeit hinweisen, auf der Seite http://www.psychographen.de/download/index.php ein DIN A4-Blatt (PDF-Datei) mit dem Titel "Kategorien des Erlebens" herunterzuladen, auf dem sämtliche hier angesprochenen Aspekte (der "Landkarte") aufgeführt sind.

Auf dieser "Landkarte" werden drei Kategorien der Vergangenheit unterschieden (s. auch die Darstellung im Anhang):
1. der bis heute wirkende Teil der Vergangenheit
2. die Vorgeschichte einer Vergangenheit und
3. die für die Zukunft wichtige Vergangenheit

Dazu jeweils ein Beispiel, das Ihnen vielleicht dabei hilft, Ihren bevorzugten und/oder vernachlässigten Aspekt zu erkennen. Drei Freunde unterhalten sich über ein Ereignis, das ca. 20 Jahre zurückliegt, z.B. Ihre Studienzeit. Derjenige, der den 1. Aspekt (bis heute wirkende Vergangenheit) bevorzugt, könnte vor etwa seine Dankbarkeit für das damals Gelernte, die guten Kontakte, die er aus der Studienzeit behalten hat etc. betonen. Ein anderer, der den 2. Aspekt bevorzugt (die Vorgeschichte des Ereignisses) wird eher daran erinnern, wie schwer es war, überhaupt das Abitur zu schaffen, den Studienplatz zu bekommen oder in die Univeritätsstadt umzuziehen und das elterliche Heim zu verlassen. Und im 3. Fall (die für die Zukunft wichtige Vergangenheit) würde die Richtung eher dahin gehen, dass man sich auch künftig wieder treffen oder gar nach einer Alten-WG Ausschau halten sollte, da man sich doch nun schon so lange kenne und daraus ein großes Vertrauen entstanden sei usw.

Der praktische Tipp beruht daher (wie stets bei solchen Eigenanalysen) auf den beiden Stufen "Erkennen der eigenen Bevorzugung" und "bewusstes Nutzen des vernachlässigten Aspekts".  

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 190: Fußball und Typunterschiede
Da wir für die nächsten Wochen dem Thema Fußball wohl nicht entgehen können, empfehle ich, diese Gelegenheit (auch) für die Beobachtung von Typunterschieden zu nutzen.

Und zwar nicht nur (falls man sich das antun möchte) während der Spiele selbst, bei denen sich viele Momente bieten, in denen sich das Naturell nur zu deutlich zeigt - etwa beim Torjubel, beim Verdauen einer Niederlage, im Verhalten der Trainer auf oder vor der Bank - sondern auch in der eigenen Umgebung: ich vermute einmal, dass die kreativ geschmückten Autos eher bei den "Gelben" zu finden sind, dass bei den "Blauen" mehr über Taktik und Fußballtheorie gesprochen wird und dass sich unter den "Roten" mehr Experten für alles ausbilden, das nicht perfekt läuft in der eigenen Mannschaft.

Dass sich nun bei allen Typgruppen eher die "Kinderseele" mitsamt den Erinnerungen an eigene Fußballerzeiten zeigt, erleichtert womöglich auch die Zuordnung des einen oder anderen Menschen aus unserem Bekannten- oder Kollegenkreis, der uns bisher aus psychographischer Sicht noch ein Rätsel war :)

P.S. Ich werde versuchen, die Prominentenliste auf www.psychographie.de/prominente.htm während der WM um weitere Sportler zu erweitern, sofern mir etwas Eindeutiges auffällt (in der Rubrik "Sportler"). Für Hinweise dazu bin ich selbstverständlich dankbar.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 189: ... versuche etwas anderes. (für Sachtypen)
Als Ergänzung zum vorletzten Tipp der Woche möchte ich noch einmal auf den Aspekt "... versuche etwas anderes" in der lösungsorientierten Regel "Wenn etwas nicht funktioniert, höre damit auf und versuche etwas anderes" eingehen.

Daran erinnert hat mich neulich ein Sachtyp-Klient in einer Beratung. Ihm war klar geworden, dass alles, was er bisher zur Klärung seiner unbefriedigenden und sehr leidvollen Situation versucht hatte, nicht funktioniert hatte und dass "mehr davon" höchstwahrscheinlich nichts helfen würde.

Das war zwar eine Art Befreiung, da er mit nutzlosen Bemühungen aufhören konnte - machte ihn aber auch ratlos und führte zur Bitte an mich, ihm neue Ideen zu geben, was er noch versuchen könnte.

Was könnte dieses "andere" sein, das den berühmten Unterschied für ihn (auch als Sachtyp) ausmacht? Da er offenbar sämtliche "blaue" Ressourcen (also die ausgeprägten Stärken seiner Typgruppe wie Leidensfähigkeit, Geduld oder Verständnis) bereits mehr als ausgereizt hatte und auch die "gelbe" Ebene wenig Anlass zur Hoffnung bot, erinnerte ich ihn an Möglichkeiten aus dem "roten" Spektrum - also vor allem Verhaltensexperimente, praktische Veränderungen, körperlich orientierte Tipps und klare, erreichbare Zieldefinitionen - die er überhaupt nicht bedacht oder versucht hatte, wie sich zeigte. Zum Teil hatte er sie sogar absichtlich vermieden.

Hierbei wurde mir wieder einmal klar, dass der lösungsrelevante Unterschied häufig in der vernachlässigten Ecke unseres Naturells zu finden ist - und dass es ab und zu jemand von außen braucht, uns an dieses ungenutzte Potential zu erinnern. Der Kommentar des Klienten beim Abschied: Ich hätte mit vielem gerechnet, aber nicht mit so etwas (er meinte die praktischen Möglichkeiten, die wir aus seiner und meiner Erfahrung entwickelt hatten).

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 188: Drei Aspekte der Gegenwart
In der Landkarte der Psychographie lassen sich drei Gegenwartsaspekte unterscheiden und auch praktisch nutzen, wenn man die eigene Gewichtung innerhalb der Triade erkannt hat.

Ich unterscheide hier:

1. Der vorläufig bleibende Moment (Gegenwart + Gegenwart)
Momente dieser Qualität zeigen nicht gleich, wie lange das "vorläufige" an ihnen sein wird. Es kann sein, dass wir einen solchen Augenblick sehr schnell vergessen, aber auch, dass er uns wesentlich länger erhalten bleibt als zunächst vermutet.

2. Der vergehende Moment (Gegenwart + Vergangenheit)
Dieser Aspekt beschreibt Momente, von denen uns bewusst ist, dass sie vergehen und vorüber sind, sprich, wir sie auch eher nicht erinnern werden.

3. Der bleibende Moment (Gegenwart + Zukunft)
Häufig sind dies die "Sternstunden" unseres Lebens, also Augenblicke, von denen wir uns schon im Moment des Erlebens bewusst sind, dass wir sie nicht so schnell vergessen werden oder wollen.


Erkennen Sie Ihre Bevorzugung innerhalb dieser Triade (s. Anhang)? Oder Ihre vernachlässigte Ressource? So ist bei mir etwa der "vorläufig bleibende Moment" am schwächsten in meinem Bewusstsein verankert und ich pendle meist zwischen "das sollte ich mir für immer merken" und "schade, dass ich das so schnell vergesse". Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass viele Momente eben nur "vorläufig" sind.

Hier setzt also ein mögliches Training an, möchte ich meine Wahrnehmung der Gegenwart ausgeglichener gestalten. Ganz praktisch bedeutet das für mich etwa, nicht in jedem Moment daran zu denken, wie ich mir etwas in Erinnerung behalten könnte (also z.B. ständig Bilder machen), sondern zu respektieren, dass sich mein Unbewusstes schon richtig entscheiden wird - also, ob es das vorläufige Erinnerungsbild eher vergessen oder behalten möchte.

Text und Redaktion: Werner Winkler




Tipp Nr. 187: Wenn etwas nicht funktioniert, höre damit auf.
Heute möchte die Regel der Lösungsorientierten Kurztherapie "Wenn etwas nicht funktioniert, höre damit auf und versuche etwas Anderes" auf ihre Bedeutung für unsere drei Grundtypen untersuchen:

1. Beziehungstypen/Relationiker/Gelb:
Menschen dieser Gruppe neigen eher dazu, zu rasch aufzugeben, wenn etwas nicht gleich so funktioniert, wie sie es dich vorgestellt haben. Tipp: 2-3 mal so lange dranbleiben wie spontan vorgesehen oder es mit etwas Abstand und Pause noch einmal versuchen.

2. Sachtypen/Temporiker/Blau:
Angehörige dieser Typgruppe tun sich bekanntlich eher schwer damit, etwas zu beenden oder ohne wirklich gutes Argument aufzugeben - vor allem dann, wenn sie nur "aushalten" müssen und keine zeitlichen oder finanziellen Opfer gefragt sind. Was sie offenbar eher nicht bemerken ist, wie eine nicht funktionierende Sache (ein zu anstrengender Beruf, eine tote Beziehung, eine ungeliebte Leidenschaft) ihnen ihre (körperlichen) Kräfte raubt. Tipp hier: Feedback von außen holen und dieses als Argument in die eigene Entscheidungsfindung mit einbeziehen. Auch einmal probeweise Nein sagen und etwas gedanklich beenden, um die praktischen Folgen besser absehen zu können ("So tun als ob").

3. Handlungstypen/Aktioniker/Rot:
Diese Gruppe neigt von ihrem Naturell her dazu, Dinge erst gar nicht zu versuchen, bei denen sie den Verdacht oder das Vorurteil haben, dass es nicht funktionieren könnte. Sie hören also quasi schon präventiv auf. Dadurch entgeht ihnen die glückliche Erfahrung, dass manche Dinge überraschenderweise doch klappen, obwohl die Karten vorab nicht danach aussahen. Der Tipp zielt hier eher auf diejenigen, die Einfluss auf Menschen dieser Gruppe haben: Handlungstypen soll man ab und zu zu ihrem Glück zwingen, das heißt sie auch einmal gegen ihren zunächst erklärten Willen dazu bringen, einen Versuch zu wagen. Falls der nicht gelingt, hören sie sowieso sehr leicht wieder auf (außer, sie fühlen sich stark verpflichtet - deshalb wäre die Einschränkung hier, dass beim Festhalten alleine aus Pflicht- und Verantwortungsgefühl der Tipp aus 2. angebracht wäre).

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 186: Drei Arten von Wir-Verbundenheit
Nach den drei Arten der Du- und der Ich-Verbundenheit möchte ich heute an die Möglichkeit erinnern, drei Arten der Wir-Verbundenheit zu unterscheiden. Zunächst die Theorie mit Beispielen, dann ein praktischer Tipp. Die Triade selbst findet sich im Anhang.

1. "Fremdbestimmte Wir-Verbindungen" - das Wort ‘fremdbestimmt’ mag zunächst negativ klingen, jedoch sind viele angenehme Wir-Verbindungen, in denen wir leben, in diese Kategorie einzuordnen. Kennzeichnend ist, dass uns ein einzelner Mensch (also ein "Du") mit anderen verbindet. Das muss nicht negativ sein; wenn uns z.B. Mitschüler durch einen Rektor oder ein gemeinsam gewähltes Fach ‘aufgezwungen’ wurden, kann das überraschende Element dabei durchaus seinen Reiz haben; ähnliches geschieht in Tanzkursen, bei denen die Paare einander zugewiesen werden.

2. Selbst gewählte Wir-Verbundenheit: Eine selbst gewählte Wir-Verbundenheit kann sowohl in kleinen Einheiten (“wir als Paar...”) als auch in großen (“wir Wähler der Partei X...”) seinen Ausdruck finden. Kennzeichnend ist, dass man diesen Bezugsrahmen selbst wählt, ihn aber auch wieder verlassen und sich anderen zuwenden kann. Eine zuerst fremdbestimmte Wir-Verbindung lässt sich von einzelnen Beteiligten auch nachträglich in einen selbst gewählten umbenennen (“wir als Klasse 1a”).

3. Vorgegebene Wir-Verbindungen: In Wir-Verbindungen zeigt sich manchmal noch eine Qualität, die man ‘vorgegeben’ nennen kann; etwa, wenn sich zeigt, dass man ‘wie vorbestimmt’ oder ‘natürlicherweise’ zueinander gehört (z.B. wenn sich innerhalb einer Klasse Cliquen finden, die sich ein Leben lang freundschaftlich verbunden bleiben). Auch die eigene Herkunftsfamilie oder die Gemeinschaft am Geburtsort kann so erlebt werden. Kennzeichnend ist, dass weder eine einzelne Person die Entscheidung trifft, noch man selbst.

Bei mir persönlich ist es so, dass meine Bevorzugung die vorgegebenen Wir-Verbindungen sind. Diese nehme ich automatisch und intensiv wahr, sowohl positiv, negativ oder neutral. Hingegen lasse ich mich eher selten auf Verbindungen ein, in die ich durch eine dritte Person ("fremdbestimmt") gebracht werde. Diese wäre nun meine Ressource, die ich öfters zulassen oder wahrnehmen könnte - etwa, wenn mir eine Kollegin sagt, ich solle mich doch einmal bei Frau X von der Institution Y wegen Vorträgen melden. Zunächst sträube ich mich, überwinde mich aber, weil ich die Kollegin (Gruß an H. aus B.!) nicht enttäuschen möchte. Der Kontakt erweist sich tatsächlich als sehr fruchtbar und seit vielen Jahren halte ich nun Vorträge in diesem Ärztehaus, zu dem ich ansonsten wohl nie einen Bezug gesehen hätte :)

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 185: Mehr von dem, was funktioniert
Nach einer Typanalyse oder einem Seminar taucht regelmäßig die Frage auf, wie man denn nun seine "Ressourcen", also die vernachlässigten Bereiche des eigenen Naturells, stärken und entwickeln kann.

Hier bietet sich die lösungsorientierte Regel des "Mehr von dem, was funktioniert" an: Wir beobachten also eine Zeit lang, bei welchen Gelegenheiten es gelingt, die jeweilige Ressource zu nutzen. Dann machen wir uns bewusst, wie genau wir das geschafft haben und versuchen, ein "Rezept" daraus abzuleiten, das wir öfters und absichtlich einsetzen können.

Beispiel: Ein Beziehungstyp möchte geduldiger werden und sich mehr Zeit lassen. Die Eigenbeobachtung zeigt, dass dies unabsichtlich dann gelingt, wenn zu einem geplanten Projekt ein "Zeitkonto" eingerichtet wird (etwa dann, wenn der Zeitbedarf vorher kalkuliert werden muss, um einem Kunden ein Angebot zu machen). Ist so eine bestimmte Zeit erst einmal eingeplant, verhindert dies die (typische) gehetzte Haltung und das Gefühl, prinzipiell wenig Zeit zu haben.

Soll nun ein Projekt auch ohne die "Mithilfe" des zeitbewussten Kunden mit mehr Zeit angegangen werden, setzt man das Gelernte von sich aus ein und stattet sich selbst und das Projekt mit einem großzügigen Zeitbudget aus. Dadurch wird das "Rezept" übertragen und so lernt das Unbewusste, dass es okay ist, sich bewusst Zeit zu nehmen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 184: Drei Arten von Ich-Verbundenheit
Die drei Ich-Verbundenheiten
Heute möchte ich, auch mit Unterstützung des Triaden-Bildes, auf die drei Aspekte der "Ich-Verbundenheit" hinweisen. Welche davon ist bei Ihnen am stärksten, welche am schwächsten entwickelt?

1. Auf ein objektives Ich beziehend - dies meint Ich-Konstrukte, die auf objektiv feststellbaren Fakten gründen. Beispielsweise den Geburtsjahrgang (“ich als 68-er”), die geographische Herkunft (“ich bin Berlinerin”), die Körpergröße oder das Alter (“ich gehöre zu den "Großen" im Kindergarten”), die Familien- oder Nationalzugehörigkeit (“ich bin ein typischer Vertreter des schottischen McDonalds-Clans”) etc.

2. Subjektive Ich-Konstrukte dagegen entspringen dem persönlichen Erleben der eigenen Person. Vermutlich werden die meisten Menschen mehr als ein Selbstbild kennen, auf das sie sich zeitweise beziehen. Oft hängt dies mit dem Umfeld zusammen, in dem sich der Einzelne gerade bewegt oder mit den Weltbildern (Themen, Zielen), mit denen er sich identifiziert.

3. Konsensuelle Ich-Konstrukte zeigen sich dann, wenn objektive und subjektive Selbstwahrnehmung eine Schnittmenge bilden. Wenn ich mich etwa für einen guten Tennisspieler halte und dann meinen Namen auf der Weltrangliste sehe, erweitert das mein Selbstbild; so kann ein anderes Selbstbild entstehen als durch die objektive und subjektive Ich-Verbindung allein.

Praktische Anwendung: sind etwa - wie bei mir - die subjektiven Ich-Konstrukte besonders stark entwickelt und die konsensuellen stellen die "Ausnahmen" dar, die ich zu wenig wahrnehme, dann kann ich mir immer wieder bewusst machen, dass es diese "Ich-Qualität" gibt und mich auch an ihr orientieren; in meinem Fall zum Beispiel an den Rückmeldungen (positive, kritische und negative), die ich zu Aktivitäten erhalte. Dass es meine schwächer entwickelte Seite ist, erkenne ich zum Beispiel daran, dass mich diese Rückmeldungen stets etwas "kosten" und mich herausfordern, unabhängig von ihrer Qualität.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 183: Behandle mich so ...
Diesmal ein eher kurzer Tipp in Richtung einer einfachen Lebensregel für den Umgang mit anderen Menschen in anspruchsvollen Situationen:

"Behandle den anderen so, wie er behandelt werden will." (im Gegensatz zur bekannten Regel, nach der man den anderen so behandeln solle, wie man selbst behandelt werden möchte).

Beispiele:

Beziehungstyp/Relationiker: Behandle mich freundlich und sei nett zu mir, sieh mir meine mangelnde sachliche Einsicht in die Problematik und meinen übertriebenen Optimismus nach.

Sachtyp/Temporiker: Behandle mich ernsthaft und gehe vernünftig mit mir um, trage mir meinen Hang zum Minimalismus und meine geringe Kritikfähigkeit nicht nach.

Handlungstyp/Aktioniker: Behandle mich mit Respekt und gehe klar und deutlich mit mir um. Verzeih mir mein manchmal polterndes oder kaltherziges Auftreten und glaube an den weichen Kern in meiner harten Schale.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 182: Drei Arten von Du-Verbundenheit
Da jetzt im Tipp der Woche auch Bildanhänge möglich sind, möchte ich diese neue Möglichkeit nutzen, um auf die "dritte Ebene" in unserer Landkarte einzugehen. Auch hier zeigen sich - wie auf der Ebene der Grundtypen und derjenigen der Untertypen - die bekannten Phänomene (Gewichtung, Bevorzugung, Vernachlässigung, Ressource).

Heute soll es um die drei Unterbereiche der "Du-Verbundenheit" gehen. Beobachten Sie sich einmal, ob Ihre Du-Verbundenheit eher "auf ein Du hin" gerichtet ist, ob Sie sich besonders "von einem Du her" vereinnahmen lassen oder ob es bei Ihnen bevorzugt um das "gegenseitige Du", also ein "hin und her" geht?

Um es an meinem eigenen Beispiel zu illustrieren: Bei mir ist die Bezugnahme "auf ein Du hin" verstärkt und (gemäß der Triaden-Regel) das "von einem Du her" eher schwach entwickelt. Praktisch bedeutet das, dass ich zwar leicht auf einen anderen zugehen und mit ihm Kontakt aufnehmen kann, mich auch emotional einlassen - dass es mir aber jedesmal Mühe macht, wenn es darum geht "von einem Du her" kontaktiert zu werden. Da merke ich, wie selten mir das wirklich gefällt und ich versuche, diese Ausnahme dann bewusst anzunehmen.

Zur Erklärung:
Einseitig auf ein Du hin verbunden - dies kann etwa dann der Fall sein, wenn ein Teenager sein Idol mittels Postern oder Videos verehrt. So etwas wird durchaus als Beziehung erlebt, auch wenn das Beziehungsobjekt nichts davon erfährt. Menschen verbinden sich häufig mit abwesenden oder sogar verstorbenen Personen, z.B. mit Verwandten oder Freunden.

Einseitig von einem Du her verbunden bedeutet z.B., wenn ein Redner von seinen Zuhörern (durch Applaus oder Pfiffe) signalisiert bekommt, dass sie zu ihm ein besonderes Verhältnis empfinden. Oder wenn ein Leser einem Autor schreibt und sich auf ihn bezieht, ist es aus Sicht des Autors eine einseitige Verbindung.

Dies ändert sich dann, wenn er antwortet und der Kontakt in ein gegenseitiges Gespräch und ein Sich-aufeinander-Beziehen mündet. Auch im partnerschaftlichen Verhältnis zweier Geschäftleute kommt es häufig zu solchen gegenseitigen Verbindungen. Diese können jeweils unterschiedlich stark erlebt werden. Im Unterschied zur Wir-Verbundenheit bleiben aber die Beteiligten für sich und sind nur durch die Interaktion für eine gewisse Zeit in Beziehung.

Ich bin neugierig auf Rückmeldungen und Erkenntnisse aus der Eigenbeobachtung - auch wenn diese auf meine vernachlässigte Seite zielen ... :)

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 181: Psychographischer Filmabend
Falls an einem der nächsten Abende oder Wochenenden einmal weder ein gutes Buch zur Hand ist noch etwas Interessantes im Fernsehen kommt, empfehle ich hiermit einen Blick auf eine neue Seite innerhalb der Webseite unseres Vereins - die Filmeseite http://www.psychographen.de/filme.php

Hier haben wir begonnen, kürzere oder längere Filme zu sammeln, in denen Aspekte der Psychographie auftauchen (ohne dass die Filmemacher oder die handelnden Personen das beabsichtigten).

Im Gegensatz zu geschriebenen Texten (z.B. in Interviews) lassen sich bei Filmen wesentlich mehr Beobachtungen machen, etwa zur Mimik, zu den Handbewegungen oder zur Sprechgeschwindigkeit (gut zu beobachten im Interview mit der Bundeskanzlerin, da auf der Filme-Seite verlinkt ist oder in der Szene mit Niklas Luhmann).

P.S. Falls jemand Tipps für YouTube-Filme hat, die auf diese Seite passen würden, bitte einsenden (Mail-Adresse auf der vorgeschlagenen Seite).

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 180: Wettbewerb der Gruppen-Identitäten
Neulich fiel mit auf, dass der (vermeintlich von Gordon Allport stammende) Ausspruch

"Jeder Mensch ist in gewisser Hinsicht a) gleich allen anderen Menschen, b) gleich einigen anderen Menschen, c) gleich keinem anderen Menschen."

auf der Ebene der Gruppen-Identität starke Auswirkungen zeigt - also auf die Frage, welcher Gruppe Menschen ich mich zugehörig fühle oder zeige. Denn was sich unter a) findet, also etwa biologische Fakten, die alle Menschen betreffen, trägt eher nicht viel zur persönlichen Identität bei.

Und bei den unter c) versammelten Erfahrungen, vor allem den biografischen oder den individuell genetischen, ist es oft so, dass diese Einzigartigkeiten zu speziell sind, um sich damit einer Gruppe zugehörig zu fühlen - selbst wenn man ab und zu auf einzelne Menschen trifft, die ganz ähnliche Dinge erlebt haben oder spezielle körperliche Merkmale zeigen, die sehr selten sind.

Ganz anders bei den Merkmalen, die sich unter der Gruppe b) einsortieren lassen: erlebe ich mich als Mann, als Deutscher, als Europäer, als Ehemann, als Autor, als Autofahrer (oder gar als ADAC-Mitglied), als Bürger meiner Stadt, als Mitglied einer Partei oder meiner Familie, als Angehöriger einer Religionsgruppe, eines Kollegenkreises, eines Vereins? Welche dieser potentiellen Zugehörigkeiten prägt meine Identität und wenn ja, wie stark? Welche ziehe ich im Konfliktfall anderen vor?

Nach meiner jahrelangen Beobachtung konkurriert die Erkenntnis darüber, dass ich einer Typgruppe (oder mehreren, wenn man die Untertypen hinzunimmt) angehöre, durchaus mit anderen vorhandenen Identiäten, z.B. der Idee, dass das eigene biologische Geschlecht überragende Bedeutung hätte, wenn es um Persönlichkeitsmerkmale geht.

Wir müssen also damit rechnen, dass z.B. nach einer Typanalyse oder einem Seminar mit der Zeit eine Art "Wettbewerb" zwischen verschiedenen Gruppen-Identitäten entsteht und zu inneren Konflikten führt. Denn selbstverständlich macht es einen Unterschied, ob ich etwa meine starke emotionale Seite als "normal für einen Beziehungstyp" identifiziere oder als "Abweichung von typisch männlichen Mustern" - um nur ein Beispiel zu nennen.

Und vielleicht ist es auch sinnvoll, an dieser Stelle den konstruktivistischen Ansatz zu erinnern - nämlich, dass ich gerade in solchen, nicht eindeutig zu entscheidenden Fragen - die Freiheit habe, mich mehr mit der einen oder der anderen Gruppe identifizieren möchte.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 179: Sympathie, Verständnis, Respekt
Seit einigen Wochen wird - vor allem in Baden-Württemberg - darüber diskutiert, wie weit Toleranz oder Akzeptanz gegenüber "andersartigen" Menschen gehen soll. Und auch wenn es sich in diesem Fall "nur" um unterschiedliche sexuelle Präferenzen handelt, geht es im Grunde doch darum, wie wir mit Verschiedenheiten an sich umgehen.

Deshalb möchte ich heute drei Begriffe unterscheiden und sie unseren drei Typgruppen zuordnen:

1. Sympathie (beziehungstypischer Begriff): Sympathie braucht weder Verständnis noch Respekt, da sie meist "aus dem Bauch" kommt und sich mehr auf die Person als auf deren Verhalten bezieht.

2. Verständnis (sachtypischer Begriff): Verständnis setzt voraus, dass ich das, was ich verstehe, auch gut kenne - idealerweise aus eigener Erfahrung. Insofern ist es fast unmöglich, einen Menschen zu verstehen, der von der Art her völlig anders ist wie ich selbst (etwa jemand, der eine andere angeborene sexuelle Orientierung zeigt wie ich selbst). Verständnis bedeutet aber nicht, dass ich das, was ich verstehe auch mag (also Sympathie zeige) oder es respektiere.

3. Respekt (handlungstypischer Begriff): Respekt kann auch ohne Sympathie oder Verständnis gezeigt werden, z.B. dann, wenn ich die Eigenart oder das Verhalten eines anderen Menschen als "menschlich" bewerte und ihm das eine oder andere deshalb unabhängig von seiner konkreten Person zugestehe. Respekt kann auch bedeuten, dass ich mich einer Bewertung bewusst enthalte.

Aus psychographischer Perspektive könnte sich nun jeder (der seinen Grundtyp kennt) fragen, ob er alle drei Aspekte gleichermaßen zur Verfügung hat oder sich eher einseitig ausgeprägt zeigt, wenn es um solche heiklen Themen wie Unterschiede in der sexuellen Orientierung oder Unterschieden im Naturell geht.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 178: Buntes Familienbild
Neulich fragte mich eine Bekannten, die sich gerade in die "Welt der Typunterschiede" einliest, wie ich dazu gekommen war, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich erzählte ihr davon, wie ich das Buch "Wer bin ich? Wer bist du?" von Dietmar Friedmann und Klaus Fritz gelesen und darin gute Beschreibungen für mich selbst, meinen Vater und meine Mutter gefunden hatte.

Dabei malte ich auf einen kleinen Zettel die Symbole Dreieck (Handlungstyp-Mutter), Quadrat (Sachtyp-Vater), dann die Reihenfolge der Kinder, jeweils mit den Typsymbolen - und auch die Symbole und Namen derjenigen, die mit mir im Haus meiner Kindheit lebten. Das fand die Bekannte (Handlungstyp) sehr aufschlussreich und fing an, ein solches Bild für sich selbst zu zeichnen.

Als sie sagte: "Meine Mutter ist ein Dreieck, da bin ich sicher." musste ich schmunzeln, weil sie mein Modell kreativ abgewandelt hatte. Kurz darauf hatte sie weitere Familienmitglieder eingeschätzt und für sich die entsprechenden Rückschlüsse gezogen. Mein Eindruck war, dass ihr dieses neue Wissen durchaus sinnvolle Einblicke in ihre Herkunftsfamilie schenkte.

Tipp daraus: Einfach mal die eigene/n Familie/n (aktuelle Familie, Herkunftsfamilie) aufmalen und die bekannten Typenzuordnungen dazu schreiben. Über Rückmeldungen zu Erkenntnissen aus dieser kleinen Übung freue ich mich.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 177: Wissenssammlung - Psychographium
Als ich gestern den Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (starker Sachtyp-Verdacht) in einer Rede sagen hörte, man brauche beim Regieren eine ganze Menge "Chaoskompetenz" (ein Spruch, der wohl nur von einem Sachtyp kommen kann), fiel mir unsere Wissenssammlung "Psychographium" ein - dort sind eine Menge Sprüche und allerhand "Typisches" gesammelt.

Beispiele für sachtypische Sprüche von dort:

Ein Spezialist ist jemand, der von immer weniger immer mehr weiß. (Unbekannt)

Fürchte dich nicht, langsamer zu werden. Fürchte dich nur, stehenzubleiben. (chin.)

Getane Arbeiten sind angenehm (lat. Spruch)

Je mehr man schon weiß, je mehr hat man noch zu lernen. (Schleiermacher)

Kommt Zeit, kommt Rat. (Sprichwort)
  
Die Sammlung wird zwar aktuell nicht gepflegt, aber der Fundus ist trotzdem für jeden Psychographie-Interessierten einen (längeren) Besuch wert: www.psychographium.de

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 176: Drei Teile Glück
Neulich wurde ich auf ein schönes Wikipedia-Zitat aufmerksam gemacht, das ich gerne als Tipp der Woche weitergeben würde:

"Laut Platon hat die menschliche Seele drei Teile: Die Vernunft, den Willen und das Begehren. Ein Mensch ist nur dann glücklich, wenn alle drei Seelenteile im  Gleichgewicht sind, und miteinander befreundet sind, das heißt sich nicht widersprechen.

Quelle: wikipedia.org/wiki/Philosophie_des_Glücks

Mir gefällt besonders, dass jeder "Seelenteil" seinem Bedürfnis gemäß einen Anteil am Glück zugesprochen bekommt: das Gleichgewicht (die Harmonie) für den roten Anteil, das Befreundetsein (die Liebe) für den gelben und die Widerspruchsfreiheit (die logische Vernunft) für den blauen.

Dass Platon noch nichts von den Gewichtungen innerhalb der Persönlichkeit wusste, die zu den von uns beobachteten Naturellunterschieden führt, tut seiner Erkenntnis ja keinen Abbruch.

Text: Wikipedia und Werner Winkler, Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 175: Wie ich mir, so ich dir?
Da es mir dieser Tag an einem kleinen Erlebnis wieder prägnant begegnet ist, möchte ich an dieser Stelle auf ein Phänomen hinweisen, für das ich noch keinen rechten Namen habe und das ich eng mit den von uns be(ob)achteten Typunterschieden in Zusammenhang sehe. Vorläufig nenne ich das Phänomen "Übertragung von typischen Eigenschaften".

Beispiel: (von mir selbst als Beziehungstyp-Mensch regelmäßig so erlebt): Ich behandle andere Leute bevorzugt so, als wären sie wie ich selbst Beziehungstyp. Praktisch bedeutet das - im Positiven - dass ich ihnen vor allem gute Eigenschaften unterstelle und automatisch davon ausgehe, dass sie in der gleichen Art "nett" sind wie ich selbst. Entsprechend enttäuscht bin ich dann, wenn sich das einmal nicht bewahrheitet.

Aber auch die weniger positiven Eigenschaften übertrage ich (meist unbewusst) auf meine Gegenüber: etwa die Idee, dass sie Sachverhalte nicht so gut verstehen und ich sie ihnen deshalb präventiv erklären muss, als wären sie Grundschüler. Meine eigene Neigung zum "Oberlehrer-Verhalten" wäre demnach eine Art Übertragung: da ich selbst ständig "Lehrer" und "Erklärungen" brauche, um Dinge zu verstehen, meine ich, den anderen etwas Gutes zu tun, wenn ich sie entsprechend behandle.

Im Ergebnis erlebe ich oft, dass sich Beziehungstypen dadurch als "dumm" oder "inkompoetent" wahrgenommen sehen oder dass sich Sachtypen veräppelt fühlen, da ihnen dieser - für mich - komplizierte Sachverhalt ziemlich transparent und verständlich erscheint. Handlungstypen scheinen hingegen mit dem "Belehrtwerden" am wenigsten Probleme zu haben, da sie das eher als normal empfinden.

Der praktische Tipp, den ich aus diesem Phänomen ableiten möchte, wäre: Wo immer möglich, den anderen in der Weise typgerecht zu behandeln, dass ich zunächst an mir selbst wahrnehme, wenn ich sehr "typentsprechend" agiere oder denke. Und vielleicht im nächsten Schritt zu versuchen, mein Verhalten hier zu variieren, damit es passgenauer ist und eben nicht dem Muster "Wie ich mir, so ich dir" entspricht.

Ein Beispiel dazu aus dem Coaching: Ein Handlungstyp ertappt sich dabei (ein wenig mit meiner Unterstützung), dass er dazu neigt, seinen Mitarbeitern pauschal die unangenehmen Seiten der Handlungstypen zu unterstellen. Also etwa zu vermuten, sie würden ihn bei allen möglichen Gelegenheiten hintergehen oder zwar viel arbeiten, jedoch keine kreative Leistung hervorbringen. Ich ermutige (oder "zwinge") ihn, sich einmal die bestmögliche Vorstellung von seinen Mitarbeitern zu machen und sie entsprechend zu behandeln. Auf mich wirkt er in diesem Moment so, als fiele eine schwere Last von seinen Schultern - er lächelt mich an wie ein Schuljunge, der entdeckt, dass seine Noten im Zeugnis viel besser sind als er befürchtet hat. Offenbar freut er sich, dass ich ihm so viel positive Vorstellungskraft überhaupt zutraue und ich gewinne den Eindruck, dass er sich mit einer weitaus entspannteren Haltung in die nächste Arbeitswoche begeben wird.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 174: Beobachten, helfen und trainieren.
Heute würde ich gerne eine Webseite bzw. ein Forum empfehlen, auf dem man gleichzeitig die verschiedenen Naturelle beoabachten, Menschen mit Problemen helfen und seine psychographischen Kenntnisse trainieren kann: es heißt www.hilferuf.de und die Anmeldung ist sowohl kostenlos wie einfach. Es gibt keine "Fallstricke" oder versteckte Abofallen :)

Ich selbst bin dort seit über zehn Jahren angemeldet, lese und schreibe dort regelmäßig, da ich merke, wie es mir (im Hinblick auf Verständnis für die Naturellunterschiede) und den Hilfesuchenden regelmäßig hilft.

Vor allem bekomme ich dort - im Gegensatz zu den Gesprächen und Themen, die im Beratungs- und Coachingsumfeld zur Sprache kommen - Einblicke in die alltäglichen Probleme von Menschen aller Altersgruppen. Es geht dort etwa um verhältnismäßig "kleine" Probleme (Berufliches, Schulprobleme), aber auch um solche, die genau genommen von einem Psychiater behandelt werden müssten. Die ganze Bandbreite also.

Und da wir seit langem wissen, dass gerade bei Problemlösungsbemühungen und in existenziell kritischen Lebenssituationen der jeweilige Typus sehr deutlich wird, bietet so ein Forum fast einzigartige Möglichkeiten des Lernens und gleichzeitig der Möglichkeit, typengerechte Hilfestellung zu leisten bzw. zu anzubieten.

In unserem eigenen Forum habe ich vor einiger Zeit Beispiele für "Typisches" von dort aufgeführt - vielleicht mag jemand den Diskussionsfaden dort mit eigenen Erlebnissen bereichern? http://www.psychographen.de/forum/index.php?file=forum_show&id=9984&showselect=all&hl=hilferuf&search=1

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 173: Unbekümmerte Handlungstypen ...
Dieser Tipp der Woche bezieht sich auf die beiden Fragen aus dem letzten Tipp: 1. Wann zeigen Handlungstypen das, was ich als "kindliche Unbekümmertheit/Übermut" benannt habe? und 2. welche alternativen Worte kämen noch in Frage?

Hier nun die eingegangen Berichte und Vorschläge (die Namen der Autoren finden sich aus datenschutzrechtlichen Gründen erst am Ende, losgelöst von den Texten):


(Handlungstyp)... Kindlichen Übermut kann ich selten feststellen. Und wenn dann exklusiv im Kreise von meinen wenigen! guten! alten! Freunden. Da bin ich für meine Verhältnisse erstaunlich „rund“ und „weich“. meine Mutter sagte immer „dann läuft sie richtig „breit“ “. Mit meinem Partner geht mir das auch manchmal so. Aber aktuell (in Krisenzeiten) habe ich mit ihm immer das Gefühl, mich verhalten zu müssen. Ebenso mit „frischen Bekannten/Kollegen“. Da bin ich distanziert und „mache meine Rolle“ (gut).


... mein (Handlungstyp-) Partner berichtet, nimm mir das Wort "Verantwortung" und es folgt die Unbekümmertheit. Besonders beim Spielen oder anderen Begebenheiten, die nicht von tradierten Gesellschaftenformen Bewertung finden.

... Sicherheit: ein wichtiger Aspekt: in Seminaren schauen die Handlungstypen meist erstmal in die Gesprächsrunde, um in Bruchteilen einer Sekunde aus dem Augenwinkeln zu prüfen, ob allgemeines Lachen situativ angemessen ist. Dann lacht er gern und unbekümmert mit JA!, er geht mit spontanen und "möglichst angemessenen Situationen" gerne ins Ausgelassene... nur nicht unbedingt voran... könnte ja daneben liegen (der Beziehungstyp macht sich nicht soviele Gedanken ums daneben liegen... passiert aber in seiner Spontanität doch öfters) - ... macht ihm aber nichts, kann ja auch spontan ausweichen (retten).

... das Rätsel hat doch kurz meinen Alltag aufgelockert. Zuerst dachte ich an Unbekümmertheit (kann jedoch auch einen negativen Touch haben), dann an Experimentierlust/-freude, Freude am Ausprobieren.

... Mir (Handlungstyp) hilft seit mehreren Jahren die Inner-Kind-Arbeit. Mein Klein-... (Name von der Redaktion entfernt) bereichert mein Leben inzwischen mit sehr viel Freude und Glück. All diese Momente lassen mich dankbar und zufrieden sein. Meinem sozialen Umfeld erkläre ich das auch so. Immer mehr können inzwischen etwas damit anfangen.

... mein Mann, Handlungstyp, kann in folgenden Situationen unbekümmert, sogar übermütig sein:
- er ist nicht im Stress und hört eine Dance-Musik, die ihm gefällt, dann tanzt er herum ...
- mit unseren Hunden spielen
- mit Freunden zusammen sitzen und es wird gelacht und musiziert

Am besten klappt das, wenn sogar Freunde dabei sind, die auch Beziehungstyp sind und gut albern sein können ... und - da er Handlungstyp/Macher ist, eben auch über das Fühlen/Hören (s.o.)

... mir fiel noch der Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder ein, der in der "Elefantenrunde" nach der Bundestagswahl 2008 in alkoholseliger Stimmung doch wesentlich unbekümmerter oder sogar übermütiger kommuniziert hat, als man das bis dato von ihm kannte. Das Video dazu findet sich im Internet unter: http://www.youtube.com/watch?v=SdkuQNvuJgs


Auf meine Frage nach alternativen Begriffen zur Unbekümmertheit der Beziehungstypen kamen folgende Antworten:

- Alternativ zur Unbekümmertheit habe ich noch die Leichtigkeit.

- spielerisches Ausprobieren

- wie wäre es mit "Risikobereitschaft"?

- Zu deiner Beschreibung der BTs fällt mir noch Sorglosigkeit ein und ich hänge doch an dem "vertrauens-selig" - und ich sehe es eher als "selig vor lauter Vertrauen" und durchaus positiv, (...) ich sehe meine BT-Tochter vor mir - und wenn sie richtig gut drauf ist, dann spüre ich bei ihr diese Vertrauensseligkeit :-)...


Texte: Silke Bernhardt, Gaby Hübschle, Hans Irrlinger, Gabriele Jaeth, Coco Kammerer, Katalin Papp, Katrin Wagner, Robert Wörz, Angela Zeugner (vielen Dank!)

Redaktion: Werner Winkler


Tipp Nr. 172: Übermut und Unbekümmertheit
Nachdem in den letzten Tipps von (sachtypischer) Vorsicht und (handlungstypischem) Mut die Rede war, stellte sich mir die Frage: was gehört eigentlich in die "gelbe Ecke" dieser Triade?

Ich lasse einmal einen kleinen Abstand im Text als "Nachdenkpause" bevor ich weiterschreibe und wäre neugierig zu erfahren, welche Begriffe den Lesern dazu eingefallen sind.
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Bei der Suche nach Triaden-Begriffen bleiben abwertende Begriff wie "Unvorsichtigsein" oder "Leichtsinn" zunächst außen vor, da unsere Triaden ja so gestaltet sein sollen, dass von jeder Ecke zur nächsten ein positiver Fortschritt beschrieben werden soll, der auch für sich einen gewissen Wert oder eine Qualität bezeichnet. Auch "Vertrauensseligkeit" scheint mir nicht wertschätzend genug.

Klar ist, dass für einen Beziehungstyp-Menschen eine wachere, vertiefte Vorsicht ebenso einen Gewinn darstellt wie für einen Sachtypen ein stärkerer Mut-Muskel. Was stellt einen solchen Gewinn und Fortschritt für Handlungstypen dar, wenn sie "ihren Mut abkühlen" und durch ein positiveres "Stattdessen" ersetzen wollen?

Nach einigem Nachdenken fand ich zunächst den Begriff "kindlicher, spielerischer Übermut" und dachte dabei an junge Schafe, Fohlen oder Zicklein, die im Bewusstsein ihrer Fähigkeiten und Freiheiten über eine grüne Wiese springen und jeden Zuschauer in staunendes Entzücken versetzen. Mir scheint, so ein Bild drückt gut den "Normalzustand" eines Beziehungstypen aus, der mit sich im Reinen ist und gleichzeitig die selten zu beobachtende "Ausnahme" im Alltag eines Handlungstyp-Menschen, speziell bei Erwachsenen.  

Aber auch das schöne, nur noch selten benutzte Wort "Unbekümmertheit", auf das mich meine Frau brachte, kommt hier in Frage - obwohl es nicht ganz so reaktiv ist wie "kindlicher Übermut", trifft es doch gut die gesuchte Haltung, in die aus einer allzu mutigen, vielleicht gar kampfeslustigen Haltung gewechselt werden kann, wenn Schaden droht. Unbekümmertheit hat etwas mit Loslassen und auch mit Vertrauenfassen zu tun, denke ich - ich lassen den Dingen vertrauensvoll ihren Lauf, ohne dass ich mich mutig oder gar kämpfend engagiere.

Frage an die Handlungstyp-Leser und -Leserinnen: Bei welchen (seltenen?) Gelegenheiten erlauben Sie es sich, Ihren kindlichen Übermut oder eine von Vertrauen getragene Unbekümmertheit zu zeigen und wie geht es Ihnen und Ihrer Umgebung dabei? Wenn - was ich hoffe - sinnvolle Zuschriften eingehen, werde ich nächste Woche darüber schreiben und die Sammlung mit allen Lesern teilen.

Text und Redaktion: Werner Winkler mit Dank an Petra Schmalzl
Tipp Nr. 171: Mut als Muskel
Als ich heute einem Geschäftsfreund (er ist Sachtyp, weiß aber nichts davon) zum Geburtstag gratulierte und ihm mit seinen deutlich über 50 noch viele Jahre körperliche Fitness wünschte, damit er weiterhin Fußball spielen könne, antwortete er nach einem Seufzen, einer Pause und einem Blick zum Himmel: "Ich wünsche mir vor allem Mut!"

Das brachte mich zum Nachdenken, ob denn Mut etwas ist, das man sich (oder jemand anderem) überhaupt wünschen und es (passiv, ohne eigenes Zutun) geschenkt bekommen kann - oder ob Mut nicht vielmehr wie ein Muskel ist, denn man immer wieder durch Benutzung trainieren muss?

Meine Beobachtung von mutigen Menschen, speziell von mutigen Sachtypen lässt mich vermuten, dass der Mut-Muskel eine starke Motivation braucht, um eingesetzt zu werden - und speziell bei Sachtyp-Meschen scheinen Defizite bzw. Bedürfnisse (z.B. in Richtung Aufmerksamkeit, Sicherheit oder Erfolg) solche Motivatoren zu sein. Positive Ziele hingegen (noch mehr Erfolg, noch mehr Aufmerksamkeit, noch mehr Sicherheit) hingegen generieren kaum einmal "noch mehr Mut", was beim Handlungstypen mit seinem Motto "viel hilft viel" durchaus funktioniert.

Auf diesem Hintergrund verstehe ich auch den Wunsch des Geschäftsfreundes besser: Er lebt in bescheidenen, aber sicheren Verhältnissen, hat für seine Verhältnisse so gut wie alles erreicht, was er wollte und bekommt durch seinen Beruf ausreichend Aufmerksamkeit. Ich werde daher verstärkt darauf achten, ob er etwas über ein Defizit oder ein Bedürfnis äußert und ihm dann empfehlen, genau dort seinen Mut-Muskel zu trainieren.

Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 170: Öffne dir ein Hinterpförtchen
Der heutige Tipp der Woche ist etwas länger - dafür gibt es am Ende ein "Extra-Bonbon":

In meinem neuesten Buch "99 Lösungsgeschichten" habe ich (wie der Titel sagt) Geschichten über Lösungen gesammelt und analysiert. Eine davon betrifft ein Thema, das hier immer wieder eine Rolle spielt ...

Auszug aus Kapitel 36: Gefangen im Dualismus

„Öffne dir ein Hinterpförtchen durch Vielleicht, das nette Wörtchen.“ (Wilhelm Busch)

Beim beschriebenen Problem handelt es sich um ein sehr dezentes, fast unsichtbares Problem, das jedoch weitaus größere hervorbringen kann – oft so massive, dass man sich dann überhaupt nicht mehr des dezenten Ursprungs entsinnt. Die Rede ist vom Dualismus – also der Lehre davon, es gäbe nur "zwei Seiten einer Medaille", während man die durchaus vorhandene dritte (in die manchmal sogar Inschriften geprägt werden), also den Rand, übersieht. An einem Beispiel demonstriert: Wer sich nur mit Ja oder Nein abgibt, die Welt in schwarz und weiß einteilt oder sich weigert, neben Gut und Böse noch etwas anderes gelten zu lassen, fällt jeweils auf den Dualismus herein. Er lässt kein Vielleicht, kein Grau, keine Neutralität als Möglichkeit zu. Ebenso gibt es Menschen, die sich weigern, das Gute auf der Welt zu akzeptieren oder das Böse. Am Beispiel eines Spruches von Albert Einstein lässt sich das gut illustrieren: "There are only two ways to live your life. One is as though nothing is a miracle. The other is as though everything is a miracle." Die denkbare dritte Möglichkeit (nur einige Dinge als „Wunder“ zu sehen, andere aber nicht), bleibt bei dieser Einengung außen vor.

Problemlösung
Paul Watzlawick hat es so treffend formuliert: "Das ausgeschlossene tertium, das Dritte, scheint es also zu geben. Aber es lebt wohl im Verborgenen, im Schatten des gesunden Menschenverstandes, für den die Welt klar und verläßlich in unversöhnliche Gegensätze geteilt ist." (Vom Schlechten des Guten, S. 49). In den Schriften von Dietmar Friedmann tauchen ab den frühen 1990er-Jahren so genannte "Triaden" auf, die einen schlichten Ausweg aus allen Arten von Dualismen anbieten ... (... im Buch folgen hier Zeichnungen der Triaden als Beispiele)

Problemlösungsanalyse
Diese innovative und vielseitig anwendbare Problemlösung basiert auf der Fähigkeit, etwas Fehlendes zu sehen. Ist das „Fehlende“ aber erst einmal entdeckt, benannt und verfügbar, scheint es unverständlich, warum niemand früher darauf gekommen ist. Diese Art der Betrachtung (die Form der Triaden) wurde offenbar vor Friedmann von niemand so dargestellt, auch wenn sie vereinzelt ohne Kenntnis des Prinzips benutzt wurde (Bsp.: Schopenhauers Ansatz von „These, Antithese, Synthese“ – oder im Tao-Te-King von Lao-Tse).

Text und Redaktion: Werner Winkler

Hinweis: Diejenige unter den Lesern, die ein Kindle-Lesegerät oder die Kindle-App auf ihrem Rechner haben, können bis 18.1.2014 das E-Book "99 Lösungsgeschichten - Praxis der Problemlösung (3)" im Wert von € 4,80 per E-Mail an wewinkler@t-online.de gratis anfordern.



Tipp Nr. 169: Lernen mit einem Beziehungstyp-Macher-Kind
Unser Mitglied Birgit Baier (Beziehungstyp) ließ mich neulich an einem schönen Erfolg teilhaben, den ich (mit ihrer Erlaubnis) gerne als Tipp der Woche weitergeben möchte:

"Mir hat letztens bei den Hausaufgaben das Wissen um die Naturelle sehr geholfen. Ich habe zwei Söhne. Der Ältere ist Sachtyp, Denker, Vergangenheit. Er muss fast nichts lernen, da er sich alles von der Schule her sehr gut merken kann. Wenn der sagt, „das kann ich", dann passt das und stimmt meistens auch. Anders ist es beim kleineren (3. Klasse). Beziehungstyp, Zukunft, Macher.  Er musste als Hausaufgabe Wörter der alphabetischen Reihenfolge nach sortieren. Er wollt das schnell, schnell machen, um gleich wieder was mit einem Freund auszumachen. „Kann ich schon!"... und hätte wieder mit dem nächsten Anfangsbuchstaben begonnen, obwohl noch eines mit dem gleichen Anfangsbuchstaben einzuordnen war...von wegen.

Wir sind dann gemeinsam GANZ SYSTEMATISCH die Wörter durchgegangen; zuerst schauen, wieviele Wörter es gibt mit dem gleichen Anfangsbuchstaben, DANN  ERST den 1. Buchstaben anschauen, wenn dieser gleich ist, dann ist der 2. Buchstabe das Kriterium usw. Ihm hat es dann eigentlich Spaß gemacht und es war kein riesen Wirr-Warr mehr mit so vielen verschiedenen Wörtern. In der Probe hatte er dann den Teil mit dem alphabetischen Sortieren ALLES richtig und konnte so seine anderen Schwachstellen damit ausgleichen! Er hatte auch gut meine Erklärung verstanden, warum sein Freund, der Sachtyp ist, sich super leicht mit solchen Aufgaben tut.

Text: Birgit Baier
Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 168: Jahresrückblick lösungsorientiert gestalten
Für diejenigen unter den Leserinnen und Lesern, die sich mit "Jahresrückblicken" befassen, würde ich gerne diese einfache Anleitung weitergeben (in Anlehnung an Steve de Shazer):

1. Was war in diesem Jahr so gut, dass ich dankbar dafür bin und es auch im nächsten Jahr wieder erleben möchte?

2. Auf einer Skala von 1-10 (1 = niedrigst, 10 = höchst): welche Bewertung würde ich diesem Jahr geben?

3. Was habe ich selbst aktiv dazu beigetragen, diesen Skalenwert zu erreichen? Wofür kann ich mir Komplimente aussprechen?

4. Angenommen, am Ende des nächsten Jahres würde ich einen Punkt höher auf der Skala vergeben (und alles andere gelingt mir in ähnlicher Weise) - was ist dann in 2014 enthalten/passiert/gelungen, das in 2013 noch nicht da war?

Text und Redaktion:
Werner Winkler
Tipp Nr. 167: Peter Maffay: Noch ein Handlungstyp-Lied
Da (nicht nur bei den Handlungstypen unter den Leserinnen) das Video von letzter Woche so gut ankam, hier noch eines, das für mich sehr viel vom Handlungstyp-Lebensgefühl ausdrückt: http://www.youtube.com/watch?v=JFXT62QF-6s

Gerade die Sehnsucht nach dem eigenen Kind-Anteil ist hier gut ausgedrückt. Neulich sagte mir ein junger Handlungstyp (über seine Beziehungstyp-Freundin): "Mit ihr bin ich ganz kindlich" - manche erleben das erst wieder mit ihren eigenen Kindern oder gar Enkeln ...

In diesem Sinne: Frohe und typgerecht verbrachte Feiertage!

Text und Redaktion: Werner Winkler

P.S. Es gibt dieses Lied auch in einer Helene-Fischer-Version, für diejenigen, denen Peter Maffay zu grob ist :)
Tipp Nr. 166: Bushido: Handlungstyp-Lied
Im Vorgriff auf die demnächst auf unseren Webseiten verfügbaren Video-Links möchte ich heute ein Video empfehlen, in dem für mich die ganze Bandbreite der Handlungstyp-Weltsicht auftaucht: eine Co-Produktion von (dem zugegebenermaßen immer wieder heftig umstrittenen) Sänger Bushido und dem "Oldie" Karel Gott:
http://www.youtube.com/watch?v=kxRRRkXNRcY

Vielleicht zweimal anhören, damit der Text verständlicher wird - da ist sowohl der Wunsch nach Freiheit, die Liebe zur Mutter als auch der Frust über die Vergänglichkeit des menschlichen Körpers enthalten.

Und das Beste: man sieht in diesem Video, dass auch ein heftiger Handlungstyp wie Bushido lächeln kann :)

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 165: Pferde-Kutschen-Metapher (3)
Unter den Rückmeldungen zur Pferde-Kutschen-Metapher kam auch diese von Carmen Görres, die ich den Tipp-der-Woche-Leserinnen und -Leser nicht vorenthalten möchte:

"So würde ich als Handlungstyp die Pferde als ungebändigte Energie ansehen. Diese würden bis zur Erschöpfung laufen oder rennen, wenn der Kutscher nicht mit Gefühl eingreifen und für Pausen und Pflege sorgen würde. Die Kutsche selbst ist mit vielem beladen - dem Wissen, also den sachtypischen Attributen.

Somit wäre der Kreis aus Handlungsicht geschlossen."

Vielleicht wäre noch zu ergänzen, dass mit der "ungebändigten Energie" beim Handlungstyp-Menschen vor allem die körperliche Energie gemeint ist - weshalb die Erschöpfung sich auch auf körperlicher Ebene zeigt (leider oft viel zu spät, da dort ja so viel Potential vorhanden ist). Bis es also auf körperlicher Ebene "genug" ist, sind die emotional-soziale Ebene und oft auch die des Verstandes schon völlig ausgeblutet.

Text: Carmen Görres und Werner Winkler
Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 164: Pferde-Kutschen-Metapher (2)
Nachdem ich interessante Rückmeldungen zur Übertragung der Kutschen-Metapher auf die anderen beiden Naturelle bekommen habe, möchte ich einen Text von Gabriele Jaeth, Raatingen, als Tipp der Woche weitergeben. Sie arbeitet als Therapeutin auch mit Trance und benutzt ähnliche Bilder wie in der Metapher beschrieben - sie berichtet aus ihrer praktischen Arbeit folgende Erfahrung:

"Sachtypen, die zulange im passiven "da-wird-sich-schon-irgendwas-ergeben" bleiben, gebe ich gerne die unbeliebte Verantwortung und Führung, die sich aber in dem folgenden Bild sehr gut anfühlt.

Wenn ich mit diesen Klienten in Trance auf dem Lösungsweg unterwegs bin und ihnen als Verkehrsmittel dazu einen Bus anbiete, steigen sie alle (!) immer hinten (!) ein und warten was passiert (dabei hängen sie bequem im Sessel).

Die Folgen sind bekannt: die Strecke, das Ziel und die dazu benötigte Zeit bleiben "schicksalhaft" ...

In der Trance selbst wechseln wir dann mal die Plätze und der Klient fährt selbst. Nun soll er schnellst möglich genau dahin, wo er gerne wirklich wäre (würde er sein Leben wie nach der Wunderfrage längst geregelt haben). Es ist dem Gesicht, der Körperhaltung und der gezielten Wortwahl schon abzulesen, welche "Transformation" in Sekunden passiert. Er gibt selber Gas und es macht Spaß.

Nun gibt es einen Transfer in den Alltag, selber steuern, wissen wohin und den Weg bestimmen. (Notfalls einmal am Tag in dieser aktiv-"aggressiven" Haltung sein Auto
bewusst zum Arbeitsplatz oder anderen Zielen steuern.)"


Text: Gabriele Jaeth
Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 163: Pferde-Kutschen-Metapher
Als Mensch mit "gelbem" Naturell mag ich bildhafte Metaphern besonders, weshalb ich meine neueste Metapher auch mit denen teilen möchte, die dieses Jahr nicht zum Psychographie-Tag nach Stuttgart kommen konnten:

Thema ist der Zusammenhang von Bevorzugung, Vernachlässigung (Ressource) und dem dritten Bereich (Ergebnisbereich, Kontrolleur).

Als Bild verwende ich eine Pferdekutsche, wie sie früher üblich war, etwa eine Postkutsche. Die Pferde vor der Kutsche stehen für den bevorzugten Bereich in einer Triade, der Kutscher für die Ressource, die Kutsche selbst für den Ergebnisbereich.

Am Beispiel des Beziehungstypen ausgeführt: Er hat zwar eine stark entwickelte emotionale Seite (seine Pferde), wenn aber sein sachlicher Verstand (der Kutscher) zu wenig Einfluss auf die Pferde hat, wird es im Ergebnis (hier mit der Kutsche) nicht optimal laufen, die Fahrt verläuft unruhig oder die Pferde werden nicht die gleiche Richtung einschlagen.

Jedes Metapherbild hat zwar seine Grenzen, aber da im Sprachgebrauch bereits der Ausdruck "da gehen mir die Pferde durch" ebenso existiert wie der Begriff des "ausspannens", ließen sich beide Redewendungen mit diesem Bild verbinden - also nochmal für den Beziehungstyp: man darf durchaus auch mal die Emotionen für sich "grasen" oder "toben" lassen, aber wenn man Aktivitäten plant, sollte der Verstand die Zügel zumindest locker in den Händen halten :)

Ich bin gespannt auf Rückmeldungen, welche Art von Assoziationen Sachtypen und Handlungstypen zu diesem Bild haben bzw. auf andere Gedanken dazu.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 162: Neuer Seminar-Einstieg
Nachdem ich bereits vor längerer Zeit bei meinen Naturellanalysen (Stärken-Profil-Analysen/Typanalysen) dahingehend umgestellt habe, zu Beginn nicht den Grundtyp, sondern den Untertyp im Zeitbereich zu ermitteln (Gegenwarts-, Vergangenheits- oder Zukunftsorientierung), hatte ich diese Woche die Gelegenheit, diese Reihenfolge auch in einem 4-stündigen Workshop in einem Unternehmen zu testen.

Nach einer kurzen Einführung darüber, was eine Typologie und ein Modell ist und was genau das "Naturell" im Vergleich zu anderen Persönlichkeitsfaktoren darstellt, malte ich ganz schlicht die Zeit-Triade "Gegenwart-Vergangenheit-Zukunft" auf die Flipchart und erläuterte daran die Erkennungsmerkmale der drei Untertypen, das Prinzip von Bevorzugung und Vernachlässigung sowie praktische Konsequenzen daraus im Umgang mit sich selbst und anderen.

Daraufhin hatten sich bereits die meisten in der Runde in einem der drei Muster erkannt. Nach der Klärung der noch unklaren Zugehörigkeiten und Beispielen aus ihrem Leben, welche die Teilnehmer erzählten (anhand derer sie sich einem Untertyp zugeordnet hatten) waren die ersten Aha-Erlebnisse zu beobachten. Zudem fingen die ersten an, auch über die Bevorzugung ihrer Partner oder Kinder zu spekulieren und entsprechende Anekdoten zum Besten zu geben.

Nach der ersten Pause, in der fleißig weiter gefragt und erzählt wurde, konnte ich dann sehr bequem auf die Grundtypen eingehen - da die grundlegenden Prinzipien bereits bekannt waren, fiel es den nun sehr neugierigen Teilnehmern durchweg leicht, sich selbst zuzuordnen oder nach meiner Befragung (vorläufig) zuordnen zu lassen.

Fazit: Zur Nachahmung empfohlen, nicht nur in Workshops oder Vorträgen, sondern auch bei "Aufklärungsgesprächen" im Bekanntenkreis.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 161: Heiteres Typenraten
Nach den relativ langen Tipps der letzten Wochen diesmal ein eher kurzer: Wenn Sie das nächste Mal mit jemand anderem, der sich mit den Naturelltypen einigermaßen auskennt, in einem Restaurant sind, spielen Sie "heiteres Typenraten" mit der Bedienung.

Beobachten Sie Gang, Mimik, Sprache, Wesensart etc. - also alles, was Hinweise auf die Typgruppen-Zugehörigkeit liefern könnte (natürlich dezent und respektvoll) und diskutieren Sie Ihre Beobachtungen. Diese Situation ist auch eine gute Gelegenheit, zwischen "Rollen-Verhalten" und dem typspezifischen zu unterscheiden.

P.S. Dieses "Trainingsspiel" lässt auch alleine spielen, z.B. im Wartezimmer beim Arzt, in der Schlange vor der Supermarktkasse oder auf dem Wochenmarkt.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 160: Pacing und Leading bei Handlungstyp-Kindern
(Teile des Tipps sind identisch mit den letzten beiden Tipps - damit auch Leser ihn verstehen, die die letzten Tipps nicht gelesen haben).

Die kommunikationsfördernde Verhaltensweise "Pacing" entstammt zwar dem psychotherapeutischen Umfeld, lässt sich aber als natürliches Phänomen zum Beispiel bei Verliebten, bei vertrauten Paaren oder guten Freunden beobachten. Das Wort selbst lässt sich mit "Schritthalten" oder "in Gleichschritt kommen" übersetzen und bezeichnet das Phänomen, dass man sich (absichtlich oder automatisch) dem Verhalten eines anderen anpasst - also etwa der Wortwahl, der Sprechgeschwindigkeit, dem Gestus oder der körperlichen Haltung. Daran angehängt lässt sich "Leading" einsetzen - also eine wohlwollende Beeinflussung des Kommunikationspartners (aus psychographischer Sicht meist in Richtung der jeweiligen vernachlässigten "Ressourcen").

Beispiel: Als ich neulich als Ehrenamtlicher gebeten wurde, eine Gruppe Kindergartenkinder ins Schwimmbad zu begleiten, fielen mir nicht nur die Typunterschiede in dieser Umgebung auf, sondern auch, wie unterschiedlich sie auf mich als unerwarteten Begleiter reagierten (neugierig, zurückhaltend, skeptisch). Und ich merkte, wie leicht es mir gelingt, mich auf diese verschiedenartigen "Kontaktaufnahmen" einzustellen - eben durch (fast automatisch funktionierendes) Pacing.

Die Handlungstyp-Kinder wirken in Gegenwart von "Fremden" anfangs oft schüchtern, was sich auch hier zeigte. Da zunächst unklar war, welche Rolle ich innehatte, wussten sie offenbar nicht, wie sich mir gegenüber korrekt zu verhalten. Als dann aber klar war, dass ich der Mann der Kindergarten-Leiterin bin, tauten auch die eher schüchternen Kinder auf und begannen, meine Grenzen auszutesten (ein für Handlungstypen im Allgemeinen normales Verhalten). Für ein Handlungstyp-Kind ist es wichtig zu wissen, wo jemand in der jeweiligen Hierarchie einzuordnen ist - also ob es sich eher unterordnen muss oder "Kommandos" geben darf.

Insgesamt nahmen die Handlungstyp-Kinder besonders spät Kontakt auf - etwa dadurch, dass sie mir ihre bereits vorhandenen Fähigkeiten demonstrierten und sich an meinem Respekt dafür freuten. Ein Handlungstyp-Kind wollte, nachdem es vom Ein-Meter-Brett gesprungen war und meine Anerkennung abgeholt hatte, wissen, ob ich das auch machen würde. Und als ich bejahte, ob ich auch vom Drei-Meter-Brett springen würde (worin ich ebenso ein Anzeichen für das frühe Zahlenverständnis dieser Kinder sah wie darin, dass sie mir ihre Rechenkünste vorführten, obwohl das gar nicht das Thema war). Einem kleinen Handlungstypen, den ich aus früheren Ehrenamtseinsätzen schon kannte (und er mich) war irgendwann der Trubel wohl zu viel; er setzte sich mit dem Rücken zu den anderen auf eine Bank und sah lieber aus dem Fenster. Ich setzte mich mit ausreichend Abstand neben ihn und sah ebenfalls aus dem Fenster. Kurz darauf kam ein kleines Gespräch zustande und ich hatte den Eindruck, er freute ich darüber, dass ich mich noch an ihn erinnerte. Später zeigte er mir stolz, welche Leckereien ihm seine Mutter in die Vesperdose eingepackt hatte ...

Zusammenfassend lässt sich also empfehlen, mit Handlungstypen im Sinne des Pacings zunächst eher aus der jeweiligen "Rolle" heraus zu kommunizieren und nicht zu "privat" oder gar kumpelhaft. Die Kontaktaufnahme durch einen Handlungstyp kann durchaus einmal aus einem testweisen "Angriff" bestehen (womit der Handlungstyp herausfinden will, wie die Kraftverhältnisse sind und wie er sich korrekterweise verhalten soll).

Das "Leading" kann hingegen recht klar und deutlich - fast als "Befehl" eingesetzt werden, wenn man dazu die Freigabe hat. Da Handlungstypen gut Nein sagen können, wenn sie etwas nicht mögen, sind Vorschläge und Ideen in der Regel willkommene Anregungen oder Gelegenheiten zum Widerspruch und somit zum besseren Kennenlernen.

Letztlich besteht das Geheimnis einer auch am Naturell eines Menschen ausgerichteten Kommunikation also darin, ihn auch als "Typus" mit den "typischen" Eigenarten ernst zu nehmen - was logischerweise nur dann gelingen kann, wenn man die Naturellunterschiede kennt, akzeptiert und ihr Wesen nachvollziehend versteht. Das kann auch deshalb gelingen, weil ja jeder von uns Anteile aller Naturelle in sich trägt und sie somit auch aus eigener Erfahrung kennt - wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Dadurch können wir spontane Empathie spüren (mit Menschen gleichen Naturells) oder sie entwickeln (bei Menschen anderen Naturells).

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 159: Pacing und Leading bei Sachtyp-Kindern
(Teile des Tipps sind identisch zum letzten Tipp - damit auch Leser ihn verstehen, die den letzten Tipp nicht gelesen haben).

Die kommunikationsfördernde Verhaltensweise "Pacing" entstammt zwar dem psychotherapeutischen Umfeld, lässt sich aber als natürliches Phänomen zum Beispiel bei Verliebten, bei vertrauten Paaren oder guten Freunden beobachten. Das Wort selbst lässt sich mit "Schritthalten" oder "in Gleichschritt kommen" übersetzen und bezeichnet das Phänomen, dass man sich (absichtlich oder automatisch) dem Verhalten eines anderen anpasst - also etwa der Wortwahl, der Sprechgeschwindigkeit, dem Gestus oder der körperlichen Haltung. Daran angehängt lässt sich "Leading" einsetzen - also eine wohlwollende Beeinflussung des Kommunikationspartners (aus psychographischer Sicht meist in Richtung der jeweiligen vernachlässigten "Ressourcen").

Beispiel: Als ich neulich als Ehrenamtlicher gebeten wurde, eine Gruppe Kindergartenkinder ins Schwimmbad zu begleiten, fielen mir nicht nur die Typunterschiede in dieser Umgebung auf, sondern auch, wie unterschiedlich sie auf mich als unerwarteten Begleiter reagierten (neugierig, zurückhaltend, skeptisch). Und ich merkte, wie leicht es mir gelingt, mich auf diese verschiedenartigen "Kontaktaufnahmen" einzustellen - eben durch (fast automatisch funktionierendes) Pacing.

Die Sachtyp-Kinder schauten mich nur kurz an und ignorierten mich dann eher. Vielleicht weil sie ahnten, dass sie mit mir nicht lange zu tun haben würden? Mit der Zeit genossen sie jedoch augenscheinlich meine Aufmerksamkeit - etwa, wenn ich sie vor den zu lauten oder impulsiven Kindern schützte und ihnen Platz und Zeit verschaffte (konkret an der umkämpften Rutsche).

Pacing gegenüber einem Sachtyp-Kind hieß dann auch: wenn es sich vor dem großen, kälteren Schwimmbecken fürchtete und ängstlich Abstand hielt, es nicht zu ermutigen oder zu drängen, sondern neben das Kind zu stellen und auch "Angst" zu zeigen - bis es dann doch genügend Motivation entwickelt und Mut angesammelt hat, sich einen Schritt weiter an die Treppe zu trauen. Oder wie es eine Erzieherin gemacht hat: sich neben den ängstlichen kleinen Sachtyp-Jungen an den Beckenrand zu setzen und erst einmal mit den Füßen zu plantschen, um zu sehen, wie das Wasser so reagiert und wie sich das anfühlt.

Zusammenfassend lässt sich also empfehlen, mit Sachtypen im Sinne des Pacings deren Zurückhaltung und Vorsicht zu erwidern und nicht laut und kraftvoll zu kommunizieren. Die Kontaktaufnahme durch einen Sachtyp kann durchaus einmal aus einem kurzen Blickkontakt bestehen (womit der Sachtyp vielleicht wissen will, ob man ihn wahrgenommen hat) oder in einem schlichten "Dasitzen" als indirektes Angebot, sich dazu zu setzen und etwas Zeit mit ihm zu teilen.

Das "Leading" sollte hingegen sehr sehr dezent eingesetzt werden - eher im Sinne eines Erinnerns an bereits vorhandene Fähigkeiten und Erfahrungen. Im paradoxen Sinne kann beim Sachtyp das Leading gelingen, indem man sich noch weiter zurücknimmt als er selbst, noch vorsichtiger agiert oder noch mehr Vorabinformation sammelt.

Letztlich besteht das Geheimnis einer auch am Naturell eines Menschen ausgerichteten Kommunikation also darin, ihn auch als "Typus" mit den "typischen" Eigenarten ernst zu nehmen - was logischerweise nur dann gelingen kann, wenn man die Naturellunterschiede kennt, akzeptiert und ihr Wesen nachvollziehend versteht. Das kann auch deshalb gelingen, weil ja jeder von uns Anteile aller Naturelle in sich trägt und sie somit auch aus eigener Erfahrung kennt - wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Dadurch können wir spontane Empathie spüren (mit Menschen gleichen Naturells) oder sie entwickeln (bei Menschen anderen Naturells).

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 158: Pacing und Leading bei Beziehungstyp-Kindern
Die kommunikationsfördernde Verhaltensweise "Pacing" entstammt zwar dem psychotherapeutischen Umfeld, lässt sich aber als natürliches Phänomen zum Beispiel bei Verliebten, bei vertrauten Paaren oder guten Freunden beobachten. Das Wort selbst lässt sich mit "Schritthalten" oder "in Gleichschritt kommen" übersetzen und bezeichnet das Phänomen, dass man sich (absichtlich oder automatisch) dem Verhalten eines anderen anpasst - also etwa der Wortwahl, der Sprechgeschwindigkeit, dem Gestus oder der körperlichen Haltung. Daran angehängt lässt sich "Leading" einsetzen - also eine wohlwollende Beeinflussung des Kommunikationspartners (aus psychographischer Sicht meist in Richtung der jeweiligen vernachlässigten "Ressourcen").

Beispiel: Als ich neulich als Ehrenamtlicher gebeten wurde, eine Gruppe Kindergartenkinder ins Schwimmbad zu begleiten, fielen mir nicht nur die Typunterschiede in dieser Umgebung auf, sondern auch, wie unterschiedlich sie auf mich als unerwarteten Begleiter reagierten (neugierig, zurückhaltend, skeptisch). Und ich merkte, wie leicht es mir gelingt, mich auf diese verschiedenartigen "Kontaktaufnahmen" einzustellen - eben durch (fast automatisch funktionierendes) Pacing.

Die Beziehungstyp-Kinder fanden es etwa spannend, eine neue Bezugsperson zu haben und zeigten mir, wie toll sie schon ins Becken springen können. Also teilte ich ihre Begeisterung, versäumte es aber nicht, sie (typgerecht) durch ein wenig "Leading" (führen, leiten) an ihre Ressourcen zu erinnern: vorsichtiger zu sein, wenn andere Kinder in Sprungweite sind oder nicht zu nahe an die metallene Kante der Rutsche zu springen. Die Beziehungstyp-Kinder haben das auch sofort angenommen und sogar andere auf diese Gefahr hingewiesen - also mein Verhalten nachvollzogen und übernommen.

Oder wenn ein Beziehungstyp-Kind mich fragte, ob ich mich getrauen würde, vom großen Sprungturm zu springen - dass ich dann mit einer Gegenfrage antworte oder zumindest an meine Antwort eine Frage an das Kind anhänge, das mein Interesse an seinem aktuellen Thema (Mut, Angst) widerspiegelt.

Zusammenfassend lässt sich also empfehlen, mit Beziehungstypen im Sinne des Pacings deren spontane Kontaktaufnahme zu erwidern (und keine zeitliche Vertiefung zu erwarten), sie einfach zu "begleiten", für sie da zu sein, wenn sie von sich aus wieder Kontakt suchen und das "Leading" dezent zu einzusetzen, falls sich dazu Gelegenheit oder Notwendigkeit ergibt - und eben nicht (was genau kontraproduktiv wäre) distanziert oder zu intensiv im Kontakt zu sein und lieblose "Predigten" zu halten, wenn Beziehungstypen sich nicht perfekt verhalten.

Letztlich besteht das Geheimnis einer auch am Naturell eines Menschen ausgerichteten Kommunikation also darin, ihn auch als "Typus" mit den "typischen" Eigenarten ernst zu nehmen - was logischerweise nur dann gelingen kann, wenn man die Naturellunterschiede kennt, akzeptiert und ihr Wesen nachvollziehend versteht. Das kann auch deshalb gelingen, weil ja jeder von uns Anteile aller Naturelle in sich trägt und sie somit auch aus eigener Erfahrung kennt - wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Dadurch können wir spontane Empathie spüren (mit Menschen gleichen Naturells) oder sie entwickeln (bei Menschen anderen Naturells).

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 157: Demokratische Naturellanalyse
Während des letzten Kurses mit Live-Naturellanalyse habe ich (wie schon öfters in ähnlichen Runden) eine Methode ausprobiert, die fast immer zu einem guten Ergebnis führt und die ich "Demokratische Naturellanalyse" (oder Demokratische Typanalyse) genannt habe: Dazu braucht es eine Gruppe von möglichst sechs oder mehr "Stimmberechtigten", die Kenntnisse der Psychographie haben. Derjenige, der wissen möchte, zu welchem Grundtyp oder Naturell er gehört, stellt sich vor und beantwortet auch Fragen, die von den anderen Teilnehmern gestellt werden.

Nach ungefähr einer Viertelstunde macht man dann eine simple Abstimmung: wer sieht welchen Typus beim Kandidaten? Nach meinen bisherigen Erfahrungen deckte sich das Ergebnis immer mit dem, was bei der professionellen (konsensuellen) Analyse herauskam.
Offenbar besitzen wir (bei einer Grundkenntnis des Modells) ein recht gutes Bauchgefühl dafür, welcher Typus uns gegenübersteht oder -sitzt. Und durch die Gruppe werden einzelne Fehleinschätzungen korrigiert.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 156: Gleiches mit Gleichem - positiv!
Dietmar Friedmanns Rat an Handlungstypen im Umgang mit ihren Problemen lautet bekanntlich "Gleiches mit Gleichem - positiv!"

Ich verstehe darunter - und Handlungstyp-Klienten bestätigen mir immer wieder, dass das zutrifft - eine freundlich-kooperative Haltung gegenüber dem Problem (oder der Krankheit). Also nicht die dem Typ entsprechende, gewohnte Angriffs- oder Kampfhaltung und das Etikettieren des Problems als einen Gegner, der zu bekämpfen und zu besiegen ist.

Stattdessen (!) die vorläufige Hoffnung, in den Schwierigkeiten eine freundliche Einladung des Lebens zur Veränderung, zu einem Neuanfang, zu neuen Erkenntnissen zu sehen; vielleicht sogar eine dankbare Haltung einzunehmen und bewusst nach dem Positiven im Negativen Ausschau zu halten.

"Gleiches mit Gleichem" würde dann bedeuten, etwa ein Problem, das mich ausbremst, als so eine "Bremse" zu akzeptieren. Oder in einem "Burn-Out" nicht etwas Schlimmes zu sehen, sondern eine Art "Sicherung", die zuerst durchgebrannt ist, bevor das ganze Haus in Flammen aufgeht. "Gleich" sind solche Antworten und Reaktionen deshalb, weil sie die Intention des Problems oder der Krankheit aufnehmen und zum eigenen Vorteil (positiv) nutzen - ein Prinzip, das aus vielen Kampfsportarten bekannt ist.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 155: Da bin ich mal neugierig, wie er das löst!
Die passende Haltung im Umgang mit problembelasteten Sachtypen lautet nach Dietmar Friedmann: Neugierig sein, wie der andere sein Problem löst!

Praktisch bedeutet das über die innere (gelassene) Haltung hinaus auch ein Zurückhalten unnötiger praktischer Mithilfe und Unterstützung - zumindest so lange, bis sie aktiv angefordert und entsprechend ausgeglichen wird (Bezahlung, Tausch).

Dies fällt den Beziehungstypen, die sich gerne als "Retter" einmischen ebenso schwer wie den Handlungstypen, deren mütterlichen Instinkte rasch anspringen, wenn sie so ein "leidendes" Wesen vor sich sehen. Beide übersehen, wenn sie nicht dem Rat Friedmanns folgen jedoch, dass unnötiges "Unter-die-Arme-greifen" wie eine Krücke bei einem Gesunden wirkt: sie schwächt ihn und lässt ihn humpeln.

Damit die neugierige Haltung nicht völlig passiv bleibt und zu einer hilflosen oder untätigen Lage führt, kann vielleicht über frühere Erfolge, Lösungsgeschichten oder die Erfahrungen anderer bei der Lösung eines ähnlichen Problems geredet werden - manchmal regt das Sachtyp-Menschen dazu an, sich an eigene Stärken und Ressourcen zu erinnern oder sich von anderen etwas abzuschauen. Typischer Spruch hier, den ich schon öfters von Sachtypen gehört habe: Lieber gut kopiert als schlecht selbst ausgedacht.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 154: Große Probleme - einfache Lösung!
Nach Dietmar Friedmann gilt für Beziehungstypen das Motto "Große Probleme - einfache Lösung!"

Dumm dabei ist nur, dass diese "einfache Lösung" meist erst rückblickend als eine solche erkannt werden kann. Wie kommen nun Beziehungstypen zu ihrer "einfachen Lösung"? Mich erinnern die Lösungsversuche der "Gelben" oft an das Flugverhalten von Stubenfliegen: Mal hierhin, mal dahin - und weniger an das Bienenmuster (immer in Richtung Sonne). Bei dieser "fliegenartigen Suchbewegung" findet nun der Beziehungstyp-Mensch unverhofft oder überraschend eine Lösung - die er dann noch als solche erkennen muss!

Deshalb auch die Regel, dass diejenigen, die einen "Gelben" beim Problemlösen unterstützen möchten, eher eine "begleitende" (freundliche, tröstende, zugewandte, entlastende) Haltung einnehmen und weder zu viel Abstand noch viele Lösungsvorschläge beisteuern sollten. Denn gerade das eigene Finden von Lösungen, häufig begleitet von einer (neuen, wiedergefundenen) Erkenntnise macht für den Beziehungstyp Sinn: er steht vor sich und anderen nicht "dumm" da, sondern kann auch seinem Leiden noch einen Gewinn ziehen und sich somit für das Ungemach entschädigen. Wird der Suchweg unnötig abgekürzt, entfällt dieser Effekt.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 153: Ziehen sich Gegensätze an?
Dass das Sprichwort "Gleich und Gleich gesellt sich gern" die Wahrheit auch aus psychographischer Sicht gut beschreibt, lässt sich immer wieder beobachten. Wie aber steht es mit der gegensätzlichen Aussage "Gegensätze ziehen sich an"?

Ist es korrekt beschrieben, wenn wir etwa einen "Denker" als den Gegensatz eines "Fühlers" bezeichnen oder einen "Zukunftsorientierten" als den Gegensatz eines "Vergangenheitsorientierten" - und: ziehen die sich tatsächlich an?

"Anziehung" gibt es ein- und gegenseitig. Aus dem psychographischen Modell lässt sich eine gegenseitige Anziehung der oben beschriebenen Typen wohl kaum ableiten, wohl aber eine einseitige (hin zur Ressource).

Statt von "Gegensätzen" scheint es mir passender, von "Unterschieden" zu sprechen, also zu sagen "Unterschiede ziehen sich an" oder, um genauer zu sein: "ein Defizit wird vom Überfluss angezogen". Denn das ist doch genau das, was wir beobachten: Der Beziehungstyp fühlt sich vom Sachtyp angezogen, der jedoch vom Handlungstyp - und der wieder vom Beziehungstypen. Wobei die Anziehung durchaus nicht immer positiv sein muss, wie wir wissen: Ärger und Faszination gehen da häufig Hand in Hand ...

Tipp der Woche daher: Beobachten Sie einmal genauer, welche Typen/Untertypen Sie anziehen, ärgern - oder wen Sie selbst anziehen. Am Besten bei denjenigen, mit denen Sie regelmäßiger zu tun haben.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 152: Lösen, lindern oder vermeiden?
Den lösungsorientiert arbeitenden Coaches, Beratern oder Therapeuten wird gerne vorgeworfen, sie wären zu einseitig auf Problemlösungen fokussiert. Ich muss zugeben, dass ich mich auch lange Jahre auf diesen Bereich des Umgangs mit Problemen spezialisiert habe - also auf die Lösung von Problemen.

Was mir immer öfters auffällt ist jedoch, dass Klienten bestimmte Probleme (noch) nicht lösen wollen, sondern manchmal nur eine "Linderung" oder einen Weg suchen, sich mit dem ungelösten Problem zu arrangieren. Auch dies scheint mir ein annehmbarer Auftrag für eine professionelle Begleitung zu sein.

Und um die Triade neben "Lösen" und "Lindern" abzuschließen, möchte ich noch an die Möglichkeit erinnern, Probleme zu "Vermeiden" - auch wenn aus diesem Grund eher selten Klienten in die Beratung kommen. Wobei sie durchaus verstehen, dass das, was sie während einer Beratung lernen (zum Beispiel über die Unterschiede im Naturell oder über die eigenen Bevorzugungen) ihnen künftig bei der Lösung des einen oder anderen Problems helfen wird oder es sogar zu vermeiden hilft - was mich an einen Ausspruch des Philosophen Arthur Schopenhauer erinnert: "So hat zum Beispiel mir meine Philosophie nie etwas eingebracht; aber sie hat mir sehr viel erspart."


Text und Redaktion: Werner Winkler  

Tipp Nr. 151: Das lösbare Problem?
Arbeitet man im Coaching (oder in der Beratung, Therapie, Seelsorge) mit dem "Leitdreieck", ist dort vorgesehen, mit Sachtyp-Klienten relativ bald über Ziele zu sprechen und nicht lange bei den Problemdetails zu verweilen.

Was jedoch, wenn der Klient kein Ziel formulieren kann oder für das angestrebte Ziel keine Motivation verspürt? Tipp hier: nochmal zurück zur Station "Thema/Problem" und nachschauen, ob das bisher als Problem identifizierte Thema a) überhaupt lösbar ist (oder einfach als unlösbar zu akzeptieren) und b) in der Reihenfolge derzeit auf Platz 1 steht.

Beispiel: Eine Sachtyp-Frau sucht einen Partner, möchte wieder innerlich zufriedener werden und sich beruflich verändern. Bisher versuchte sie (erfolglos), das erste und das letzte Problem anzugehen. Erst beim Gespräch über die Unzufriedenheit jedoch und über die Zeiten, in denen sie doch zufrieden war, erbrachte jedoch den "Durchbruch" und die Freisetzung der benötigten Energie, um wieder auf den Weg zu einem attraktiven Ziel zu gelangen.

Mehr zum Leitdreieck unter: http://www.wernerwinkler.de/123-modell/modul036.htm


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 150: Sachtyp Merkel, Sachtyp Steinbrück
Um die Unterschiede zwischen verschiedenartigen Sachtypen (vom Untertyp her) zu beobachten, bieten die nächsten Wochen nochmal ausführlich Gelegenheit.

Zur Erinnerung: Peer Steinbrück schätze ich als Sachtyp-Macher, ich-verbunden und zukunftsorientiert ein, Angela Merkel als Sachtyp-Denker, wir-verbunden und ebenfalls zukunftsorientiert. Fachlich gesehen also so genannte "Idealpartner" (zwei identische Bevorzugungen, jeweils eine Ressource beim anderen - also ich/wir und denken/machen), was auch zur Aussage der Bundeskanzlerin passt, sie habe während der Zeit der Großen Koalition sehr gut mit ihrem jetzigen Herausforderer zusammen gearbeitet.

Vor allem das anstehende "TV-Duell" dürfte spannend werden - gelingt es der Denkerin, ihre größte Ressource (das Machen = reden, äußern, sich ausdrücken) für ihren Vorteil zu nutzen oder kann der Macher nicht nur reden, sondern auch genau zuhören und wahrnehmen, was geschieht und entsprechend reagieren?

Witzig jedenfalls, dass die SPD mit ihrem (sehr deutlich sichtbar) ich-verbundenen Kandidaten auf ihre Plakate die Parole "Das Wir entscheidet" druckt, während bei der CDU zu lesen ist, dass man an die Zukunft denkt oder gemeinsam erfolgreich sei - was ja genau zu den Bevorzugungen Angela Merkels passt.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 149: Überkompensation versus Gleichgewicht
In den psychographischen Triaden geht es zum einen darum, die (angeboren) vernachlässigte Seite stärker zu betonen - zum anderen jedoch auch darum, ein sinnvolles und der jeweiligen Situation angemessenes Gleichgewicht zwischen den drei Optionen herzustellen.

Immer wieder fällt mir auf, dass jemand - bewusst oder unbewusst - seine Ressourcenbereiche übertrieben auslebt und dadurch die Lebensqualität insgesamt leidet. Beispiel: ein junger Sachtyp merkt, dass er als Jungunternehmer Erfolg hat und mit relativ wenig Arbeit zu relativ viel Geld kommen kann. Er vernachlässigt seine typeigenen Interessen und lebt, als wäre er der geborene Handlungstyp. Im Ergebnis brennt er völlig aus, überschuldet sich, weil er "noch mehr" möchte und verliert am Ende alles, was er sich in über 20 Jahren aufgebaut hat.

Tipp der Woche daher: die Triaden "zu Ende gehen" und nicht in den Ressourcenbereichen stehen bleiben - im obigen Beispiel etwa wäre es im Sinne der Nutzung aller drei (Grund-)Bereiche sinnvoll gewesen, er hätte die Verbindung zu sich selbst, zu seinen Freunden und dem Rest der Welt stärker gepflegt und hätte sich nicht nur um Arbeit und Erfolg gekümmert (also nicht nur roten Bereich ausgelebt).

Eine große Triaden-Sammlung findet sich auf http://www.wernerwinkler.de/123-modell/modul035.htm

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 148: Typanalyse einfacher als bisher.
Wer sich schon einmal darin versucht hat, eine Typanalyse (Stärken-Profil-Analyse, Naturellanalyse) mit einer Testperson zu versuchen, weiß, dass das nicht ganz einfach ist und man nicht nur einen Fragebogen ausfüllen und diesen dann auswerten muss.

Vielmehr geht es darum, sich auf den konkreten Menschen einzustellen, genau hinzuhören (was er über sich erzählt, ob er das Modell und seine Konsequenzen versteht) und auch durchaus einmal etwas von sich selbst preiszugeben.

Um den Vorgang der Analyse etwas einfacher zu machen, habe ich eine neue, 12-seitige Anleitung in konkreten Schritten mit den jeweils notwendigen Informationen entworfen - ich stelle die PDF-Datei allen kostenlos zur Verfügung, die eine E-Mail an psychographie@t-online.de schicken (Stichwort: "Naturellanalyse-Anleitung").

Also einfach mal wieder einen Versuch machen, zum Beispiel mit der besten Freundin oder dem besten Freund in lockerer, privater Atmosphäre.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 147: Andere Typologien
Diese Woche überraschte mit ein neuer Klient im Coaching mit der Erklärung, dass er zu "den Blauen" gehöre - ob ich darüber Bescheid wüsste. Es stellte sich heraus, dass er vor einiger Zeit eine Fortbildung zu Persönlichkeitsunterschieden gemacht hatte (über das "Struktogramm"). Die dortigen drei Gruppen Blau, Rot und Grün entsprechen ziemlich gut unseren psychographischen Grundtypen, so dass wir in ein "vereinfachtes Gespräch", etwa über seinen "roten" Kollegen und die angemessene Reaktion auf dessen aggressives Verhalten ("aggressiv" aus Sicht des Blauen) führen konnten.

Umso verblüffter war mein Klient dann, als ich ihm aus der aktuellen A5-Broschüre seine "blauen" Eigenschaften - Stärken und Merkmale - vorlas. Er fühlte sich sehr gut "erkannt" und hat die Broschüre gerne mitgenommen. Schon am nächsten Tag hat er sich wieder gemeldet, um einen neuen Termin zu vereinbaren ...

Tipp der Woche daher: Falls noch nicht geschehen, etwas genauer mit den anderen Typologien auf dem Markt auseinandersetzen, etwa mit Hilfe der Vergleichstabelle auf www.psychographie.de/typologien-vergleich.htm - die Ähnlichkeiten sind ja nicht zufällig, sondern rühren daher, dass alle Typologen das gleiche Phänomen beobachten und dafür unterschiedliche Sortierungen, Begriffe und Erklärungen finden.

Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 146: Über die Naturellunterschiede sprechen
Beim Gespräch über die Typunterschiede - ob nun in einer Beratung oder im privaten Gespräch - kann es einen großen Unterschied ausmachen, welche Begriffe wir verwenden, um das Phänomen zu erklären.

Nach meiner Erfahrung ist es im professionellen Rahmen einer Beratung oder eines Coachings nicht so wichtig, wie wir das Modell oder die Typen benennen - denn hier ist der Gesprächspartner schon in einem "Vertrauensmodus" und sieht in der Regel keinen Grund, an unserer fachlichen Kompetenz zu zweifeln.

Anders im privaten Gespräch. Wenn ich auf einer Party nach meinem Beruf gefragt werde, dann z.B. "Paarberater" sage und ich dann die Gelegenheit habe, über die Naturellunterschiede und ihre Relevanz für Paare zu sprechen, werde ich keinen Fachvortrag halten können.

Hier zeigt sich dann, dass einfache und prägnante Begriffe den korrekten Fachwörtern vorzuziehen sind. Ich spreche also lieber von "Haifisch-Männern" und "Delfin-Frauen" als von Handlungstypen oder Relationikern. Selbst Kinder können mit dem Unterschied zwischen einem "Gorilla-Bruder" und einem "Orang-Utan-Bruder" etwas anfangen und sich oft sogar rasch selbst zutreffend einordnen, wenn solche Bildmetapher ins Spiel kommen.

Ein anderes Beispiel: Ich bin in einem mittelständischen Unternehmen für ein Teamcoaching eingeladen und die Typologie steht nicht im Mittelpunkt. Trotzdem möchte ich auf das Phänomen der unterschiedlichen Naturelle hinweisen, weil ich weiß, dass das eine positive Wirkung auf den "Team-Spirit" haben kann. Also nutze ich die Begriffe "Gelbe Gruppe", "Blaue Gruppe" und "Rote Gruppe" und beschränke mich auf die Grundtypen. So bleiben "Typen" und alles "Psycho-Begriffe" erst einmal außen vor und die Abwehrmechanismen springen nicht an.

Würde ich hingegen eingeladen, vor einer Gruppe Wissenschaftler zu sprechen, könnte ich durchaus die (von Angela Zeugner erfundenen) Fachwörter "typus relationis", "typus temporis" und "typus actionis" einfließen lassen und käme so der dort üblichen Sprachebene entgegen.

Es lohnt sich also, die Begriffe bewusst zu wählen und nicht automatisch auf die gewohnten zurück zu greifen.

Text und Redaktion: Werner Winkler

   
Tipp Nr. 145: Typverdacht rasch überprüfen
Nur selten haben wir im Alltag oder bei kurzen Begegnungen die Möglichkeit, einen entstehenden Typverdacht zu festigen - das kann fachlich korrekt nur eine ausführliche-konsensuelle Typanalyse leisten.

Trotzdem gibt es ein paar sehr deutliche Hinweise auf die Zugehörigkeit zu einem der drei Grundtypen, an die ich heute erinnern möchte. Sie können z.B. auch dann helfen, wenn jemand unsicher ist, ob ein Dritter eher zu Typgruppe A oder B gehört - also wenn es nur noch darum geht, zwischen zweien zu entscheiden.

Gelbe Gruppe (Beziehungstypen/Relationiker):
- variantenreiche Gesichtsmimik, aus der sich leicht der emotionale Zustand ablesen lässt
- verwendet häufig Begriffe wie "Ja", "Ja klar", "Kein Problem" oder formuliert Sätze eher positiv
- neigt dazu, Zeit und Geld nicht im Griff zu haben (auch von anderen)

Blaue Gruppe (Sachtypen/Temporiker):
- meist entspannte Körperhaltung (Schwingen von Armen, bequeme Sitzhaltung, wenig Körperspannung)
- tut sich in der Regel schwer mit einem klaren Nein, mit dem Beenden von Telefonaten, Arbeitsverhältnissen, Beziehungen
- nimmt Kritik zu ernst, versucht sie durch fehlerfreies Verhalten zu vermeiden

Rote Gruppe (Handlungstypen/Aktioniker):
- hohe Körperspannung, sehr aufrechter Gang oder aufrechtes Sitzen
- wenig Varianten in der Mimik, eher maskenhaftes Lächeln oder Pokerface
- häufige Verwendung von Nein-Begriffen, negativen Umschreibungen oder Darlegung dessen, was nicht gewollt/gewünscht ist (das "Stattdessen" fehlt)

Diese Merkmale treten schon bei kleinen Kindern typspezifisch auf und bleiben bis ins hohe Alter erhalten.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 144: Gesichtsmimik auf Filmaufnahmen
Heute noch einmal ein praktischer Tipp für Filmliebhaber, (ich hatte ihn vor längerer Zeit schon einmal kurz erwähnt) die Unterschiede in der Gesichtsmimik bei unseren drei Grundtypen beobachten wollen: Die meisten DVD-Player oder Abspielprogramme auf dem Computer haben eine Funktion, mit der man einen Film in mehrfacher Geschwindigkeit anschauen kann.

Macht man dies (zum Beispiel mit vierfacher Geschwindigkeit) mit Filmszenen, in denen die Schauspieler im Dialog zu sehen sind, werden die Unterschiede überdeutlich: sowohl das variantenreiche Mimikspiel der "Gelben", die Pokerface-Gesichter der "Roten" und die nur von dezenten Bewegungen gekennzeichneten Gesichter der "Blauen".

Wer Hinweise auf die (vermutete) Typenzugehörigkeit seiner Lieblingsschauspieler/innen sucht, findet deren Namen vielleicht in der "Prominentenliste" auf www.psychographie.de/prominente.htm

Als Tipp für Einsteiger: Filme mit Jim Carrey, einem Beziehungstyp mit wunderbar vielseitiger Mimik, z.B. in " Truman Show" oder "Bruce Allmächtig".

Und noch ein Hinweis zum Schluss: Diesen Trick kann man auch mit Familienangehörigen oder Freunden anwenden, wenn man mit seiner Kamera Aufnahmen von ihnen gemacht hat.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 143: Umgang mit kühlem Sommerwetter
Nachdem Petrus umgehend auf meinen letzten Tipp der Woche reagiert und uns kühleres Sommerwetter verordnet hat, gibt mir das die Gelegenheit, auch für diese Wetterlage einige typgerechte Tipps zu formulieren - und damit auf die bestehenden Unterschiede zwischen den Mitgliedern unserer Spezies hinzuweisen.

Tipp für Beziehungstypen: Das durch abgesetzte Freibadbesuche und ausbleibende Neukäufe von Sommerkleidung gesparte Geld ganz klassisch auf dem Sparbuch deponieren.

... für Sachtypen: Mehr körperliche Bewegung hilft zur geistigen Entspannung und vermeidet die Entscheidung (und die entsprechenden Kosten), die Zentralheizung noch einmal anzuschalten.

... für Handlungstypen: Jeder zusätzliche Mensch im Raum heizt ungefähr mit 60 Watt - je mehr Freunde also zum gemeinsamen Essen, Spielen oder Diskutieren eingeladen werden, desto wärmer wird es.

... für Du-Verbundene: Falls die Körperwärme des Partners nicht ausreicht, zusätzlich die eigene Lieblingsdecke zu Hilfe nehmen.

... für Ich-Verbundene: Anstatt selbst zu heizen, eine Kneipe oder andere Orte aufsuchen, an denen viele Menschen anwesend sind oder geheizt wird.

... für Wir-Verbundene: Mit einem guten Freund eine Sportart ausüben, die ausreichend Körperwärme freisetzt.

... für Gegenwartsorientierte: Im Internet nach alten "Tagesschau-Wetterberichten" suchen und sich daran freuen, dass es keine 35 Grad oder mehr hat.

... für Vergangenheitsorientierte: Sich über die kühleren Tage freuen, da die nächste Hitzewelle mit hoher Wahrscheinlichkeit schon vor der Tür steht.

... für Zukunftsorientierte: Auf Temperaturunterschiede im Laufe des Tages achten und an einer relativ warmen, sonnigen Stelle länger als vorgesehen eine Pause einlegen.

... für Fühler: Etwas Wärmendes und Kalorienreiches Essen, um mehr Wärme zu produzieren.

... für Denker: Mehr bewegen, um körpereigene Wärme zu erzeugen - etwas machen, was schon lange überlegt, aber nicht ausgeführt wurde.

... für Macher: Beim Anziehen genau hinspüren, wie viel "Schichten" notwendig sind, um sich wohl zu fühlen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 142: Hitze typgerecht leichter ertragen
Zur Vorbeugung für die nächste Hitzewelle ein paar praktische Tipps, nach Typzugehörigkeit sortiert:

Beziehungstypen: Kein Drama aus der Hitze machen, sondern einfach die heiße Zeit in einem möglichst kühlen Raum aussitzen.

Sachtypen: Geld investieren und eine Klimaanlage anschaffen (und benutzen).

Handlungstypen: Eine "südliche" Haltung einnehmen, nur so viel arbeiten wie unbedingt nötig und ansonsten die Hitze für die Erholung nutzen.

Fühler: Nur gut verdauliche Dinge essen und trinken.

Denker: Etwas machen, das von der Hitze ablenkt.

Macher: Ausreichend und rechtzeitig trinken.

Du-Verbundene: Gut für sich selbst sorgen.

Ich-Verbundene: Alle leiden - das könnte trösten.

Wir-Verbundene: Etwas für das Wohlbefinden des Gegenübers tun macht glücklich!

Gegenwartsorientierte: Überlegen, was während der letzten Hitzewelle geholfen hat.

Vergangenheitsorientierte: Die Wettervorhersage der nächsten Tage, notfalls Wochen ansehen und sich auf kühlere Tage freuen.

Zukunftsorientierte: Jeden Tag mit Hitze seperat betrachten - es bleibt nicht für immer heiß!


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 141: Sexuelle Identität - ZEIT-Artikel
Immer wieder wird unter Psychographen die Frage diskutiert, in wie weit die Geschlechtermerkmale und die Typenmerkmale miteinander korrespondieren - oder wie stark die sexuelle Identität sich in der Gesamtpersönlichkeit auswirkt.

Dieses Frühjahr wurde die so genannte "Rice-Hypothese" bekannt und in der ZEIT veröffentlicht, die ich für sehr bedeutend halte. Ich empfehle dringend, diesen Artikel zu lesen - speziell auch im Hinblick auf die Frage, wie Homosexualität oder Transsexualität entsteht: http://www.zeit.de/2013/11/Homosexualitaet

Das Spannende an der dort beschriebenen Hypothese ist, dass die Entstehung der sexuellen Identität in die Zeit vor die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter - und damit vor die (vermutete) Weichenstellung für unsere Persönlichkeitstypen - eingeordnet wird. Womöglich hatte Dietmar Friedmann auch hier den richtigen Riecher, dass er in seinen frühen Büchern "weibliche" und "männliche" Grundtypen unterschied.

Kurz zusammengefasst ergibt sich aus der "Rice-Theorie", dass wir uns in drei voneinander unabhängigen Entwicklungsstufen eine sexuelle Identität aneignen:
1. Biologisches Geschlecht
2. "Gehirn-Geschlecht" (eher "männliches" oder "weibliches" Gehirn)
3. Sexuelle Präferenz (welches Geschlecht wir als Partner präferieren)

Je nach Differenzierung ergeben sich so zwischen acht und 27 (oder mehr) Varianten, die alle angeboren, natürlich und auch in der Realität vorkommend sind - also etwa ein biologischer Mann mit einem "männlichen" Gehirn und einer sexuellen Präferenz für Frauen (sehr häufig), genauso aber eine biologische Frau mit "männlichem" Gehirn und einer Präferenz für Frauen (seltener).

Mich würde eine Diskussion mit denen interessieren, die den Artikel gelesen haben, weshalb ich diesen "Tipp der Woche" ins Forum kopieren und dort einen Diskussionsfaden unter "Sexuelle Identität" eröffnen werden.  

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 140: Typgerechter Umgang mit Krankheiten (3)
Wie geht man als Handlungstyp-Mensch mit Krankheiten um? Wie geht man mit kranken Handlungstypen (Kindern, Partnern, Eltern, Patienten) um?

Grundgedanke der Psychographie ist, dass zusätzliche bzw. übersehene Lösungspotentiale in den jeweiligen "Ressourcen" zu finden sind. Bei der "Roten Gruppe" sind dies die "gelben" Eigenschaften. Daraus lässt sich zum Beispiel ableiten, dass es Handlungstypen im Umgang mit Krankheiten gut täte, in eine möglichst positive Verbindung zur Krankheit zu gehen, eine eher kindlich-hilflose Haltung zu akzeptieren, sofern diese eintritt und sich auch offen auf neue Menschen (Ärztinnen und Ärzte, Praxis- oder Krankenhauspersonal, Reha-Spezialisten, Bettnachbarn oder Besucher im Krankenhaus etc.) einzulassen und diesen "dumme" oder
neugierige Fragen zu stellen.

Krankheit nur als eine unangenehme Behinderung ihres Tatendranges zu erleben fügt den vorhandenen Beschwerden nur neue hinzu – stattdessen kann auf Krankheiten oder Schmerzen durchaus emotional bis "dramatisch" reagiert werden, also etwa damit, dass der Kranke sich entsprechend schont, die Zeit der Krankheit als eine Art "Urlaub" und "Regenerationszeit" auffasst und nutzt.

Handlungstypen hören häufig nur auf den Rat von Experten, denen sie vertrauen und auch nur dann, wenn diese praktikable und nachvollziehbare Therapien anbieten. Dafür nehmen sie auch hin, "hart angefasst" zu werden oder eine bittere Medizin zu schlucken.

Nach unserer Beobachtung ärgern sich Handlungstypen über ihren Körper, wenn dieser nicht mehr richtig funktioniert. Das kann sogar soweit gehen, dass sie ihren Körper mit seinen Schwächen ablehnen und sich damit nicht mehr vor anderen zeigen möchten, etwa nach einem Schlaganfall oder im Rollstuhl. In dieser Situation sollten
Handlungstypen von ihrer Krankheit durch etwas Stärkeres, Emotionales und Positives abgelenkt und ihnen dabei geholfen werden, ihre Gesamtsituation freundlicher einzuschätzen – etwa, indem sie ihren Zustand mit dem anderer, denen es noch schlechter geht, in Relation setzen. Auch auf praktische Vorschläge, wie die "erzwungene Auszeit" aktiv genutzt werden könnte, dürften Handlungstypen sehr gut reagieren. Manchmal sind hier von Angehörigen, Therapeuten oder Ärzten klare
Ansagen und deutliche Worte notwendig, um bis ans Herz vorzudringen.

Eventuell gelingt es sogar noch, dem Erkrankten "nebenbei" die Botschaft zu vermitteln, dass er nicht nur für sein perfektes Funktionieren respektiert, sondern auch als Mensch geliebt wird - oder dass für die Zeit nach der Krankheit klare Absprachen über die notwendigen Konsequenzen getroffen werden müssen.

Text: Sebastian Kirsch und Werner Winkler
Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 139: Typgerechter Umgang mit Krankheiten (2)
Wie geht man als Sachtyp-Mensch mit Krankheiten um? Wie geht man mit kranken Sachtypen (Kindern, Partnern, Eltern, Patienten) um?

Grundgedanke der Psychographie ist, dass zusätzliche bzw. übersehene Lösungspotentiale in den jeweiligen "Ressourcen" zu finden sind. Bei der "Blauen Gruppe" sind dies die "roten" Eigenschaften. Daraus lässt sich zum Beispiel ableiten, dass es Sachtypen im Umgang mit Krankheiten gut tut, die Option "weglassen" bzw. "Nein-Sagen" in Betracht zu ziehen, ebenso körperliche Bewegung, Ernährung, Sauna, Massagen usw. - Sachtypen neigen dazu, Krankheiten eher geistig-mental anzugehen oder gar, sie mit dem Schicksal, dem Planetenstand, göttlichen Strafen, dem Karma etc. in Verbindung zu bringen (und daraus den Schluss zu ziehen, selbst kaum Einfluss auf Entstehung oder Fortgang zu haben) - wohingegen häufig am Ende eine eher praktische Verhaltensänderung und nicht "die geistige Welt" die erhoffte Besserung bringt.

Zur Besserung verhilft Sachtypen oft auch das Umschalten vom minimalistischen auf ein maximales Prinzip: also nicht mehr "so wenig Aufwand und Risiko wie möglich" (homöopathisches Mittel in minimaler Dosierung), sondern "viel hilft viel" (Antibiotika wie vom Arzt empfholen) einzusetzen und mutig Dinge auszuprobieren, die Aufwand, Energie und Mühe kosten und bei denen noch nicht abzusehen ist, ob sich das alles auch "rechnet".  

Und im Umgang mit einem kranken Sachtypen: Nicht zu viel Aufmerksamkeit auf die Krankheit an sich, sondern mehr auf die bereit erprobten Aktivitäten in Richtung Besserung lenken - auch auf die Erfolge anderer, die nachgeahmt werden können. Da Sachtypen sehr leidensfähig sind, ist damit zu rechnen, dass sie im kranken Zustand noch mehr als gewöhnlich "jammern" (sachlich und ausgiebig feststellen, wie schlecht ihr Zustand gerade ist), aber eher wenig dagegen tun, diesen Zustand zu beenden.

Nach meiner Beobachtung nutzen Sachtypen ihre Krankheiten gerne als gutes Argument für eine Auszeit von der Erwerbsarbeit, vor allem dann, wenn sie trotzdem "versorgt" werden, z.B. durch eine Berufsunfähigkeitsrente oder Krankengeld. Das Kranksein scheint dann weniger schlimm als der kräftezehrende Beruf oder eine große Verantwortung, die man im gesunden Zustand tragen müsste. Ein attraktives neues Ziel - etwa eine neue berufliche Perspektive - kann hier also auch gesundheitliche Wunder bewirken und den Heilungsprozess beschleunigen, weshalb in solchen Fällen der Fokus eher auf einer Veränderung der "krankmachenden" Umstände liegen sollte als auf der Krankheit selbst.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 138: Typgerechter Umgang mit Krankheiten (1)
Wie geht man als Beziehungstyp-Mensch mit Krankheiten um? Wie geht man mit kranken Beziehungstypen (Kindern, Partnern, Eltern, Patienten) um?

Grundgedanke der Psychographie ist, dass zusätzliche bzw. übersehene Lösungspotentiale in den jeweiligen "Ressourcen" zu finden sind. Bei der "Gelben Gruppe" sind dies die "blauen" Eigenschaften. Daraus lässt sich zum Beispiel ableiten, dass es Beziehungstypen im Umgang mit Krankheiten gut tut, nicht zu dramatisieren, den Ursachen sachlich und vertieft auf den Grund zu gehen, die vorhandenen Probleme einzeln und konzentriert anzugehen. Oder auch, vorsichtiger und sorgsamer mit dem eigenen Körper umzugehen, sich Fachwissen anzueignen oder Experten zu befragen - auch mehrere Optionen in Betracht zu ziehen, dafür Zeit und Geld zu investieren usw.

Und im Umgang mit einem kranken Beziehungstypen: zum einen den liebevollen Kontakt halten, sich nicht wundern, wenn die kindliche Seite noch stärker als gewöhnlich zum Vorschein kommt - und ihm dann ein freundlicher Begleiter durch die Zeit der Krankheit sein, seine Leidensfähigkeit, Ausdauer und Geduld stärken - und vor allem die "gelben" Schwachstellen wie übertriebene Dramatik, Hektik oder Oberflächlichkeit nicht noch zu verstärken.

Und zuletzt: auch das zeitweise Ignorieren einer (nicht lebensbedrohlichen) Beschwerde und das Hoffen auf die Heilkraft der Zeit - oder schlicht ein warmer Pudding, ein Lieblingseis, eine Tasse Tee, ein gutes Wort - können ungeahnte Heilkraft entfalten!


Text und Redaktion: Werner Winkler  
Tipp Nr. 137: Typgerechtes Lernen nach Maß
Mehrere Gespräche mit "Lernwilligen", u.a. mit einem Berater-Kollegen in letzter Zeit haben mich intensiver über typgerechtes, selbst gesteuertes Lernen und meine bisherigen Lehrerfahrungen nachdenken lassen.

Nachdem besagter Berater eine sehr strukturierte Ausbildung hinter sich gebracht hatte, entdeckte er den typgerecht-lösungsorientierten Beratungsansatz und fragte mich nun, wie er diesen möglichst gut erlernen könne. Seine Vorstellung (zu Beginn unseres Gesprächs) gingen in Richtung eines festen "Lehrplans" und einer bestimmten Anzahl von Stunden, die er dann ableisten würde - so wie das in vielen Ausbildungsinstituten immer noch üblich ist.

Als ich ihm von der Idee des selbstgesteuerten Lernens erzählte und ihm die Verantwortung für seine Ausbildung anbot, war er zuerst überrascht, dann aber erleichtert. Auch die Möglichkeit, neben Gruppenangeboten Einzelunterricht buchen oder per Telefon über das von ihm selbst erlesene und ausprobierte Fachwissen reflektieren bzw. Beratungsgespräche am Telefon üben zu können, gefiel ihm gut.

"Typgerechtes Lernen nach Maß" bedeutet also die Auswahl der Lernthemen nach den jeweiligen individuellen Interessen oder Lücken des Lernenden (seine "Lernfenster") und auch die Reihenfolge der Themen, denen man sich widmen möchte, liegt in seiner Verantwortung und werden nicht vom Curriculum einer Schule oder den Eigeninteressen eines Lehrenden vorgegeben.

Ein weiterer Vorteil des eigenverantwortlichen Lernens besteht darin, sich frei zwischen den Angeboten verschiedener Schulen, Lehrer oder Angebote bewegen und sich so das optimal passende Lernumfeld gestalten zu können, um das selbst gesteckte Ziel auch möglichst gut zu erreichen - also eher in "Modulen" zu denken als in "Gesamtpaketen".

Dass sich auf diese Weise fast von selbst auch ein typgerechter Lehrplan ergibt, scheint selbstverständlich - und meine Erfahrung nach einem Jahr "Coachingschule" (s. www.coachingschule-waiblingen.de) spricht ebenfalls dafür, in dieser Richtung zu arbeiten und nicht nach den Vorgehensweisen, wie sie an den meisten staatlichen Bildungseinrichtungen gepflegt werden.
  

Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 136: Vom Du zum Ich
Lange bevor 1998 das "Wir" Einzug in das psychographische Modell hielt, beschrieb Dietmar Friedmann den Unterschied zwischen dem "ich-vergessenden" und dem "ich-bezogenen" Typus Mensch - den er bei allen drei Grundtypen beobachtete. Da aber noch keine Triade vorhanden war, konnten auch keine typgerechten Tipps aus dieser Unterscheidung abgeleitet werden. Trotzdem ist der Entwicklungsweg "vom Du zum Ich" so gesehen mit der älteste im Modell.

Ziel der Entwicklungsarbeit ist es also, eine vorhandene Übertreibung der "Du-Verbundenheit" durch eine verstärkte Betonung des "Ichs" bzw. der "Ich-Verbundenheit" auszugleichen. Wenn also jemand zu sehr auf die Bedürfnisse, Werte, Ansichten etc. seiner Gegenüber eingeht und dabei sein "Eigenes" permanent in den Hintergrund stellt, hilft ihm dieser Entwicklungsschritt. Wie bei den anderen Schritten in den Triaden auch lässt sich ein Training aus (mindestens) drei Perspektiven ableiten:
a) durch die Vermehrung der eigenen Ausnahmen (also in diesem Fall von Zeiten und Aktivitäten, in denen das eigene Ich bereits ausreichend Raum und Beachtung bekam);
b) durch die Beobachtung und Nachahmung von Menschen, bei denen die "Ich-Verbundenheit" deutlich stärker entwickelt ist und die so als Vorbilder dienen können; und
c) durch die Formulierung von klaren Zielen und Schritten dahin, die hypothetisch vorgeben, bei welchen Gelegenheiten sich eine verstärkte "Ich-Verbundenheit" konkret zeigen soll.

Immer wieder zeigen sich du-verbundene Klienten im Coaching oder der Paarberatung  überrascht, wie wenig Raum, Zeit, Geld, Zuneigung, Fürsorge, Respekt, Energie oder Aktivitäten sie sich selbst, ihrem "Eigenen" einräumen - und wie viel im Vergleich dazu sie ihren Kindern, Partnern, Vorgesetzten, Eltern etc. schenken.

So gesehen gehört dieses schlichte Dreieck aus Du-Ich-Wir mit zu den wertvollsten Werkzeugen, die ich für meine Beratungstätigkeit entdeckt habe.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 135: Vom Wir zum Du
Nachdem es beim letzten Mal um den Weg "vom Ich zum Wir" ging, möchte ich nun den Ausgleich einer übertriebenen Wir-Verbundenheit durch stärkere Du-Verbundenheit beschreiben.

Ein aktuelles Beispiel ist der Vergleich der Wahlslogans von SPD ("Das Wir entscheidet") und Grünen ("Hier bist Du entscheidend"). Während im ersten Fall der Fokus auf die Gemeinschaft gelegt wird, tritt im zweiten Fall das Individuum in den Vordergrund. Kritisch könnte man auch anmerken, dass in einer übertrieben auf das "Wir" ausgerichteten Gruppe der Einzelne austauschbar ist und nicht als bedeutend gesehen wird. Andererseits ist nicht klar, wie in einer so großen Gruppe wie einer Partei der Einzelne (das "Du") ganz konkret (mit-)entscheidend sein soll. Wird so eine Aussage nicht durch konkrete Beispiele belegt (z.B. über Mitgliederentscheide), klingt sie rasch unglaubwürdig.

Für die Persönlichkeitsentwicklung lautet der Rat für die "Wir-Verbundenen" (Bsp. Angela Merkel, Jogi Löw, Barack Obama), ihre "Du-Bezüge" stärker zu beobachten, ihnen mehr Zeit und Aufmerksamkeit einzuräumen - vor allem dann, wenn man sich in einer "Wir-Situation" befindet. Beispiel: Ein "Wir-Mensch" feiert eine Geburtstagsparty und achtet (gemäß seinem Naturell) darauf, dass es allen gleichmäßig gut geht. Nun spricht ihn ein alter Freund an, den er schon lange nicht mehr gesehen hat und fragt, wie es ihm geht. Der "Wir-Impuls" wäre, nur kurz mit ihm zu sprechen und wieder nach allen zu sehen. Mehr "Du" hieße jetzt, sich für eine längere Zeit auf ihn einzulassen oder bewusst ein Treffen oder Telefonat zu vereinbaren, um die Du-Verbindung zu pflegen. Oder für einen wir-verbundenen Politiker: während einer Rede, die "an alle" gerichtet ist, auf einen Zwischenruf einzugehen oder sich auf eine einzelne Person im Publikum zu beziehen.

Mehr "Du" heißt also, den Einzelnen mit seinen Bedürfnissen, Meinungen oder Ideen ernster zu nehmen und nicht automatisch das "Wohl der Gruppe" über den Einzelnen zu stellen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 134: Vom Ich zum Wir
Durch den Wahlslogan der SPD "Das Wir gewinnt" und die Analyse von Journalisten zur starken Ich-Bezogenheit des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück angeregt, möchte ich ein paar Tipps geben, wie "mehr Wir" gelingen kann.

Grundsätzlich empfehle ich stets die lösungsorientierte Vorgehensweise - also zu beobachten, bei welchen Gelegenheiten bereits etwas von der verstärkt gewünschten "Wir-Verbundenheit" auftaucht - und das dann öfters zu wiederholen.

Beispiele: Ein Gefühl für die Wir-Verbundenheit könnte bei einem Besuch im Stadion entstehen, ebenso bei Sportarten, bei denen es besonders auf das Zusammenspiel und die Teamharmonie ankommt (Fußball, Volleyball, Handball). Auch das Singen in einem Chor, das Musizieren in einem Orchester, das gemeinsame Grillen, Kochen, Essen, eine Wanderung in der Gruppe oder ein Paartanz kann dieses Lebensgefühl verstärken.

Letztlich ist die Wir-Verbundenheit aber nur subjektiv erlebt werden - von außen können nur Anregungen kommen, genauer wahrzunehmen, was gerade geschieht.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 133: Sex, Drugs and ...
Neulich wurde ich gefragt, ob denn "Sex, Drugs and Rock-n-Roll" zu den "Triaden" in der Psychographie gehören würde. Aber ähnlich wie bei "Wein, Weib und Gesang" oder "Kinder, Küche, Kirche" scheint es sich hierbei nur um eine Zusammenstellung von drei Begriffen zu handeln, die einfach drei Aspekte einer Sache beleuchten.

Sie zeigen aber weder eine deutliche Zuordnungsmöglichkeit zu den drei Farben im Modell noch einen Prozessfortschritt - was sie zu einer Triade machen würde.

Drei Tipps der Woche daher:
1. (noch) einmal die Geschichte der Triaden auf www.123modell.de/modul035.htm in Ruhe nachlesen und sich von den dort aufgelisteten (und per "Anklicken und Ziehen" downloadbaren) Triaden-Bildern eine Lieblings-Triade aussuchen und dem Autor eine E-Mail schreiben, welche das ist und warum
2. sich kostenlos das neue Mini-E-Book "Die dritte Alternative" beim Autor dieser Tipps anfordern - oder
3. sich dieses Buch bei Amazon-Kindle kaufen, es lesen und bei Gefallen an möglichst viele interessierte Bekannte verschenken.

Rätselfrage zum Schluss: Lassen sich diese drei Tipps den drei Grundtypen zuordnen - Ja, Vielleicht oder Nein?


Text und Redaktion: Werner Winkler
E-Mail: wewinkler@t-online.de
Tipp Nr. 132: So tun als ob
Ein Beziehungstyp-Jugendlicher leidet (je nach Tageszeit mehr oder weniger dramatisch) darunter, dass er "allein" ist - also noch keine Freundin hat wie andere in seiner Clique. Gleichzeitig kultiviert er in Form von Tagebucheinträgen oder beim Hören melancholischer Lieder seine Sehnsucht. Beides in Kombination führt dazu, dass er sich immer weiter von der Realität entfernt und in eine Traumwelt abgleitet (praktisch: die Schule vernachlässigt).

Besonders hilfreich für ihn war der Tipp des Beraters (zu dem ihn seine Mutter geschickt hatte), sich einmal probeweise an einzelnen Tagen so zu verhalten, "als ob" er wie die anderen schon eine Freundin hätte. Als er sich diesen Gedanken zu eigen macht, erkennt er, dass große Teile seines Alltags überhaupt nicht anders verlaufen würden - und dass er viel von dem, was er von einer Freundin erwartet, schon jetzt (im Zusammensein mit seinen Freunden, in seinem Sportverein oder seiner Familie) vorhanden ist.

Zudem beobachtet er realistischer, welche "Nebenwirkungen" Freundinnen bei seinen Kumpels haben - dass also nicht "alles besser" wird, wenn man vom jugendlichen Singleleben zum Status "in fester Beziehung" wechselt. Infolge dessen gelingt es ihm nun eher, sein derzeitiges "Sein", (seinen Status als Single) mit seinen Freiheiten zu genießen und realistischer einzuschätzen, was eine Freundin in seinem Leben verändern würde.

Und das Wissen darum, dass er als Relationiker-Mensch "so ist, wie er ist", also unvermeidlich auf Beziehungsdinge besonders anspricht, emotional und dramatisch reagiert usw. - diese Erkenntnisse - schwarz auf weiß (in einer gedruckten Broschüre und nicht nur auf irgend einer Internetseite) nachzulesen - üben eine beruhigende und versachlichende Wirkung auf ihn aus. "Das hätte ich gerne schon vor ein paar Jahren von meinen Eltern oder einem Lehrer gehört und nicht erst, nachdem ich wegen Probleme in der Schule zu einem Berater geschickt wurde." - so sein Fazit nach dem "Aufklärungsgespräch".

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 131: Zum Naturell passende Arbeit
Eine Sachtyp-Frau beklagt sich im Coaching: alle ihre Kollegen und Kolleginnen seien erfolgreicher als sie, sogar "Neuankömmlinge" könnten bessere Verkaufszahlen vorweisen als sie, die am längsten in in diesem Team arbeitet. Der täglich sichtbare Misserfolg nagt massiv an ihrem Selbstbewusstsein.

Wir reden über ihre früheren Erfolge und über Erfolge außerhalb der Arbeit. Es wird klar: Sie ist dann gut, wenn sie nicht unter Erfolgsdruck gesetzt ist und "Zahlen" vorweisen muss, sondern ihre Arbeit in Ruhe, Gelassenheit und in einem Bereich machen kann, in dem ihre besonderen Kenntnisse und Erfahrungen gefordert sind.

Als ich sie dann noch über die Naturellunterschiede und die zu ihrem "blauen" Naturell passenden Berufe bzw. Arbeitsbedingungen aufkläre, entwickelt sie ein sehr motivierendes Zielbild und die dazu gehörigen Zwischenschritte - und ihr fällt auf, dass dieses Ziel fast genau dem entspricht, was sie zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn "aus dem Bauch heraus" als für sich passend angedacht hatte.

Abgelenkt wurde sie - eine typische Falle für ihre Typgruppe - durch das Versprechen ihres Arbeitgebers, in dieser Position sehr bequem gutes Geld verdienen zu können. Dass ein fast nur an Provisionszahlungen orientierter Job jedoch nicht zu ihr passt, war ihr damals nicht bewusst - ebenso wenig wie die Tatsache, dass sie schlecht "ein bisschen lügen", Fakten unterschlagen oder Druck aufbauen kann, um einen Kunden zu einem Vertragsabschluss zu bringen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 130: Lastesel oder Pumajunges?
Im Coaching verwende ich gerne Tierbilder, um unterschiedliche innere Haltungen zu benennen und verfügbar zu machen.

Ein sehr typisches Beispiel dafür zeigte mir neulich ein Handlungstyp-Klient: In seinen "guten Zeiten" (den so genannten Ausnahmezeiten) zeigt er eine Haltung, die er auf meine Nachfrage und längeres Nachdenken "Pumajunge-Haltung" nennt, in den stressigen Zeiten fühlt er sich wie ein Lastesel.

Im Anschluss an die Unterscheidung beider Haltungen folgt nun eine Trainingsphase: Er muss sich beobachten, wann er welche Haltung einnimmt und wie er von der "Lastesel-" in die "Pumajunges-Haltung" wechseln kann. Damit erweitert er seine Kompetenzen und macht sich bewusster, was er bereits richtig macht (also im Sinne seines Zielbildes, das mehr "Puma-Zeiten" beinhaltet.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 129: Prominente beobachten - Papst Franziskus
Für unsere Reihe "Prominente beobachten" gibt es aktuell einen spannenden "Fall", nämlich den neuen Papst Franziskus. Da er bisher den Allermeisten von uns unbekannt war und die letzten Wochen sehr viel über ihn berichtet wird, ergeben sich viele Beobachtungspunkte. Zudem befindet sich dieser Mann in einer persönlichen Ausnahmesituation, was nach unserer Erfahrung die Chancen erhöht, "typspezifisches" Verhalten zu entdecken.

Beobachten wir also auf den uns zugänglichen Kanälen das äußerlich Sichtbare, dann sehen wir einen Menschen mit einer meist freundlichen und emotional gefärbten Mimik. Wir lesen und hören davon, dass er seine neuen Umgebung durch Spontanität und Unberechenbarkeit überrascht. Er geht einfach auf Besucher zu, durchschreitet von sich aus Sicherheitssperren, um Kinder zu küssen, ignoriert das Protokoll oder verweigert sich lautstark und hörbar Traditionen, die er nicht mag.

Gleichzeitig tauchen aus seiner Heimat zahlreiche "menschelnde" Geschichten von nahen Freunden, unkonventionellem Verhalten oder früheren Freundinnen auf. Er fährt lieber mit einem alten Passat oder dem Bus, als mit einer gepanzerten Limousine, geht mal eben seine Hotelrechnung bezahlen, kauft selbst im Supermarkt ein oder plaudert mit Journalisten darüber, wie er auf die Wahl seines Papstnamens kam. Und statt einem lateinischen Segensspruch, den man von ihm erwartet, bittet er um den Segen der Zuhörer und wünscht ihnen einen guten Appetit.

Ohne mich nun auf die Typvermutung "Beziehungstyp/Relationiker" festlegen zu wollen, ist der Unterschied zu seinen Amtsvorgängern Benedikt (höchstwahrscheinlich Handlungstyp/Aktioniker) und Johannes Paul (höchstwahrscheinlich Sachtyp/Temporiker) doch so überdeutlich, dass es mich überraschen würde, wenn es sich mit diesem "gelben" Verhalten nur um ein vorübergehendes Phänomen handeln würde.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 128: "Rote" Liebe
Im gerade wieder aufgelegten Buch "Der Gorilla in meinem Bett" wurden u.a. drei unterschiedliche Startpunkte für Liebesbeziehungen aufgeführt, die zu den drei Grundtypen gehören.

Da dieses Thema auch immer wieder in meinen Beratungs- und Coachinggesprächen auftaucht und zu deutlich besserem Verständnis für den Partner führt, will ich an die Unterschiede zwischen den drei Arten von Liebe erinnern, von denen jeder von uns - entsprechend seinem Naturell - eine bevorzugt.

Heute: Die "rote" Liebe, wie sie von Handlungstypen/Aktionikern bevorzugt geschenkt, erwartet und benötigt wird und bei Sachtypen/Temporikern eher zu kurz kommt.

Zur "roten Liebe" gehören Verlässlichkeit, Pflichterfüllung, Versorgungswillen, körperlicher Ausdruck, Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme, starker Wille zum Festhalten an der (äußerlich demonstrierten) Verbindung oder zur Familien- bzw. Gruppenbildung, zur Arbeit an der Beziehung.

"Rote Liebe" äußert sich auch als Liebe zur Arbeit, zu einer als wertvoll empfundenen Tätigkeit bzw. als Zuneigung zu Tieren, Pflanzen (Garten) oder zu besonders schönen Objekten wie Autos, Häusern oder Kunstgegenständen.

Im extremen Fall (extreme Fälle sind bekanntlich oft lehrreicher als andere) äußert sich die "rote Liebe" so, dass ein Handlungstyp zwar den gesellschaftlichen Rahmen "Ehe" und seine Rolle darin liebt, jedoch eher wenig Zuneigung zum Ehepartner spürt oder sich besonders interessiert an der Pflege der persönlichen Beziehung zueinander zeigt.

Das Wissen um diese Unterschiede kann durchaus das Verständnis für den Partner und sein Verhalten erhöhen, selbst wenn man nicht damit einverstanden ist.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 127: "Blaue" Liebe
Im gerade wieder aufgelegten Buch "Der Gorilla in meinem Bett" wurden u.a. drei unterschiedliche Startpunkte für Liebesbeziehungen aufgeführt, die zu den drei Grundtypen gehören.

Da dieses Thema auch immer wieder in meinen Beratungs- und Coachinggesprächen auftaucht und zu deutlich besserem Verständnis für den Partner führt, will ich an die Unterschiede zwischen den drei Arten von Liebe erinnern, von denen jeder von uns - entsprechend seinem Naturell - eine bevorzugt.

Heute: Die "blaue" Liebe, wie sie von Sachtypen/Temporikern bevorzugt geschenkt, erwartet und benötigt wird und bei Beziehungstypen/Relationikern eher zu kurz kommt.

Zu ihr gehören Ernsthaftigkeit, Dauer, Tiefe, Innigkeit, das Erkennen und Verstehen des Gegenübers und seines geistigen Seinskerns, die spirituelle Überhöhung oder Verankerung der Liebe, Zartheit, dezente-vorsichtige Annäherung, Geheimnisse, tiefe und über lange Zeit haltbare Freundschaft (auch ohne gemeinsame Aktivitäten).

"Blaue" Liebe äußert sich ebenso als Liebe zu einer Leidenschaft, einem Fachthema, einem Anliegen von hohem ethischem Anspruch - aber auch in der (gelegentlich übersteigerten) Liebe zu Geld, Erfolg und Sicherheit.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 126: "Gelbe" Liebe
Im gerade wieder aufgelegten Buch "Der Gorilla in meinem Bett" wurden u.a. drei unterschiedliche Startpunkte für Liebesbeziehungen aufgeführt, die zu den drei Grundtypen gehören.

Da dieses Thema auch immer wieder in meinen Beratungs- und Coachinggesprächen auftaucht und zu deutlich besserem Verständnis für den Partner führt, will ich an die Unterschiede zwischen den drei Arten von Liebe erinnern, von denen jeder von uns - entsprechend seinem Naturell - eine bevorzugt.

Heute: Die "gelbe" Liebe, wie sie von Beziehungstypen/Relationikern bevorzugt geschenkt, erwartet und benötigt wird und bei Handlungstypen/Aktionikern eher zu kurz kommt.

Zu ihr gehören Freude, Spiel und Spaß, Leichtigkeit, Lockerheit, kindliches Verhalten, Kosenamen, Fantasie, Tagträumereien und die Betonung der Beziehung, der Verbundenheit an sich - als zweckfreien Wert, auch ohne tiefe geistige Fundierung oder die Möglichkeit, sie auch körperlich auszuleben.

Diese Art von Liebe kann sich durchaus auf weit entfernte Personen, auf ein Stofftier, einen Popstar, eine mythische Figur oder einen nur in der Fantasie existierenden "Idealpartner" richten. Sie hat helfende und rettende Qualitäten, begleitet von starken und als unkontrollierbar erlebten Emotionen, etwa der Sehnsucht, der Hilflosigkeit oder der Begeisterung.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 125: Promis beobachten - Die Queen/die Royals
Da ich zwischen dem scheidenden Papst und der Queen nicht nur vom Alter und vom psychographischen Typus her (Handlungstyp+Fühler) gewisse Ähnlichkeiten sehe, würde es mich nicht wundern, wenn sie - was Handlungstypen gerne machen - dem Vorbild eines anderen Menschen, also z.B. dem Joseph Ratzingers, folgen und sich noch zu Lebzeiten von ihrem Amt zurückziehen würde.

Typisch für einen Handlungstyp finde ich bei ihr etwa die starke Betonung von Etikette und Äußerlichkeiten, die (zum Beispiel beim Tod Dianas) sehr zurückgenommene Emotion und Mimik sowie das lange über das Rentenalter hinaus anhaltende Pflichtgefühl für die einmal übernommene Verantwortung.

Ob nun dadurch oder durch andere Schlagzeilen - es dürfte dieses Jahr immer wieder Gelegenheiten geben, die britische Königsfamilie aus psychographischer Sicht zu beobachten. Deshalb hier meine Typverdacht-Liste der wichtigsten Akteure:

Die Queen: Handlungstyp/Aktioniker
Charles: Sachtyp/Temporiker
Camilla: Sachtyp/Temporiker
Harry: Handlungstyp/Aktioniker
William: Beziehungstyp/Relationiker
Kate: Beziehungstyp/Relationiker

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 124: Promis beobachten - Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI.
Mein bisheriger Typverdacht für den noch amtierenden Papst lautet auf Handlungstyp+Fühler - und wurde durch den Rücktritt selbst und seine Umstände verstärkt.

Typisch für die Kombination Handlungstyp+Fühler ist ein sehr genaues Wahrnehmen des Körpers, speziell natürlich von dem, was nicht mehr funktioniert. Wird dies zu viel (das, was nicht mehr funktioniert), fühlt er sich in seinem Handlungsspielraum eingeschränkt.

Zudem möchte dieser Typus nur ungern öffentlich Schwäche zeigen - im Gegensatz zum letzten Papst, den ich als Sachtyp eingeschätzt habe. Lieber zieht er sich jetzt ins Privatleben zurück und legt die Verantwortung in andere Hände.

Passend auch die Einschätzung von Kennern des Papstes, er hätte die Herzen der Menschen nicht erreicht und sei eher ein Theologe und Lehrer - oder, dass er mehr hätte kommunizieren sollen, sich etwa persönlicher um die Opfer des Missbrauchsskandals kümmern anstatt spitzfindigen theologischen Fragen nachzugehen.


Vielleicht gibt es in den nächsten Monaten ja Gelegenheit, die private Seite von Joseph Ratzinger kennen zu lernen?


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 123: Promis beobachten - Hillary Clinton
Bevor ich mich im "Tipp der Woche" auch wieder anderen Themen als der Beobachtung von Prominenten zuwende, zum Ausgleich (für diejenigen, die mitzählen) noch eine Handlungstyp-Frau: Hillary Clinton.

Sie ist nach dem Ende ihrer Amtszeit als US-Außenministerin zwar nicht mehr so häufig in den Medien vertreten, dafür dürfen wir aber vielleicht wieder mehr private Hinweise von ihr erwarten und so unseren Typverdacht festigen.

In einem aktuellen und sehr lesenswerten Artikel im Berliner Tagesspiegel (http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/mit-frischer-energie-hillary-clinton-inszeniert-sich-neu/7699872.html) wird ihr Wechsel vom Beruflichen ins Private beschrieben, ebenso ihr Leistungspensum der letzten vier Jahre im Amt.

Und wie es bei einem Aktioniker nicht anders zu erwarten ist, wird über ihre beruflichen Ziele spekuliert - also, ob sie die nächste US-Präsidentin werden will. Interessant auf dem psychographischen Hintergrund sind in diesem Artikel auch Details wie das "magentarote Kleid", das sie trägt oder dass Sie Barack Obama "meinen Präsidenten" nennt.

Oder wie sie sich körperlich ausgepowert hat für ihre Pflicht und am Ende der Amtszeit einen Zusammenbruch hatte und Wochen brauchte, um wieder fit zu sein. Es ist ihr nur zu wünschen, dass sie nicht in die für Handlungstypen so typische Falle (schlagartiker Aktivitätsabfall) tritt und kurz nach dem Ende des (bisherigen) Berufslebens einen Schlaganfall oder Herzinfarkt bekommt.

Wobei - wenn man einem Bericht glauben darf - sie immer noch beträchtliche Schulden aus dem Wahlkampf gegen Obama vor fünf Jahren hat - und um die abzutragen wird sie sicher den einen oder anderen Job annehmen. Insofern lohnt es sich, sie weiter unter Beobachtung zu halten und zu sehen, wie sich ein Handlungstyp im fortgeschrittenen Alter verhält und ob sie es auch einmal "genug" sein lassen kann oder ein neues Ziel braucht.

Text und Redaktion: Werner Winkler   
Tipp Nr. 122: Promis beobachten - Angela Merkel
Dass wir als Psychographen bei den Promis immer wieder sehr typische Merkmale sehen, verwundert ja nicht weiter. Spannend finde ich aber, wenn das auch Journalisten tun, die (vermutlich) nichts von den Typunterschieden wissen.

Tipp der Woche also am Beispiel von Angela Merkel: Öfters mal lesen, was die Journalisten so schreiben - wie hier der Soziologe Ulrich Beck in der FAZ vom 17.1.

"Angela Merkel hat eine Methode „Merkiavelli“ entwickelt, eine Verbindung zwischen Machiavellis und Merkels Machtpolitik. Ein charakteristisches Merkmal davon ist ihre Neigung zum Nicht-Handeln, Noch-nicht-Handeln, Später-Handeln, zum Zögern. In ihrem machtpokernden Jein erfahren die auf Kredite angewiesenen Länder und Regierungen ihre Abhängigkeit von der Zustimmung Deutschlands und damit immer wieder aufs Neue ihre Ohnmacht."

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/im-gespraech-soziologe-ulrich-beck-ueber-den-merkiavellismus-12027300.html

An diesem Beispiel und der "Ohnmacht", die solch extrem sachtypisches Verhalten bei anderen Beteiligten zuweilen auslöst, lässt sich das Leiden speziell der Handlungstypen unter dem sachtypischen Zögern und Zaudern gut nachvollziehen - und so vielleicht besser aushalten.

Sehr interessant und auf Youtube nochmal lohnenswert nachzusehen ist ihre Pressekonferenz nach der verlorenen Niedersachsen-Wahl. Da konnte sie ihre Gesichtszüge kaum kontrollieren, zeigte aber doch die sachtypische Ehrlichkeit, als sie zugab, dass der Wahlabend trotz der Niederlage "spannend" gewesen sei. Oder ihr typisch "blauer" Humor: beim Besuch auf der Grünen Woche sprach sie einen Bauern an und fragte, "ob noch Fleisch im Antibiotika wäre".

Und zur typbedingt extremen Gelassenheit passt der Kommentar eines Journlisten zu Merkels Reaktion auf die EU-Austrittsdrohungen des britischen Regierungschef Cameron: Sie habe ihm mit "maximaler Gelassenheit bestraft".

Eine lange Liste mit Prominentennamen und meinem Typverdacht findet sich übrigens auf www.psychographie.de/prominente.htm


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 121: Promis beobachten - Barack Obama
Barack Obama tritt seine zweite Amtszeit als US-Präsident an. Bei dieser Gelegenheit und der häufigen Medienpräsenz können wir nochmal dem vorhandenen Typverdacht (Beziehungstyp/Relationiker, wir-verbunden, Denker, zukunftsorientiert) nachgehen.

Was mir immer wieder auffällt ist seine positive Grundhaltung - er macht Hoffnung, verweist auf das Gute und Wertvolle, verbreitet Begeisterung über sein Land und das bisher dort positiv Erreichte. Kritische Punkte blendet er fast konsequent aus.

Auffallend auch sein starkes Wir-Gefühl (beides im Slogan "Yes, we can" sichtbar oder wie in seiner zweiten Antrittsrede in der ständigen Betonung des "We, the people ...") - nicht nur im Bezug auf Amerika insgesamt, sondern auch in Richtung seiner Familie.

Sein Motto "Change" (Veränderung) klingt sehr nach Beziehungstyp, ebenso die recht vielen nicht gehaltenen Versprechen, sein lockerer Ton und sicher auch seine Bereitschaft, als Retter und Helfer aufzutreten (Banken- und Unternehmensrettung).

Wenn man sich Fotos von ihm anschaut (z.B. auf picsearch.de) fallen die vielfältigen Grimassen und seine beziehungstypisch stark ausgeprägte Mimik auf. Und dass er die Beziehung zu seiner Frau stärker präsentiert als alle mir bekannten Präsidenten zuvor, lässt mich ebenfalls an den "Gelben" denken.

Was für den Untertyp "Denker" bei ihm spricht, ist seine Fähigkeit, über ihm vertraute Themen sehr bildhaft und begeisternd zu reden. Wenn er aber zu Dingen gefragt wird, über die er selten oder zum ersten Mal spricht (wie beim Sturm Sandy in New York zu sehen), verfällt er ins Denker-typische Stocken und sein Redefluss ist deutlich gebremst.

Weitere Beobachtungen können im Forum unter "Promis" gepostet und diskutiert werden.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 120: Promis beobachten - Michelle Obama
Demnächst wird Barack Obama seine zweite Amtszeit als US-Präsident antreten. Bei dieser Gelegenheit wird voraussichtlich verstärkt über ihn und seine Frau Michelle berichtet, so dass wir nochmal dem vorhandenen Typverdacht von Michelle (Handlungstyp/Aktioniker) nachgehen können.

Was Michelle betrifft, erinnert mich ihre Vorliebe für hochwertige und stilvolle Kleidung an handlungstypisches Verhalten. Ebenso aber ihre loyale und sehr "mütterliche" Haltung und - was recht selten zu sehen ist - ihre Bereitschaft, für ihren Mann und die gemeinsame Sache kämpferisch aufzutreten (im Wahlkampf trat sie ab und zu auf). Außerdem zeigt sie einen typisch "roten" Gesichtsausdruck, der sehr an andere Handlungstypen (z.B. an die Schauspielerin Sigourney Weaver) erinnert.

Weitere Beobachtungen können im Forum unter "Promis" gepostet und diskutiert werden.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 119: Promis beobachten - Klaus Wowereit
Am Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der in den letzten Wochen viel in den Schlagzeilen war, lässt sich recht gut ein Beziehungstyp beobachten.

Erst ignoriert oder übersieht er jahrelang die vorhandenen Probleme bei dem von ihm mit zu verantwortenden Flughafenbau, dann spielen Zeit, gemachte Versprechungen und auch Geld scheinbar keine Rolle - und wenn er dann kritisiert wird, deutet er das Ganze noch positiv (bzw. "sexy") und lächelt die Angriffe einfach weg, als sei nichts passiert.

Und er versteht scheinbar nicht, warum man ihm seine Partylaune und mangelnde Konzentration auf seine eigentliche Arbeit vorwirft - aus seiner (beziehungstypischen) Sicht verständlich: so lange er "geliebt" (also gut ankommt und gewählt) wird, ist doch alles in bester Ordnung, oder? Da stört es auch nicht, wenn Kritiker sagen, er nehme nichts richtig ernst und werde deshalb von immer weniger Leuten ernst genommen.

Diskussionen und Ergänzungen zum Thema unter "Promis" hier im Forum.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 118: Promis beobachten - Peer Steinbrück
Um sich in der Typerkennung "von außen" - also ohne eine konsensuelle, fachliche Typanalyse - zu üben, ist es immer wieder nützlich, sich besonders exponierte Zeitgenossen vorzunehmen und sie zu beobachten.

Seit einigen Wochen und sicher auch noch die nächsten Monate ist der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück besonders im Licht der Öffentlichkeit. Dabei zeigt er sein Naturell ausgesprochen deutlich - vermutlich auf Grund des zusätzlichen Stressfaktors, der durch seine Kandidatur entsteht.

Was mir auffällt ist: sein deutlich ausgeprägter Hang zum Geld und auch zu seiner eigenen Person. In einer Rede hat er z.B. gefordert, es brauche weniger "Ich" und mehr "Wir". Vermutlich schließt er da von sich auf die Gesellschaft.

Dass er so locker und kundig redet, erinnert an Sachtyp+Macher, was auch durch die anderen Äußerungen von ihm und seinen Gesamthabitus verstärkt wird.

Und im Hinblick auf seine Forderung, als Kanzler müsse man mehr verdienen als bisher üblich, könnte man an eine Zukunftsorientierung denken.

Typverdacht also: Sachtyp, ich-verbunden, zukunftorientiert und Macher.

Tipp hierzu: Mal auf youtube eine Rede von ihm anschauen oder ein Interview.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 117: Wunsch fürs Neue Jahr.
Statt eines "Tipps der Woche" diesmal ein "Tipp fürs Jahr" von Wilhelm Busch (1832-1908)

"Will das Glück nach seinem Sinn
dir was Gutes schenken,
sage Dank und nimm es hin
ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
möge dir gelingen."

... und natürlich jeder Typgruppe reichlich von dem, was für sie das "Gute" ausmacht und für jeden der Leserinnen und Leser viel von dem, was auch im letzten Jahr schon gut war und von dem Sie sich wünschen, dass es bleibt oder sich vermehrt - unabhängig davon, ob das dem Glück zu verdanken war, der eigenen Anstrengung oder einem freundlichen Menschen :)


Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 116: Das Leben ist kein Ponyhof.
"Das Leben ist kein Ponyhof" höre ich bevorzugt im geschäftlichen Umfeld und da vor allem aus der "roten Ecke". Offenbar träumen auch die Handlungstyp-Menschen ab und zu davon, ein Leben führen zu können, das ihnen erlaubt, Arbeit und Freizeit, Geschäftliches und Privates, in Harmonie zu bringen (wie dies den Beziehungstypen recht gut gelingt) - und das Pony steht hier als emotional kräftige Metapher für das, was sie sich viel zu selten erlauben: kleiner zu sein als notwendig, ihre kindliche Seite zu leben, im spielerischen Kontakt mit anderen Lebewesen das Leben zu genießen.

Als Tipp an alle, die zwar glauben, das Leben sei kein Ponyhof, es sich aber doch heimlich wünschen deshalb dies: Der "Ponyhof" kann überall dort gelingen, wo wir die entsprechende Haltung einnehmen - also durchaus auch bei einer "ernsthaften Arbeit" zulassen, sie so zu tun, dass sie Freude macht oder anderen Freude schenkt.

Und als Verstärker lege ich allen "Roten" gerne den "Kleinen Prinzen" von Antoine de Saint-Exupéry ans Herz - er hat viel von den "Großen Leuten" und seiner eigenen kindlichen (Handlungstyp-) Seite verstanden, scheint mir.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 115: Das Beste hoffen ...
"Das Beste hoffen, mit dem Schlimmsten rechnen" zeigt treffend die dramatische Bandbreite der beziehungstypischen Sichtweise - vor allem in Richtung Zukunft.

Kennzeichnend für die gelbe Typgruppe ist ja unter anderem das weitgehende Fehlen oder Auslassen der neutralen, sachlichen oder unspektakulären Optionen. Und so pendeln diese Menschen häufig zwischen dem "positiv bis zum Erbrechen" und einer Vorliebe fürs Drama - besonders auf der zwischenmenschlichen Ebene.

Aus ihrer "blauen Ressource" ergänzt würde die zitierte Lebensweisheit dann vielleicht so lauten: "Das Beste hoffen, mit dem Schlimmsten rechnen - und alles dazwischen als den wahrscheinlichsten Normalfall erwarten."

Letzteres könnte dann durchaus als "Langeweile" daherkommen. Sie auszuhalten und nicht mit hektischem Aktivismus (oder einem selbst inszenierten Drama) zu füllen, gehört zu den Ressourcen des Relationikers, sie fordert ihn heraus, schenkt ihm aber im Rückblick gesehen Entspannung und eine Zeit emotionaler Ruhe in seinem meist viel zu aufregenden Leben.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 114: Vor den Erfolg ...
"Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt."
wirkt im ersten Moment wie ein "rotes" Motiv - aber bei genauerem Hinsehen klingt eine sachtypische Lebenserfahrung durch: dass nämlich der Erfolg eben doch nicht (wie erhofft) "von selbst" kommt, sondern dass dafür körperliche Anstrengung und Tatkraft investiert werden muss.

Für einen Sachtyp-Menschen als Autor spricht auch der Zusatz, dass "die Götter" diese Gesetzmäßigkeit erfunden haben. Denn diese Gruppe erkennt mehr als die anderen beiden Dinge im Leben als "Schicksal" oder "vorgegeben" an. Wobei hier der Ausdruck "das Schicksal in die eigenen Hände nehmen" als Gegenmittel empfohlen werden könnte - was ja nicht immer in schweißtreibende Bemühungen ausarten muss. Oft hilft den Sachtypen/Temporikern ja schon, ein paar Zeilen zu schreiben oder ein paar Worte zu sagen, die mehr Mut erfordern als von selbst zur Verfügung steht.

Aber der Erfolg, der sich im Ergebnis dann einstellen kann, entschädigt sicher für den Aufwand und motiviert für "mehr davon".

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 113: Wissen ist Macht.
"Wissen ist Macht" ist unschwer als sachtypisches Sprichwort zu erkennen und beleuchtet die Vorliebe der "Blauen" für geistige Werte, für Informationen, Daten und Erkenntnisse. Da Sachtypen den Wert von Wissen und die damit verbundene Macht automatisch erfassen, kümmern sie sich häufig bereits von Kindheit an um den Erwerb desselben. Und sie können damit - wie mit ihrer Zeit - sehr gut haushalten, können mit Wissen knausern, es verkaufen, gegen andere Werte eintauschen oder es aus taktischen Gründen ganz für sich behalten.

Sie verstehen daher oft nicht, warum andere (speziell Beziehungstypen) so freimütig mit ihrem Wissen umgehen - und missdeuten dieses Verhalten manchmal in der Richtung, als würde der Wert des Wissens nicht erkannt (oder als wäre das so günstig erhältliche Wissen nichts wert). Sie übersehen dabei, dass für Beziehungstypen der Wert des zwischenmenschlichen Kontakts mehr wiegt als andere Werte, gegen die man sein Wissen eintauschen könnte.

Trotzdem beinhaltet dieses Sprichwort eine Anregung für die "Gelben": sich der Macht bewusster zu werden, die durch das Teilen oder Nicht-Teilen von Wissen ausgeübt wird.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 112: Wer weiß, wozu das gut ist.
"Wer weiß, wozu das gut ist" dürfte zur Sammlung der Beziehungstyp-Sprichwörter gehören und damit als hilfreiche Haltung für Handlungstypen taugen.

Für Beziehungstypen/Relationiker ist es selbstverständlich, auch weniger schöne Ereignisse in einem größeren Zusammenhang zu sehen - mit dem Ziel, doch noch irgend einen positiven Aspekt an einer Niederlage, einem Verlust, einer Ablehnung zu finden. Während die "Gelben" hier offenkundig übertreiben, können die "Roten" sich durchaus von dieser Haltung ein Stückchen abschneiden, wie im Modell vorgegeben - die Übertreibung der Beziehungstypen ist die Vernachlässigung der Handlungstypen.

Denn Handlungstypen/Aktioniker neigen ja zum entgegengesetzen Motiv, das lauten könnte: "Mit etwas Mühe findet sich überall etwas Schlechtes". Ihnen kann so die bewusste Suche nach dem "Guten im Schlechten" durchaus ein Plus an Lebensqualität verschaffen und womöglich sogar ihre Umgebung überraschen, die ja nicht so sehr an ein Lächeln, ein gnädiges Verzeihen oder ein lockeres Hinwegsehen gewohnt sein dürften.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 111: In der Ruhe liegt die Kraft
"In der Ruhe liegt die Kraft" lautet eines der Sprichwörter, die gerne mit
dem Zen-Buddhismus oder mit fernöstlichen Lebensweisheiten in Verbindung
gebracht werden. Inhaltlich ist es das pure Gegenteil vom "Sich regen bringt
Segen" und passt - ähnlich wie die bereits beschriebenen Sprichwörter
"Reserve hat Ruh" und "Kommt Zeit kommt Rat" - zu den Sachtypen/Temporikern.

Sachtypen tun sich äußerst schwer, von der blauen in die rote Ecke des
Handelns zu gelangen. Während selbst Beziehungstypen/Relationiker kein
Problem damit haben - einer spontanen Idee folgend - schnell etwas in die
Hand zu nehmen (und es genauso schnell auch wieder liegen zu lassen), bleibt
der Sachtyp eher passiv. Selbst wenn objektiv betrachtet Handlungsbedarf
besteht, versucht er sich mit obigen Kraftsprüchen zu beruhigen.

Eine zusätzliche Dimension erhält der Spruch aber dann, wenn Sachtypen in
Handlungsstress geraten: Wenn mehrere Dinge gleichzeitig, gleichwertig und
dringlich zu erledigen sind, passiert es leicht, dass sie sich nicht
entscheiden können, was als nächstes in Angriff zu nehmen ist. Oftmals folgt
darauf die Totalblockade, die dazu führt, dass bis zum Abend keine einzige
der dringlichen Aufgaben erledigt wurde. Dadurch erledigen sich höchstens
bestimmte Entscheidungen wie von selbst (Abgabetermine, Fristen,
Jahreszeiten, etc.).

Handlungstypen/Aktioniker können mit solchen Sprüchen nichts anfangen, auch
wenn sie die eigentlichen Adressaten der darin enthaltenen Weisheit wären.
Es würde ihnen nämlich gut tun, in bestimmten Momenten nicht in Aktionismus
zu verfallen, sondern auch einmal abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln.

Text: Sebastian Kirsch, Chur
Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 110: Sich regen bringt Segen.
"Sich regen bringt Segen" ist wirklich unschwer als Leitmotiv der Aktioniker/Handlungstypen zu erkennen.

Interessant für mich (als Beziehungstyp) ist immer wieder die Beobachtung, dass Handlungstyp-Menschen meinen, fast alles im Leben durch ihre Aktivität, ihre Willenskraft oder ihren "vollen (Körper-)Einsatz" erreichen zu können - sei es bei einer Bewerbung oder in Liebesdingen (sichtbar z.B. im "Angriffskuss", der in vielen Filmen zu sehen ist).

Manchmal tut es mir direkt weh, mit ansehen zu müssen, wie diese Menschen nicht spüren, dass beim Wechsel in einen anderen Lebensbereich auch andere Kompetenzen angemessen sind. Denn klar macht es Sinn, "sich zu regen", wenn man etwa ein Haus bauen möchte - aber wenn es dann darum geht, in diesem Haus eine gute Beziehung zum Partner oder den Kindern aufzubauen, bringt es nicht mehr so viel, bevorzugt auf Aktivität zu setzen. Dann sind Qualitäten wie Lockerheit, Empfänglichkeit, Offenheit, Neugier oder Spontanität gefragt - und dafür braucht es freie Zeit, die jemand kaum hat, wenn er zwölf Stunden am Tag arbeitet.

Für Sachtypen/Temporiker jedoch könnte es von Nutzen sein, sich den Spruch "sich regen bringt Segen" in Leuchtschrift übers eigene Bett zu hängen und alle 2-3 Tage automatisch morgens einschalten zu lassen, um den inneren Schweinehund aus seiner Trägheit zu wecken. Aber bitte nicht verwechseln mit "Regen bringt Segen" oder "Sich aufregen bringt Segen" :)

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 109: Love it, change it or leave it.
"Love it, change it or leave it" (Liebe etwas, verändere es oder ziehe dich zurück) klingt für mich sehr nach einer "Beziehungstyp-Weisheit". Alle drei Motive gehören zu den Bevorzugungen dieser Gruppe: das Lieben, das Verändern und das Verlassen bzw. Fliehen. Insofern könnte eine zu häufige Anwendung dieser Regel für Beziehungstyp-Menschen kritisch gesehen werden. Stattdessen könnte als "Gegengift" empfohlen werden: Sei öfters neutral (du musst weder lieben noch hassen), lass die Dinge stehen wie sie sind (es muss sich nicht alles ändern) und bleibe da, wo du gerade bist und halte durch, obwohl nicht alles perfekt ist und obwohl du dich nicht 100% wohlfühlst.

Für Handlungstypen hingegen, die ja tendenziell zu wenig "Gelb" zulassen, wäre die Regel durchaus eine hilfreiche Option - denn die Erfahrung lehrt, dass Menschen dieses Naturells dann ein gutes Leben haben, wenn sie ihre Arbeit mit Liebe machen, wenn sie sich Veränderung und Neuanfänge erlauben und dafür auch einmal eine ungute Situation bewusst verlassen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 108: Reserve hat Ruh
"Reserve hat Ruh" fasst eine elementare Lebenserfahrung von Sachtyp-Menschen in Worte. Die Reserven können dabei sowohl aus Nahrungsmitteln (Kühlschrank!), Geldmitteln (Sparbuch), Kraftreserven (nicht immer volle Power leben) oder auch freien Stunden/Tagen im Kalender bestehen, die bewusst nicht belegt bleiben.

Während so gesehen Beziehungstypen davon profitieren müssten, mehr auf ihre Reserven zu achten, könnte ein Übermaß an Reserven für Sachtypen zu einer Bequemlichkeitsfalle werden, die ihnen die Motivation nimmt, sich bewusst anzustrengen und dadurch Erfolge zu erzielen. Auch hier ist es wie so oft im Leben, dass die Dosis das Gift macht (nach Paracelsus) und dass jeder für sich selbst und immer wieder neu die angemessene und gesunde Dosis herausfinden muss.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 107: Eins nach dem anderen.
Das Sprichwort "Eins nach dem anderen" ist entweder eines für Beziehungstypen oder/und für Zukunftsorientierte, scheint mir. Da Beziehungstypen/Relationiker den Faktor Zeit unterschätzen, neigen sie dazu, "alles auf einmal" zu wollen. Der Satz "es kann nicht alles auf einmal geschehen" widerspricht hier ihrem Lebensgefühl - dass nämlich durch die richtigen Verbindungen und Aktivitäten prinzipiell alles (gleich, sofort, unmittelbar) machbar sein müsste.

Genauso fordert "eins nach dem anderen" die Konzentration auf ein Thema, eine Problemstellung oder Herausforderung, aktiviert damit die Ressource der "Gelben" und bremst sie in ihrer meist gut ausgeprägten Fähigkeit zum "Multitasking" zeitweise aus, was auch zu innerer Ruhe, weniger Leichtsinnsfehler und im Ergebnis zu mehr Gelassenheit führt.

Ein praktischer Tipp noch zum Schluss: damit es dem Beziehungstyp-Menschen nicht langweilig wird beim "eins nach dem anderen", bietet sich an, Aktivitäten zeitlich strukturiert abzuwechseln - also sich z.B. an einem Tag bevorzugt um Projekt A zu kümmern, am nächsten um Projekt B und dann wieder um Projekt A. Es hier den Sachtypen/Temporikern nachtun zu wollen und tage-, wochen- oder gar jahrelang nur ein Thema zu vertiefen, ist schlichtweg eine Überforderung und wird nicht lange funktionieren - die Ablenkbarkeit und Reaktionsfreudigkeit dieser Gruppe ist einfach zu stark ausgeprägt.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 106: Alles wird gut.
"Alles wird gut." oder "Alles ist gut." sind zweifellos Beziehungstyp-Sprichwörter. Denn diese Typgruppe lebt in der festen Vorannahme, dass das Leben im Grunde positiv ist und dass das, was gegen diese Annahme spricht, vorübergehend sein muss.

Das nicht Gute wird daher als nicht zur Welt gehörend erlebt und schon einmal verdrängt - auch um den Preis, dass es dann später umso stärker erneut zum Vorschein kommt.

Ausgleichend wirkt hier die Erkenntnis, dass das Leben gleichermaßen aus Gutem, Neutralem und Schlechtem besteht und gerade dadurch die unterschiedlichen Elemente überhaupt erst sichtbar werden. Denn wäre "alles gut", würden wir es überhaupt nicht als "gut" wahrnehmen, da ja kein Kontrast sichtbar wäre.

Für Handlungstypen (Aktioniker) könnten diese Sprichwörter insofern hilfreich sein, dass sie den Glauben an das Gute in der Welt oder im Menschen wachhalten helfen. Denn angenommen, die obige Dreiteilung von Gut, Neutral und Schlecht entspräche der Wirklichkeit, wären ja zwei Drittel nicht schlecht.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 105: Home sweet home.
"Home sweet home." oder "My home is my castle" (auf Deutsch "Mein Haus ist meine Burg") können leicht den handlungstypischen Sprichwörtern zugeordnet werden.

Für die Typengruppe "Rot" ist der eigene Körper der primäre Zugang zur Welt. Damit sind auch die Umhüllungen des Körpers, also Make-Up, Kleidung, das Auto und die Wohnung bzw. das Haus (auch ein Garten oder Wohnwagen) im Sinne von Erweiterungen des Körpers extrem wichtig.

Fühlt sich ein Handlungstyp in diesen wohl, geht es ihm automatisch gut - diese Erfahrung drücken die Sprichwörter aus. Zu dieser Beobachtung gehört auch, das Phänomen nichts, dass sich diese Menschen nach Harmonie in den eigenen vier Wänden sehnen und es gar nicht mögen, wenn dort "dicke Luft" herrscht. Denn Streit zu Hause, vor allem kurz vor dem für sie besonders wichtigen Schlaf, geht ihnen buchstäblich zu nahe oder gar unter die Haut.

Der Tipp der Woche könnte von daher lauten: Wenn Sie einen Handlungstypen (Aktioniker) zu Hause haben, versöhnen Sie sich spätestens eine Stunde vor dem Schlafengehen mit ihm.

Und falls Sie Sachtyp (Temporiker) sind: Testen Sie einmal, wie es sich auf Ihr Wohlbefinden und Ihre Zufriedenheit auswirkt, wenn Sie bewusst deutlich mehr Zeit und Geld für Ihre Körperpflege, Ihre Kleidung oder die Räume aufwenden, in denen Sie sich häufig aufhalten.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 104: Kommt Zeit, kommt Rat.
"Kommt Zeit, kommt Rat." gehört offenkundig zu den Sprichwörtern aus dem Fundus der Sachtypen bzw. Temporiker. Zu deren Grunderfahrung gehört es, der Zeit eine eigene Macht und Wirksamkeit zuzuschreiben - auch wenn aus Sicht der anderen Typgruppen es nicht die Zeit selbst ist, die eine Wirkung ausübt, sondern die Aktivitäten, die während dieser Zeit geschehen.

Auch die inaktive Grundhaltung drückt sich im Sprichwort aus. Die Zeit wird als etwas erlebt, das "kommt", während man selbst sich nicht bewegen muss. Also nicht "der Zukunft mutig entgegenmaschieren" oder "sich aktiv Rat holen", sondern das Warten wird empfohlen, da die Zeit ja den Rat mit sich bringt, der fehlt.

Handlungstypen würden wohl lieber sagen: "Kommt Zeit, kommt Tat." und Beziehungstypen unterschätzen die Wirksamkeit des Wartens ebenso wie die Möglichkeit, sich Rat zu erbitten. Denn dafür bräuchte es ja Geduld und das Eingeständnis, unwissend zu sein - zwei Dinge, die dieser Typfamilie eher fehlen; daher passt "Kommt Zeit, kommt Rat." am besten auf deren Schreibtisch.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 103: Man sieht sich im Leben immer zweimal.
"Man sieht sich im Leben immer zweimal." von Sebastian Kirsch, Chur

Beziehungstypen scheinen dieses Sprichwort verinnerlicht zu haben. Auch wenn
es nicht immer gelingt, versuchen sie bei jeder Begegnung einen positiven
Eindruck von sich zu hinterlassen. So können sie bei einer zweiten Begegnung
von diesem positiven, ersten Eindruck profitieren.
Sollte das Sprichwort jedoch ausgesprochen werden, hat es meist eine
negative Bedeutung: Man wird beispielsweise von einem Menschen
(Vorgesetzter, Türsteher, Gorilla, etc.) ungerecht behandelt. Weil man sich
aber in einer "ohn-mächtigen" Situation befindet, bleibt einem in seiner Wut
und Ohnmacht nichts anderes, als zu hoffen, dass man sich bei einer zweiten
Begegnung in einer besseren Ausgangsposition befindet.


Text: Sebastian Kirsch
Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 102: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.
Beim Sprichwort "Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben" kann es sich nur um ein Handlungstyp-Motto handeln. Denn diese Typgruppe ist ja darauf gepolt, zunächst das Negative zu erwarten. Dass ein ganzer Tag gut läuft, wird als eher unerwartet gesehen.

Versucht man eine Übersetzung in die anderen Typsprachen, könnte das Sprichwort für Beziehungstypen lauten: "Man kann den Tag auch loben, wenn ein Teil davon nicht so gut war" und für Sachtypen: "Jeder Tag enthält Gutes und weniger Gutes - davon darf man sich nicht die innere Ruhe stören lassen."

In "therapeutischer Absicht" ließe sich für die Handlungstypen als Ersatz vorschlagen: "Man soll alles Gute an einem Tag für sich loben."


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 101: Gut Ding will Weile haben.
An zahlreichen Sprichwörtern lässt sich gut ablesen, welcher Typus sie geprägt hat. Ich möchte hierzu in nächster Zeit einige Beispiele bringen und sie aus psychographischer Sicht kommentieren.

"Gut Ding will Weile haben" ist ziemlich deutlich als Sachtyp-Sprichwort erkennbar. Einmal an der sachlichen Wortwahl, der passiven Grundtendenz und auch rein inhaltlich. Das "gute Ding" fordert die Weile nicht ein, arbeitet dafür oder erzwingt sie sich, sondern will sie nur (abwartend, ohne Aufwand) schlicht haben.

Aus Handlungstyp-Sicht würde das Sprichwort wohl lauten: "Gut Ding will erkämpft werden" und aus Beziehungstyp-Sicht: "Gut Ding findet sich überall, wo man es mit Liebe sucht" oder so ähnlich.

Klar ist, dass solche typtendenziellen Sprichwörter der einen Gruppe nützen und der anderen - da sie die geforderten Qualitäten sowieso schon ausreichend bis übertrieben auslebt - eher schaden.

P.S. Falls jemand sehr typische Sprichwörter ein- oder auffallen, freue ich mich über eine Zusendung auf psychographie@t-online.de


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 100: Die freie Ecke.
Das Phänomen der "freien Ecke" (innerhalb der psychographischen Dreiecke) lässt sich vor allem bei typgemischten Paaren beobachten. Angenommen, ein "Roter" und ein "Blauer" leben zusammen, bleibt die "gelbe Ecke" zwar nicht unbesetzt, aber doch im Hinblick auf die Bevorzungen "frei".

Die Frage ist nun, welcher der beiden Partner diese gelbe Ecke gewohnheitsmäßig belegt. Denn von der natürlichen Tendenz her zielt der "Rote" in Richtung Gelb, braucht dafür aber mehr Motivation als der "Blaue". Belegt der "Blaue" ständig die gelbe Ecke, z.B. (um auf der Grundebene und bei den Grundtypen zu bleiben) indem er viel Nähe, Kommunikation und Verbundenheit einfordert, wird sich der "Rote" dadurch unter Druck gesetzt sehen und dazu tendieren, seine Ruhe einzufordern.

Wartet hingegen der "Blaue" ab, bis der "Rote" in entsprechender "Gelb-Stimmung" ist und das auch signalisiert, wird er viel eher das bekommen, wonach er sich sehnt. Andererseits gilt auch die Regel des "zum Glück Zwingens" für die "Roten" - vor allem dort, wo es um deren Glück, um Spiel, Spaß und Lockerheit geht.

Praktisches Beispiel: Der Handlungstyp kommt wie so oft viel zu spät von der Arbeit, ist völlig ausgelaugt und nicht in der Stimmung, sich intensiv und ausdauernd mit dem Sachtyp-Partner zu beschäftigen. Der wartet aber schon länger auf seine tägliche Portion Zuwendung und ist in Versuchung, sofort nach dem Nachhausekommen entsprechende Anforderungen zu stellen. Da der Handlungstyp aber noch in der Arbeitshaltung ist, reagiert er abweisend bis bissig und wendet sich erst einmal einer häuslichen Arbeit zu. Hätte sich der Sachtyp jedoch "beschäftigt" gezeigt und sozusagen vorbeugend "abwehrend", wäre das dem Handlungstyp entgegen gekommen und er hätte sich langsam herunterfahren können und später dann, etwa mit einer Flasche Rotwein in der Hand, den sozialen Teil des Abends einleiten.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 99: Typentest am Telefon

Ein Tipp für die Praxis, genauer: für diejenigen, die professionell oder aus Liebhaberei anderen dabei helfen, ihre Typzugehörigkeit zu erkennen.

Auf www.123modell.de/test.htm gibt es einen neuen Typentest. Er ist sehr einfach angelegt und enthält trotzdem die volle Komplexität des Modells. Das Besondere ist, dass die Testperson in nur vier Schritten zum Ziel kommt. Ziel heißt: das eigene Stärken-Profil erkennen kann (eines von 81 verschiedenen Kombinationen aus Grundtyp und Untertypen).

Und da es in der Regel einfacher ist, wenn man so einen Test nicht alleine macht, bietet sich an, diesen Test mit Klienten oder Freunden gemeinsam zu machen - auch am Telefon, was ja per Internet bequem möglich ist. Idealerweise zuvor einmal selbst machen, um das Prinzip und die Funktionsweise zu erkennen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 98: Mimik als Hinweis auf die Typzugehörigkeit
Bekanntlich unterscheidet sich die "Standard-Mimik" der drei Grundtypen recht deutlich:
- die vielfältige und rasch wechselnde (reaktive) der Beziehungstypen denen man am Gesicht ansieht, wie es ihnen gerade emotional geht,
- die dezenten Bewegungen der Gesichtsmuskulatur, Lippen oder Augenbrauen der Sachtypen, die man oft erst bei genauem Hinsehen oder jahrelanger Bekanntschaft erkennt, und
- die eher maskenhaften "Poker-Faces" der Handlungstypen, die gerne zwischen einem ihrer Rolle angemessenen freundlich-geschäftsmäßigen Blick und einem (für andere Typen, vor allem für Beziehungstypen) leicht böse wirkenden "Angriffsblick" wechseln, ohne dadurch etwas über ihre emotionale Haltung zu verraten.

Tipp Nr.1 zum Beobachten dieser Unterschiede: Wenn man auf einer DVD eine Filmszene, in der die Gesichter der Schauspieler deutlich zu sehen sind, doppelt oder vierfach so schnell anschaut, fallen die verschiedenartigen Gesichtsbewegungen sehr viel stärker auf als bei normaler Geschwindigkeit. Wobei es auch im Alltag zu sehen ist, z.B. beim Skypen, wenn man darauf achtet.

Idealerweise mit einem Lieblingsfilm probieren, bei dem man nicht mehr von Inhalt abgelenkt wird. Eine Liste mit Typzuordnungen von Prominenten - auch vieler Schauspieler - findet sich auf www.psychographie.de/prominente.htm

Tipp Nr.2: In Filmen (Youtube) oder in einem Zoo die Mimik der drei Primatengruppen beobachten, die ähnliche Unterschiede zeigen - Schimpansen und Bonobos ähnlich den Beziehungstypen, Orang-Utans ähnlich den Sachtypen und Gorillas ähnlich den Handlungstypen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 97: Zieldefinition für Handlungstypen
Im typgerechten Coaching sollte man bei der Zieldefinition bekanntlich darauf achten, dass bestimmte (z.B. sieben) Kriterien für die Zielerreichung beachtet werden. Nach meiner Beobachtung sind jedoch für jeden unserer drei Grundtypen andere Kriterien "kritisch", d.h. sie werden leicht übersehen und verhindern so die Formulierung erreichbarer Ziele.

Bei Handlungstypen sollte besonders auf diese beiden Kriterien geachtet werden:

- Ziele sollten positiv-anwesend formuliert sein

Hintergrund: Handlungstypen neigen dazu, Ziele negativ zu formulieren, also z.B. zu sagen, was sie "weg haben" oder "nicht mehr erleben" möchten. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass solche Ziele eher nicht oder nur schwer erreicht werden. Abhilfe schafft die schlichte Frage "Was möchten Sie stattdessen?". So wird auf das erwünschte, also positiv-anwesende Ziel fokussiert.

- Ziele sollten möglichst bekömmlich für die Betroffenen formuliert sein   

Hintergrund: Handlungstypen neigen dazu, bei ihren Aktivitäten zur Zielerreichung und auch bei den Zielen selbst außer Acht zu lassen, welche Nebenwirkungen im Erfolgsfall auftreten. So kann ein Ziel etwa nur durch massiven Aufwand (bzw. "ohne Rücksicht auf Verluste") erreicht werden, mit der Folge, dass Gesundheit oder zwischenmenschliche Beziehungen Schaden nehmen. Im geschäftlichen Umfeld ist auch immer wieder zu beobachten, dass Ziele durch "kriegerisches Verhalten" erreicht werden sollen und im Ergebnis nur kurzfristige Erfolge bringen, weil die "Gegner" im Gegenzug ebenfalls "aufrüsten" und so kein wirklicher Erfolg entsteht, sondern nur ein so genanntes "Nullsummenspiel".


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 96: Zieldefinition für Sachtypen
Im typgerechten Coaching sollte man bei der Zieldefinition bekanntlich darauf achten, dass bestimmte (z.B. sieben) Kriterien für die Zielerreichung beachtet werden. Nach meiner Beobachtung sind jedoch für jeden unserer drei Grundtypen andere Kriterien "kritisch", d.h. sie werden leicht übersehen und verhindern so die Formulierung erreichbarer Ziele.

Bei Sachtypen/Temporikern sollte besonders auf diese drei Kriterien geachtet werden:

- Ziele sollten attraktiv-motivierend formuliert sein

Hintergrund: ohne ausreichende Attraktivität eines Ziels setzt offenbar das Unbewusste bei Sachtypen weder Motivation noch Kraft frei sondern bleibt im energiesparend-passiven "Stand-by-Modus".

- Ziele sollten konkret-messbar formuliert sein

Hintergrund: Sachtypen neigen dazu, Dinge zu theoretisch und zu wenig praktisch anzugehen - dadurch fehlt die konkrete und damit auch messbare Dimension (z.B. Zahlen). Wenn etwas schwer messbar ist, kann die bekannte 1-10-Skala eingesetzt werden. Auch die Frage: "Was könnte ich in eine Filmszene bannen, wenn du es einen Schritt weiter in Richtung des Ziels geschafft hast?" ist hilfreich, da so auf sichtbares Verhalten fokussiert wird.

- Ziele sollten so formuliert sein, dass ihre Erreichung in der Macht desjenigen liegt, der sie anstrebt

Hintergrund: Sachtypen neigen dazu, das Leben vor allem als etwas zu erleben, das ohne ihr Zutun geschieht. Ziele werden auf diesem Hintergrund häufig so formuliert, als würden sie ohne eigene Aktivität erreicht, nur weil sie "gewollt" werden oder wichtig sind. Ein typisches Beispiel hier ist, dass ein Sachtyp-Geschäftsmann sein Ziel nur in einer Umsatzzahl definiert, obwohl nicht er selbst über den Umsatz entscheidet, sondern die Kunden.  


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 95: Zieldefinition für Beziehungstypen
Im typgerechten Coaching sollte man bei der Zieldefinition bekanntlich darauf achten, dass bestimmte (z.B. sieben) Kriterien für die Zielerreichung beachtet werden. Nach meiner Beobachtung sind jedoch für jeden unserer drei Grundtypen andere Kriterien "kritisch", d.h. sie werden leicht übersehen und verhindern so die Formulierung erreichbarer Ziele.

Zunächst zu den Beziehungstypen/Relationikern: Bei ihnen sollte besonders auf diese beiden Kriterien geachtet werden:

- Ziele sollten realistisch erreichbar formuliert sein

Hintergrund: Beziehungstypen neigen dazu, sich unrealistische Traumziele vorzunehmen; häufig sind diese auch nicht aus einem konkreten Problem heraus entwickelt, sondern entspringen eher einer momentanen Laune, einer Fantasie, Neid auf Erfolge anderer, einem überzogenen Retterverhalten oder einem "Habenwollen-Motiv". Als Definition für "realistisch" könnte gelten, dass dieses Ziel schon einmal von einem Menschen mit ähnlichen Voraussetzungen erreicht wurde.

- Ziele sollten stufenweise/in Teilzielen formuliert werden

Hintergrund: Beziehungstypen blenden gerne den Faktor "Zeit" aus und unterschätzen, wie lange etwas dauert, selbst wenn man sich sehr dafür einsetzt. Um diese Tendenz auszugleichen, kann die Unterteilung des langen Weges bis zur Erreichung des Ziels in Teilstrecken und Zwischenziele passend sein, auch um die Motivation aufrecht zu erhalten, wenn sich etwas nur langsam vorwärts bewegt.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 94: Nochmal: Haben > Sein > Können
Auf meinen Hinweis vor zwei Wochen, die Triade "Haben > Sein > Können" zu beobachten und zu nutzen, bekam ich einen interessanten Hinweis von einer erfahrenen Psychographin und Beraterin, den ich hier gerne (etwas redigiert und ergänzt) weitergeben möchte:

Neben der "Müssen-Falle" (die Übertreibung oder Bevorzugung des jeweiligen Typs) gibt es eine "Dürfen-Erlaubnis" (die vernachlässigte Ressource), die sich aus dieser Triade ableiten lässt:

Beziehungstyp: Statt "etwas haben müssen" öfters "ich darf anspruchslos und zufrieden mit dem sein, was ich schon habe."

Sachtyp: Statt "etwas sein müssen" öfters "ich darf unbedeutend sein" oder "ich bin okay mit dem, was ich jetzt schon bin und kann".

Handlungstyp: Statt "etwas unbedingt können müssen" öfters "ich darf an dem genug haben, was ich habe und bereits kann".

Solche erlaubenden Sätze helfen, das eigene Selbstbild auszugleichen, sich nicht so einseitig zu sehen und das "eigene Haus" komplett auszunutzen anstatt nur wenige, bevorzugte Räume.

Und auch wenn man Kinder erzieht oder begleitet, kann man durch solche Anregungen vermeiden, bereits vorhandene Tendenzen zur Übertreibung noch zu verstärken - und stattdessen eher übersehene Ressourcen zu aktivieren.

Text und Redaktion: Werner Winkler (mit bestem Dank an Hanne Becker-Koch)
Tipp Nr. 93: Drei Problemlösungsebenen
Trotz jahrelanger Erfahrung im typgerechten, lösungsorientierten Problemlösungsansatz gibt es immer noch Neues zu entdecken. Offenbar neigt jeder unserer drei Grundtypen dazu, eine Problemlösungsebene zu bevorzugen und eine andere zu vernachlässigen:

Beziehungstypen bevorzugen Bilder, Vergleiche, Metapher.
Sachtypen bevorzugen Abstraktionen, Fachwörter, Problemdiagnosen.
Handlungstypen bevorzugen praktische Tipps und Verhaltensänderungen.

Im Kehrschluss bedeutet das, dass Beziehungstypen davon profitieren, bei der Problemlösung mehr auf Abstraktion, auf Fachwörter oder die passende Benennung ihrer Probleme zu achten. Sachtypen sollten mehr auf praktische Dinge, auf Verhaltensänderung und den konkreten Versuch setzen und Handlungstypen versuchen, stärker mit Bildern, Vergleichen und Metaphern zu arbeiten.

Ein Beispiel dazu: Ein Beziehungstyp beschreibt seine Situation sehr dramatisch, verwendet dabei Bilder wie "alles stürzt ein" oder "meine Welt steht in Flammen". Im Sinne des "Abholens" nehme ich als Berater diese Bilder lösungsorientiert auf, frage also nach, was trotz des Einsturzes noch ganz ist oder was den Flammen widersteht. Dann aber begleite ich den Gesprächspartner bewusst in die eher abstrakte Ebene. Ich erkläre, warum ich so frage, also warum Ausnahmen von der beklagten Situation so wichtig sind. Oder wir suchen gemeinsam nach weniger dramatischen, eher sachlichen Begriffen, die auch eine Lösungsoption eröffnen. Im konkreten Fall könnte das das Eingeständnis sein, dass der bisherige Lebensentwurf und Traum sich nicht als tragfähig herausgestellt hat und er zunächst mit dem Wenigen, das noch gut und erhaltenswert ist, zufrieden sein muss.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 92: Unterschätzen
Marie von Ebner-Eschenbach: "Wir unterschätzen das, was wir haben, und überschätzen das, was wir sind."

Aus psychographischer Sicht ist das Haben die Bevorzugung der Beziehungstypen (oder Überschätzung, um die Begrifflichkeit des Zitats zu verwenden). Das Sein gehört zum Sachtyp und das Können zum Handlungstyp.

Diese Erkenntnisse aufnehmend ergeben sich drei differenzierte Vermutungen:

Beziehungstypen unterschätzen, was sie sind und überschätzen, was sie haben.

Sachtypen unterschätzen, was sie können und überschätzen, was sie sind.

Handlungstypen unterschätzen, was sie haben und überschätzen, was sie können.

Zum "Haben" gehört etwa das "Beziehungen haben, Ideen haben", zum "Sein" das "Wichtig sein, bedeutend sein" und zum "Können" das "etwas bewegen können, etwas tun können".

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 91: Typgerecht Loben aus psychographischer Sicht

Generell gilt: Loben Sie regelmäßig-unregelmäßig! Kritisieren Sie sofort! Wieso? – Der Mensch ist ein „Gewohnheitstier“. Ein „zu“ regelmäßiges Lob wirkt mit der Zeit genau so wenig wie eine „verspätete“ Kritik.

Der kreative Beziehungstyp schöpft viel Motivation aus sich selbst heraus. Begleitend-anfeuerndes – oder dosiert-steuerndes Lob helfen, um nicht zu überdrehen. Es sollte offen, ehrlich und konkret kommuniziert werden. Entsprechende sachliche Bezüge sind dabei hilfreich. Wertschätzen sie seine Intelligenz und seinen bewiesenen Sachverstand.

Kurzbeispiel:
„Sie sind ein wertvoller Mitarbeiter im Team.“ / „Ihre Beiträge sind fundiert und durchdacht.“

Der eher ruhige Sachtyp braucht konkret ausgesprochenes und sachlich vorgetragenes Lob. Das gibt die Sicherheit, auf dem richtigen Weg zu sein – und gemocht zu werden, was sehr wichtig ist. Sprechen Sie dabei auch seine schnelle Auffassungsgabe und sein flexibles Denken an. Komplimente sollte anfeuernde Elemente enthalten, die zielorientiert ausgesprochen werden.

Kurzbeispiel:
„Ich setzte großes Vertrauen in Sie.“ / „Ich schätze Ihre Meinung sehr.“

Der zielstrebige Handlungstyp findet in sichtbarem Lob den Ansporn, sich immer noch ein wenig mehr anzustrengen, um schließlich Höchstleistungen zu vollbringen. Vorsicht! Hier kann des „Guten zuviel“ zum „totalen Verausgaben“ führen, was weder im Sinne des Handlungstypen, noch im Sinnes des Lobenden sein kann. Im Loben sollten nach Möglichkeit auch die Bezüge zu Kollegen (Partnern, Mitarbeiter) deutlich gemacht werden. Beachten Sie, dass er vor allem gemocht und respektiert werden möchte.

Kurzbeispiel:
„Dieser Erfolg hat unser Ansehen sehr gesteigert.“ / „Ihre mitreißende Art ist genau das, was wir hier brauchen, um voranzukommen.“

Zusammenfassendes Beispiel: Maria hat geholfen, aufzuräumen.

Maria ist Beziehungstyp:
„Danke, Maria. Das Zimmer ist jetzt in Ordnung. Nun ist es wieder ganz einfach, etwas zu finden, weil alles wieder seinen Platz hat.“

Maria ist Sachtyp:
„Danke schön, Maria, deine Ideen und dein tatkräftiges Mittun beim Aufräumen waren sehr hilfreich.“

Maria ist Handlungstyp:
„Maria, du hast sehr gute Arbeit beim Aufräumen für uns geleistet.“


Text: Klaus-Peter Scholz
Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 90: Das Fehlende sehen.
Neulich in einer Expertenrunde. Wir sollten eine Meinung zum Imagefilm eines Unternehmens abgeben. Ich sah vor allem Gebäude, Maschinen, Produkte - aber kaum einmal einen Mitarbeiter.

Als ich das äußerte, fiel es den anderen plötzlich ebenfalls auf. Für mich ist es fast schon selbstverständlich, auf die Ausgewogenheit oder Einseitigkeit zu achten, die ich durch die Psychographie sehen und benennen kann.

Eine schöne Triade im geschäftlichen Bereich ist zum Beispiel "Personen, Preise, Produkte". So hat die gerade in Insolvenz gegangene Firma Schlecker in ihren Geschäften sehr auf die Preise (angeblich) geachtet und sicherlich gute Produkte angeboten. Aber im Umgang mit den handelnden Personen fehlte eine ganze Menge. Den Chef bekam man nie zu Gesicht, die Mitarbeiterinnen wurden schlecht behandelt (so heißt es) und als Kunde hatte man öfters den Eindruck, die Mitarbeiter bei ihren eigentlichen Arbeit zu stören.

Schlussfolgerung: wenn ich rechtzeitig das Fehlende sehe und es noch ausgleichen kann, macht das einen positiven Unterschied. Und Dank der psychographischen Triaden ist das häufig recht einfach ...

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 89: Der Weg ist nicht das Ziel.
Jedesmal, wenn ich höre, dass der Weg angeblich auch das Ziel sei, zwickt mich innerlich ein bestimmter Nerv. Ich ärgere mich darüber, dass mit Begriffen so respektlos umgegangen wird. Warum darf der Weg nicht einfach der Weg sein und das Ziel das Ziel? Womöglich kommt demnächst noch jemand auf die Idee, dass der Start das Ziel ist oder der Weg der Start. Wobei Ersteres in manchen Rennveranstaltungen in gewissem Sinne passt. Die Zuschauer, die dort beim Start an der richtigen Stelle stehen, können sich danach schon auf den Zieleinlauf freuen.

Zurück zu Psychographie. Von dieser feinen Alltagswissenschaft haben wir gelernt, dass eine Gruppe Menschen (die Beziehungstypen oder Relationiker) es vor allem mit dem Start haben. Sie mögen das Neue, einen Neubeginn, das neue Projekt oder den Beginn einer Bekanntschaft. Eine andere Gruppe (die Sachtypen oder Temporiker) hingegen mögen das "auf dem Weg sein". Sie nehmen sich die Zeit und bringen ausreichend Geduld und Ausdauer mit bzw. starten überhaupt nur dann, wenn sie vorher ahnen, dass Motivation, Kraft oder Nutzen ausreichend sind. Und die dritte Gruppe (die Handlungstypen oder Aktioniker) sehen vor allem das Ziel, die Ergebnisse, das zu Erreichende. Davon sind sie so eingenommen, dass sie wenig Lust haben, neue Dinge anzufangen oder sich mit noch Unbekanntem zu beschäftigen.

Dass für die zweite Gruppe der Satz "Der Weg ist das Ziel" einen großen Reiz hat, wird so verständlich. Dann wären sie ja allein durch ihr Dasein schon am Ziel und könnten sich bequem einrichten. Aber übertragen auf Gruppe 1, die dann formulieren könnte "Der Start ist der Weg" wird der sprachliche Unsinn deutlich. Wer immer nur am Start dabei ist, aber nie die vorgegebene oder notwendige Strecke läuft, erreicht auch das Ziel nicht. Oder für Gruppe 3: "Das Ziel ist der Start." was an Sepp Herbergers "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel" erinnert. Wer möchte ständig unter diesem Druck leben? Wer möchte sofort nach dem Erreichen eines Ziels gleich wieder an den Start gehen?

Plädoyer daher und Tipp zugleich: Lassen wir den Begriffen ihre Qualitäten und sehen in einem Anfang einfach einen Anfang, in einem Weg einfach den Weg und freuen uns am Ziel, dass wir es erreicht haben.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 88: Warum Fußballspiele ansehen?
Zur Förderung des Verständnisses (z.B. für genervte Partner fußballliebender Menschen) seien heute aus aktuellem Anlass einige Motivatoren aufgelistet, warum Fußballspiele angesehen werden - getrennt nach den "Spezialitäten" unserer Typen selbstverständlich:

Gruppe 1 (Beziehungstyp/Relationiker):
liebt Spiele jeglicher Art, mag den Nervenkitzel, kennt die Spieler und ihre Geschichten, freut sich gerne über "schöne Spiele", über Tore und Siege oder leidet emotional bei Niederlagen, schaut sich Spiele zusammen mit Freunden an.

Gruppe 2 (Sachtyp/Temporiker):
analysiert Taktik und Spielzüge, kennt die Statistik zu bestimmten Paarungen, kann es sich beim Zuschauen gemütlich machen, z.B. mit etwas zum Essen, lümmelt gerne nichtstuend vor dem Fernseher und hat durch die Aktivitäten der Spieler trotzdem den Eindruck, dass etwas passiert.

Gruppe 3 (Handlungstyp/Aktioniker):
sieht im Fußballspiel eine Art "Kriegsersatz" und erlebt Spiele als "Schlacht" oder "Kampf" - ist entsprechend aufgewühlt und auch emotional beteiligt (ähnlich wie bei einem Theaterbesuch), die Emotionen springen auf ihn über, was er genießt, da er sonst eher selten so starke Gefühle spürt; spielt häufig mit (gefühlt), kommentiert lautstark das Geschehen, regt sich über vermeintliche Ungerechtigkeiten oder Fehlentscheidungen der Schiedsrichter auf.

Über Rückmeldungen zu weiteren Beobachtungen (auch an sich selbst!) freut sich Werner Winkler (Text und Redaktion).
Tipp Nr. 87: Wie werden Sachtypen sichtbar?
In dem bemerkens- und sehenswerten Film "Eine Insel namens Udo" (als DVD günstig erhältlich) wird das Phänomen des "Nicht-Gesehen-Werdens" thematisiert, unter dem viele Sachtyp-Menschen mehr oder weniger stark leiden.

Die Hauptperson Udo bewegt und verhält sich ohne besondere Anstrengung so, dass seine Umgebung ihn so gut wie nicht bemerkt. Sogar seine besten Freunde muss er "anstupsen", damit sie seine Anwesenheit bemerken. Und da er ständig angerempelt wird, hat er sich angewöhnt, einen Fahrradhelm zu tragen.

Eine massive Änderung in seinem Leben tritt jedoch ein, als er von einer Frau "gesehen" wird, obwohl er sich wie immer benimmt. Er ist natürlich völlig verblüfft und versteht die Welt nicht mehr. Und so lange sie ihm ihre Aufmerksamkeit schenkt, wird er immer sichtbarer. Er muss lernen, wie man sich in der Öffentlichkeit verhält und scheitert fast daran. Wobei seine "Trainerin" leider eine Handlungstyp-Frau ist, die ihn völlig überfordert und ihn zur Nachahmung "richtiger" Verhaltensweisen auffordert, was nun einmal nicht zum Sachtypen passt und schiefgehen muss.

Ohne das Ende der Geschichte zu verraten: Das Geheimnis der Sichtbarkeit (laut diesem Film bzw. seinen Autoren, die höchstwahrscheinlich Sachtypen sind) ist es, sich nicht wieder im "Schneckenhaus" zu verkriechen, nachdem man das Glück hatte, von jemand erkannt zu werden und sich stattdessen mit dem eigenen Leben zu zeigen, wie ungewöhnlich, chaotisch oder "kauzig" es auch sein mag. Und natürlich dann die Fragen oder die Kritik auszuhalten, die fast zwangsläufig folgt, wenn man auf einen Menschen anderen Typs trifft.

P.S. Der Film eignet sich auch als Lehrfilm für alle, die mit Sachtyp-Menschen zusammenleben und ihre Art noch besser verstehen wollen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 86: Gorillas im fairen Kampf
In einer politischen Gesprächsrunde erlebt: Ein sehr typischer "Gorilla" (Handlungstyp-Macher) stellt sich in einer kleinen Diskussionsrunde vor, was vor allem bedeutet, dass er über seine politische Arbeit spricht. Nach einigen Ausführungen unterbricht ihn ein "Junggorilla" (ein ungefähr halb so alter junger Handlungstyp-Mann) und stellt ihn wegen etwas zur Rede, das schon längere Zeit zurück liegt und das er als sehr negativ empfunden hatte.

Der "Silberrücken" blitzt angriffslustig mit den Augen und es hätte mich nicht gewundert, wenn er gleich darauf über den Tisch gesprungen und zum direkten Angriff übergegangen wäre. Aber er kommt nicht zur Gegenrede, da der junge Mann weitere Argumente nachlegt und merkt, dass die anderen Zuhörer ihm größtenteils zustimmen. Die nächste dreiviertel Stunde geht es hin und her - fair aber heftig - und die beiden "Roten" reden sich immer mehr in einen Streit, der ihnen offenkundig Freude macht. Am Ende haben sie einen Kompromiss gefunden und beschließen, gemeinsam eine Aktion ins Leben zu rufen, um den offenkundigen alten Fehler auszubügeln.

Die anwesenden Sachtypen hatten diesen "Kampf" fast nicht ausgehalten und anfangs sogar kurz versucht, ihn zu unterbinden. Die Handlungstypen aber genossen einen schönen Abend, wie sie auch danach zu Protokoll gaben.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 85: Handlungstypen zum Lachen bringen
Ein Handlungstyp-Freund monologisiert wie häufig über das Schlechte in der Welt, das Böse am Menschen, den Untergang der Zivilisation usw. - ich merke, dass ich mir das nicht mehr anhören möchte und fange an, ihm erst zuzustimmen, dann zu überholen: das Schlechte in der Welt dramatisiere ich durch zusätzliche Beispiele, das Böse am Menschen durch Geschichten über schlechte Menschen und auch für den baldigen Untergang der Welt, wie wir sie kennen, fallen mir zahlreiche Argumente ein.

Irgendwann bemerkt er, dass ich es nicht völlig ernst meine und beginnt, zu lachen. Rasch nutze ich die Gelegenheit, das Gespräch zu drehen und erzähle ihm einen wirklich guten Witz. Er lacht so sehr, dass ihm die Tränen kommen. Ich denke mir, dass er durch die sehr emotionale (wenn auch negative) Stimmung besonders offen für den Humor war und sich dadurch stärker freuen konnte als wenn ich ihm den Witz einfach so erzählt hätte.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 84: Mein Sohn ist mir ein Rätsel
Neulich nach einem Seminar bat mich eine Teilnehmerin, die sich schon ungefähr ein Jahr mit dem 123-Modell der Psychographie befasst, um eine Einschätzung ihres Sohnes - sie stehe trotz aller Mühe, ihn zu beobachten und einzuschätzen, vor einem Rätsel. Vor allem beim Grundtyp - bei den Untertypen war sie sich einigermaßen sicher.

Da ich sie schon ein bisschen kannte und wir sie der blauen Gruppe (Temporiker/Sachtypen) zugeordnet hatten, war ich nicht sonderlich erstaunt, dass sie mir von ihrem Sohn lauter Beobachtungen berichtete, die auf einen Menschen aus der blauen Gruppe hindeuteten. Ihr selbst war das aber bisher überhaupt nicht aufgefallen, erst als ich sie darauf hinwies, ging ihr das Licht auf: ihr Sohn war ihr sehr ähnlich, so dass sie wenig deutliche Unterschiede wahrgenommen hatte, aus denen sie einen Hinweis auf die Typzugehörigkeit hätte ableiten können.

Wieder einmal hatte sich hier die alte Regel bestätigt, dass bei langer Unsicherheit über die Zuordnung eines recht gut bekannten Mitmenschen der Verdacht nahe liegt, es mit einem "gleichen Typen" wie man selbst zu tun zu haben.

Wobei im Fall der Seminarteilnehmerin noch hinzukam (was ich ihr bei nächster Gelegenheit noch mitteilen muss), dass sie in die Gruppe der "Sachtyp-Macher" gehört und für sie (im Haus-Modell) der kleinste Raum das aktive Wahrnehmen darstellt. Auch von daher gesehen also kein Wunder, dass sie beim Beobachten nicht so erfolgreich war.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 83: TÜV für Sachtypen
Analog zu den in den letzten beiden Wochen vorgelegten Checklisten für Handlungs- und Beziehungstypen nun einige Fragen an Sachtypen, die ihren Allgemeinzustand überprüfen und ggf. verbessern möchten; die Bewertung mit einer 1-10-Skala kann hilfreich sein, z.B. auch dazu, die eigene Weiterentwicklung über längere Zeiträume zu messen bzw. zu dokumentieren.

1. Wie steht es um das Gleichgewicht zwischen sitzenden Tätigkeiten und aktiver Bewegung in meinem Leben?

2. Wie gut schaffe ich es, auf meine Ernährung zu achten und dann Nein zu sagen, wenn mir etwas zu essen angeboten wird, von dem ich weiß, dass es mir nicht gut tut?

3. Wie gut kann ich für Dinge kämpfen, die mir wichtig sind?

4. Wie steht es um die äußere Ordnung in meinem Leben (Arbeitsplatz, Wohnung, Unterlagen, Kleidung usw.)?

5. Gebe ich mir ausreichend Möglichkeit, Erfolgserlebnisse zu haben, bei denen ich selbst durch eigene Anstrengung entscheidenden Anteil habe (z.B. beim Sport)?

6. Kann ich aktiv Kritik und Rückmeldung zu dem einfordern, was ich leiste oder zu leisten glaube und mir eigene Fehler zugestehen, auch wenn ich dachte, ich hätte perfekte Arbeit geleistet?

7. Wie gut kann ich klar und deutlich kommunizieren, was ich nicht will und was stattdessen?

8. Habe ich meine Ziele klar vor Augen und strebe ich ihnen kraftvoll genug nach?

9. Kümmere ich mich ausreichend darum, dass meine körperlichen Bedürfnisse gut erfüllt sind oder warte ich eher nur darauf, dass andere sie bemerken und mir dann ihre Unterstützung anbieten?   

(10.) Stellen Sie sich selbst eine Frage, von der Sie wissen, dass sie auf ein für Sie sehr wichtiges Thema abzielt, an dem Sie schon lange "knabbern".


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 82: TÜV für Beziehungstypen
Analog zur letzte Woche vorgelegten Checkliste für Handlungstypen nun einige Fragen an Beziehungstypen, die ihren Allgemeinzustand überprüfen und ggf. verbessern möchten; die Bewertung mit einer 1-10-Skala kann hilfreich sein, z.B. auch dazu, die eigene Weiterentwicklung über längere Zeiträume zu messen bzw. zu dokumentieren.

1. Nehme ich mir genügend Zeit für das, was mir sehr wichtig ist?

2. Bilde ich mich regelmäßig in den Themen weiter, die mich schon lange und intensiv beschäftigen?

3. Bleibe ich konstant an Arbeiten und Anliegen, die ich begonnen habe und beende sie auch ordentlich?

4. Sträube ich mich ausreichend gegen potentielle Ablenkungen, die mich von einem einmal eingeschlagenen Weg ohne wirklichen Anlass abbringen könnten?

5. Pflege ich meine geistigen (oder spirituellen) Potentiale ausreichend und regelmäßig - mindestens ebenso liebevoll wie meinen Körper oder meine Beziehungen?

6. Achte ich sorgfältig (ohne dramatische Übertreibung) und konstant auf meine ökonomischen Dinge (Finanzen, Versicherungen, Vorsorge usw.)? Lasse ich mich hier beraten, wenn ich selbst nicht genügend Kenntnisse oder Überblick besitze?

7. Kann ich nicht nur Ja oder Nein, sondern auch Vielleicht sagen? Kann ich mich vor Entscheidungen ausführlich informieren und die verschiedenen Optionen neutral abwägen?

8. Wann hatte ich zum letzten Mal einen ganzen Tag der Entspannung, an dem ich nichts getan habe, das notwendig war oder das ich "für andere" getan habe?

9. Wie gut kann ich "die Dinge geschehen lassen", mich aus Entwicklungen auch eine zeitlang heraushalten, mich nicht in die Angelegenheiten anderer einmischen, auch wenn ich den Eindruck habe, meine Hilfe würde gebraucht?

(10.) Stellen Sie sich selbst eine Frage, von der Sie wissen, dass sie auf ein für Sie sehr wichtiges Thema abzielt, an dem Sie schon lange "knabbern".


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 81: TÜV für Handlungstypen
Neulich kam ein Handlungstyp ins Coaching, den ich schon einige Jahre begleite (er kommt vielleicht einmal im Jahr, wenn er dringend jemand zum Reden braucht). Am Ende des Gesprächs fiel mir auf, dass es viel Ähnlichkeit mit einem TÜV-Besuch hatte: Bitte einmal durchchecken und danach eine Fehlerliste ausdrucken.

Hier also die TÜV-Checkliste für Handlungstypen (ohne Gewähr auf Vollständigkeit natürlich):
- Wann hatten Sie zum letzten Mal Urlaub?
- Wie gut schlafen Sie?
- Wie geht es Ihrem Rücken und Magen?
- Wie ist das Verhältnis zu den Menschen, die Sie in Ihre Nähe und an Ihr Herz lassen?
- Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Wohn- und Arbeitssituation?
- Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Körper im Allgemeinen und mit Ihrem Aussehen?
- Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Garderobe?
- Wie oft kommen Sie zum (zweckfreien) Spielen?
- Wann waren Sie zum letzten Mal im Theater, Stadion, Kino usw.
- Wann haben Sie zum letzten Mal einen ganzen Tag lang "nichts" gemacht?
- Wann haben Sie zum letzten Mal ein gutes Glas Wein getrunken, lange mit einem Freund geplaudert, eine CD ohne Unterbrechung und ohne andere Aktivitäten nebenher gehört bzw. ein Buch nur zur Unterhaltung gelesen?
- Wann haben Sie zum letzten Mal so sehr gelacht, dass Ihnen die Tränen kamen? Wann geweint?
- Wie geht es Ihrer (Kinder-)Seele?


Text und Redaktion: Werner Winkler

P.S. Vielen Dank für die zahlreichen Rückmeldungen und Skalenwerte, die ich auf den letzten Tipp der Woche bekommen habe!  
Tipp Nr. 80: Das Streben nach Ruhe
Friedrich Schiller (1759 - 1805) dichtete: "Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit."

Auf dem Hintergrund des Wissens um unterschiedliche Anteile der Persönlichkeit könnte dieser Tipp dahingehend gedeutet werden, das eigene Leben im Gleichgewicht dieser Anteile zu leben - also sowohl den "gelben", "blauen" und "roten" Seiten in uns ausreichend Raum zur Entfaltung zu geben.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 79: Einfache Feedback-Methode
Auf einem Seminar neulich ging es um die Frage, wie man Mitarbeitern ein regelmäßiges Feedback zu ihrer Arbeit geben kann, dass folgenden Vorgaben entspricht: a) effektiv, b) in kurzer Zeit zu erledigen, c) typgerecht (falls der Typus des Mitarbeiters bekannt, d) typunabhängig (falls der Typus des Mitarbeiters nicht bekannt) und schließlich noch e) in beide Richtungen funktioniert (Vorgesetzter-Mitarbeiter).

Für diese zahlreichen und z.T. hohen Hürden wählte ich eine Vorgehensweise, die ich von Steve de Shazer gelernt hatte und die ersten Versuche waren so gut, dass der Geschäftsführer die Anweisung an seine Führungskräfte gab, sie künftig standardmäßig zu verwenden. Sie ist sehr einfach (nur drei Teile) und kann ohne große Schulung umgesetzt werden:

1. Einschätzung der Arbeitsqualität für den Beobachtungszeitraum auf einer Skala von 1 (min.) und 10 (max.). Hierbei kann der Mitarbeiter sich selbst einschätzen, aber auch der Vorgesetzte kann seine Einschätzung vortragen.

2. Was hat dazu beigetragen, diesen Wert zu erreichen? Hier geht es darum, alles Positive und Erhaltenswerte zusammenzutragen - nicht um Kritik. Man könnte auch fragen: Was ist so gut, dass es bleiben soll?

3. Was wäre anders, wenn bei der nächsten Bewertung ein Punkt höher (auf der Skala) gegeben würde? Hier ist es wichtig, dass über konkretes, sichtbares Verhalten gesprochen wird, also zum Beispiel darüber, welche praktischen Veränderungen, die im Einflussbereich der Gesprächspartner liegen, eine Verbesserung darstellen würden.  

Die Ergebnisse des Gesprächs können einfach festgehalten werden und bilden die Grundlage für das nächste Gespräch. Die Skalenwerte können zu einem Durchschnittswert (z.B. einer Abteilung) zusammengefasst oder über einen längeren Zeitraum in ein Diagramm eingetragen werden.

Wenn die Gesprächspartner die Typzugehörigkeit und das Modell an sich kennen, lassen sich die Sammlung an Erhaltenswertem und die Veränderungspotentiale noch typgerecht formulieren, aber auch ohne ist die Wirkung schon ziemlich beeindruckend.

Kleiner Praxistest für die Leser der "Tipps der Woche":
1. Bitte bewerten Sie auf der 1-10-Skala, wie gerne Sie die Tipps der Woche lesen.
2. Welche Inhalte mögen Sie besonders - welche sollen weiterhin kommen?
3. Wenn Sie in einiger Zeit bei einer erneuten Befragung einen Punkt höher bewerten würden, was wäre dann anders als bisher?

Vielen Dank im Voraus an alle Antwortenden für ihr Feedback. Unter allen Rückmeldungen, die bis Ende April eingehen, verlose ich ein Exemplar von "Praktische Anwendung der Psychographie in Unternehmen" oder (falls schon vorhanden) ein anderes der Psychographie-Bücher aus meiner Feder nach Wahl.


Text und Redaktion: Werner Winkler  
Tipp Nr. 78: Im Land der Buntgemischten
Neulich schickte mir Lilly, ein Schulkind, einen Hinweis auf ein wunderbares Lied, das ich euch nicht vorenthalten möchte - das Lied vom Anderssein (sie hatte mir den Text extra in bunter Schrift in eine Datei getippt!).

Unter anderem heißt es darin:
Im Land der Buntgemischten sind alle buntgemischt,
Und wenn ein Gelbgetupfter das bunte Land aufmischt,
dann rufen Buntgemischte: "Willkommen hier im Land!
Hier kannst du mit uns leben, wir reichen dir die Hand!"

Eine Knetverfilmung dieses Kinderlieds von Klaus Hoffmann gibt es hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=ow9swwgSTY4


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 77: Zu nett für diese Welt?
Ein Vorgesetzter kritisiert seine Beziehungstyp-Mitarbeiterin: Sie sei viel zu nett, lasse sich zu sehr auf die Kunden ein. Die Mitarbeiterin versteht die Welt nicht mehr - soll sie sich selbst aufgeben, kalt und hart werden?

Im Workshop erkennt sie sich schnell als Beziehungstyp, ihren Chef als Handlungstyp. Aus seiner Sicht ist sie verständlicherweise viel zu nett - denn er geht von sich aus und weiß, dass er nur ausnahmsweise so viel Freundlichkeit in die Kunden investiert.

Die Mitarbeiterin versteht nun nicht nur sich selbst, sondern auch ihren Chef besser. Sie nimmt sich vor, sich nicht zu verändern und zu bleiben, wie sie ist - aber ihren Chef bei nächster Gelegenheit über die Unterschiede zwischen ihnen und die Ursache dafür aufzuklären.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 76: Tipp für den gegenwartsorientierten Joachim Gauck
Bei gegenwartsorientierten Menschen wie (so vermute ich) unserem neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck ist "der Augenblick alles" und die Vergangenheit hat ihr gegenüber meist nur geringes Gewicht. Solch ein Mensch kann etwa nach einem anstrengenden Tag des festen Entschluss fassen (und dies auch so kommunizieren), dass er morgen erst einmal eine Pause bräuchte oder dass er sich nächstes Mal zu keinem zweiten Glas Wein wird überreden lassen usw.
Am nächsten Morgen jedoch kann dieser Gegenwartsorientierte "spontan" entscheiden, dass er doch wieder fit ist, dass es ein wunderschöner Abend war und er gerne noch ein drittes Glas mit den Freunden geteilt hätte. Angenommen, er hat nun eine vergangenheitsorientierte Lebensgefährtin, wird diese von seinem Zick-Zack-Kurs vermutlich immer wieder erstaunt sein, da sie wesentlich konstanter agiert.
Tipp daher für Joachim Gauck und alle Gegenwartsorientierten: üben Sie sich bewusst darin, die "roten Fäden" Ihres Lebens nicht zu verlieren und sie auch in hektischen Zeiten eher länger als kürzer abzuschneiden.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 75: Tipp für die wir-verbundene Angela Merkel
In einer auf YouTube nachzusehenden Szene aus dem Deutschen Bundestag spricht Jürgen Trittin (Sachtyp-Denker) vom Rednerpult aus Angela Merkel (Sachtyp-Denker) auf ihren Urlaub an: wie schön es dort sicher sein wird, wenn es morgens von draußen kräht und sie sicher sein könne, dass es der Hahn ist und nicht Guido Westerwelle, ihr Außenminister. Darauf große Heiterkeit im Parlament, die Kanzlerin kann sich ein Mit-Lächeln nicht verkneifen ... bis ihr wohl bewusst wird, wer wie versteinert neben ihr sitzt: Außenminister Guido Westerwelle.
Mein Tipp an dieser Stelle für die vermutlich wir-verbundene Kanzlerin: Wenn Sie merken, wie eine größere Gruppe, der Sie sich zugehörig fühlen (im Beispiel die Mitglieder des Bundestages) Sie zu einem Spaß auf Kosten eines Einzelnen (eines "Du") einladen möchten, halten Sie einen Moment inne und überprüfen Sie, in welchem Verhältnis (geschäftlich, privat, politisch) Sie zu ihm stehen und ob Ihr Mitlachen nicht eine Nebenbotschaft transportiert, die Sie so nicht kommunizieren wollten. Und falls Sie die psychographische Terminologie kennen sollten könnte ich Ihnen auch raten: Nehmen Sie gerade als stark wir-verbundener Mensch Ihr direktes Gegenüber (oder Ihren Nebensitzer) besonders ernst und ignorieren Sie ihn nicht. Im konkreten Fall wäre es sicher gut gewesen, anstatt eines Lächelns einen Blick zur Seite zu werfen und dem Außenminister Ihre Solidarität zu versichern. Wobei natürlich auch ein kurzer Zwischenruf - falls Ihnen das als Kanzlerin gestattet ist - denkbar gewesen wäre, vielleicht in der Art: Wenn morgens niemand mehr kräht, war in der Nacht der Fuchs da.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 74: Der Kormoran an Vorbild
Kormorane gehören zu den wenigen Lebewesen, die sich regelmäßig sowohl auf dem Land, im Wasser und in der Luft aufhalten.

Jedoch nutzen diese Vögel ihre Fähigkeit zu schwimmen und zu tauchen eher selten und vor allem zum Fischen. Damit geben sie uns ein Vorbild für die Nutzung der vernachlässigten Ressourcen - es macht zwar Mühe, sie zu aktivieren, aber das Ergebnis (im Fall des Kormorans der gefangene Fisch) belohnt dafür.

Tipp: Schauen Sie sich auf youtube oder bei Gelegenheit im Fernsehen die beeindruckenden Vögel an, falls Sie keine Chance haben, sie in echt zu sehen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 73: Einfacher Sachtyp-Test?
Nach langer Beobachtung dieses Phänomens und mehreren Versuchen möchte ich" einen einfachen Test vorschlagen, wie Sachtypen/Temporiker erkannt werden können: Die Testperson stellt sich locker hin und lässt beide Arme nach unten hängen. Nun nimmt der Testleiter eine Hand und hebt sie im 90-Grad-Winkel an. Gleich darauf lässt er sie los. Fällt sie herunter, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Testperson Sachtyp ist, nach meiner Beobachtung ziemlich hoch. Für Rückmeldungen, speziell von Sachtypen, wäre ich hierzu sehr dankbar.

Tipp der Woche daher: Achten Sie darauf, wie hoch oder niedrig die Körperspannung eines Menschen ist, um Hinweise auf den Grundtypus zu bekommen. Niedrige Körperspannung wie bei den Sachtypen die Regel zeigen sich etwa auch durch das "im Takt schlenkern" der Arme beim Spazierengehen. Meist sind dann auch die Finger sehr entspannt und leicht eingeklappt, wie neulich beim Rücktritt von Christian Wulff zu beobachten, als er den Saal verließ.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 72: Die Super-Ressource nutzen
Zu den relativ neuen Erkenntnissen in der Psychographie, die sich bei der Erstellung der "Stärken-Profil-Analyse" in Form der "Haus-Darstellung" ergeben, gehört die Entdeckung der "Super-Ressource".

Wie auf www.123modell.de in der rechten Spalte an einem Beispiel zu sehen, zeigt sich für jedes Stärken-Profil genau eine von neun Stärken als besonders "klein" - woraus sich ihre enorme Wirksamkeit als Ressource ergibt - eben der "Super-Ressource".

Im Beispiel ist es das "Machen" beim Sachtyp-Denker - und so wunderte ich mich neulich nicht, als auf dem Flipchart im Büro eines solchen Sachtyp-Denkers kurz nachdem wir die Analyse durchgeführt hatten, in großen Buchstaben das Wort "Machen" zu lesen war.

Tipp der Woche: Finden Sie Ihre "Super-Ressource" heraus und nutzen Sie diese bewusst und regelmäßig!

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 71: Wie sich Stärken-Profile unbewusst zeigen
Auf ihrer Webseite www.dialog-ueber-deutschland.de bietet Bundeskanzlerin Angela Merkel (die ich für wir-verbunden, zukunftsorientiert und einen Denker halte) in großen Lettern Folgendes an:

"Lassen Sie uns gemeinsam nachdenken, wie wir in Zukunft leben wollen."

In solchen Sätzen zeigen sich für den "Kundigen" immer wieder genau die Stärken, die durch das Naturell des Einzelnen besonders ausgeprägt sind.

Oder wenn ein Kollege ins Büro kommt und sein erster Satz lautet: "Ich muss jetzt erstmal ganz viel machen." - dann lässt das schmunzeln, wenn man im Hinterkopf hat, dass man es mit einem "Handlungstyp, ich-verbunden, gegenwartsorientiert und Macher" zu tun hat.

Hinhören lohnt sich so gesehen nicht nur für Politiker, sondern auch für uns, die wir an den Unterschieden zwischen Menschen mehr als üblich interessiert sind.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 70: In einem Jahr ist alles vergessen?
Auch wenn es sachlich für den Betroffenen und die Öffentlichkeit eine sehr unangenehme Geschichte ist, bieten die Vorgänge rund um den Bundespräsidenten Christian Wulff reichlich Anschauungsmaterial für den "Persönlichkeitskundler".

Mein schon länger bestehender Verdacht zum Beispiel, dass er zur Gruppe der Gegenwartsorientierten gehören könnte, verstärkte sich neulich, als er meinte, „In einem Jahr ist das alles vergessen“. Hier scheint er von sich selbst auszugehen - denn für die Gegenwartsorientierten vergeht das Vergehende nun einmal überwiegend schneller und spurenloser als für Vergangenheits- oder Zukunftsorientierte.

Merke: Einer der prägnantesten Unterschiede, die durch das Erkennen und Akzeptieren der eigenen Bevorzugungen entsteht ist die Erkenntnis, dass ich nicht von mir auf alle anderen (und nicht einmal auf die Mehrheit!) schließen darf.


Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 69: Wünsche Sterbender
Eine Krankenschwester hat über viele Jahre die Wünsche gesammelt, die Sterbende ihr gegenüber geäußert haben - wie ich finde, eine Sammlung, die gerade aus Sicht der Psychographie eine gewisse Zuordnung (zu Grund- oder Untertypen) erlaubt und uns vielleicht dabei hilft, rechtzeitig gegen zu steuern. Wobei natürlich kritisch angemerkt werden könnte, dass diejenigen, die bereit sind, gegenüber einer Krankenschwester solche Wünsche zu äußern, vermutlich nicht gleichmäßig über alle unsere Typgruppen verteilt sein dürften. Die Häufung von typischen Handlungstyp-Wünschen lässt zudem vermuten, dass besonders diese Gruppe Menschen unter "Reuegefühlen" oder dem Eindruck, zu kurz gelebt zu haben, leidet.

Die "fünf Wünsche" in der Reihenfolge der Häufigkeit und in Klammern dahinter meine Vermutung der Bevorzugung:

1. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, ein Leben getreu mir selbst zu führen – anstatt eines, das andere von mir erwarteten. (Du-Verbundene)
2. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet. (Handlungstyp/Aktioniker)
3. Ich wünschte, ich hätte den Mut aufgebracht, meine Gefühle zu zeigen. (dto. wie 2.)
4. Ich wünschte, ich wäre mit meinen Freunden in Kontakt geblieben.(dto. wie 2.)
5. Ich wünschte, ich hätte mich glücklicher sein lassen. (dto. wie 2.)

Quelle: http://szmstat.sueddeutsche.de/blogs/nummereins/1647/nummer-eins-der-reue/

Ich werde diesen Text nach Erscheinen ins Forum einstellen und bin neugierig auf Rückmeldungen oder Ergänzungen dazu.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 68: Drei Anekdoten
"Aus drei Anekdoten ist es möglich, das Bild eines Menschen zu geben." (Friedrich Nietzsche)

Eine Anekdote ist eine kurze und prägnante Geschichte aus dem Leben eines Menschen, das diesen Menschen oder jemand aus seinem Umfeld charakterisieren soll.

Ob es sich nun um eine Anekdote in einem Buch oder einer Zeitung handelt oder nur um den Tratsch in der Mittagspause unter Kollegen - offenbar mögen wir solche Kurzgeschichten und haben ein gutes Gespür dafür, uns daraus ein Bild von jemand zu machen.

Gerade in Biografien finden sich häufig ganze Anekdoten-Sammlungen und daher lautet der Tipp der Woche auch: wer etwas über einen Menschen lernen und nebenbei nachforschen möchte, welche Bevorzugungen er womöglich zeigt, findet reichlich Stoff in Biografien oder Autobiografien.

Wobei natürlich die Deutung von Geschichten hinsichtlich des Persönlichkeitstyps eine gewisse Erfahrung voraussetzt - wie am Beispiel der Anekdote über Immanuel Kant zu sehen: lässt seine überdeutliche Pünktlichkeit bei seinen täglichen Spaziergängen (nach der die Königsberger angeblich ihre Uhr stellen konnten) nun auf einen Handlungs- oder Sachtyp schließen? Eine Anekdote allein reicht also - wie schon Nietzsche wusste - meist nicht aus ...

Text und Autor: Werner Winkler
Tipp Nr. 67: Drei bis einundachtzig Normalitäten
Was ist "normal", z.B. an Verhalten in einer bestimmten Situation? Die Relevanz der Naturell- oder Typunterschiede wurde mir neulich wieder bewusst, als ein Handlungstyp-Mensch seine Kritik mit dem Nachsatz versah: "Sie sollen sich einfach so verhalten, wie man sich normalerweise in solch einer Situation eben verhält."

Ein schönes Beispiel dafür, was geschieht, wenn jemand davon ausgeht, dass alle Menschen gleich sind (nämlich so, wie er selbst).

Das Wissen jedoch, dass es drei (Grundtypen) bis 81 (Untertyp-Kombinationen) zum Teil völlig verschiedene Sichtweisen auf das Leben allein schon aus dem angeborenen Naturell gibt, lässt diese Vereinfachung nicht zu.

Weil ich das weiß, kann ich mich entscheiden, mich dem Gegenüber zuliebe so zu verhalten, wie es in seinen Augen "normal" wäre - oder ich kann auch selbstbewusst sagen: Ich verhalte mich für meine Person völlig normal - nur sind Sie und ich eben verschiedene Menschen.

Das Nachdenken darüber und über die Konsequenzen kann ich meinem Gegenüber jedoch ebenso wenig abnehmen wie die Einsicht, dass er selbst nicht das Maß aller Dinge ist.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 66: Drei Arten von Glück
In der ZEIT vom 29.12.2011 findet sich ein kurzer Artikel mit dem Titel "Spuren im Gehirn" - darin berichtet der Autor, dass sich aus der Biochemie des Gehirns genau drei Arten von Glück unterscheiden lassen, jede von ihnen durch unterschiedliche Botenstoffe ausgelöst:

1. Das "Glück des Wollens": Wenn man nach etwas strebt, stellt Dopamin die Belohnung in Aussicht, Endorphine lösen Euphorie aus.

2. Das "Glück des Vermeidens": Wenn man einer Bedrohung entgeht oder sie übersteht, sinken Kortisol- und Adrenalinspiegel und führen zu Entspannung.

3. Das "Glück des Seins": Wenn man das hat, was man braucht, bilden sich körpereigenes Morphium (Zufriedenheit), Serotonin (Beruhigung) und Oxytocin (Verbundenheitsgefühl).

Ich werde diesen Artikel auch ins Forum stellen und bin gespannt, welche Zuordnung zu unseren drei Typgruppen die Leser vornehmen.

Für 2012 jedenfalls ausreichend von allen drei Glücksarten - und jedem speziell etwas mehr von dem, wovon ihm bisher noch fehlt!

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 65: Rückblick ins Alte Jahr
Von Jahren wurde die Neujahrsansprache eines deutschen Bundeskanzlers vom Vorjahr wiederholt - und nur wenige Zuhörer hatten es bemerkt.

Der Zweck, warum ich an dieser Stelle einen Tipp der Woche vom vorigen Jahreswechsel wiederhole soll jedoch sein: Blicken Sie einmal kurz zurück und bewerten Sie, ob oder wie häufig es Ihnen gelungen ist, nur diesen einfachen, zu Ihrem Naturell passenden Tipp umzusetzen ...

Beziehungstypen/Relationiker: Nur ein Drittel so viel verschiedene Dinge anfangen und dafür dreimal so viel Zeit nehmen.

Sachtypen/Temporiker: Dreimal so viel wegwerfen wie bisher, dreimal so schnell aktiv werden, dreimal so häufig "Nein" sagen.

Handlungstypen/Aktioniker: Dreimal so häufig lächeln, dreimal so oft eine Verschnaufpause einlegen und etwas Schönes genießen, dreimal so viel Nachsicht mit sich selbst und seinen Unperfektheiten üben.

Und?

Text und Redaktion: Werner Winkler  
Tipp Nr. 64: Triaden-Kombination (4)
Ein schönes Beispiel für eine Triaden-Kombination bietet das Sprichwort: "Die wichtigste Stunde ist immer die gegenwärtige, der wichtigste Mensch: dein Gegenüber."

Die Kombination besteht hier also aus Gegenwartsorientierung und Du-Verbundenheit und fasst die vernachlässigten Ressourcen von zukunftsorientierten und wir-verbundenen Menschen zusammen:

Zukunft >> Gegenwart
Wir >> Du


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 63: Die Drei in der Weihnachtszeit
Am vierten Advent ist Gelegenheit, nach der Zahl Drei in der Weihnachtszeit Ausschau zu halten. Es ist ja kein Zufall, dass die christliche Gottheit keine Zwei-, sondern eine Dreifaltigkeit darstellt, dass die "heilige Familie" aus drei Personen (Vater, Mutter, Kind) besteht und dass das Jesuskind von drei Weisen besucht wird.

Philosophisch könnte man formulieren: das "dritte Element" wird als das Besondere, manchmal sogar als die (Er-)Lösung aus der Sackgasse der Dualität erlebt; wie schon Erich Fried jenen riet, die sich zwischen Herz und Verstand gefangen sehen: "Geh zwischen beiden den heimlichen Weg". Wobei es für die psychographisch Kundigen kein Geheimnis bleibt, was mit diesem "heimlichen Weg" gemeint ist - denn während das Herz zu "Gelb" und der Verstand zu "Blau" gehört, bietet sich uns das "Rot" mit dem praktischen Verhalten als Ausweg an.

Theologisch könnte also laienhaft formuliert werden: Zuerst schwebte laut dem Buch Genesis der Geist über dem Chaos (der "blaue" Anteil der Gottheit"), dann sprach der Schöpfergott (der "rote" Anteil) das Machtwort des "Es werde ..." bis schließlich (schon im jüdischen Glauben, aber explizit im Christentum) der menschliche, "gelbe" Anteil zu Tage tritt: die Güte, Liebe und Vergebungsbereitschaft des Kindes.

Einen entspannten vierten Advent, frohe Weihnachten und an dieser Stelle herzlichen Dank allen Lesern, besonders den kritischen, die mir immer wieder Rückmeldungen per E-Mail geben!

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 62: Triaden-Kombination (3)

Beispiel 3 (für Beziehungstypen): Anstatt "Auf der Beziehungsebene dramatisch-emotional mit Flucht und Rückzug reagieren." lässt sich eine neue Triade aus den jeweiligen Ressourcen bilden:

dramatisch-emotional -->> gelassen-sachlich
Beziehungsebene -->> Sachebene
reagieren -->> passieren lassen, passiv bleiben
Flucht -->> Verteidigung

Zusammen also als neues Leitmotiv: "Auf der Sachebene gelassen die eigene Meinung verteidigen und die Dinge passieren lassen."


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 61: Triaden-Kombination (2)

Beispiel 2 (für Sachtypen): Anstatt "Vorsichtig abwarten und wenig tun oder riskieren" lässt sich eine neue Triade aus den jeweiligen Ressourcen bilden:

vorsichtig -->> mutig
abwarten -->> etwas tun
wenig riskieren -->> viel investieren

Zusammen also als neues Leitmotiv: "Mutig etwas tun und viel investieren."


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 60: Triaden-Kombination (1)

Wer sich ein wenig mit der Psychographie oder dem 123-Modell beschäftigt, wird früher oder später auf die Triaden und ihren Nutzen stoßen - und vielleicht auch darauf, dass man sie miteinander kombinieren kann.

Beispiel 1 (für Handlungstypen): Anstatt "Das Projekt zielgerichtet und mit viel Kraft zu verfolgen" lässt sich eine neue Triade aus den jeweiligen Ressourcen bilden:

Ziel -->> (neuer) Anfang
viel Kraft -->> vielfältige Ideen
verfolgen -->> helfen, retten

Zusammen also als neues Leitmotiv: "Dem Projekt durch einen Neuanfang mit vielfältigen Ideen auf die Sprünge helfen."

Dass sich mit diesem Ansatz eine andere Haltung ergibt, versteht sich von selbst - und ich finde es immer wieder spannend zu sehen, wie Gesprächspartner auf solche passgenauen Alternativen reagieren (meist ziemlich verdutzt).

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 59: Von Goethe lernen.
Ein interessantes Phänomen, für das wir noch keinen speziellen Fachbegriff haben und das ich am Beispiel des (vermuteten) Beziehungstyps/Relationikers Goethe illustrieren möchte: Da entwickelt sich jemand aus seinem angeborenen Naturell heraus und erobert sich den schwächer ausgeprägten Stärkenbereich - im Fall Goethes den des Verstehens, Wissens, Forschens. Denn "schöne Gedichte schreiben" konnte er von Anfang an. Aber das Dazulernen, die Wissenschaft - das reizte ihn je länger, je mehr.

Und dann erkennt er irgendwann: "Es genügt nicht zu wissen, man muss es auch anwenden."

Aus psychographischer Sicht merkt Goethe, dass er nun den "zweiten Schritt" gehen muss und nicht in seinem Ressourcen- oder Entwicklungsbereich stehen bleiben darf.

Dass jemand nach dem (wertvollen und mühsamen) ersten Entwicklungsschritt heraus aus seiner ursprünglichen "Stärkenheimat" nicht mehr weiter kommt, merkt man beim Beziehungstyp daran, dass er nur noch am Verstehen und Dazulernen ist und keine praktischen Konsequenzen daraus zieht. Der Sachtyp/Temporiker hingegen verharrt im einmal erzielten Erfolg, arbeitet Tag und Nacht und bleibt im "viel hilft viel" gefangen, wo er doch weiter in Richtung Glück und Muse gehen sollte. Und der in Richtung seiner Ressourcen glückliche Handlungstyp/Aktioniker wird zu einem weinseligen oder die häusliche Gemütlichkeit übertrieben auslebenden, dumpfen Menschen, der sich davor scheut, seinen geistigen Neigungen nachzugehen oder sich intensiv mit Fachthemen zu befassen.
Tipp Nr. 58: Ohne Leistung kein Leben?
Rüdiger Grube, derzeitiger Chef der Deutschen Bahn und nach meiner Beobachtung ein Handlungstyp-Macher wie aus dem Lehrbuch, kämpft angesichts des Volksentscheids in Baden-Württemberg darum, dass seinem Lieblingsprojekt Stuttgart21 von den Stimmbürgern nicht der Finanzhahn zugedreht wird.

Ein Zitat aus einem Artikel der Stuttgarter Zeitung lässt den oben geäußerten Typverdacht weiter erhärten: "Rüdiger Grube ist dennoch optimistisch. Sein ganzes Leben  habe er nach einer Devise gelebt: Wenn du Leistung bringst, dann  kriegst du etwas dafür. Und für Stuttgart 21, findet er, hat schon jetzt ziemlich viel Leistung gebracht."

Wenn ich solche Sätze lese, muss ich immer an die vermutete Ursache für die Herausbildung des Handlungstyps denken - seine erste Lebenserfahrung: er muss ständig Leistung bringen, das mütterliche Blut gegen die Schwerkraft in seinen kleinen Körper pumpen, sonst muss er sterben. Dass ein Leben unter diesem enormen Druck "kein Ponyhof ist", kann man auch als Nicht-Handlungstyp verstehen.


Quelle Zitat: www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.volksabstimmung-ante-portas-grube-brennt-fu er-stuttgart-21-page1.3d285a27-5280-4ae1-b7d1-a4568d1d5867.html
Tipp Nr. 57: Die Götter verstehen.
"Es gibt noch viele Aspekte der menschlichen Natur, die wir verstehen müssen und für die es noch keine brauchbaren Modell gibt. Vielleicht sollten wir davon ausgehen, dass die Moral nur den Göttern bekannt ist und dass wir, wenn wir Menschen als Modellorganismen für die Götter betrachten, durch das Studium unserer Selbst vielleicht auch dazu kommen, die Götter zu verstehen."
(Sydney Brenner, Biologe , in seiner Nobelpreisrede 2002; zitiert nach Eric Kandel, Auf der Suche nach dem Gedächtnis; er etablierte einen Fadenwurm als Modellorganismus für das menschliche Nervensystem)

Diese Zeilen erinnerten mich an die Aussage eines Kollegen: "Als ich noch versuchte, Gott zu suchen, fand ich nur Menschen. Bei der Suche nach mehr Verständnis für die Menschen aber wuchs mein Verständnis für das, was wir Gott nennen fast von allein."


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 56: Kant, Raum, Zeit.
Immer wieder einmal freue ich mich über zufällige und unerwartete Zeilen in einem Buch, die das psychographische Modell unterstreichen, ohne dass der Autor diese Absicht hegte.

So neulich in dem spannenden Buch des Nobelpreisträgers und Hirnforschers Eric Kandel "Auf der Suche nach dem Gedächtnis". Am Beginn des 23. Kapitels heißt es da über Immanuel Kant (bei dem ich schon lange vermute, dass er Sachtyp/Temporiker war): "Kant (...) vertrat die Ansicht, dass unsere Fähigkeit zur Repräsentation des Raumes unserem Verstand von Natur aus mitgegeben sei. Der Mensch werde mit Kategorien für die Ordnung von Raum und Zeit geboren, so dass andere Sinneswahrnehmungen - von Objekten, Melodien oder Tasterlebnissen - automatisch in bestimmter Weise mit Raum und Zeit verknüpft würden."

Das trifft sehr gut das Erleben der Sachtypen - aber eben nur dieser Gruppe. Für mich als Beziehungstyp etwa verknüpfen sich "Objekte, Melodien oder Tasterlebnisse" eher und automatisch mit den emotionalen Zuständen oder den Beziehungen zu Menschen, die ich mit diesen Erinnerungen verbinde. Und für die Handlungstypen würde ich einmal behaupten, bei ihnen sind es die körperlichen Aktivitäten, an die sich die anderen Erinnerungsbestandteile anhängen ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 55: Angeboren, nicht vererbt.
Ab und zu finde ich einen Satz oder Begriff, einen Teilaspekt unseres Modells verständlicher zu machen als das bis dato gelungen ist.

Neulich war es wieder einmal der Fall. Da ging es um die Frage (eines "Neulings"), woher die Typunterschiede kämen, welchen Anteil die Eltern, die Erziehung, die Umwelt usw ...

Als ich darauf zu erklären versuchte, dass am Beispiel eineiiger, aber typverschiedener Zwillinge deutlich werde, dass die Ursache der Typunterschiede weder in den vererbten Genen noch in der Erziehung liegen könne, fiel mir dieser Satz ein: "Die Typunterschiede sind angeboren, aber nicht vererbt."

Sie entstehen also - nach allem, was wir bisher wissen - in der Zeit zwischen der ersten Zellteilung und der Geburt.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 54: Affentheater im Team
Eine weitere nützliche Metapher, die ich seit vielen Jahren einsetze, speziell, wenn es darum geht, die Auswirkungen der Typ- oder Naturellunterschiede in Teams zu verdeutlichen ist die Vorstellung, wie es wohl in einer Gruppe unterschiedlicher Primaten (Gorillas, Orang-Utans, Schimpansen) zugehen würde, ließe man sie gemeinsam ein Gehege in einem Zoo oder ein Stück Urwald beziehen.

Während in der Natur diese drei Arten nirgends gemeinsam auftreten, leben beim homo sapiens die verschiedenen Ausprägungen - also homo sapiens relationis, homo sapiens temporis und homo sapiens actionis, um einmal diese Begriffe zu verwenden - in den gleichen Lebensräumen, z.B. in einer Abteilung eines Unternehmens.

Zwar werden in vielen Unternehmen inzwischen kulturelle Unterschiede oder Geschlechterunterschiede berücksichtigt, aber noch nicht sehr häufig die Unterschiede im Naturell (und damit in Verhaltensstilen, Denkweisen, Stärkenausprägung usw.), wie wir sie als Psychographen fast schon selbstverständlich erkennen und damit umgehen. Das Bild der "Affenbande", die sich aus deutlich zu unterscheidenden Arten zusammensetzt, öffnet vielen hier dauerhaft die Augen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 53: Starke und schwache Hand
Eine sehr taugliche Metapher, um das Phänomen von Bevorzugung und Vernachlässigung in der Psychographie zu erklären ist Vorhandensein einer "starken" und einer "schwachen" Hand bei uns Menschen. Ich verwende dieses Bild immer wieder in Gesprächen mit Klienten, die noch nichts von unserem Thema gehört haben und merke, dass es sofort verstanden wird.

Also zum Beispiel so, dass für jemand (den wir zukunftsorientiert nennen) sein automatischer Reflex auf der zeitlichen Ebene in die Zukunft geht und er dadurch das Bewusstsein für die Gegenwart ausblendet. Trotzdem hat er natürlich die Möglichkeit dazu, bewusst den Moment zu erleben - ebenso wie ein Rechtshänder nicht nur seine rechte Hand benutzen kann, sondern auch die linke oder beide gleichzeitig.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 52: Wachstumsbereiche und Co.
Auf dem 12. Psychographie-Tag letzten Samstag in Stuttgart hörte ich zum ersten Mal ein schönes Wort als Bezeichnung für das, was wir bisher "Entwicklungsbereiche" (nach Dietmar Friedmann), Vernachlässigungen oder Ressourcen genannt haben, nämlich "Wachstumsbereiche" (so der Ausdruck von Guido Vetter) - ein wunderbar organischer Begriff, der spontan auf viel positive Resonanz stieß.

Für mich wieder - ähnlich wie bei dem Begriff "Stärken-Profil-Analyse" - ein schönes Beispiel, dass wir noch lange nicht am Ende der sprachlichen Möglichkeiten sind, die Phänomene zu beschreiben, die uns die Psychographie so wertvoll machen.

Und die Erinnerung daran, dass psychologische Vorgänge selten mit nur einem einzigen Wort korrekt benannt werden können und dass wir uns unnötig einengen, wenn wir uns auf die Verwendung eines einzigen Begriffs beschränken. So wundert es mich auch nicht, dass der erste Psychograph der Ukraine sich schon seit einigen Monaten darum bemüht, die psychographischen Fachwörter möglichst gut in seine Sprache zu übertragen - wenn wir im Deutschen nach inzwischen über 20 Jahren noch nicht "fertig" sind, darf es auch in anderen Sprachen durchaus etwas länger dauern ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 51: Stärken-Profil-Analysen
Statt dem lange verwendeten Begriff "Typanalyse" verwende ich seit ungefähr einem Jahr im Gespräch mit Nicht-Fachleuten bewusst die Bezeichnung "Stärken-Profil-Analyse", z.B. wenn ich gefragt werde, was ich als Coach oder Trainer in einem Team konkret mache.

Meine Erfahrungen damit sind durchweg positiv, vermutlich auch deshalb, weil sich fast jeder unter jedem einzelnen der drei Teilbegriffe etwas vorstellen kann und sie in der gemeinsamen Verwendung etwas Neues, Neugier weckendes bilden.

Diese Neugier lässt sich auch leicht mit einem kleinen Beispiel weiter anfachen, etwa mit einer Erläuterung zu unterschiedlichen Stärken-Profilen in der zeitlichen Wahrnehmung (gegenwarts-, vergangenheits- oder zukunftsorientierte Mitarbeiter). Dieses Phänomen ist vielen meiner Gesprächspartner bereits aufgefallen, ohne dass sie dafür eine Erklärung oder einen Fachbegriff kannten.

Fazit: Die Suche nach möglichst guten Begriffen lohnt sich - auch wenn es manchmal ein paar Jahre dauert!


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 50: Rückzug
Von der übertriebenen und oft vorschnellen Neigung der Beziehungstypen/Relationiker zum Rückzug war bereits die Rede, auch von einem häufigen Auslöser, nämlich der emotionalen Überbeanspruchung (die übrigens nicht nur in einer negativen, sondern auch in einer extrem positiven Situation auftreten kann).

Wann ist also ein Rückzug passend, speziell für einen Beziehungstyp-Menschen? Als Faustregel könnte hier (gemäß der Triade) gelten: wenn er sich alle drei Optionen - also Angriff, Verteidigung und Rückzug als gleichwertige Optionen in Ruhe angeschaut und danach entschieden hat, welche davon er nutzen möchte. Dies gelingt freilich eher mit ausreichend Zeit, Abstand und einem kühlen Kopf als "im Eifer des Gefechts".

Für Sachtypen scheint ein Rückzug vor allem dann passend, wenn die Möglichkeiten zum Angriff entweder ohne den erhofften Erfolg ausgereizt oder völlig aussichtslos sind.

Und für Handlungstypen gilt der Tipp, den Rückzug fest als eine positive Handlungsoption einzuplanen und darin keine Schwäche, sondern die souveräne Entscheidung eines freien Willens zu sehen. Das Sprichwort "Der Klügere gibt nach" könnte aus dieser Erkenntnis entsprungen sein. Nach meiner Erfahrung wirken Handlungstypen übrigens sehr sympathisch, wenn sie sich als faire Verlierer outen und auf die letzte denkbar Stufe der Konflikteskalation verzichten.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 49: Angriff
Mit Angriff ist, wie im letzten Tipp der Woche bereits ausgeführt, die Bevorzugung der Handlungstypen beschrieben. Häufig geht es bei ihnen nach dem bekannten Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" und ein Rückzug oder gar die Flucht wird fast schon als Niederlage gewertet. Auch Sprichwörter wie "lieber tot als unfrei" könnten aus dieser Gruppe und Haltung entspringen.

Während sich also Beziehungstypen viel zu schnell und oft als Reaktion auf das Gefühl, nicht geliebt zu werden, zurückziehen, schließen Handlungstypen diese Option fast vollständig aus. Die Erfahrung zeigt aber, dass eine kritische Situation im Leben eines Handlungstyps oft schon allein dadurch entspannt, dass er den Raum (auch mit einer Entschuldigung) verlässt und tief Luft holt.

Wagen sich Sachtypen in ihre vernachlässigte Ressource und greifen aktiv und mutig an, anstatt sich defensiv (und in Opferhaltung) zu verteidigen, begeben sie sich auf eher ungewohntes Terrain und sollten deshalb damit rechnen, auch einmal einen Fehler zu machen und daraus zu lernen. Manchmal kann die Erfolgsaussicht für Sachtypen auch dadurch erhöht werden, dass sie sich gute Vorbilder suchen. Denn klar ist: wenn jemand auf einer bekannten Route schon einmal erfolgreich einen schwierigen Weg bis zum Ziel geschafft hat, lohnt es sich, diesen zumindest bei der eigenen Routenplanung in Betracht zu ziehen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 48: Verteidigung
In der Triade

- Rückzug/Flucht (gelb)
- Verteidigung (blau)
- Angriff (rot)

stellt die Verteidigung die Bevorzugung der Sachtypen/Temporiker und somit die Vernachlässigung der Beziehungstypen/Relationiker dar. Anders gesagt: Sachtypen verteidigen sich zu häufig und reflexartig, Beziehungstypen eher zu selten (sie wählen stattdessen zu häufig den Rückzug bzw. treten die Flucht an).

Beobachten wir also einen Sachtypen in der Verteidigungshaltung, können wir ihn dazu ermutigen, aktiver zu werden und ruhig einmal den Angriff zu wagen. Die Chancen stehen gut, dass als Ergebnis (der Triade folgend) der ursprüngliche Angreifer den Rückzug antritt.

Getraut sich hingegen ein Beziehungstyp, seinen (meist emotional verursachten) Impuls zum Rückzug zu unterdrücken und sich zu verteidigen, ist ihm zu besonderer Sachlichkeit, Vernunft und zu einer undramatischen Sprache zu raten.

Zuletzt für die Handlungstypen: Für sie sollte es nicht nur zwischen Verteidigung und Angriff hin- und hergehen - zusätzlich können sie auch einen (womöglich taktischen) Rückzug in Betracht ziehen, um ihre Verteidigungsstrategie in Ruhe und ohne hektischen Aktivismus zu planen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 47: Vom Vorausblicken der Zukunftsorientierten
Im Umgang mit zukunftsorientierten Menschen muss man sich darauf einstellen, dass das Gegenüber die Dinge automatisch aus der Zukunftsperspektive betrachtet - also etwa daraufhin, wie ein Projekt weitergehen bzw. zu Ende gehen soll. Auch Vorfreude oder Zukunftsängste werden eher stärker ausgeprägt sein als bei Vergangenheits- oder Gegenwartsorientierten.

Zur Erinnerung: durch die Bevorzugung der Zukunft ist die Gegenwartsorientierung schwächer ausgeprägt - diese kann jedoch durch gezieltes Ansprechen, Bewusstmachen oder Trainieren zumindest punktuell gestärkt werden. Eine hilfreiche Frage kann hier lauten: Welche Konsequenz hat das, was du dir für die Zukunft vorstellst, für dein heutiges Leben?


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 46: Von der Speicherkapazität der Vergangenheitsorientierten
Die Unterschiede im Erinnerungsvermögen zwischen Menschen werden vor allem dann offenkundig, wenn Vergangenheitsorientierte auf Gegenwarts- oder Zukunftsorientierte treffen. Hier hilft das Wissen um diese Unterschiede beim Verstehen bzw. Akzeptieren.

Ein Beispiel: Drei Kollegen in einer Besprechung. Der Zukunftorientierte stellt eine, wie er meint, völlig neue Idee vor. Dem Vergangenheitsorientierten fallen auf Anhieb zwei bis drei ähnliche Projekte ein, die vor vielen Jahren schief gingen. Für ihn handelt es sich keineswegs um ein neues Projekt, sondern um eine schlichte Wiederholung und er sieht ein ähnliches Ergebnis voraus. Die gegenwartsorientierte Kollegin hingegen findet die Idee interessant - sie hat völlig vergessen, dass früher bereits vergleichbare Ansätze versucht wurden.

Je nach Grundtypus wird sich die Vergangenheitsorientierung eher auf Negatives (beim Handlungstyp/Aktioniker), auf Positives (beim Beziehungstyp/Relationiker) oder auf Kritisches (beim Sachtyp/Temporiker) konzentrieren. Für eine typgerechte Intervention und um alle Aspekte der Erinnerungen abzurufen sollte daher bei bevorzugt negativen Erinnerungen gezielt nach positiven gefragt werden, bei nur positiven nach den sehr kritischen und bei den kritischen nach den negativen - entlang der Triade Ja/Vielleicht/Nein.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 45: Die Vergesslichkeit der Gegenwartsorientierten
Einen gegenwartsorientierten Menschen erkennen Sie zum Beispiel daran, dass er sich relativ viele Notizen macht und oft auch erwartet, dass andere das tun. Da er von sich selbst weiß, dass Vergesslichkeit "normal" ist, unterstellt er das auch seinen Mitmenschen - vor allem dann, wenn er sie noch nicht so gut kennt. Macht er sich etwa in einer Besprechung Notizen und Sie nicht, könnte er das so auslegen, dass Sie kein Interesse daran haben, sich das zu merken, worüber gesprochen wurde.

Die positive Seite dieser "Vergesslichkeit" (die wohl eher als extrem selektive Speicherung bezeichnet werden müsste) ist jedoch, dass Gegenwartsorientierte wesentlich flexibler darin sind, getroffene Vereinbarungen wieder spontan zu ändern, wenn neue Aspekte auftauchen. Auch sind sie bei weitem nicht so nachtragend wie etwa Vergangenheitsorientierte und vergessen auch kleine bis mittlere Kränkungen, Fehler oder Missklänge bald wieder.

Wobei man sich darauf bei schwerwiegenderen Erlebnissen nicht verlassen sollte - ein gegenwartsorientierter Jugendlicher drückte es gegenüber seiner Mutter nach einem Streit so aus: auch wenn ich gegenwartsorientiert bin - das vergesse ich dir nicht!


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 44: Was Fühlern beim Verdauen hilft
Menschen, bei denen das Fühlen besonders stark ausgeprägt ist (die "Fühler") neigen dazu, im Laufe eines Tages viele Reize aufzunehmen, sie aber nicht gut zu verdauen.

Um den Vorgang des Verarbeitens der aufgenommenen Reize zu ermöglichen, sollte die Reizzufuhr eine Zeit lang reduziert werden - also die Augen schließen, die Musik auszuschalten, die Stille zu suchen. Vermutlich ist deshalb der Schlaf für Fühler die beste Regeneration, besonders nach anstrengenden, also reiz-vollen Tagen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 43: Wenn Macher einmal nichts machen.
Die "Macher-Menschen", also jene, die im psychographischen 123-Modell das Machen bevorzugen und das Wahrnehmen vernachlässigen, sind in aller Regel eher selten still. Was nicht bedeutet, dass sie immer sprechen, singen, pfeifen oder mit Hilfe eines Instruments Lärm machen (als Teilnehmer zahlreicher Demonstrationen gegen Stuttgart21 weiß ich, wovon ich rede ...) - aber irgendwie sind sie häufiger in Bewegung als etwa "Denker-Menschen", zu denen ich selbst gehöre.

Schweigt nun der Macher-Mensch ausnahmsweise einmal oder macht er auch sonst nichts, und das sogar über eine längere Zeitspanne, lohnt es sich, genauer nachzusehen: einmal vorausgesetzt, er schläft nicht, ist es wahrscheinlich, dass er dann in einem spannenden Buch versunken ist, einen fesselnden Film schaut oder jemanden zuhört, dessen Worte ihn faszinieren.

Merke also: Wenn Macher schweigen nutzen sie häufig ihre vernachlässigte Wahrnehmungsfähigkeiten (also fachsprachlich ihre "Ressource") - und dabei sollte man sie nicht ohne Grund stören. Und was den Beratungs-, Therapie- oder Coaching-Kontext betrifft, lässt sich sagen, dass ein Macher-Mensch im Zuhörmodus dabei ist, Neues aufzunehmen und man als Berater, Therapeut oder Coach durchaus weiter reden sollte um so dem Zuhörer mehr "Futter" zu geben.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 42: Vom schweifenden Blick der Wir-Bezogenen
Während, wie in der letzten Folge beschrieben, die Du-Bezogenen sich häufig durch besonders große Augen und einen sehr eindringlichen Blick zu erkennen geben, lässt sich bei den Wir-Bezogenen (oder Wir-Verbundenen) oft der "umherschweifende Blick" beobachten.

Neulich erst fiel er mir beim bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer auf: während er mit dem Journalisten (bzw. der Kamera) sprach, schaute er ständig über beide hinweg oder an beiden vorbei - vermutlich, weil "Drumherum" spannendere Dinge oder Menschen zu sehen waren.

Mir selbst passierte es vor Jahren in einem Café, wo ich mich mit einem Bekannten zum Plaudern traf, der wie ich selbst wir-verbunden ist. Anstatt, wie zu erwarten, den Blick auf den anderen gerichtet zu halten, während wir uns rege austauschten, wanderten unserer beiden Blicke über den Marktplatz, auf dem das Café Stühle nach draußen gestellt hatte.

Als es mir auffiel und ich ihm das Phänomen erläuterte, war er direkt dankbar - ihm bzw. seinen Bekannten war dieses Verhalten auch schon aufgefallen, sie hatten es teilweise aber als Desinteresse am Gegenüber gedeutet oder interpretiert, der Junggeselle würde einfach jeder hübschen Frau in Sichtweite nachsehen ...

Tipp daher: Habt Verständnis für uns Wir-Verbundene - wir (!) können fast nicht anders, als immer "alle" im Blick zu haben.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 41: Du-Augen sind Kuh-Augen?
Auf der Suche nach äußerlich klar und rasch zu erkennenden Typmerkmalen wurde schon vor einigen Jahren offenkundig, dass die Du-Bezogenen (oder Du-Verbundenen) unter uns sehr häufig an ihren großen, zum Fixieren des Gegenübers neigenden Augen zu erkennen sind.

Klar ist natürlich, dass es sich hier zunächst um den Verdacht einer Zuordnung handelt, der im Gespräch gemeinsam überprüft werden muss. Zumindest aber liefert es denjenigen, die es nicht gewohnt sind oder nicht mögen, so "angestarrt" zu werden, eine wohlwollende Erklärung für diese Art der Kontaktaufnahme.

Obwohl schon bei du-bezogenen Kindern dieses Phänomen zu beoabachten ist, könnte es durchaus auch sein, dass es einfach durch die Gewohnheit entsteht, das Gegenüber besonders lange und intensiv anzusehen.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 40: Vom Schweigen der Denker
Neulich in einem Workshop zum 123-Modell erlebten die Teilnehmer (und ich selbst natürlich) einen sehr typischen Denker (Untergruppe, vom Grundtypus her Sachtyp/Temporiker). Es war nur eine kleine Gruppe, so dass jeder zu Wort kam bzw. hätte kommen können. Nur unser Denker schwieg fast komplett, hörte offenkundig aber interessiert zu und "dachte sich seinen Teil".

In der ersten Feedback-Runde zur Halbzeit fiel es den anderen Anwesenden auf, dass dieser Teilnehmer nun zum ersten Mal ausführlicher sprach und ihm selbst wurde ziemlich deutlich, dass seine "Super-Ressource", das "Machen", nicht zufällig den kleinsten Raum im "Persönlichkeitshaus" einnimmt - hier ein Beispiel zum Download: http://www.123modell.de/spa-muster2112.pdf

Auch wurde den restlichen Teilnehmern auf diese Weise überdeutlich, warum man einen Denker (zumal einen Sachtyp-Denker) in Gesprächsrunden immer wieder gezielt dazu auffordern muss, seine Gedanken mit den anderen zu teilen. Und am Ende meinte der Denker dann auch ganz offen: "Ich glaube, ich muss mich öfters äußern."

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 39: Der tänzelnde Gang der Beziehungstypen
Nicht umsonst leitete Dietmar Friedmann in den Anfangszeiten seiner Typenbeobachtung häufig den Typverdacht daraus ab, welche Gangart ein Mensch zeigt, wenn er sich im normalen Modus bewegt.

Neben dem sehr aufrechten und fast marschartigen Gang der Handlungstypen und dem lockeren dahinschlendern der Sachtypen lässt sich bei Beziehungstypen häufig eine Gangart beobachten, die ich als "tänzelnd" bezeichnen würde.

Besonders wenn es einem Beziehungstypen emotional sehr gut geht, wenn er von anderen bewundert wird (oder er die bewundernden Blicke Dritter auf sich spürt), sieht man dieses fast balzende und kokettierende Verhalten.

Auch bei Beziehungstyp-Kindern lässt sich aus der Art des Ganges leicht auf die innere Stimmung schließen - gute wie schlechte Erlebnisse schlagen sich kurz darauf in der Bewegung nieder, sei es in einem hüpfenden Springen oder einem mürrischen, steinekickenden Protestmarsch.

So gesehen: zeige mir, wie du gehst und ich sage dir, zu welcher Typengruppe du gehörst :)


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 38: Von der Lockerheit des Sachtypen
Ein Phänomen, das für mich stets einen Sachtyp-Verdacht aufkommen lässt ist die Art von Lockerheit, bei der zum Beispiel einem Spaziergänger die Arme und sogar die Hände im Rhythmus des Gehens mitschwingen. Es wirkt fast so, als wären die Gelenke an den Schultern ausgekugelt und nur noch durch die Sehnen und die Haut am Körper angewachsen.

Zu dieser Beobachtung passt auch die Fähigkeit von Sachtypen, fast jederzeit "auf Befehl" die Arme oder Beine so locker lassen zu können, dass sie nach dem Anheben und Loslassen durch einen Dritten ungehindert der Schwerkraft folgen. Eine ähnliche Spannungslosigkeit lässt sich auch beim spontanen Händedruck von Sachtypen wahrnehmen ("wie wenn man einen Fisch in der Hand hat").

Für Beziehungstypen und vermutlich auch für Handlungstypen ist das ein nur schwer oder gar nicht zu erreichender Zustand.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 37: Vom "bösen Blick" der Handlungstypen
Eine der massivsten Missdeutungen dessen, was ich an anderen Menschen zu beobachten glaubte, war (bevor ich über die Typunterschiede aufgeklärt wurde) ein Blick der Handlungstypen, den ich als "böse" oder "abweisend" interpretierte; was auch mit daher rührt, dass es Beziehungstypen gewohnt sind, aus dem Gesicht anderer zu lesen (weil man bei unserer Gruppe meist am Gesicht erkennt, wie es uns geht oder was uns beschäftigt).

Nach wiederholter Auskunft von Handlungstypen handelt es sich bei so einer Mimik aber keineswegs um eine Auskunft bezüglich der inneren Verfassung oder gar darüber, was der so Schauende über den Angeschauten denkt. Es scheint einfach eine Art "Nicht-Mimik" zu sein, die dann auftritt, wenn der Handlungstyp mit etwas stark beschäftigt ist.

Das nette Lächeln muss sozusagen absichtlich "angeknipst" werden - vielleicht sieht man deshalb auch gerade bei Handlungstypen besonders schöne lächelnde Gesichter. Ich erinnere mich an eine Handlungstyp-Kollegin, die sich angewöhnt hat, am Telefon absichtlich zu lächeln - weil dann ihre Stimme viel freundlicher klingen würde ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 36: Über violette Kommunikation
Als "violette Kommunikation" bezeichnen wir die Kommunikation zwischen dem roten Typus (Handlungstyp, Aktioniker) und dem blauen Typus (Sachtyp, Temporiker).

Im Gegensatz zu "gelber", "blauer" oder "roter" Kommunikation, bei der auf beiden Seiten der gleiche Typus kommuniziert und gegenseitiges Verständnis wahrscheinlich ist, treten hier bei der "gemischtfarbigen" Kommunikation eher Missverständnisse auf.

Ist sich mindestens einer der beiden Kommunikationspartner dieses Umstandes bewusst, kann dieser steuernd Einfluss nehmen. So kann der rote Typus seine Direktheit etwas zurücknehmen und die positiven, persönlichen und emotionalen Aspekte stärker berücksichtigen. Der blaue Typus hingegen kann dadurch positiven Einfluss nehmen, dass er die aus seiner Sicht eher grobe und viel zu zielorientierte Art der Kommunikation als Bestandteil des Naturells seines Gegenübers versteht und akzeptiert.

Eventuell kann "Rot" hier auch etwas Platz im "roten Bereich" machen und nicht dem blauen Gesprächspartner ständig seine Schwachstellen vorhalten, indem er selbst seine Stärken zu sehr in den Vordergrund stellt.

"Blau" kann die Kommunikation auch noch in sofern positiv beeinflussen, dass die gelben Aspekte (etwa die emotionalen Angelegenheiten) nicht übergangen werden, z.B. weil er die Stärken des "Roten" zu sehr bewundert und darüber dessen typbedingte Schwachstellen ausblendet.


Eine Kurzübersicht über die Merkmale, Stärken und Schwächen der drei Gruppen findet sich auf den Seiten
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe1.pdf (gelb)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe2.pdf (blau)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe3.pdf (rot)

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 35: Über grüne Kommunikation
Als "grüne Kommunikation" bezeichnen wir die Kommunikation zwischen dem gelben Typus (Beziehungstyp, Relationiker) und dem blauen Typus (Sachtyp, Temporiker).

Im Gegensatz zu "gelber", "blauer" oder "roter" Kommunikation, bei der auf beiden Seiten der gleiche Typus kommuniziert und gegenseitiges Verständnis wahrscheinlich ist, treten hier bei der "gemischtfarbigen" Kommunikation eher Missverständnisse auf.

Ist sich mindestens einer der beiden Kommunikationspartner dieses Umstandes bewusst, kann dieser steuernd Einfluss nehmen. So kann der gelbe Typus seine Emotionalität etwas zurücknehmen und die sachlichen, thematischen und ökonomischen Aspekte stärker berücksichtigen. Der blaue Typus hingegen kann dadurch positiven Einfluss nehmen, dass er die aus seiner Sicht eher hektische und unkonzentrierte Art der Kommunikation als Bestandteil des Naturells seines Gegenübers versteht und akzeptiert.

Eventuell kann "Blau" hier auch etwas Platz im "blauen Bereich" machen und nicht dem gelben Gesprächspartner ständig seine Schwachstellen vorhalten, indem er selbst seine Stärken zu sehr in den Vordergrund stellt.

"Gelb" kann die Kommunikation auch noch in sofern positiv beeinflussen, dass die roten Aspekte (etwa die praktischen Dinge) nicht übergangen werden, z.B. weil er die Stärken des "Blauen" zu sehr bewundert und darüber dessen typbedingte Schwachstellen ausblendet.


Eine Kurzübersicht über die Merkmale, Stärken und Schwächen der drei Gruppen findet sich auf den Seiten
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe1.pdf (gelb)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe2.pdf (blau)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe3.pdf (rot)

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 34: Über orangene Kommunikation
Als "orangene Kommunikation" bezeichnen wir die Kommunikation zwischen dem gelben Typus (Beziehungstyp, Relationiker) und dem roten Typus (Handlungstyp, Aktioniker).

Im Gegensatz zu "gelber", "blauer" oder "roter" Kommunikation, bei der auf beiden Seiten der gleiche Typus kommuniziert und gegenseitiges Verständnis wahrscheinlich ist, treten hier bei der "gemischtfarbigen" Kommunikation eher Missverständnisse auf.

Ist sich mindestens einer der beiden Kommunikationspartner dieses Umstandes bewusst, kann dieser steuernd Einfluss nehmen. So kann der gelbe Typus seine Emotionalität etwas zurücknehmen und die praktischen, zählbaren oder ergebnisorientierten Aspekte stärker berücksichtigen. Der rote Typus hingegen kann dadurch positiven Einfluss nehmen, dass er die aus seiner Sicht viel zu verspielte, unernste oder persönliche Art der Kommunikation als Bestandteil des Naturells seines Gegenübers respektiert und akzeptiert.

Eventuell kann "Gelb" hier auch etwas Platz im "gelben Bereich" machen und nicht dem gelben Gesprächspartner ständig seine Schwachstellen vorhalten, indem er selbst seine Stärken zu sehr in den Vordergrund stellt.

"Rot" kann die Kommunikation auch noch in sofern positiv beeinflussen, dass die blauen Aspekte (etwa die ökonimischen Dinge) nicht übergangen werden, z.B. weil er die Stärken des "Gelben" zu sehr bewundert und darüber dessen typbedingte Schwachstellen ausblendet.

Eine Kurzübersicht über die Merkmale, Stärken und Schwächen der drei Gruppen findet sich auf den Seiten
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe1.pdf (gelb)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe2.pdf (blau)
http://www.wernerwinkler.de/123-modell/123-Gruppe3.pdf (rot)

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 33: Die Ausnahmen
Aus der Kombination zwischen den Erfahrungen der Lösungsorientierten Kurztherapie und den Erkenntnissen aus den Typunterschieden lassen sich sehr praktikable Beobachtungsinstrumente bzw. Interventionen für die Gesprächsführung entwickeln.

Ein besonders nützliches Beispiel ist die Suche nach den so genannten Ausnahmen. Wir achten also nicht darauf, was uns ständig oder häufig passiert, sondern darauf, was nur ausnahmsweise, selten oder gar einmalig auftritt. Stellt so eine Ausnahmeerscheinung einen "erwünschten Unterschied" dar, versucht man, ihn absichtlich zu wiederholen.

So könnte etwa ein Beziehungstyp ausnahmsweise einmal zwei Jobangebote parallel bekommen. Beide erscheinen ihm reizvoll, so dass er nach Kriterien der Unterscheidung suchen muss. Bei dieser zeitaufwändigen Detailarbeit merkt er, dass es bei beiden Angeboten einen "Haken" gibt und gleichzeitig, dass er bisher viel zu oberflächlich und gutgläubig mit solchen Entscheidungen umgegangen ist. Also nimmt er sich vor, künftig öfters oder sogar regelmäßig mit mehr Zeit und Genauigkeit Informationen zu sammeln, bevor er sich entscheidet.

Dass diese "Ausnahmen" für jeden Typus an anderer Stelle zu finden sind, brauche ich hier wohl nicht extra zu erwähnen ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 32: Die drei Stadien des Seins
Im Film "Kundun" über die Geschichte des Dalai Lama gibt es eine Szene, in der der junge Dalai Lama einen buddhistischen Lehrtext zitiert:

"Und genau um Mitternacht
sah Bodhisattva ein gleißendes Licht.

Und in einem einzigen Augenblick sah er
die drei Stadien des Seins:

Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft,
mit durchdringender Klarheit."

Eine schöne Verbindung der Begriffe "Sein" und den drei Zeiträume, wie sie in der Landkarte der Psychographie benannt werden.

Wenn Sachtypen - was mir öfters passiert - mit dem Begriff "Zeitorientierung" nichts anfangen können, verbinde ich das mit dem Seinsbegriff. In der Regel wird es dann besser verstanden. Für Sachtypen scheint also "Dasein" und "Zeit" ganz automatisch verbunden zu sein.

Für mich als Beziehungstyp immer wieder faszinierend ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 31: Was ist das "Naturell"?
Je länger ich mich mit den vielen Begriffen befasse, die rund um "unser Thema" verwendet werden, desto klarer wird mir, dass der Begriff "Naturell" sehr gut das trifft, was wir mit "Typus" meinen.

Neulich - während der heißen Phase des Wahlkampfes in Baden-Württemberg - hieß es z.B., Teile der CDU kämen mit "dem Naturell" von Stefan Mappus, dem Ministerpräsidenten, nicht klar. Wir würden wohl sagen "mit seinem Typus".

Um es deutlicher auszudrücken: Unter Typus oder Naturell verstehen wir die Anteile der Gesamtpersönlichkeit, die weder durch Vererbung, Umwelt noch Erziehung oder Biografie verursacht sind, sondern durch einen zusätzlichen Faktor - vermutlich durch die epigenetische Erstprägung des Embryos während der Einnistung in die Gebärmutter-Schleimhaut.

In der europäischen Antike nannte man diesen Teil des Menschen übrigens "Temperamtent", woher auch die "Vier-Temperamenten-Lehre" mit den bekannten Typen der Choleriker, Sanguiniker, Melancholiker und Phlegmatiker stammen.

Heutzutage wird jedoch in der Umgangssprache "Temperament" meist als "feuriger Charakter" aufgefasst, weshalb ich mehr und mehr dazu tendiere, außerhalb von Fachkreisen vom "Naturell" eines Menschen zu sprechen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 30: 1+2+3=6
Durch Zufall bin ich dieser Tage auf eine einfache Metapher dafür gestoßen, wie sich die drei Basis-Stärken und deren unterschiedliche Gewichtung beschreiben lassen:
Stellen wir uns einen Würfel mit seinen sechs Seiten vor - allerdings nicht mit Punkten oder Zahlenwerten, sondern farbig markiert. Sind z.B. drei Seiten rot, zwei blau und eine gelb, ist das ein Bild für den Handlungstyp/Aktioniker und seiner Bevorzugung der "roten Seite" bei gleichzeitiger Vernachlässigung der "gelben".

Legt man den Würfel mit der gelben Seite nach unten auf den Tisch, könnte man meinen, er wäre nur rot und blau eingefärbt - aber nicht ausschließlich rot, wie manche am Anfang das 123-Modell missverstehen. Jeder Würfel ist so gesehen eine "Mischung" der drei Farben - und doch ist klar, wo die Präferenz liegt.

Und würfelt man einfach drauf los und führt eine Strichliste, wird ganz sicher "rot" gewinnen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 29: Wer nimmt etwas ganz Neues an?
Immer wieder werde ich gefragt, speziell von solchen Kolleginnen oder Kollegen, die erst recht kurz mit der Psychographie zu tun haben, warum die Verbreitung dieses so offenkundig nützlichen Modells nicht schon viel weiter vorangekommen ist.

Einer der Gründe dafür, dass es eher langsam geht, dürfte die Tatsache sein, dass etwas ganz Neues nicht ohne weiteres vom menschlichen Gehirn angenommen wird.

Anhand der zahlreichen "Ausnahmen", wo dies doch funktionierte, meine ich, drei Kriterien beobachtet zu haben, die den Zugang zu unserem Typenmodell erleichtern:

1. Es besteht Vertrauen zu demjenigen, der davon berichtet.

2. Es liegt eine Problemstellung oder ein Phänomen vor, das mit bisherigen Kenntnissen oder Erklärungsmodellen nicht befriedigend bearbeitet werden kann.

3. Es ist ein gewisses Maß an Interesse für Menschen, für Zwischenmenschliches, für Unterschiede zwischen Menschen vorhanden - man könnte auch vielleicht von "sozialer Intelligenz" sprechen.

Sind alle drei Voraussetzungen gegeben, scheint mir die Aufnahmebereitschaft auch für so etwas Neues und oft "Umwerfendes" wie die psychographischen Typunterschiede recht hoch zu sein, etwa im Gespräch mit Freunden oder auch mit Klienten in der Beratung oder im Coaching.

Anders gesagt: Würde eine Vertrauensperson wie etwa die ehemalige Bischöfin Margot Käßmann einer Gruppe Seelsorgern in der Ausbildung anhand praktischer Beispiele aufzeigen, wie mit typunterschiedlichen Menschen gute Gespräche geführt werden können, ihr wäre eine hohe Aufmerksamkeit und dem Thema eine hohe Aufnahmebereitschaft fast sicher.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 28: Typologie ist nicht gleich Typologie
Während an den deutschen Universitäten erst ganz zögerlich der Nutzen von guten Typologien erkannt wird, sind sie in vielen Unternehmen bereits seit vielen Jahrzehnten in Verwendung, z.B. in der Personalauswahl oder im Vertrieb.

Erst neulich machte die Hamburger Sparkasse Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass ihre Mitarbeiter Kunden in bestimmte Gruppen einsortiert haben, um ihnen dann mit möglichst passenden Argumenten Finanzprodukte zu verkaufen.

Wenn man sich einen Überblick über die am Häufigsten verwendeten Typologien verschafft (aus meiner Sicht sind dies DISG, MBTI, Insights, HDI, Struktogramm, Enneagramm) ist es doch verwunderlich, auf welche alten und zum Teil sogar uralten Modelle man so setzt.

Anders gesagt: wir brauchen uns mit der Psychographie bzw. dem 123-Modell, wie ich es im Umgang mit Unternehmen gerne nenne, nicht zu schämen.

Eine Vergleichstabelle aus Sicht der Anwender habe ich hier zusammengestellt: www.123modell.de/vergleich.htm - vielleicht hilft das ab und zu, wenn die Sprache auf scheinbar ähnliche Modelle kommt. Und auch die schon etwas länger im Netz befindliche Vergleichsliste, die Günter Hiller und ich erarbeitet haben und die noch weit mehr Typologien inhaltlich vergleicht, ist nach wie vor lesenswert: www.psychographie.de/typologien-vergleich.htm


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 27: Politikertypen im Superwahljahr
Frank-Walter Steinmeier, ehemals Kanzlerkandidat der SPD sagte einmal: "Die Politik braucht unterschiedliche Typen: die Rampensau, den Nachdenklichen, den eher Bauchgesteuerten und hoffentlich auch den, der mit Augenmaß eine gerade Furche zieht." (Stern Nr. 31/2007, S. 44)

Welcher der psychographischen Typen nun zu diesen "Steinmeierschen Politikertypen" passt, lasse ich einmal offen.

Klar ist aber, dass sowohl in aktuellen Interviews oder Talkrunden ebenso wie in älteren You-Tube-Videos reichlich Analysematerial zu finden ist. Meine Lieblinge sind z.B. Aufnahmen von Willy Brandt, Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Herbert Wehner oder auch Joschka Fischer.

Auch deshalb finden sich in meiner neuen Prominentenliste relativ viele Politikerinnen und Politiker - wo immer ich genügend Hinweise hatte, auch mit Angaben zum Untertypus. Kleiner Tipp hier: Vergleichen Sie eimmal das Typenmuster von Angela Merkel und Hannelore Kraft, der Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen - und sehen Sie sich dann Fotos der beiden an, z.B. auf picsearch.de

Die neue Promiliste finden Sie hier: www.123modell.de/promiliste.htm - viel Vergnügen!


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 26: Sein in der Zeit
Gestern fand ich zufällig im Buch von Ferdinand Seibt "Die Begründung Europas" einige sehr prägnante Zeilen (vermutlich eines Sachtypen) darüber, wie Zeit und Sein* zusammengehören:

"Sein in der Zeit

Nichts erscheint leichter in jenem Merksatz, der Descartes berühmt gemacht hat, als zu sagen: "Ich denke - also bin ich." "Ich denke heute, gestern, morgen. Also bin ich in der Zeit. Ich begreife die Zeit." (...) Sein und Zeit in Bezug zu setzen, ist ein altes Anliegen der Philosophie. Natürlich kann man auch Sein und Raum gemeinsam betrachten. Dazu muss man den Raum erkennen können. Man muss sehen. Die Zeit kann man nicht sehen, so wenig wie das Sein.

Man kann die Zeit also mit geschlossenen Augen wahrnehmen, und ganz allein. Aber man teilt diese Zeit auch mit allen anderen, ob sie wollen, ob wir wollen, oder nicht. Aus einem Raum kann man weggehen, um allein zu sein. Aus der Zeit nicht. Die Zeit, so freundlich sie uns ihr "Gestern, Heute, Morgen" anbietet, stellt uns sofort unter ihre Kuratel: Wir müssen mit dem Heute vorlieb nehmen, können nicht zurück ins Gestern, und dürfen das Morgen noch nicht erleben. Den Raum, diesen oder jenen, können wir dagegen, wie es scheint, wählen und nach Belieben erfahren.

Das ist ein merkwürdiges Zeitbewusstsein, das unser Dasein begleitet und uns zu Zeitgenossen macht: Wir teilen das Datum, wir wünschen uns einen guten Tag, Abend, Morgen, wir bekräftigen fort und fort ein Miteinander, das eigentlich nur durch ein Beisammensein verwirklicht wäre."

* dieser Zusammenhang von Sein und Zeit erscheint mir auch deshalb interessant, weil Dietmar Friedmann die Sachtypen ursprünglich als "Seinstypen" benennen wollte - und ich sie in der Neuauflage von "Warum sind wir so verschieden?" als "Temporiker" (also als "Zeittypen") bezeichne.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Quelle: Ferdinand Seibt, Die Begründung Europas, S. Fischer Verlag, 2002
Tipp Nr. 25: Machen, Äußern, Erzeugen
Um den Unterschied zwischen Fühlen, Denken und Machen (die Unterebene "Aktivität" oder "Tätigkeit") zu illustrieren, greife ich schon seit längerem auf die Metapher einer kleinen Fabrik oder Werkstatt zurück:

Fühlen entspricht in diesem Bild den angelieferten Rohstoffen, der Energie usw. - also allem, was in das Gebäude hineingeht.

Denken steht hier für die Verarbeitung, den Vorgang des Ordnens, Kombinierens, Aussortierens, Verbindens der Materialien zu einem fertigen Produkt.

Und das Machen schließlich wird durch die Auslieferung, das Ausstellen, Zeigen oder Verkaufen der Erzeugnisse symbolisiert.

Insofern - und das war für mich eine neue Erkenntnis - lässt sich der Begriff "Machen" auch gut durch "Erzeugen" umschreiben und nicht nur durch "expressives Äußern", wie ich es bisher gerne getan habe. Jetzt verstehe ich auch besser, warum manchmal die Eltern "meine Erzeuger" genannt werden oder man vom "Kinder machen" spricht ... :)


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 24: Schriftlich oder mündlich?
Eine kleine Beobachtung am Rande zur Frage, wie sich die psychographischen Erkenntnisse effektiv vermitteln lassen.

Offenbar macht es einen großen Unterschied, ob jemand etwas über dieses Thema liest oder ob es ihm von einem lebendigen, anwesenden Menschen erklärt wird. Zwar gibt es auch Fälle, in denen der "Aha-Effekt" allein durch das Lesen (z.B. eines Buches oder einer Webseite) eintritt, aber meistens sind es die persönlichen (Einzel-) Gespräche.

Warum?

Ich vermute, dass wir in der Kommunikation von Mensch zu Mensch automatisch auf den Typus unseres Gegenübers Rücksicht nehmen und unsere Art zu Erklären anpassen - nicht nur im Sprachniveau oder die Geschwindigkeit, mit der wir von Stufe zu Stufe gehen - sondern eben auch auf unsere "Ahnung" davon, mit welchem Typus wir es zu tun haben.

Das klappt natürlich bei einem Buch nicht, selbst wenn es "typgerecht" geschrieben ist. Auch beantworten Bücher und Internetseiten (noch nicht) Fragen, die man ihnen stellt, wenn man etwas nicht auf Anhieb versteht. Und auch ein Lehrer oder Dozent, der eine größere Anzahl von Lernwilligen vor sich hat, läuft automatisch Gefahr, nicht alle gleichermaßen gut zu erreichen oder auf alle Fragen eingehen zu können.

Diese Beobachtung verstärkt bei mir die Tendenz, so oft es geht Einzelgespräche oder Einzeltrainings zur Vermittlung der Psychographie zu nutzen und weniger auf die "großen Gruppen" zu setzen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 23: Von Delfinen, Blauwalen und Haifischen
Neulich auf einer Fortbildung: Nachdem die grundlegenden Triaden-Begriffe wie Ja/Vielleicht/Nein oder Herz/Geist/Körper am Flipchart stehen, eröffne ich auf einem neuen Blatt ein neues Dreieck.

Zuerst zeige ich anhand dreier sehr verschiedener Meeresbewohner auf, wie gut sich Delfin, Blauwal und Haifisch als Metapher eignen, um das "Gesamtbild" der drei verschiedenen Gruppen vorstellbarer zu machen.

Dann ein kleiner Test, ob die Übertragung aufs Festland und in unsere nähere Verwandtschaft funktioniert:

Ich notiere nur "Schimpanse" in die obere Ecke und frage in der Runde nach, welche anderen Affen den anderen beiden zuzuordnen wären. Ein Handlungstyp ruft spontan "Pavian" und wird aus der Runde auf "Gorilla" korrigiert. Zwei Sachtypen murmeln verhalten etwas von "Orang-Utan" und freuen sich über ihren Treffer. Eine "Wer-wird-Millionär"-Stimmung liegt im Raum.

Dann gehen plötzlich die Kommentare in der Gruppe hin und her und ich merke, dass meine "Vorhersage" zu Beginn des Workshops einzutreffen beginnt: Einmal mit diesen Unterschieden konfrontiert gibt es kaum noch ein "zurück" hinter die gewonnenen Erkenntnisse. Kurz darauf die ersten befreienden Lacher, Kicherer und freundliche Schulterklopfer. Während die frisch ernannten Delfine ihr schönstes Lächeln zeigen, lehnen sich die Blauwale entspannt und "erkannt" zurück, während sich die kraftvollen Haifische ein neues Opfer für den nächsten Angriff auf die Lachmuskeln aussuchen ...


Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 22: Drei Gesellschaften in einer
Immer wieder einmal hört man Beiträge, die sich über "die Gesellschaft" beklagen oder sich darüber ärgern, dass unsere Gesellschaft so ist, wie sie wahrgenommen wird.

Interessant finde ich hierbei, dass die drei psychographischen Lebensbereiche in solchen Diskussionen auftauchen:

- die Wissens- oder Informationsgesellschaft
- die Leistungsgesellschaft
- die Spaßgesellschaft und die Solidargemeinschaft

Spannend, hier zu beobachten, welcher Mensch sich über welche dieser Gesellschaften beklagt oder welche er als dominant erlebt.

Andererseits könnte man auch durchaus eine ganze Gesellschaft "typisieren" und nachsehen, welche Gewichtung zwischen den drei Bereichen jeweils aktuell vorliegt.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 21: Erkannt statt verkannt.
Wie kann ein Handlungstyp-Schüler in einem Fach die Note vier und im anderen die Note eins haben (mündlich, Mitarbeit), obwohl er beide Fächer gleich gerne mag und subjektiv den Eindruck hat, sie gleich gerne zu mögen? Ganz einfach: im ersten Fach ist der Lehrer Sachtyp und zweiten Handlungstyp.

Als der Schüler dem "Vierer-Lehrer" die Einsen aus dem anderen Fach zeigt und wissen will, warum er mündlich so schlecht bewertet wird, obwohl er doch so aktiv mitarbeite, kommt der Lehrer ins Grübeln und verspricht, ihn noch einmal besser zu beobachten.

Meine Vermutung hier (und die der Mutter, die über die Typunterschiede Bescheid weiß): Der Schüler bzw. seine typeigenen Stärken wurde schlicht nicht als solche erkannt - und er somit ver-kannt.

Um es mit einem Beispiel zu sagen: Angenommen, jemand hat noch nie ein Auto gesehen und ist auf der Suche nach einer Unterkunft. Das erste, das er findet, ist ein VW-Bus. Er öffnet die Tür und steigt ein. Er denkt, er habe ein Mini-Haus gefunden, wundert sich, dass es auf runden Gummistelzen steht und vier Türen hat. Dann ärgert er sich, dass die Fenster so unpraktisch sind und dass es keinen Ofen oder wenigstens eine Heizung gibt. Auch eine Steckdose sucht er vergeblich. Er gibt dieser Unterkunft die Note 5 und findet nie heraus, dass er damit nach Italien fahren könnte :)

Wobei sich ja langsam etwas ändert ... mit jedem, der über die Unterschiede zwischen den von uns beobachteten Typgruppen und ihre Ursachen "aufgeklärt" wird.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 20: Von Häusern, Gärten und Zoos
Seit es die "Haus-Metapher" gibt, um die Gewichtung der verschiedenen Stärken aufzuzeigen, benutze ich diese Möglichkeit fast immer, wenn ich eine Typanalyse oder Stärken-Profil-Analyse durchführe.

Da nicht jeder mit einem Haus etwas Positives verbindet, teste ich auch hin und wieder die "Garten-Metapher". Da sind die verschieden großen Räume des Hauses dann eben Felder mit Kartoffel- oder Blumenbeeten.

Oder sie zeigen neun Gehege, in denen wie in einem Zoo Tiere leben. Da stehen die Tiere dann als Metapher für die neun Stärken, also z.B. der brüllende Löwe für die Aktivität "Machen", die stumme Eule für die Aktivität "Denken"und der weitblickende Adler für das "Wahrnehmen".

Gerade für Kinder oder Jugendliche wird so der Zusammenhang verständlicher.

Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 19: Wer stört sich an was?
Zum wiederholten Mal hörte ich neulich von einem Klienten, dass eine Psychologin seine Eigenschaften als "Störung" betitelt hätte. Da, wo ich (als Psychographie-Kundiger) die typischen Eigenschaften eines Sachtyp-Menschen sah, beobachtete die Psychologin eine "Körperwahrnehmungsstörung". Und wo für mich die typischen Probleme eines Ich-Bezogenen erkennbar wurden, bekam er das Etikett der "Sozialen Störung" angeheftet.

Letztlich machen die Psychologin und der Psychograph etwas Ähnliches: wir geben einem offenkundigen Problem einen Namen. Der Unterschied wird aber dann deutlich, wenn es um die Konsequenzen aus der Etikettierung geht: Im einen Fall ist dringend eine Verhaltenstherapie angeraten, im anderen die eigenverantwortliche Aktivierung der typeigenen Ressourcen (was durchaus mit fachlicher Unterstützung stattfinden kann).

Ob sich jemand an seinen weniger entwickelten Stärken "stört", sie gar als Krankheit einordnet oder sie als Teil seines "Soseins" annimmt, macht für den Umgang so gesehen einen großen Unterschied ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 18: Akzeptieren des eigenen Charakters
Helmut Schmidt, der frühere Bundeskanzler, sagte neulich in einem Interview anlässlich seines 93. Geburtstages: "Sie müssen Ihren eigenen Charakter akzeptieren, wie er ist."

Damit spricht er einen nicht nur für Handlungstypen (ich halte ihn für einen Handlungstyp-Denker wie Jogi Löw) wichtigen Punkt an, der durch die Erkenntnisse der Psychographie erleichtert wird: Das Akzeptieren, Respektieren, Für-Okay-Nehmen und vielleicht sogar Lieben dessen, was wir als Persönlichkeit mitbekommen haben.

Wenn wir davon ausgehen, dass unsere Persönlichkeitsstruktur angeboren und nicht durch Erziehung oder eigene Anstrengungen bzw. Versäumnisse entstanden ist, können wir im Grunde nicht anders als sie so anzunehmen, wie sie ist.

Und auch die Veränderung, Veredelung oder Erweiterung unserer Möglichkeiten setzt voraus, das Vorgefundene zu akzeptieren und dann auf ihm aufzubauen.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 17: 12-fache Weihnachtsgrüße
Aus der Reihe: Wo man die Typunterschiede gut beobachten kann.

In den Wochen vor Weihnachten war ich als Kalligraf (Schönschreiber) in einen Konsumtempel gebucht, um dort Grußtexte auf eine schöne Verpackung für Parfüms zu schreiben - Texte nach Wunsch der Kunden.

Immer wieder musste ich mir dabei ein Lächeln verkneifen, weil die Wünsche so typisch waren - manchmal machte einen "abmildernden" Vorschlag, meist aber beließ ich es dabei und dachte mir meinen Teil.

Einige (nicht wörtliche) Kostproben, passend zu den 12 unterschiedlichen Gruppen, die wir als Psychographen beoabachten:

Beziehungstyp/Relationiker: Für meinen Bären vom Bärchen in ewiger Liebe. (ihr Gesicht strahlt dabei wie ein Weihnachtsbaum)

Sachtyp/Temporiker: Für Manuela. (er hatte darüber vielleicht fünf Minuten in der Schlange nachgedacht; er fragt nach, ob der Text auch "neutral genug" sei und nicht zweideutig ankommen könne)

Handlungstyp/Aktioniker: Für die liebste Kollegin der Welt. (Auf Nachfrage, ob sie nur einer Kollegin etwas schenken würde: ja, mit der sei sie über die Jahre wirklich sehr gut befreundet, auch privat).

Du-Bezogene: "Was würden Sie denn für Ihre Mutter schreiben lassen?" Ich schlage vor: "Für die liebste Mama der Welt", was akzeptiert wird. Ich frage noch nach, ob ich auch schreiben soll, von wem. Antwort: "Nein, das weiß sie dann schon."

Ich-Bezogene: "Von Maria mit den besten Wünschen zu Weihnachten." Sie kommt später zurück und lässt noch den Namen ihres Mannes ergänzen, da ihr zuhause aufgefallen ist, dass das Geschenk von beiden ist und es sonst bestimmt Ärger gibt. Offenbar ist ihr so etwas schon öfters passiert.

Wir-Bezogener: "Es kommen da einige Namen darunter - hat es dafür Platz, oder sollen wir nur schreiben: von der Familie XY?". Ich bestehe darauf, alle Namen einzeln zu schreiben, was ihn sichtlich freut. Was ich da noch nicht wusste - er hatte drei Schachteln, in die ein identischer Text geschrieben werden sollte, nur mit anderen Adressaten.

Gegenwartsorientierter (völlig verstört, als er an die Reihe kommt): "Jetzt habe ich glatt vergessen, für wen das Geschenkt sein soll."

Vergangenheitsorientierter: Als Dank für ein besonderes Jahr und für Alles.

Zukunftsorientierter: Für ein duftendes Neues Jahr. (Kommentar: die Schachtel wird sicher noch lange benutzt, oder?)

Fühler: "Schreiben Sie einfach etwas ganz Schönes - Ihnen fällt bestimmt etwas ein!" Ich frage nach, was sie sich denn gedacht hat, worauf sie mit hochrotem Gesicht einen sehr ansprechenden Glückwunsch vorschlägt.

Denker: (stand lange in der Warteschlange und braucht dann - mit nervöser Schlange hinter sich) nochmal einige Sekunden, bis er seinen Text formulieren kann (welchen, habe ich leider vergessen).

Macher: (streitet sich schon in der Warteschlange und dann vor dem Schreibpult mit ihrer Freundin lautstark, ob der Text in Türkisch oder Deutsch geschrieben werden soll). Er war dann in Türkisch und sie hat ihn mir mit kräftigen Buchstaben aufgeschrieben.

Tipp Nr. 16: Drei Typen beim Jazz
Aus der Reihe: Wo man die Typunterschiede gut beobachten kann ...

Abends in einer kleinen Jazzbar in Stuttgart. Als erster Musiker kommt ein junger Sachtyp-Mann, der sein antiquarisch wirkendes Saxophon in aller Ruhe warmbläst. Er braucht etwas Zeit, um sich in Fahrt zu bringen, spielt sich dann aber seine Emotionen mit so viel Kraft aus dem Leib, dass fast die Tasten rauchen. Trotzdem bleibt er völlig locker (körperlich), jede Schallwelle scheint ihn im Rhythmus zu bewegen. Seine Soli kann er kaum beenden - immer kommt noch ein kleiner Zusatzschlenker. Am Ende nimmt er dankbar Umarmungen und Schulterklopfungen an.

Ganz anders die Handlungstyp-Pianistin und Chefin: Kerzengerade sitzt sie auf ihrer harten Bank, sie spielt die Töne hart und verzieht den ganzen Abend kaum eine Miene - nickt nur hin und wieder den anderen zu. Erst gegen Ende, nach einem Weihnachtslied und einer Rose, die ihr ein Fan überreicht, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht und verweilt noch einige Momente der Rührung. So kraftvoll, wie sie gespielt hat, müsste sie eigentlich völlig am Ende ihrer Kräfte sein - sie wirkt aber, als könne sie nochmal zwei Stunden dranhängen. Ähnlich der Drummer: auch er beackert sein Instrument so konsequent und berechenbar, dass man ihn glatt durch eine Maschine hätte ersetzen können. Auffallend auch, dass er in der ersten Hälfte den Blickkontakt mit dem Publikum meidet und konsequent zur Seite schaut. Da ist einer bei der Arbeit, denke ich. Spaß sieht anders aus.

Und dann die "dritte Partei": ein Beziehungstyp-Fühler mit einem weichen Gesicht wie ein dem Märchen entlaufener Königssohn. Schon bei den ersten Tönen wird klar, dass dieser Musiker sein Instrument, einen riesigen Kontrabass, ins Herz geschlossen hat. Sein Spiel wirkt, als ob er mit dem ihn überragenden Klangkörper einen Tanz absolviert. Zahlreiche Regungen sind in seinem Gesicht zu lesen, immer wieder sucht er den Blickkontakt zu seinen Mitspielern, lächelt ihnen zu oder schaut verstört, wenn er den Anschluss zu verlieren droht.

Eine gelungene Mischung, denke ich mir, finde es wieder einmal schade, dass ich keine kleine Kamera in meiner Brille eingebaut habe und nehme mir vor, das Beobachtete wenigstens für die Leser hier zu Papier zu bringen ...


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 15: Don Quichote im Coaching
Warum musste Don Quichote von la Mancha kämpfen?

Im Coaching-Gespräch mit einem Kollegen (vermutlich Handlungstyp) beklagte er sich darüber, dass seine trägen Mitarbeiter (hochspezialisierte Techniker! Vermutlich überwiegend Sachtypen) selten in die Gänge kämen und Neuerungen nur schwer annähmen oder sogar torpedierten.

Gegen Ende des Gespräches tauchte in mir das Bild von Don Quichote und seinem Kampf z.B. gegen Windmühlen auf. Motto: Wenn kein Feind da ist, muss man ihn sich erschaffen. Dann erinnerte ich mich, was einer meiner spirituellen "Meister" über Don Quichote zu sagen wusste:

Frage: Warum musste Don Quichote kämpfen?
Antwort: Weil er eine Rüstung trug! (Nicht, weil es so viel Feinde gäbe)

Genau diese Frage und Antwort spielte ich mit meinem Kollegen durch. Nach der Antwort schlug er sich mit der Handfläche auf die Stirne und fing an zu lachen.
"Mein Gott, warum muss eigentlich immer ich die Probleme lösen? Noch dazu, wo es doch gar nicht meine sind."

Er bedankte sich und konnte erleichtert in den Weihnachtsurlaub fahren.


Text: Bernhard Heerdt
Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 14: Enthüllung des Typverdachts
Da vielen Seminarteilnehmern am Anfang nicht bewusst ist, dass die Typen der Psychographie wertfrei zu sehen sind, ist es aus meiner Erfahrung besser, sich mit der schnellen "Enthüllung" eines Typverdachts zurück zu halten, auch wenn man sich ziemlich sicher ist.

Speziell für Sachtypen scheint es häufig eine Art "Übergriff" darzustellen, sie vor einer Gruppe als solche zu bezeichnen. Ich vermute (man möge mich korrigieren), dass es darum geht, das "Geheimnis um die eigene Person" zu wahren - insbesondere das Spezielle, Individuelle, Einzigartige.

Indem ich stattdessen die Typen in ihrer Unterschiedlichkeit möglichst deutlich vorstelle, auch Stärken und Schwächen ausgewogen berücksichtige, kann jeder Teilnehmer für sich darauf kommen, zu welcher Gruppe er gehört.

Interessanterweise scheinen Sachtypen in Pausengesprächen unter vier Augen wesentlich einfacher ihre "Typvermutung" entgegen zu nehmen. Eine Kursteilnehmerin meinte neulich so treffend: Ich fühle mich direkt wohl bei dem Gedanken, ein Sachtyp zu sein.


Text und Redaktion: Werner Winkler


Tipp Nr. 13: Bewertungsenthaltung
Neulich erzählte mir ein Kollege von einer asiatischen Typologie, die neben den "neutralen" Typbezeichnungen noch eine bewertende Unterteilung von Menschen anbietet, ähnlich wie die populäre Unterscheidung in "gute, schlechte und neutrale" Menschen.

Bei dieser Gelegenheit wurde mir nochmal bewusst, dass es für die Psychographie durchaus sinnvoll und auch wichtig ist, auf solche wertenden Begriffe völlig zu verzichten und die Typenbilder so wertfrei wie möglich zu halten.

Drei Gründe hierfür: Erstens: Menschen können sich hinsichtlich ihrer "Art" ändern, jedoch nicht in dem, was ihren Typus ausmacht (höchstwahrscheinlich).

Zweitens: Bewertungen entstehen stets zwischen (!) zwei Menschen - der Typus hingegen ist etwas, das direkt mit einem Menschen verbunden ist. So kann für mich ein Mensch "neutral" wirken, auf jemand anderen jedoch "gut".

Und Drittens: Kein Mensch ist "nur gut" oder "nur schlecht". Auch ein Heiliger hat sicher ab und zu Anflüge von Bosheit und selbst der schlimmste Verbrecher wurde sicher nicht als solcher geboren oder besteht nur aus "Bösem".


Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 12: Aha? So, so. Na klar!
Ich benutze das Modell der Psychographie dafür, in den ersten 2-3 Unterrichtsstunden meiner Kommunikationsseminare einen nachhaltigen Aha-Effekt zu erzeugen.

Meine Teilnehmer sollen dabei keine Psychographen werden, aber ihr Bewusstsein
für die unterschiedlichen Hintergründe entwickeln vor denen Menschen miteinander umgehen, ihr Leben gestalten und Missverständnisse eskalieren.
So erzeuge ich Neugier und Betroffenheit als Grundlage für die Lernbereitschaft der TeilnehmerInnen.

Ich stelle anschließend eine wesentliche Motivationssteigerung zum Erlernen der wichtigsten Regeln gelingender Kommunikation fest. Wenn danach Teilnehmer mehr über Psychographie erfahren wollen, was häufig der Fall war, bekommen Sie von mir neben weiterführenden Antworten den Link auf die wunderschöne
www.dreifarbenwelt.de (auch für Erwachsene!) und den Hinweis auf Werner Winklers Buch.

Text: Bernhard Heerdt
www.sprechmanufactur.de

Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 11: Typgerechte Vorsätze fürs Neue Jahr.
Demnächst ist es wieder soweit: Ein neuer Kalender und eine neue Jahreszahl laden uns ein, alles anders und besser zu machen.

Für die Sammlung an guten Vorsätzen möchte daher ich einige für jeden Typus anbieten:

Beziehungstypen/Relationiker: Nur ein Drittel so viel verschiedene Dinge anfangen und dafür dreimal so viel Zeit nehmen.

Sachtypen/Temporiker: Dreimal so viel wegwerfen wie bisher, dreimal so schnell aktiv werden, dreimal so häufig "Nein" sagen.

Handlungstypen/Aktioniker: Dreimal so häufig lächeln, dreimal so oft eine Verschnaufpause einlegen und etwas Schönes genießen, dreimal so viel Nachsicht mit sich selbst und seinen Unperfektheiten üben.

... und wenn es dann nur halb so oft klappt, wie vorgenommen, ist trotzdem eine Menge erreicht :)


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 10: Typanalyse statt Psychoanalyse?
Neulich schrieb mir jemand: "Ich würde gerne eine Typanalyse bei Ihnen machen lassen".

Und da ich sehr auf "erwünschte Ausnahmen" achte - also auf Ereignisse, von denen ich mir wünsche, dass sie öfters passieren, hielt ich kurz inne und freute mich.

Denn wäre es nicht wundervoll, wenn in einigen Jahren oder Jahrzehnten überall auf der Welt Menschen diesen speziellen Blick auf sich selbst, den eine Typanalyse (oder "Stärken-Profil-Analyse") bietet, erleben könnten?

Mir scheint - ohne damit den Psychoanalytikern zu nahe treten zu wollen - dass das es wesentlich wirkungsvoller wäre, zwei Stunden damit zu verbringen als 200 Stunden auf einer Couch ins Leere zu sprechen.

In diesem Sinne: Mehr von dieser Ausnahme in 2011!


Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 9: Mehr Erfolg der Psychographie?
Eine immer wieder gestellte Frage lautet:
Warum ist die Psychographie noch nicht erfolgreicher, verbreiteter, bekannter?

Die für mich plausibelste Antwort darauf ist, dass es sich beim psychographischen Wissen um mehr handelt, als nur etwas "Fachkenntnis", die ich mir an einem Wochenende oder aus einem Buch aneignen kann.

Um mit diesem Modell zu arbeiten, muss ich mich selbst in einer Weise einlassen, die für viele andere Modelle nicht notwendig ist. So kann ich z.B. bereits nach einem Crashkurs in Lösungsorientierter Gesprächsführung die dort gelernten Fragen stellen und werde einen guten Effekt erzielen.

Aber um mit den Typunterschieden zu arbeiten, muss ich zunächst mich selbst aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachten (lassen) - und das erfordert Mut, Offenheit und auch etwas Zeit, um die so gewonnenen Erkenntnisse zu verarbeiten und in den Alltag zu übertragen.

Der Tipp der Woche lautet daher: Nichts überstürzen! Die guten Dinge verbreiten sich in aller Regel im Laufe der Zeit und mit denen, die sie benutzen.  


Text und Redaktion: Werner Winkler

Tipp Nr. 8: Typmerkmale sicher kennen
Eine einfache Übungs- und Testmöglichkeit zur sicheren Erkennung der Typenmerkmale (Grund- und Untertypen) bieten die auf der Seite www.psychographen.de zu findenden Typentests:

Nehmen Sie sich vor, nur die Merkmale eines Typs anzukreuzen (z.B. Sachtypen oder Macher). Bei diesen kreuzen Sie jeweils 5 Punkte an, alle anderen lassen Sie leer. Beim Ergebnis müssten dann 100% für den ausgewählten Typ erscheinen, falls Sie alle korrekt angekreuzt haben.

Wissen Sie bei einem Text (Item) nicht, zu welchem Typus dieser gehört, kreuzen Sie nur diesen an und gehen dann gleich zur Auswertung.

Vier Beispiele als Test: Zu welchen Typen/Untertypen gehören diese Beschreibungen? (Lösungen weiter unten)

(1) .... vermeidet es, deutlich "Nein" zu sagen bzw. etwas abzubrechen, das schon längere Zeit besteht, zu kündigen, sich zu trennen, Telefongespräche zu beenden etc.

(2) .... redet vom Du, obwohl von sich selbst erzählt wird

(3) .... erinnert sich detailliert an sehr viele frühere Ereignisse

(4) .... neigt dazu, gegenüber jemandem, der viel spricht längere Zeit still zu sein

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Richtige Zuordnung:
(1) Sachtyp
(2) Du-Bezogener
(3) Vergangenheitsorientierter
(4) Denker


Text und Redaktion: Werner Winkler


Tipp Nr. 7: Typverdacht - Sprachmuster
Als ich 1997 begann, nach Merkmalen für offenkundigen Typunterschieden zu suchen, fiel mir recht bald auf, dass je nach Grundtyp bestimmte spontane Äußerungen als Hinweisgeber taugen.

Beziehungstyp/Relationiker:
antwortet sehr rasch und häufig mit "Ja" oder auch "Jaja" bzw. ähnlichen Wörtern (Okay, klar, gut, prima, toll, logo usw.) und unterstreicht die durch ein offenes-fröhliches Gesicht oder auch durch zustimmende Handbewegungen (Daumen nach oben etc.).

Sachtyp/Temporiker:
setzt oft Pausen, auch vor einer Antwort bzw. ergänzt seine Aussagen häufig mit "tja, hm" oder auch mit "vielleicht", "womöglich", "denkbar dass", "könnte sein dass" - manchmal begleitet mit einem langsamen Bewegen des Kopfes, der Unentschlossenheit signalisieren soll.

Handlungstyp/Aktioniker:
beginnt viele Sätze mit "Nein" oder antwortet spontan mit "Mehrfach-Neins" (gezählt wurden bis zu sieben Neins am Stück!) bzw. anderen verneinend-abwehrenden Wörtern wie "Ne", "Nicht doch" und Kopfschütteln. Abwehrende Handbewegungen sind auch zu beobachten.

Eine ausführliche Sammlung von "Lieblingswörtern" findet sich auf http://www.psychographium.de/woerter.htm
Tipp Nr. 6: Äußerliche Typverdachts-Merkmale
Auch wenn das natürlich keine "sicheren" Merkmale sind, wie im letzten Tipp der Woche erläutert, sind die folgenden Merkmale doch immer wieder hilfreich für den "ersten Verdacht":

Beziehungstyp/Relationiker:
vielfältige Mimik, die einen Rückschluss auf den emotionalen Zustand zulässt

Sachtyp/Temporiker:
lockerer, entspannter Körpertonus wird immer dann eingenommen, wenn möglich - auch beim Gehen oder Sitzen ("Stand-by-Modus")

Handlungstyp/Aktioniker:
hohe Körperspannung, aufrechter und oft "marschähnlicher" Gang sowie die anhaltend parallelen Handbewegungen, die wie Schnitte in die Luft ausgeführt werden, um das zu unterstreichen, was gesagt wird
Tipp Nr. 5: Verdacht und Analyse
Bei der Frage: "Zu welcher Gruppe bzw. zu welchem Typus gehört ein Mensch?" sollten wir wirklich streng zwischen dem "Verdacht" und der "Analyse" unterscheiden.

Die fachlich angemessene "Analyse" braucht sowohl den Fachkundigen (mit seiner Kenntnis des Modells und der Zugehörigkeitskriterien) als auch denjenigen, der wissen möchte, zu welcher der drei Gruppen er gehört. Daher der Begriff der "konsensuellen Typanalyse" bzw. "Stärken-Profil-Analyse".

Anders bei der Bildung eines "Verdachts": Hier kann ich etwa in einer Alltagssituation den Eindruck bekommen, Herr X. könne zur Gruppe der Beziehungstypen/Relationiker gehören. Er selbst bekommt davon überhaupt nichts mit, außer vielleicht dass ich mehr auf die Dinge eingehe, die für diese Gruppe von besonderer Bedeutung sind.

Auf diesem "Verdacht" basierend sind auch die Zuordnungslisten der Prominenten in den Büchern oder im Internet (z.B. auf www.psychographie.de/prominente.htm) erstellt worden. Trotzdem brauchen wir auch diese Methode, trotz ihrer Grenze, für die Anwendung.

Und je länger man sich mit dem Thema befasst und mit je mehr Menschen man eine fachlich korrekte Analyse durchgeführt hat (und damit seinen Verdacht bestätigt oder verworfen sieht), optimiert man auch die Fähigkeit, oft in wenigen Momenten "richtig" zuzuordnen.

Ein Beispiel: Neulich saß in einer Gruppe mir unbekannter Menschen jemand, der mich spontan an den Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse erinnerte. Innerlich machte ich also einen kleinen Bleistiftvermerk "Sachtyp-Verdacht" und beobachtete ihn weiter. Als er an die Reihe kam, seine Meinung zu einem Projekt zu äußern, ging es ihm besonders darum, dass man sachlich bleibt, sich an Themen hält und die Organisation nicht übertreibt - weil er die bisher etwas sehr chaotische Entwicklung des Projekts so angenehm erlebt habe. Ihm war auch die Zeit, die für die Diskussion zur Verfügung stand, viel zu kurz. Ich habe dann später, als ich ihm an einem Punkt widersprechen musste, versucht, dies möglichst dezent und unter spezieller Würdigung seines Standpunktes zu tun. Er wirkte dabei so, als könne er meine Kritik annehmen, was meinen Verdacht weiter festigte.

Mehr dazu nächste Woche ...
Tipp Nr. 4: Das fehlende Dritte.
Eine der Hauptinnovationen des psychographischen Modells: die Triaden.

Wo z.B. bei Martin Buber nur von "Ich und Du" (1923) die Rede ist oder bei Erich Fromm von "To Have or to Be?" (dt. "Haben oder Sein", 1976) - kommt nun das "Wir" als drittes Element zum Ich und Du, und das "Können" zum Haben und Sein.

Ein kleiner Test: Ergänzen Sie das fehlende Dritte:

Ja-Nein-.....
Theorie-Praxis-....
gut-schlecht-.....
Herz-Hand-....
Saat-Ernte-....
Flucht-Angriff-...

Die Lösungen finden Sie, wenn Sie nach unten scrollen:
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Ja-Nein-Vielleicht
Theorie-Praxis-Innovation/Idee
gut-schlecht-neutral
Herz-Hand-Kopf
Saat-Ernte-Pflege
Flucht-Angriff-Verteidigung


Tipp Nr. 3: Das Doppelgänger-Phänomen
Die erste Bundesratspräsidentin Deutschlands und Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, wir von vielen als "Doppelgängerin" von Angela Merkel wahrgenommen - nicht nur optisch, sondern auch von ihrem Verhaltensmuster her.

Als Psychographen benutzen wir das Wort "psychographischer Zwilling" dann, wenn zwei Personen die gleiche Typkombination zeigen (also im Falle der beiden angesprochenen vermutlich: Sachtyp/Temporiker, wir-bezogen, zukunftsorientiert, Denker - Typencode 2332).

Warum sich bei gleichen Bevorzugungen häufig auch optische Ähnlichkeiten zeigen, gehört zu den noch nicht geklärten Fragen der Psychographie - auch deshalb, weil diese einerseits nicht immer vorkommen und andererseits wenn sie auftauchen (also wenn uns jemand massiv an einen uns bekannten Menschen erinnert), dann auch sehr oft die gleichen Bevorzugungen auftauchen.

Ich nutze das durchaus als einen Hinweisgeber bei der Typanalyse (zumindest als Typverdacht).

Auch unser derzeitiger Bundespräsident Christian Wulff hat im Bundestag einen solchen "Doppelgänger": http://www.picsearch.de/index.cgi?cols=4&width=737&q=clemens+binninger - ich selbst kenne drei Männer in ähnlichem Alter wie der Bundespräsident, die ihm ebenfalls sehr gleich sehen und die ich als Sachtyp/Temporiker, ich-bezogen, gegenwartsorientiert und Macher typisiert habe. Vielleicht ergibt sich ja einmal die Gelegenheit, das zu überprüfen?

Eine Diskussion zu diesem Thema findet sich übrigens hier: http://www.psychographen.de/forum/?file=forum_show&id=116&showselect=all

Text und Redaktion:
Werner Winkler
Tipp Nr. 2: Ist kostenlos automatisch billig?
Ist kostenlos automatisch billig?

Es ist zwar in Zeiten des Internets üblich, viele Dokumente, Dienste und Informationen kostenlos zur Verfügung zu haben - trotzdem höre ich manchmal, die vielen Angebote der Psychographie-Initiative könnten als "billig" missverstanden werden, wenn andere Typologien ihre Erkenntnisse, Tests und Analysen nur gegen einen entsprechenden Obulus, teure Ausbildungen oder an lizenzierte Geschäftspartner herausrücken.

Wie kam es dazu, dass "hier" so vieles kostenlos zu haben ist? Als wir 1999 den Verein mit 12 Gründungsmitglieder mit dem Ziel gründeten, eine Plattform für den Erfahrungsaustausch für diejenigen zu haben, die mit diesem Modell arbeiten, war auch rasch klar, dass wir das als gemeinnütziger Verein tun wollten. Und obwohl uns das nicht bewusst war, macht, wenn en wir das, was inzwischen als "Linux-Prinzip" oder "Wikipedia-Prinzip" bekannt ist: Jeder bringt seine Kompetenzen ein, wenn er sie hat und kann gleichzeitig davon profitieren - und zwar ohne ständig eine Rechnung schreiben zu müssen oder eine zu bekommen.

Gegenseitigkeit ist also eines der Fundamente des bisher erzielten Erfolgs und die vielen Angebote auf www.psychographen.de - gerade bei den Downloads*, die viel genutzt werden, wie uns die Auswertungen zeigen - sind zwar gratis zu haben, aber deswegen nicht billig. Sie sind möglich geworden, weil die (aktuell ca. 160) Vereinsmitglieder seit Jahren ihren relativ geringen Beitrag von 20 Euro pro Jahr bezahlen und so die Mittel für dieses "Geschäft auf Gegenseitigkeit" - und zum Nutzen der Allgemeinheit - bereitstellen.

An dieser Stelle also ein großes Dankeschön an alle derzeitigen Mitglieder und eine freundliche Einladung an diejenigen, die es gerne werden wollen!

* ganz aktuell dort: die neueste Version der "Stärken-Profil-Analysen"-Auswertung.


Text und Redaktion: Werner Winkler
Tipp Nr. 1: Kleine Häppchen gefällig?
Wie vom Vorstand der Psychographie-Initiative beschlossen, servieren wir euch künftig jeweils Sonntags um 12 Uhr ein "kleines Häppchen" vom reichhaltigen Büffet der Psychographie als Tipp der Woche.

Heute: Die Triade "Ja/Vielleicht/Nein" und ihre Verwendung im Alltag.

Wie inzwischen bekannt, hat jeder von uns seine Lieblingsecke in einer Triade und neigt dazu, diese übertrieben oft einzusetzen und die nachfolgende eher zu vergessen.

Während also Beziehungstyp-Menschen reflexartig ein "Ja" auf den Lippen haben, verschaffen sich Menschen der Sachtyp-Gruppe mit ihrem "Vielleicht" ausreichend Zeit, um noch mehr Informationen einzuholen. Und wer sich als Handlungstyp kennt weiß auch, dass er ohne das regelmäßige "Nein" bald so viel um die Ohren hätte, dass er überhaupt nicht mehr zur Ruhe käme.

Zum Glück ist es relativ einfach, die eigene Schwachstelle (oder die der anwesenden Mitmenschen) zu trainieren: Als Beziehungstyp nehme ich mir vor, dem "Ja, ja ..." gleich ein "... moment, ich muss nochmal in Ruhe nachschauen, ob das geht" hinterher zu schieben. Als Sachtyp stecke ich mir ein kleines rotes Kärtchen in den Geldbeutel oder die Hosentasche, das mich an die Möglichkeit erinnert, "Nein" oder "Stop" sagen zu dürfen - auch wenn das schwer fällt. Und als Mensch aus der Handlungstyp-Gruppe genehmige ich mir mindestens einmal am Tag ein herzhaftes "Ja, gerne." und lasse mich auf Neues, fremde Menschen, ungewöhnliche Ideen oder einen Versuch ein - zwinge mich gewissermaßen zu meinem Glück.

Ergebnis: mehr Verständnis für die anderen beiden Gruppen, weniger Stress und neue Erfahrungen.

Gerne lesen wir dazu Erfahrungsberichte der Leser und berichten darüber in einem der nächsten Tipps der Woche!


Redaktion und Text: Werner Winkler